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Vorzeigefamilie und Alaska-Piloten: Eine TV-Show über die Fliegerei in Alaska


Das wäre doch die perfekte Image-Werbung für die 
Allgemeine Luftfahrt: eine Reality Show im Fernsehen, bei der Piloten mit Wetter und Gelände kämpfen;
 im Zentrum ein cooler Chefpilot und seine
 sympathische Familie. Genau das gibt es!

Von Redaktion
MS - Ferno, Jim, Ariel, and Dogs next to the 180. Foto: Discovery Channel

Die Frage ist eine der meistdiskutierte in Clubheimen, bei Fliegerstammtischen und Online-Foren: Wie kann man mehr Menschen für die Allgemeine Luftfahrt begeistern? Die Fernsehserie „Flying Wild Alaska“ ist eine der besten denkbaren Antworten: Als eine Art Doku-Drama fängt die Sendereihe, die bei uns auf DMAX läuft, alles ein, was General Aviation ausmacht: Abenteuer und Aufregung, Gemeinschaftssinn und Spaß. Zugegeben: Fliegerei in Alaska ist nicht unbedingt Durchschnitts-Luftfahrt – aber sie gehört unstrittig zur Allgemeinen Luftfahrt.

Flying Wild Alaska zeigt den alles andere als alltäglichen Alltag der Familie Tweto im kleinen Dorf Unalakleet in Alaska, Einwohnerzahl: 700. Vater Jim Tweto ist Betriebsleiter der größten Regionalfluggesellschaft des US-Bundesstaats, Era Alaska. Mehr als 120 Piloten transportieren für das Unternehmen Fracht, Lebensmittel, Haustiere, Baumaterial, Menschen – und, wie in der Serie zu sehen, Leichen – durch den hohen Norden. Eras Hauptquartier ist in Anchorage; Unalakleet ist einer von vielen Stützpunkt in den Weiten des Bundesstaats. Mit mehr als 75 Maschinen, von der Spornrad-Cessna bis zur 37-sitzigen Turboprop, reicht das Programm der Airline vom Buschtrip für Angler und Jäger bis zum Linienverkehr. Die Twetos – Jim, seine Frau Ferno und die Töchter Ayla, Elaine und Ariel – sind alle Piloten und arbeiten alle für Era.

Foto: Discovery Channel
Abenteuer: Die kleinen Maschinen der Airline sind mit nur einem Piloten unterwegs
(Foto: Discovery Channel)

Die Geschichte der in den USA bei Piloten und Nicht-Piloten gleichermaßen beliebten Show begann 2005, als die stets überschäumend fröhliche Ariel mit 17 Jahren nach Hollywood zog. Zum üblichen Traum von einer Schauspielerkarriere kam bei ihr der dringenden Wunsch nach warmem Wetter. Beim Volleyballspiel am Strand fiel das sportliche, gut aussehende Mädchen dem Produzenten einer TV-Sportspielshow namens Wipeout auf. Nach ihrer Teilnahme war klar: Schüchtern ist Ariel nicht. Mit dem Produzenten von Wipeout entwickelte sie die Idee einer Reality Show über das Leben ihrer Familie. Dem US-Sender Discovery Channel, Besitzer von DMAX, gefiel die Idee einer Sendung über die raue Realität des Fliegens und Lebens in Alaska. Obwohl Jim und Ferno Tweto eher kamerascheu sind, willigten sie ein: „Für meine Tochter tue ich, was ich kann“, sagt Jim.

Der Pilot stammt aus Minnesota, bekam aber als Jugendlicher ein Stipendium an der Universität von Alaska und verliebte sich: in Alaska, in seine zukünftige Frau und in den besten Weg, im hohen Norden herumzukommen – die Fliegerei. Der Vater seiner Frau besaß einen Flugbetrieb in Unalakleet, aber als Jim dort hinzog, baute er erst einmal Fischerboote. In den Achtzigern stammten fast Dreiviertel der Boote in der Gegend von seiner Firma, die er Gussik Ventures nannte: gussik bedeutet „weißer Mensch“ in der Sprache der Eskimos.

»Die Twetos fliegen jeden Tag so. Die merken gar nicht, wie außergewöhnlich das ist«

Grady Candler, Produktionsleiter, Discovery Channel

1984 hatte Jim seine Berufspilotenlizenz in der Tasche und begann, für Fernos Vater zu fliegen. Bald gründeten seine Frau und er ihre eigene Firma, deren stolzer Besitz eine Cessna 185 war. 1990 gingen die Twetos mit einem Unternehmen namens Hageland Aviation zusammen, 2008 fusionierten sie mit Era Alaska. In Jims Flugbuch stehen 30 000 Flugstunden, er steuert alles, was Era in der Flotte hat – aber am liebsten mag er seine Cessna 180. „Ich suche nach Fisch und Wild, oft in nur 200, 300 Fuß Höhe. Mit den großen Tundrareifen kann ich so ziemlich überall landen.“

Zwar tut Jim eine Menge für seine Tochter, aber die Sicherheit und die Reputation seiner Piloten setzt er für sie nicht aufs Spiel. Bei den Dreharbeiten zur ersten Staffel verbrachte er viel Zeit damit, der Filmcrew zu erklären, was in der Luftfahrt geht – und was nicht. „Wir haben alles gecheckt, bevor es gesendet wurde“, sagt Tweto. „Die sind alle furchtbar nett, aber erst nachdem sie weg waren, wurde mir klar, wie viel Zeit sie kosten.“ Inzwischen ist die dritte Staffel abgedreht, und Tochter Ariel ist nicht sicher, wie lange ihre Eltern noch mitspielen. „Die Kameras begleiten uns den ganzen Tag, nur das Bad und das Schlafzimmer meiner Eltern sind tabu“, erklärt sie.

Foto: Discovery Channel
Anpacken: Wenn die Fracht in die Cessna Caravan verladen wird, müssen oft auch die Piloten mit ran
(Foto: Discovery Channel)

Drei Monate lang filmt die Fernseh-Crew fast 24 Stunden am Tag. Die Maschinen werden mit Minikameras ausgerüstet; wenn Platz ist, fliegt ein Kameramann mit. Drei Teams mit je fünf Mitarbeitern verteilt Discovery Channel über den Norden Alaskas.

Welcher der Era-Piloten in einer Folge im Vordergrund steht, ist nicht vorher arrangiert, ein Drehbuch existiert nicht. Zwar gibt es Ideen, welche Aspekte des Alltags in Alaska ein gutes Thema ergeben können, doch erst beim Schnitt entsteht aus dem vielen über die Monate gedrehten Material die durchgehende Handlung jeder Folge. Nachgestellt wird kaum eine Szene. Einzig für die Außenaufnahmen startender und landender Flugzeuge muss vorher ein Kameramann abgesetzt werden – oft mitten in der Wildnis. Aber der Alltag der Familie wird einfach nur mitgefilmt. „Wenn wir in einen Raum kommen und die Crew verpasst den Moment, dann kann es mal vorkommen, dass sie uns bitten, nochmal raus zu gehen und wieder zu kommen – mehr nicht“, sagt Ariel. Ihre Eltern machen oft nicht mal das mit: Wenn ein Kameramann bittet „Hey, das war gut, kannst Du das nochmal sagen?“, sagt Jim meist einfach „Nö, kann ich nicht.“

Produktionsleiter Grady Candler ist während der Dreharbeiten stets vor Ort. Die erste Staffel entstand von August bis Dezember – entsprechend viel Raum nimmt der dramatische Temperatursturz von 15 auf minus 25 Grad mit seinen Auswirkung auf das Leben in Unalakleet ein. 


»Ich find’s toll, wenn sich jemand durch unsere Serie mehr fürs Fliegen interessiert«

Ariel Tweto

„Im Herbst hat Jim viele Jäger irgendwo in der Wildnis abgesetzt. Das ergab tolle Szenen für uns. Dann fing die Schule an und die Kids mussten hin- und hergebracht werden – zu Basketballspielen oder Schachturnieren. Das geht hier in der Einsamkeit nur mit dem Flugzeug. Auch die Lehrer fliegen mit. Danach begann die dunkle Jahreszeit, und die Piloten mussten nach den lange hellen Tagen wieder ihre Nachtqualifikation machen.“

Die zweite Staffel dreht sich um die Flugausbildung von Tochter Ariel. Einer der Era-Piloten, John Ponts, gibt ihr Unterricht – und ganz nebenbei erfahren die Zuschauer, wie man einen Pilotenschein macht. Das wirkt auf Nicht-Flieger umso eindrucksvoller, als Ariel alles andere als ein Naturtalent zu sein scheint. „Ponts ist wie ein Bruder für mich“, sagt Ariel – und macht damit den von US-Zuschauern heiß diskutierten Spekulationen über eine Romanze ein Ende. Durch die Serie sind die Twetos so etwas wie Botschafter der Allgemeinen Luftfahrt geworden. „Meinen Eltern ist es peinlich, wenn sie außerhalb von Unalakleet von Zuschauern erkannt werden“, sagt Ariel. „Aber ich bin stolz, wenn mir jemand erzählt, er sei wegen unserer Show jetzt mehr an der Fliegerei interessiert.“ Jim Tweto staunt über die Resonanz auf die Sendung: „Die Leute schreiben jeden Tag, sie rufen an und schicken E-Mail. Ältere Menschen wollen ihre Erinnerungen an Alaska erzählen. Und wir haben noch nie so viele Bewerbungen um Jobs bekommen wie jetzt.“

Foto: Discovery Channel
Buschfliegen pur: Jim Twetos Landung auf der Sandbank mit Aufsetzen im Wasser gehört in Alaska zum Airline-Betrieb. Meist setzt er Jäger in der Wildnis ab (Foto: Discovery Channel)

Kein Wunder: Wer als Pilot den Twetos zusieht, möchte sofort Buschpilot in Alaska werden. Doch wie nah an der Wirklichkeit ist die Doku-Show? „Das passt schon ziemlich gut, nur manchmal machen sie mir zu viel Drama, mit der ganzen Hintergrundmusik und so“, grummelt Jim Tweto. Aber Produzent Candler widerspricht: „Die fliegen hier jeden Tag – und merken dabei gar nicht mehr, wie außergewöhnlich ihr Leben eigentlich ist.“

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„Alaska-Piloten – eine Familie hebt ab“ lautet der deutsche Titel der Doku-Show, die von DMAX ausgestrahlt wird. Der private Fernsehsender ist über Satellit, Kabel und IPTV zu empfangen. Vom 28. Juli an wird die erste Staffel der Alaska-Piloten immer samstags um 12.15 Uhr wiederholt. Außerdem sind die Folgen komplett auf der Website des Senders unter www.dmax.de abrufbar. Über eine Ausstrahlung der zweiten Staffel ist noch nicht entschieden. Wie bei DMAX üblich, ist die Serie so synchronisiert, dass auch der englische Originalton zu hören ist, was viel zur authentischen Stimmung beiträgt.

Text: Julie Summers Walker, Fotos: Discovery Channel, fliegermagazin 8/2012

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