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Vorbereitung zählt: Tipps zum Fliegen in den USA

Wer sich zu Hause schon mal mit den US-Verfahren vertraut macht und 
per Internet in den Funk reinhört, hat mehr vom Urlaub im Fliegerparadies

Von Thomas Borchert
Foto: Claudia Stock

Ein klares Ja verdient die Frage, ob sich das Fliegen in den USA lohnt. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Allgemeine Luftfahrt dort in den Alltag integriert ist, ist ein verlockender Perspektivwechsel für europäische Piloten. Hinzu kommen atemberaubende Landschaften und eine große Auswahl an Flugzeugen. Schließlich sind die niedrigen Preise unwiderstehlich: Selbst wer in seinem US-Urlaub nur 15 bis 20 Stunden fliegt, kommt in der Regel inklusive Anreise per Linienflug billiger weg als bei uns. Dass die Regeln in den Vereinigten Staaten Vorbereitung und Umgewöhnung erfordern, sollte niemanden abschrecken – so kompliziert ist es nicht.


Das Standardwerk für alle Informationen um Chartern und Schulung in den Vereinigten Staaten ist das Buch „Fliegen in den USA“ von Klaus-Jürgen Schwahn. In diesen Wochen erscheint nach elf Jahren die neunte, vollständig überarbeitete Auflage (ISBN 978-3-931270-04-9) zum Preis von 27,50 Euro. Dabei werden auch die Änderungen durch die neuen EASA-Vorschriften berücksichtigt. Einige wichtige Fragen beantworten wir im Folgenden.

Ist Schulung in
den USA sinnvoll?


Die Flugausbildung in den USA ist sehr viel praxisnäher als bei uns. Auch akzeptieren US-Fliegerärzte manche Krankheiten, die in Europa zur Untauglichkeit führen. Dennoch ist die Allgemeine Luftfahrt in den USA sicherer. Die Umschreibung eines amerikanischen VFR-PPL in eine EU-Lizenz ist allerdings nicht ganz einfach: Verlangt werden 100 Stunden Gesamtflugerfahrung (inklusive Schulungszeit), eine Theorieprüfung in Luftrecht und Menschliches Leistungsvermögen sowie eine praktische Prüfung.


Wenn die neuen EASA-Regeln für die Instrumentenflugberechtigung (siehe fliegermagazin, 12/2012) wie geplant verabschiedet werden, machen sie die IFR-Ausbildung in den USA wieder sehr interessant. Denn die Umschreibung ist schon nach 50 Stunden IFR-Flugerfahrung möglich. Außerdem wird nur noch ein Prüfungsflug verlangt, in dessen Rahmen dem Prüfer auch die theoretischen Kenntnisse in den Fächern Luftrecht, Meteorologie sowie Flugplanung und Durchführung nachgewiesen werden. Eine Theorieprüfung gibt es nicht mehr.

Kann ich allein mit der 
US-Lizenz in Europa N-registrierte Maschinen fliegen?


Von April 2014 an verlangt die EASA von EU-Bürgern zusätzlich die EASA-Lizenz. In deren Ausstellungsland darf nach den US-Regeln sogar ohne US-Lizenz geflogen werden.


Wann muss ich den 
TSA-Check machen?


Wer neue fliegerische Kenntnisse in den USA erwerben will, braucht dazu eine Genehmigung der Transportation Security Administration (TSA). Dies gilt etwa beim Neuerwerb des US-PPL oder des Instrument Rating. Bei einer Validierung ist der TSA-Check jedoch nicht erforderlich.



Brauche ich ein Visum?


Wenn eine neue Berechtigung erworben wird (keine Validierung einer existierenden) und dies der Hauptzweck Ihrer Reise in die USA ist, dann ist ein Visum erforderlich. Visapflichtige Ausbildungen dürfen nur Flugschulen durchführen, die nach Part 141 der US-Luftfahrtgesetze zugelassen sind. Die meisten Schulen haben nur eine Zulassung nach Part 61.


Wie läuft die Validierung ab?


Regionale Büros der FAA oder dafür zugelassene Prüfer können europäische VFR-Lizenzen, die ICAO-konform sind, validieren. Vorher ist schon von zu Hause ein Antrag zu stellen, damit die FAA prüfen kann, ob es Ihre Lizenz hierzulande überhaupt gibt. In ein Regional-Büro der FAA (FSDO) kommen Sie nur nach Terminvereinbarung; Prüfer nehmen eine Gebühr für ihre Dienstleistung. Wenn Ihrem Gegenüber im lockeren Gespräch die Englischkenntnisse ausreichend erscheinen, wird Ihnen direkt eine vorläufige US-Lizenz auf Basis ihrer europäischen Berechtigung ausgestellt. Ein US-Medical ist nicht erforderlich. Inhaber einer IFR-Berechtigung können diese validieren lassen, wenn sie eine Theorieprüfung mit 50 Fragen bestehen.


Sobald sich der europäische Schein ändert, wird die darauf beruhende validierte US-Lizenz ungültig. Das wird für alle EU-Piloten der Fall sein, wenn sie bis 2018 ihre neue EASA-Lizenz erhalten.



Was hat es mit dem 
Flight Review auf sich?


Jeder Inhaber einer US-Lizenz muss, wenn er als PIC tätig werden will, innerhalb der letzten zwei Jahre einen Flight Review mit einem Fluglehrer absolviert haben, den dieser im Flugbuch bestätigt. Dies ist eine Art Übungsflug von mindestens einer Stunde Dauer und zusätzlich einer Stunde Theorie am Boden. Man kann nicht durchfallen, allerdings muss der Lehrer mit den Fähigkeiten des Piloten zufrieden sein. Viele europäische Piloten glauben, dass der Flight Review für eine validierte Lizenz nicht erforderlich sei, weil ja die zugrunde liegende EU-Lizenz gültig ist. Doch das ist falsch. Für US-Einsteiger lässt sich der Flight Review gut mit einer Einweisung in die Verhältnisse des Landes verbinden – was allerdings länger als nur eine Stunde dauern wird.



Wie viel Englisch muss ich können?

Damit ein Fliegerurlaub und erst recht eine Schulung Spaß machen, sollte man einigermaßen gut Englisch sprechen. Noch wichtiger ist der Wille, dazuzulernen. Denn viele Vokabeln kann man in den USA oder bei der Vorbereitung auf die Reise lernen. Wer überlegt, nach einem deutschsprachigen Fluglehrer zu fragen, wird beim Fliegen in den USA wenig Freude haben. 



Foto: Niels Stark
Schicke Plastikarte: Orville und Wilbur Wright zieren das US-amerikanische Pilot Certificate, auf dem automatisch „English Proficient“ eingetragen wird (Foto: Niels Stark)

Wie kann ich Funken lernen?


Flugfunk in den USA ist geprägt von Slang und uns unbekannten Kürzeln. Auch wenn es anfangs nicht so scheint, hört man sich innerhalb weniger Tage hinein. Auf www.liveatc.net können bereits vor der Reise Funkgespräche abgehört werden – meist sogar von dem Flugplatz, an dem man später fliegen will. Der US-Verlag ASA (www.asa2fly.com) gibt ein Buch und eine PC-Software namens „Say again“ heraus, die Sprechgruppen und Verfahren systematisch erklären.

Was habe ich vom 
Chartern in den USA?


Preis, Flugzeugauswahl, bestes Flugwetter und tolle Landschaften sind die Attraktionen beim Chartern in den USA. Eine Cessna 172 gibt es oft schon für etwa 100 US-Dollar pro Stunde. Abgerechnet wird übrigens nach Motorlaufzeit (hobbs time). 



Wie finde ich 
einen Vercharterer?


Im Internet fängt die Recherche an. Bei Ihrem ersten Besuch in den USA ist es sicher hilfreich, wenn der Vercharterer (der meist auch eine Flugschule betreibt) Erfahrung mit ausländischen Besuchern hat, was bei jenen der Fall sein dürfte, die in deutschen Zeitschriften wie dem fliegermagazin inserieren.

Rufen Sie an, um Details zu klären. Wichtige Fragen sind etwa: Welche Voraussetzungen an Flugerfahrung und Berechtigungen werden für Ihre Wunschmaschine verlangt? Komplexe Flugzeuge können oft nur Inhaber einer Instrumentenflugberechtigung mieten. Wie hoch ist die Selbstbeteiligung der Versicherung bei einem Schaden? Bis zu 2000 US-Dollar sind üblich; der Abschluss einer Zusatzversicherung ist möglich. Welche Minimalnutzung veranschlagt der Vercharterer pro Tag, wenn die Maschine längere Zeit gebucht wird? Zwei bis drei Stunden sind gängig, allerdings sollte man bei einem konkreten Reisevorhaben nachverhandeln. Gibt es Einschränkungen bei der Benutzung? Oft sind Auslandsflüge verboten, ebenso fast immer die Benutzung von Grasplätzen. Wie läuft die Abrechnung? Manche Vercharterer berechnen einen Trockenpreis, andere geben eine Gutschrift bei Fremdbetankungen, die meist dem Avgas-Preis am Heimatplatz entspricht.

Wie läuft der Checkflug ab?

Am Anfang steht immer ein Checkflug mit einem Fluglehrer. Nehmen Sie diesen nicht auf die leichte Schulter: Der Vercharterer will wissen, ob er Ihnen sein kostbares Flugzeug anvertrauen kann, ohne sich Ärger einzuhandeln. US-Fluglehrer erwarten, dass Sie das (meist im Internet zu findende) Handbuch der Maschine kennen, die relevanten Speeds des Flugzeugs auswendig wissen und sich für Weight & Balance- sowie Startstreckenberechnungen interessieren. Viele Vercharterer lassen Sie vor dem Checkflug einen kleinen Fragebogen mit einer Art Theorieprüfung ausfüllen, bei der Sie allerdings im Handbuch nachschlagen dürfen. So etwas heißt auf Englisch „open book exam“.

Beim Checkflug wird es auch darum gehen, ob Sie mit den US-amerikanischen Verfahren vertraut sind und den Funksprechverkehr beherrschen. Denn schließlich werden Sie nachher alleine mit dem Flugzeug in die amerikanische Fliegerfreiheit entlassen.

fliegermagazin 1/2013

Über den Autor
Thomas Borchert

Thomas Borchert begann 1983 in Uetersen mit dem Segelfliegen. Es folgte eine Motorsegler-Lizenz und schließlich die PPL in den USA, die dann in Deutschland umgeschrieben wurde. 2006 kam die Instrumentenflugberechtigung hinzu. Der 1962 geborene Diplom-Physiker kam Anfang 2009 vom stern zum fliegermagazin. Er fliegt derzeit vor allem Chartermaschinen vom Typ Cirrus SR22T, am liebsten auf längeren Reisen und gerne auch in den USA.

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