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Flugplatz Worms – EDFV


Immer schön der Sage nach: Es ist schwer, in dieser Stadt nicht über das Nibelungenlied zu stolpern – das Heldenepos verfolgt Besucher bis in die Speisekarten …

Von Redaktion

Seit einigen Jahren gibt die Elite der deutschen Schauspieler, Regisseure und Intendanten ein sommerliches Gastspiel in Worms. Sie lassen die uralte Sage um Liebe und Hass, um Stolz und Tod vor der magischen Kulisse des Wormser Doms wieder auferstehen – mit den Nibelungenfestspielen. Grund genug, einmal in Worms zu landen und sich auf die Spuren dieses mittelalterlichen Krimis zu begeben. Ob auf dem Grund des Rheins, über den man in der Platzrunde zur Piste 24 fliegt, tatsächlich der sagenhafte Nibelungenschatz schlummert, den Hagen von Tronje hier versenkt haben soll? Sein Standbild an der Rheinufer-Promenade zeigt ihn jedenfalls grimmig entschlossen. Immerhin hat er seinen feigen Mord an dem schönen, aber doch nicht ganz unverwundbaren Helden Siegfried am Ende auch mit dem Leben bezahlt.

Und kommen Sie mir nicht damit, dass Brunhilde und Kriemhild, also wie immer die Frauen, alles Übel ausgelöst hätten. Kriemhild hat Siegfrieds einzige Stelle, die nach seinem Bad im Drachenblut verwundbar geblieben war, bestimmt nicht absichtlich ausgeplappert. Jedenfalls hätte sie mit dem Gold eher einen kleinen Rachefeldzug finanziert, statt den Schatz leichtfertig in den Fluss zu kippen. Fürs nächste Jahr plant Festspiel-Intendant Dieter Wedel denn auch „Kriemhilds Rache“ zu inszenieren. Und für 2008 oder 2009 ist ein Nibelungen-Musical auf einer Rheinbühne vorgesehen. Hagenstraße, Weinstube Kriemhilde, Nibelungenhotel: In Worms begegnet man den Spuren des historischen Gemetzels auf Schritt und Tritt. Im neu gebauten, futuristisch anmutenden Nibelungenmuseum, das zwei Türme und einen Wehrgang der mittelalterlichen Stadtmauer integriert, kann man mittelalterliche Handschriften bestaunen, dem mittelhochdeutschen Originaltext lauschen, und dazu gibt’s Hintergrundinformationen zur burgundischen Königssippe um Gunther, Gernot und Giselher.

Worms: Schauplatz der Nibelungenfestspiele

Klar, dass auch ein Nibelungentor aus der Zeit um 1900 die Nibelungenbrücke auf der rechtsrheinischen Seite schmückt. So viel Mythos verlangt nach einer Stärkung, doch auch bei der Suche nach einem netten Lokal an der Rheinpromenade zeigt sich, dass man in der Rheinstadt den Helden und ihren Gespielinnen nicht wirklich entkommen kann. Dass das Bier hier Hagenbräu heißt, geht ja noch in Ordnung, aber wenn Schweinemedaillons mit Nudeln in der Speisekarte plötzlich „Kriemhild’s Lenden“ heißen, entspricht das sicher nicht jedermanns Geschmack. Ich jedenfalls brauche schnellstens ein Kontrastprogramm. Zum Glück ist das in Worms, das sich mit Trier um den Titel „älteste Stadt Deutschlands“ streitet, nicht schwer zu finden. Die bedeutendsten und interessantesten Sehenswürdigkeiten erreicht man fast automatisch, wenn man dem gut ausgeschilderten Stadtrundgang „Zu Fuß durch zwei Jahrtausende“ folgt.

Viel Raum nimmt dabei die Geschichte der Juden ein, die schon im 10. Jahrhundert in Worms lebten und 1034 eine Synagoge errichteten. In dem gut erhaltenen und restaurierten jüdischen Wohnviertel zwischen Martinspforte und Judenpforte sind neben der wiederaufgebauten Synagoge mit dem Talmud-Lehrhaus auch die Frauensynagoge und ein kultisches Tauchbad zu besichtigen. Wo einst das Tanz- und Hochzeitshaus der Gemeinde stand, dokumentieren heute im jüdischen Museum „Raschi-Haus“ zahlreiche Kult- und Gebrauchsgegenstände die tausendjährige Geschichte der Juden in Worms. Der „Heilige Sand“ ist der älteste erhaltene Judenfriedhof Europas. Mehr als 2000 Grabsteine, die übrigens alle nach Süden ausgerichtet sind, wurden hier seit dem Jahre 1076 erhalten.

EDFV: Ein Großteil der Starts und Landungen geht auf das Konto der verschiedenen Vereine und Flugschulen

Dicht daneben erhebt sich das Herzstück und Wahrzeichen der Wormser Innenstadt, der romanische Kaiserdom St. Peter, in dessen Gruft Mitglieder aus fünf Generationen der salischen Königsfamilien ruhen. Doch Worms war und ist stets multikonfessionell. Wieder nur ein paar Schritte weiter steht das weltgrößte Reformationsdenkmal; es erinnert daran, dass der Augustinermönch Martin Luther hier 1521 seine revolutionären Schriften vor dem Reichstag verteidigen musste: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen.“ Diese berühmten Worte Luthers bekam damals der noch junge Kaiser Karl V. in Worms zu hören. Vielleicht ist es den vielen Sonnenstunden im rheinhessischen Wonnegau zu verdanken, dass die Wormser nicht nur ihre Vergangenheit hoch halten, sondern auch die Gegenwart zu genießen wissen.

Schon Mozart soll an seine Mutter geschrieben haben: „In Worms, da waren wir lustig.“ Für Lebensfreude steht jedenfalls das Wormser Jazzfestival „Jazz and Joy“, das jedes Jahr drei Tage lang auf fünf Bühnen rund um den Dom ein hochkarätiges Programm garantiert und Jazzfreunde aus ganz Deutschland anlockt. Auch das größte Wein- und Volksfest am Rhein, das Backfischfest, wird in Worms gefeiert. Von der historischen Bedeutung ihrer Stadt scheinen die Wormser Piloten und Pilotinnen eher unbeeindruckt. Und obwohl der Verkehrslandeplatz zu den meistfrequentierten Plätzen in Rheinland-Pfalz gehört, geht es hier eher gemütlich als hektisch zu – Wonnegau-Mentalität eben. Die herrliche Lage in der Rheinebene, zwischen Odenwald und Pfälzerwald, mit Blick auf Rhein und Dom, auf Badeseen und Weinberge sind für die einheimischen Piloten ebenso selbstverständlich wie der hindernisfreie Anflug.

Ein Großteil der Wormser Starts und Landungen geht auf das Konto der verschiedenen Vereine und Flugschulen, die hier ansässig sind. Vom Segelflugschein über UL-Lizenz und PPL-A bis hin zur Nachtflugberechtigung kann man hier alle Lizenzen erwerben. Der Wind steht meistens genau auf der Bahn, was die Anfängerschulung ungemein erleichtert. Und Fortgeschrittene, die üben wollen, wie sich’s auf einem Flughafen mit Kontrollzone landet, sind von EDFV aus in ein paar Minuten am Airport Mannheim. Nicht viel weiter weg liegt Speyer, knapp 20 Meilen südlich von Worms. Einmal im Jahr brennt dort buchstäblich die Luft – wegen des Formel-1-Rennens am benachbarten Hockenheim-Ring. Dann ist der kleine Platz zugepflastert mit den Jets und Helikoptern von Ecclestone, Schumacher & Co. In Worms sind die Hangars an diesem Wochenende meist ziemlich leer – man kann ja schließlich mal gucken fliegen…

Worms – Tipps und Infos

  • So kommt man hin: Der Platz liegt südlich der Stadt, direkt am Rhein, der eine gute Orientierungshilfe ist. Aus Norden kommend ist allerdings Luftraum C von Frankfurt zu beachten, also unter 1500 Fuß beziehungsweise unter 4500 Fuß bleiben. Auch aus Richtung Süden kann man sich gut am Rhein entlanghangeln, muss aber die CTR von Mannheim-Neuostheim beachten. Auch die A 61 führt direkt an Worms vorbei. Wenn am Rheinufer das Kraftwerk Biblis auftaucht, ist auch schon die Nibelungenbrücke zu erkennen, die über den Rhein führt. Südlich davon ist man schon fast in der Platzrunde. Navigationshilfe ist das VOR Ried (212°/12 NM from RID 112,20 MHz).
  • Unterkunft: Eine Hotelliste findet man unter www. worms.de; die Tourist Information Worms hilft auch gerne weiter, Telefon 0 62 41/ 25045.
  • Aktivitäten: Über bestens ausgeschilderte Radtouren durch Rheinhessen bietet www.rheinhessen. info/de/rad. Im Turm bei der Flugleitung gibt’s die passenden Leihräder dazu. Unbedingt ausprobieren sollte man eine Schiffsfahrt durch das romantische Mittelrheintal (Weltkulturerbe!), vorbei an der sagenumwobenen Loreley oder zum Feuerwerk „Rhein in Flammen“. Infos: www.rnf-schiff fahrt.de
    Wenn Sie schon mal hier sind und das Budget ein paar Extravaganzen zulässt, dann gönnen Sie sich doch eine Übernachtung auf der Stromburg des Sternekochs Johann Lafer mit Dinner im berühmten Restaurant „Le Val d’Or“. Mit dem Mietwagen sind Sie in gut 45 Minuten in der Edelherberge angelangt. www.johannlafer.de
    Und natürlich jedes Jahr wieder: Nibelungenfestspiele (Tickets: 0 18 05/33 71 71, www. nibelungenfestspiele.de) und Jazzfestival (Telefon: 0 18 05/33 71 71,www.jazzandjoy.de)

Text: Ulrike Schneider, fliegermagazin 11/2006