/
Fliegerclub Moosburg – Vom Cockpit hinter den Tresen
Rund 50 Kilometer nordöstlich von München liegt direkt an der Isar der Sonderlandeplatz Moosburg auf der Kippe (EDPI). Die Pilotinnen und Piloten des lokalen Fliegerclubs betreiben ihren Platz komplett in Eigenregie. Das Vereinsheim gilt in der Region als beliebtes Ausflugsziel – auch für Fußgänger.
Moosburg auf der Kippe lässt sich leicht finden. Denn Mittlerer Isarkanal, die Autobahn A 92 und die Isar markieren die Motorplatzrunde. Etwas Vorsicht ist trotzdem geboten, denn an der Südseite der Platzrunde beginnt gleich die Kontrollzone des Münchner Flughafens. Weite Felder sowie mehrere kleinere Seen ziehen beim Anflug durch das Sichtfeld und lassen pure Pilotenromantik aufkommen – speziell beim Fliegen im Sonnenauf- oder untergang. Betrieben wird der Platz vom Fliegerclub Moosburg. Der Verein hat hier einiges auf die Beine gestellt.

Gleich nach der Landung begrüßt mich Larissa Lotze, die sich im Verein besonders um Social Media und Öffentlichkeitsarbeit kümmert. Sofort geht es zum Vereinsheim am Turm. Ich merke gleich: Hier wird Vereinsleben zelebriert – vom Fahren des Follow-me-Autos bis zur Durchführung von Events. Der Fliegerclub Moosburg zählt rund 60 aktive und etwa 140 fördernde Mitglieder, die sich für Erhalt und Ausbau des Flugsports engagieren. Gegründet wurde der Club 1962 von acht flugbegeisterten Pionieren. Noch im selben Jahr erhielt das Fluggelände »auf der Kippe« nach 40 Probestarts die offizielle Genehmigung als Sonderlandeplatz.
Gastro steht im Dienstplan
Inzwischen sind Verein und Fluggelände fest in der Region verwurzelt. Viele Radfahrer, Wanderer und Familien haben den Platz als Ausflugsort entdeckt. Ein Kinderspielplatz beschäftigt den Nachwuchs, sodass die Großen in Ruhe die Gastronomie des Vereinsheims nutzen können. So gewinnt man Mitglieder. Der Club bewirtschaftet seine Küche in Eigenregie – es gibt keinen Pächter. Die Gastronomie wird im charmanten Rotationsprinzip betrieben. Jedes Vereinsmitglied bekommt regelmäßig die Gelegenheit, seine kulinarischen Talente unter Beweis zu stellen.

Fliegerclub ist für Platz und Flugbetrieb zuständig. Bild: Bastian Priegnitz
Das Konzept geht auf – was sich auch im Getränkeverbrauch niederschlägt, insbesondere wenn es um das erfrischende Augustiner geht. Der Club wird sogar direkt von der Brauerei beliefert. Ein eigenes Schild am Eingang, ein besonderes Privileg in der Gastronomie, zeugt von guter Partnerschaft. Eins ist hier allerdings besonders: Rund 90 Prozent der Bierspezialitäten gehen alkoholfrei über den Tresen.

Die Ausbildung im Verein beginnt aus Lärmschutzgründen grundsätzlich mit Segelflug. Erst wenn die Segelfluglizenz in der Tasche steckt, kann es mit der Motorsegler- oder Motorflugausbildung weitergehen. Der Flugplatz Moosburg liegt nahe an der Kontrollzone von München. Besonders südlich des Platzes ist daher Vorsicht geboten, um nicht unbeabsichtigt in den kontrollierten Luftraum zu geraten. Der Luftraum C beginnt über der Bahn bereits ab 3.500 Fuß MSL und erstreckt sich ein gutes Stück nördlich des Flugplatzes. Piloten müssen sich daher sorgfältig mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut
machen. Zum Schutz der Umgebung dürfen am Flugplatz Moosburg nur Luftfahrzeuge mit erhöhtem Lärmschutz betrieben werden. Zudem gibt es an Sonn- und Feiertagen eine selbst auferlegte Mittagspause. Gastflugzeuge ohne erhöhten Lärmschutz dürfen nur in begrenztem Umfang starten und landen. Ausnahmen gibt es allerdings zu Veranstaltungen wie Flugplatzfesten. Für Gäste ist der Platz nur mit vorheriger PPR-Genehmigung besuchbar.
Eine bunte Flotte
Der Verein betreibt insgesamt sieben Flugzeuge. Die Segelflieger heben mit ASK 21, Duo Discus, Discus CS und LS1-f ab. Als Motorsegler steht eine Super Dimona bereit. Für den Motorflug sind eine Cessna 182 und eine Husky A1-B im Einsatz. Letztere wird natürlich auch für den Segelflugzeugschlepp genutzt. Darüber hinaus stehen diverse private Maschinen am Platz, beispielsweise eine weitere Husky sowie eine Pitts Special mit Rauchanlage.


Viele Wartungsarbeiten werden in Eigenregie erledigt. Dabei ist die Werkstatt innovativ. Für die Rümpfe der Segelflugzeuge hat der Verein ein Drehgestell entwickelt. Damit kann der Rumpf zur Wartung in fast jede beliebige Position gebracht werden. Wir durften die Konstruktion auch in Aktion begutachten. Der Erfindergeist zeigt gut, wie viel Herzblut hier in den Luftsport fließt.
Regelmäßige Fly-ins
Zweimal im Jahr veranstaltet der Fliegerclub Moosburg ein großes Flugplatzfest. Am Samstag findet traditionell ein Fly-in statt, während am Sonntag einer der größten Flohmärkte Bayerns direkt auf der Landebahn durchgeführt wird. Diese Events locken zahlreiche Besucher an und sind ein echtes Highlight im Vereinsleben. Die Fly-ins für das Jahr 2026 sind bereits in Planung. Sie finden voraussichtlich am Pfingstwochenende (23./24. Mai) und am ersten Wochenende im September (5./6.) statt. Zu Pfingsten ist sogar ein Bandauftritt geplant. Alle Infos werden auf der Vereinswebsite www.fliegerclub-moosburg.de veröffentlicht. Diese Großereignisse, die teils bis zu 5000 Gäste anlocken, zeigen den starken Zusammenhalt innerhalb des Vereins.

Sportlich sind die Segelflieger Teil des »Isar Segelflug Teams«, das gemeinsam mit den Vereinen aus Gammelsdorf und Landshut erfolgreich in der OLC-Segelflug-Bundesliga antritt. Ein Ausbau des Flugplatzes ist nicht geplant. Alle Hallenplätze sind belegt. Demnächst soll ein UL vom Typ Aerospool WT-9 Dynamic die Husky ersetzen. Immer striktere Vorschriften – insbesondere beim Lärmschutz – und die Zunahme der Bürokratie sind herausfordernd. Dennoch bleibt es das Ziel des Vereins, den Flugsport in Moosburg langfristig zu erhalten.
Wichtige Hinweise für Gastpiloten
Der Flugplatz Moosburg unterliegt einer PPR-Regelung. Besonders aufgrund der Nähe zur Münchener Kontrollzone sind spezielle Anflugverfahren einzuhalten. Die Bahn wird erst ab Mitte des Queranflugs sichtbar. Die Platzrunde muss aus Lärmschutzgründen exakt eingehalten werden. Alle relevanten Informationen sind auf der Vereinswebsite www.fliegerclub-moosburg.de verfügbar. Piloten müssen bei der PPR-Anfrage schriftlich bestätigen, sich mit den Regeln vertraut gemacht zu haben. Außerdem muss das Luftfahrzeug die Regeln zum erhöhten Schallschutz erfüllen.

Der Fliegerclub Moosburg ist mehr als nur ein Flugverein. Er ist eine lebendige Gemeinschaft von Luftfahrt-Enthusiasten, die sich mit großer Leidenschaft für den Flugsport engagieren. Trotz wachsender Herausforderungen blickt der Verein optimistisch in die Zukunft und heißt neue Mitglieder sowie interessierte Flugschüler herzlich willkommen. Ein Besuch im
Vereinsheim lohnt sich also immer!
Text & Fotos: Bastian Priegnitz

