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Durch die französischen Alpen: Ausflug mit C42

Wo sonst gibt’s diese Vielfalt: wilde Schluchten, schneebedeckte Alpengipfel, liebliche Hügellandschaft, Fels- und Sandstrand-Küste, mittelalterliche Städte, Bergdörfer, Hafenmetropolen …? Südfrankreich verwöhnt seine Besucher! Ganz besonders, wenn sie die Region mit dem Flugzeug erkunden

Von Redaktion

Da ich bereits zum dritten Mal am „Ausflug“ des Rheinland-Pfälzischen Luftsportverbands in die französischen Seealpen (siehe fliegermagazin 9/04 und 7/05) teilnehmen konnte, gehörte ich diesmal fast schon zu den alten Hasen. Mit den ersten beiden Flügen nach Gap, 2005 und 2006, hatte ich mir eine solide Grundlage geschaffen: Streckenkenntnis, Routenplanung, Extremlandungen, Gefahrenerkennung, Funkerfahrung (sehr unkompliziert und sympathisch: Anmeldung, Überflug und Landung ohne Antwort vom Boden) und so weiter – das war alles nichts Neues mehr. Gute Voraussetzungen also, um nun die Teilnahme voll zu genießen und sich auf einige Highlights zu konzentrieren.


Doch dann begann schon beim Anflug nach Bremgarten alles etwas anders als geplant. Mit zwei C42 von Großenhain bei Dresden kommend, wollten wir in Mosbach zwischenlanden, meinen Co einsammeln und unsere Tanks zum Weiterflug füllen. Extremer Gegenwind und Umwege, die uns lokale Gewitter aufdrängten, ließen aber den Entschluss reifen, vorsorglich schon in Würzburg nachzutanken. Kurz vor Coburg verwarf ich auch diesen Gedanken und landete schon dort, weil ich keine Lust hatte, vielleicht drei Kilometer vor Würzburg wegen Benzinmangels vom Himmel zu fallen. Wir hatten mit unseren ULs teilweise Geschwindigkeiten von 45 km/h über Grund und waren der Ansicht, dass das schon beachtlich ist. Ein großer Irrtum, wie sich tags darauf herausstellte.

Bereits der dritte Ausflug in die französischen Alpen mit C42

Zunächst lief alles wie am Schnürchen. Bei gewohnt starkem Gegenwind ging’s von Bremgarten über Bourg-en-Bresse bis nach Grenoble. Die Burgundische Pforte, das Tor zu den Alpen, empfing uns mit Turbulenzen, wie ich sie bis dahin nicht gekannt hatte, und obwohl wir bereits in 5000 bis 6000 Fuß flogen, schielte ich des öfteren nach oben und wünschte mir, dass endlich jemand Erbarmen zeigt. Meine C42 führte sich auf, als würde ich ein wildes Rodeopferd einreiten. Meine rechte Hand war schweißnass. Seit langem musste ich mal wieder hart am Knüppel arbeiten; jetzt habe ich tiefen Respekt vor Rotorwalzen und Co. Als wir nach einer schieren Unendlichkeit Grenoble schließlich hinter uns hatten – nimmt das Geschüttel denn gar kein Ende mehr! –, wurde es zwar etwas ruhiger, sodass man sich die Hand kurz abwischen konnte, aber der Gegenwind nahm noch zu.

Über dem Tal mit den in der Erinnerung an unsere früheren Flüge so lieblich daliegenden drei Seen hatten wir eine Groundspeed von nur noch 30 km/h! Endlich kam das Plateau von Gap in Sicht, mit dem Pflichtmeldepunkt November, und siehe da: Der Himmel zeigte Erbarmen. Spät, aber nicht zu spät. Die Luft wurde wieder fliegbar. Bis Gap-Tallard war es nun ein Kinderspiel; nach einer Bilderbuchlandung, die bei diesem Wetter jeder hingekriegt hätte, waren wir am Ziel. Die Hölle lag hinter uns. Ich wunderte mich jedenfalls, dass mein nicht fliegender Co noch einigermaßen fit aussah. Am Abend, bei einer gut organisierten geselligen Runde, war der Flug zwar noch in aller Munde, doch innerlich hatten die meisten Pilot die Strapazen wohl schon hinter sich gelassen. Mit neuen Erfahrungen bereichert, fieberten wir bereits weiteren Herausforderungen entgegen.

Der nächste Tag, Montag, der 14. Mai, war wetterbedingt fliegerisch unbrauchbar, sodass wir beschlossen, nach dem Einkauf der wichtigsten Sachen im Dorf um die Ecke (Tallard), einen Abstecher in die Stadt Gap zu machen. Mit dem Linienbus einmal hin und zurück – ein Abenteuer der anderen Art, aber eine gute Alternative an einem Schlechtwettertag. Ab Dienstag hatten wir wieder Flugwetter. Zwar Mistral, doch der ließ uns nicht davor zurückschrecken, ans Mittelmeer zu fliegen. Landung in Fréjus: wieder Arbeit, aber Fahrwerk in Ordnung. Mit dem Taxi fuhren wir in zehn Minuten zu viert für 18 Euro nach St. Raphael, einer gemütlichen französischen Stadt an der Côte d’Azur, zwischen Cannes und St. Tropez. Das Mittelmeer ist um diese Jahreszeit schon warm genug zum Baden – wenn man aus Deutschland kommt. Die Einheimischen lehnen Wassertemperaturen um 17 Grad allerdings noch kategorisch ab und nehmen höchstens ein Sonnenbad.

Ein weiteres Ziel war Fayence, knapp 20 Kilometer westlich von Grasse. Gelandet waren wir dort bereits voriges Jahr, diesmal wollten wir die malerische alte Stadt am Hang erkunden und uns ihrem mediterranen Charme hingeben. Fayance, typisch französisch verträumt, strahlt eine Ruhe aus – dort könnte man seinen Fliegerlebensabend genießen und dabei 100 Jahre alt werden. Unter Segelfliegern genießt der Ort den Ruf eines Mekkas für ausgedehnte Wellenflüge. Vom Platz ist man zu Fuß in 15 Minuten in der Stadt und in 20 auf dem Aussichtspunkt über der Stadt, mit Blick auf die herrlichen alten Dächer, den Flugplatz und die Berge ringsum. Die Wahl einer Kneipe fiel uns schwer, weil eine schöner und einladender ist als die andere. Leider mussten wir wieder los – au revoir Fayence, wir empfehlen dich weiter! Nach dem Start drehten wir auf Kurs Nord-Nordwest in Richtung Castellane. Dort erwartete uns ein ganz besonderer Höhepunkt: Wir wollten den kompletten Grand Canyon du Verdon bis zu seiner Einmündung in den Lac de Ste.-Croix abfliegen. Die Schlucht ist der größte Canyon Europas und der zweitgrößte der Welt.

Flug in den Grand Canyon du Verdon, den zweitgrößten Canyon der Welt

Diese bizarre Wildheit – einfach wunderbar! Wir bestaunten die steilen, tiefen Flanken, genossen die faszinierenden Aus- und Einblicke und waren verblüfft über das kleine Rinnsal ganz unten, den Verdon, dessen azurblaues Wasser sich seinen Weg zur Durance sucht. Für den nächsten Tag nahmen wir uns L’ Alpe d’ Huez vor. Die Zeit für diesen Altiport war reif. Flugvorbereitung und dann mit zwei C42 und einer Rans S-6S los. Dieser Platz ist vielleicht einmalig in den Alpen. Schon der Flug dorthin. Man nähert sich dem Ziel durch ein langgestrecktes grünes Tal gemütlich in 4000 Fuß. Am Ende des Tals, in einer Erweiterung nach rechts um eine Bergkante herum, liegt plötzlich direkt vor dir am Hang dieser kleine asphaltierten Altiport mit 19 Prozent Steigung, von weitem so groß wie zwei Zentimeter Heftpflaster.

Genau betrachtet liegt er über dir, denn seine Höhe beträgt 6100 Fuß, und man muss zur Landung steigen – eigentlich nicht normal, oder? Nach einer extravaganten Platzrunde gegen den Hang nochmal zurück mit einer Acht und dann die Schwelle angeflogen … und Gas … geschafft! Nach kurzer Zeit fanden sich alle drei ULs auf dem Abstellplatz ein, und Piloten wie Cos waren glücklich, bewegt. Grandios, dieser Platz und dieser Anflug, ein absolutes Muss. Zu guter Letzt wollte ich dieses Jahr so nah wie möglich an seine Majestät, den Mont Blanc, heranfliegen, und auch dieser Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Das Gefühl ist unbeschreiblich, als kleines Menschenkind in seinem winzigen UL vor diesem gewaltigem Bergmassiv zu fliegen. Auge in Auge. Ich fühlte mich wie eine Fliege vor einem Felsbrocken, der weiße Gigant hat mir ungeheuren Respekt eingeflößt; den kurzen Gedanken, ihn zu umfliegen, habe ich schnell wieder verworfen: Wie lang würde man dazu brauchen? Wo gäbe es Notlandemöglichkeiten?

Würdiger Abschluss: Besuch des Mont Blanc aus der Luft

Trotzdem war der Mont-Blanc-Besuch ein würdiger Abschluss einer Tour, die man als rundum gelungen bezeichnen kann – nicht nur wegen der perfekten Organisation unter Regie von Carl-Otto Weßel, sondern auch weil diesmal speziell das Wetter den Crews und den Flugzeugen fast schon Himmlisches abverlangte. Teilweise haben wir uns am Limit bewegt – doch so konnten wir ganz neue Flugsituationen kennenlernen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Carl-Otto wird ein Stein vom Herzen gefallen sein, als der Letzte von uns in Bremgarten gelandet und damit seine „Mission“ auch diesmal wieder heil beendet war. Interessenten an einem seiner Ausflüge nach Südfrankreich kann ich nur empfehlen: Setzt Euch bald mit Carl-Otto Weßel in Verbindung (Telefon 0 67 51/23 08, E- Mail geschaeftsfuehrer@lsvrp.de) und werft alle Bedenken über Bord, denn diese Tour wird Euch als einmaliges Erlebnis in Erinnerung bleiben

Text: Günther Steglich, Fotos: Bernd Juraschek, fliegermagazin 2/2008

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