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Flugplatz Stralsund – EDBV

Die Hansestadt Stralsund gilt als das Tor zur Insel Rügen. Mit ihrer Altstadt 
und dem Hafen ist sie auch selbst ein überaus lohnendes Ausflugsziel

Von Redaktion
Markant: Ozeaneum und Großsegler Gorch Fock I im Hafen, wuchtige Kirchen im Zentrum – das ist Stralsund Foto: Stephanie Keller

Mit der einmaligen Lage und ihrer als UNESCO-Welterbe anerkannten Altstadt hat die Hansestadt Stralsund einiges zu bieten. Egal, ob man sich für Fische oder Geschichte interessiert – hier ist alles nur wenige Schritte voneinander entfernt. Und wer die Natur liebt und sich ein wenig Zeit nimmt, der kann den Strelasund über die beeindruckende und 2007 fertiggestellte Rügenbrücke überqueren und auf die Insel Rügen hüpfen – mitten hinein in die Natur. 


Die Brücke bietet auch aus der Luft einen imposanten Anblick. Trotz der gewaltigen Länge hat sie etwas Filigranes und ist ein technisches sowie architektonisches Meisterwerk. In einem weiten Bogen verbindet sie die Insel mit dem Festland.

Foto: Stephanie Keller
Weit gespannt: Über den Strelasund und die kleine Insel Dänholm verbinden zwei Brücken das Festland bei Stralsund mit Rügen

Die 128 Meter hohen Pylone überragen sogar die höchste Kirchturmspitze in Stralsund. Im Gegensatz zum alten Rügendamm muss sie nicht mehrmals täglich geöffnet werden, um den Schiffsverkehr passieren zu lassen, sondern ist mit 42 Metern Höhe so konstruiert, dass auch große Schiffe einfach unter ihr durchfahren können.

Das Tor zur Insel Rügen

Und wenn man dann schon über der Verbindung zu Rügen kreist, lohnt ein fliegerischer Abstecher zur Insel allemal. Dafür bietet sich der Weg in Richtung des östlichen Küstenstreifens an, so entgeht einem nicht der über die Landesgrenzen hinaus bekannte Kreidefelsen. Weltberühmtheit erlangte er durch das Bild von Caspar David Friedrich, doch auch in der Realität ist er von beeindruckender Schönheit.

Für Fußgänger wird es bei schönem Wetter am Königsstuhl schon einmal voller – aus der Luft kann man den Blick viel entspannter genießen. Doch aufgepasst: Möglicherweise haben andere Piloten dieselbe Idee.

Foto: Stephanie Keller
Beliebtes Ziel: Kap Arkona auf Rügen. 
Luftraumbeobachtung ist hier eine gute Idee

Durch die weiße Kreide erhält das Meereswasser eine wundervolle türkisschimmernde Farbe. Selbst bei bewölktem Himmel wirkt das Meer hier im Vergleich zum weißen Kreidefelsen extrem kontrast- und farbstark.

Kreidefelsen und türkisblaues wasser – eine tolle Kombination aus der Luft

Auf dem Weg dorthin passiert man zwischen Binz und Saßnitz den „Koloss von Prora“: Schön ist sicher anders, doch dieser Viereinhalb-Kilometer-Gebäudekomplex ist das längste zusammenhängende Gebäude der Welt. Die fünfstöckigen gleichartigen Häuser wurden in der Nazizeit als Seebad der Organisation Kraft durch Freude errichtet. In 10 000 Zimmern sollten Urlauber Unterkünfte mit Meerblick finden. Durch den Kriegsausbruch wurde es nie vollendet und auch nie als Seebad eröffnet.

In den fünfziger Jahren nutzte die Nationale Volksarmee der DDR einen Teil des Gebäudes für Kasernen und einen anderen Teil als Erholungsheim. Kurz nach der Wende wurde der Komplex von der Bundeswehr übernommen, aber bereits zwei Jahre später abgestoßen, und so war der „Koloss“ dem Verfall ausgesetzt. Erst in den letzten Jahren begann man mit der Renovierung des unter Denkmalschutz stehenden Objekts.

Wer noch ein wenig Zeit und Muße hat, sollte das nur wenige Kilometer entfernt liegende Kap Arkona mit seinen drei Türmen aus der Vogelperspektive nicht verpassen. Vor der rauen nordöstlichsten Spitze der Insel liegen gefährliche Untiefen, weswegen das Kap auch für seine vielen Schiffswracks bekannt ist. Zum Glück können diese uns hier oben nichts anhaben.

Die Gebäude von Prora erinnern an die Deutsche Geschichte

Nach diesem Abstecher geht es zurück Richtung Festland und Hansestadt Stralsund. Der kleine beschauliche Flugplatz Stralsund eignet sich perfekt, um den Landausflug zu starten. Auch wenn der Platz eine große Ruhe ausstrahlt, gab es in der Vergangenheit diverse Events, die für Trubel gesorgt haben: Motorkunstflugmeisterschaften, internationale Modellflugwettbewerbe sowie die Ankunft von Alt-Bundespräsident Richard von Weizäcker, Angela Merkel und einiger weiterer Bundesminister per Helikopter.

Gerade erst wurde die Graspiste frisch saniert. Sie ist ganz leicht buckelig, aber dennoch vollkommen in Ordnung. Nach der Landung taucht man ein wenig in eine andere Welt ab, so ruhig und entspannt geht es hier zu. Die Terrasse des Flugplatzrestaurants wirkt mediterran und lädt zur Rast ein – Urlaubsfeeling kommt auf. Wer ein Wochenende oder länger hier verbringen möchte, ist herzlich willkommen. Sowohl für das Flugzeug als auch für die Piloten und Passagiere findet sich ein Abstell- beziehungsweise Schlafplatz. Nicht zuletzt ist Stralsund einer der wenigen Plätze im östlichen Ostseeraum, an dem es Superbenzin gibt.


Grasplatz mit Superbenzin – was mit man mehr

Foto: Stephanie Keller
Bahn frei: Die Graspiste von EDBV ist
900 Meter lang, 2016 wurde sie saniert


Ganz ohne Motor geht es aber auch. Wer mag, kann hier gern Segelfliegen ausprobieren. Dazu lässt man sich entweder rasant an der Winde nach oben katapultieren oder genießt einen entspannten Flugzeugschlepp. In jedem Fall ist der lautlose Flug mit Blick auf die blauen Fluten des Meeres ein bleibendes Erlebnis.

Am Boden erreicht man die Hansestadt sogar bequem zu Fuß, es sind nur vier Kilometer vom Flugplatz ins Zentrum. Noch schneller geht es per Taxi, Mietwagen oder Fahrrad.

Um einen guten Einblick in die bewegte Geschichte Stralsunds zu erhalten, lohnt es, sich einer der täglich um 11 und 14 Uhr stattfindenden Altstadtführungen anzuschließen. Start ist direkt an der Touristen-Info am Marktplatz, Tickets erhält man vor Ort. Eigentlich sind eineinhalb Stunden angesetzt, doch die Stadtführerin erzählt mit so einer Freude und großem Stolz die vielen kleinen Geschichten und Anekdoten, dass gut zwei Stunden aus dem Rundgang werden. Aber keine Sorge: Durch die lockere Art, mit der sie durch die Geschichte schlendert, vergehen diese wie im Flug. Sie schafft es selbst in dieser Zeit nur, die Themen anzureißen, gibt jedoch viele Tipps zu weitergehenden Besichtigungen.

Auf den Spure der Hanse an der Ostsee

Dass Stralsund einst eine blühende Handelsstadt war, ist aufgrund seiner strategisch günstigen Lage am Wasser nicht unbedingt überraschend. Damit einher geht die recht kriegerische Vergangenheit; mehr als einmal mussten die Einwohner ihre Stadt verteidigen. Dänen, Schweden – die Begehrlichkeiten waren groß. Die der Stadt vorgelagerte kleine Insel Dänholm bildet einen natürlichen Hafen, der nicht nur von einheimischen Seefahrern geschätzt wurde.

Foto: Stephanie Keller
Erhaltenswert: Stralsunds Altstadt ist geprägt vom Baustil der Backsteingotik, sie zählt seit 2002 zum UNESCO-Welterbe

Ihren Namen hat die zu Stralsund gehörende Insel unter anderem aufgrund des Sieges gegen die dänische Flotte im 15. Jahrhundert erhalten. Rund 200 Jahre später wurde der Dänholm vom berühmten Feldherrn Wallenstein als strategisch wichtige Insel für die Ostsee erkannt. Er ließ dort Befestigungsanlagen errichten.

Den kaiserlichen Truppen wollte die Stadt Stralsund jedoch nicht das Winterlager bereiten; mit dänischer und schwedischer Unterstützung verweigerten sie sich erfolgreich. So waren die Stralsunder die Ersten, die den so erfolgreichen und bis dahin unbesiegten Wallenstein in die Flucht geschlagen haben. Seitdem finden jährlich die Wallensteintage im Juli statt, das größte Volksfest Norddeutschlands.

Meer und Marine – Museen bringen das Thema See näher

Militärisch geprägt waren auch die Jahrhunderte danach bis in die Neuzeit hinein. Reichsmarine, Nationale Volksarmee oder Bundesmarine – das Inselchen wurde rege von den jeweiligen Streitkräften genutzt. Wer in diesen Teil der Geschichte abtauchen möchte, findet auf dem Dänholm ein Marinemuseum. Dort ist auch eine Außenstelle des Stralsunder Meeresmuseums zu finden, das so genannte Nautineum, mit Exponaten aus der Meeresforschung und der Fischerei. Allerdings dauert die Winterpause noch bis April.

Zurück auf dem Festland. Architektonisch ist Stralsund geprägt durch seine Backsteingotik. Die beiden imposantesten Gebäude sind sicherlich das Rathaus mit seiner Schaufassade und die St.-Marien-Kirche.

Foto: Stephanie Keller
Prachtstück:
Schaufassade des Stralsunder Rathauses

Einer Überlieferung nach war die Kirche mit seinerzeit 151 Metern das damals höchste Gebäude der Welt. Leider wurde die Spitze des Turms durch einen Blitzschlag zerstört und aus Kostengründen nicht wieder aufgebaut, sodass nunmehr nur noch ein gut 100 Meter hoher Turm übrig ist.

Das höchste Gebäude der Welt stand einst in Stralsund

Mit seinen klosterähnlichen Mauern ist das Meeresmuseum in der Altstadt kaum als solches zu erkennen, gäbe es keine Beschilderung. Empfehlenswert ist das Kombi-Ticket, bei dem auch der Eintritt in das 2008 eingeweihte Ozeaneum am Hafen enthalten ist. Das Gebäude ist ein wahres Schmuckstück, zu sehen sind einheimische und tropische Fische. Mit seinen 2,6 Millionen Litern Wasser und einer runden Panoramascheibe von 50 Quadratmetern ist das große Becken Höhepunkt und Besuchermagnet des Ozeaneums: Sandtigerhaie, Ammenhaie, Rochen, Makrelenschwärme und vieles mehr lassen sich hier beobachten.


Nur drei Schritte weiter wartet eine weitere Sehenswürdigkeit: die über 80 Meter lange Gorch Fock I, nicht zu verwechseln mit dem Segelschulschiff der Bundesmarine. Die Bark sieht nicht nur großartig aus, sondern hat eine genauso bewegte Geschichte. Von April bis Oktober kann man auf ihr das Segelsetzen lernen. Hinaussegeln kann man mit ihr zwar nicht, aber die Besichtigung ist allemal ein spannendes Erlebnis und eine schöne Erinnerung.

Zu Lande, zu Wasser oder aus der Luft: Stralsund lässt sich auf jede Art erkunden

Möchte man das Wasser nicht nur aus dem Boot oder aus der Luft betrachten, kann man sich in die kühlen Fluten der Ostsee stürzen. Der nächstgelegene schöne Badeplatz befindet sich gerade mal zehn Minuten mit dem Fahrrad vom Flugplatz entfernt.

Radeln kann man hier aber auch gut und gern sehr viel weiter, denn der Flugplatz Stralsund ist an das Fahrradwegenetz Vorpommern angeschlossen. Flache und gut ausgebaute Strecken laden zu ausgiebigen Radtouren ein – zum Beispiel zu den Seebädern und Stränden auf Rügen.

Für einen Ausflug nach Stralsund lohnt sich mindestens ein Wochenende, egal für welchen Geschmack und in welcher Jahreszeit. Möglichkeiten, die Stadt und die Natur zu entdecken, gibt es genug.

Text & Fotos: Stephanie Keller; fliegermagazin 03/2017