/
Garmin stellt G2000 Prime vor
Das Glascockpit bringt Touch-Bedienung, hohe Rechenleistung und Sicherheits-Features in leistungsstarke Kolben- und Elektroflugzeuge.
Garmin erweitert sein Angebot integrierter Glascockpits um das G2000 Prime. Das neue Avioniksystem ist für leistungsstarke Kolbenflugzeuge sowie elektrische Luftfahrzeuge ausgelegt. Es übernimmt zahlreiche Technologien aus dem G3000 Prime. Im Mittelpunkt stehen vollständig touchbasierte Displays.
Optisch setzt das G2000 Prime auf ein modernes Cockpitdesign mit rahmenlosen 14-Zoll-Hauptdisplays, den sogenannten Primary Display Units, kurz PDU. Die sonnenlichttauglichen und fingerabdruckresistenten Bildschirme sollen auch bei direkter Einstrahlung gut ablesbar bleiben.
G2000 Prime punktet mit mehr Rechenleistung
Nach Angaben von Garmin verfügt das System über die vierfache Speicherkapazität früherer Generationen. Die interne Datenkommunikation soll bis zu hundertmal schneller arbeiten. Neue Mehrkernprozessoren verdoppeln zudem die Rechenleistung. Karten, Flugdaten und Systemanzeigen lassen sich dadurch flüssiger darstellen, während höhere Bildwiederholraten Animationen ruhiger und Eingaben direkter erscheinen lassen.
Ergänzt werden die beiden Hauptanzeigen durch hochauflösende 7-Zoll-Sekundärdisplays, die Secondary Display Units oder SDU. Sie dienen nicht nur zur Eingabe von Flugplänen und Systemeinstellungen, sondern können auch zusätzliche Multifunktionsanzeigen darstellen. In bestimmten Flugzeugmustern übernehmen sie außerdem die Aufgabe eines elektronischen Standby-Instruments. Eine Besonderheit ist die Multitouch-Technologie. Das System erkennt bis zu zehn gleichzeitige Berührungen, sodass Pilot und Copilot parallel mit demselben Bildschirm arbeiten können. Gleichzeitig lässt sich die Hand auf dem Display abstützen, ohne unbeabsichtigte Eingaben auszulösen.
Neue Nutzeroberfläche vereinfacht Bedienung
Garmin überarbeitet auch die Benutzeroberfläche. Größere Symbole, besser lesbare Schriftarten und flach aufgebaute Menüs sollen den Zugriff auf wichtige Funktionen beschleunigen. Karten, Wetterinformationen, Verkehrsdaten und Anflugkarten lassen sich über Schnellzugriffe direkt öffnen.
Wird auf der elektronischen Karte in Punkt berührt, können über ein radiales Menü zusätzliche Informationen zu Flughäfen, Wetter oder Lufträumen abgerufen werden. Auch Flugplanänderungen lassen sich grafisch direkt auf der Karte vornehmen.



Über den neuen Window Manager können Pilotinnen und Piloten sämtliche Fensterlayouts des Cockpits zentral konfigurieren. Vorgewählte Ansichten lassen sich für verschiedene Flugphasen speichern und mit einem einzigen Befehl aktivieren. So wechselt das Cockpit beispielsweise vom Reiseflug- zum Anfluglayout, ohne dass jedes Fenster einzeln neu angeordnet werden muss. Auch das Flugmanagementsystem, kurz FMS, erhält zusätzliche Funktionen. Mit dem „Modified Flight Plan“ können Besatzungen geplante Änderungen zunächst neben der aktiven Route betrachten. Dabei zeigt das System auch Leistungsberechnungen und mögliche Alternativen an. Erst anschließend wird die Änderung übernommen.
Mehr Automatisierung im Flugalltag
Für Notfälle kurz nach dem Start bietet das G2000 Prime eine Funktion namens Emergency Return. Pilotinnen und Piloten können sie während der Systeminitialisierung vorbereiten. Im Ernstfall vereinfacht sie die Rückkehr zum Startflugplatz. Die verbesserte Taxiway-Routing-Funktion unterstützt außerdem beim Rollen. Sie zeigt eine automatisch berechnete Route sowohl auf zweidimensionalen Navigationskarten als auch in der dreidimensionalen Synthetic Vision Technology (SVT). Dabei stellt das Display Gelände, Hindernisse und Rollwege perspektivisch dar.
Intelligente Checklisten sind mit den Warnmeldungen des Crew Alerting Systems (CAS) verknüpft. Erscheint eine Warnung, genügt ein Fingertipp auf die Meldung, um die passende Checkliste zu öffnen. Das System kann zudem erkennen, ob ein Schalter bereits richtig gesetzt ist oder ein Wert der vorgesehenen Konfiguration entspricht. Elektronische Sicherungsautomaten können klassische Schalter und mechanische Schutzschalter ersetzen. Das ermöglicht zusätzliche Automatisierung und schafft ein aufgeräumteres Cockpit-Layout.
Garmin Autoland für den Ernstfall
Einen Schwerpunkt legt Garmin auf Sicherheits- und Assistenzsysteme. Dazu gehört Garmin Autoland. Das System kann ein Flugzeug im Notfall selbstständig zu einem geeigneten Flughafen navigieren und dort automatisch landen, falls die Pilotin oder der Pilot handlungsunfähig wird. Weitere verfügbare Funktionen sind: Smart Glide, Smart Rudder Bias, Electronic Stability Protection, Emergency Descent Mode und Garmin Autothrottle. Smart Glide unterstützt beispielsweise nach einem Triebwerksausfall bei der Suche nach einer geeigneten Landemöglichkeit. Die Electronic Stability Protection greift ein, wenn sich das Flugzeug unbeabsichtigt zu stark neigt oder von einer stabilen Fluglage entfernt.
Für den Bodenbetrieb erweitert Garmin die Sicherheitsfunktionen um Runway Occupancy Awareness, kurz ROA. Das System analysiert GPS- und ADS-B-Daten und warnt vor möglichen Konflikten auf Start- und Landebahnen. Dabei ergänzt es bereits bekannte Funktionen wie 3D SafeTaxi und Garmin SurfaceWatch.
Flexibler Datenaustausch per App
Das G2000 Prime unterstützt verschiedene Datenverbindungen, darunter LTE, WLAN, Bluetooth, SiriusXM und Satellitendienste. In Verbindung mit Garmins PlaneSync-System lassen sich Navigationsdatenbanken automatisch aktualisieren. Zudem speichert das System Flug- und Triebwerksdaten. Flugpläne können bereits vor dem Einsteigen über die Garmin-Pilot-App ins Cockpit übertragen werden. Auch Kraftstoffmenge und Systemstatus lassen sich aus der Ferne prüfen. Einige dieser Funktionen stehen allerdings nur am Boden zur Verfügung und setzen aktive Abonnements sowie eine geeignete Datenverbindung voraus.
Welche Flugzeughersteller das G2000 Prime als Erste anbieten, hat Garmin noch nicht bekannt gegeben. Entsprechende Ankündigungen sollen später durch die Hersteller erfolgen. Wir rechnen mit der Daher TBM 980, dem Cirrus Jet und der Cirrus SR G7+. Wobei die SR-Serie vermutlich das etwas einfachere G2000 erhält.
Phil Straub, Executive Vice President und Managing Director Aviation bei Garmin, sagt: „Die Resonanz auf unsere Prime-Flugdecks ist außerordentlich positiv. Wir freuen uns, diese Technologie der nächsten Generation mit dem G2000 Prime in leistungsstarke Leichtflugzeuge der Allgemeinen Luftfahrt zu bringen. Da Piloten und Flugzeughersteller zunehmend intuitivere, leistungsfähigere und besser vernetzte Avionik verlangen, erfüllt das G2000 Prime diese Anforderungen mit einem hochwertigen Flugdeck, das den Betrieb vereinfachen, das Situationsbewusstsein verbessern und moderne Sicherheitstechnologien unterstützen soll. Es ist ein wichtiger Schritt, um Garmins fortschrittlichste Innovationen für integrierte Flugdecks in mehr Flugzeugmuster und zu vielen Piloten zu bringen.“

