Landung mitten in Manhattan: Electra-Flugzeug braucht kaum eine Piste
Electras Hybrid-Elektroflugzeug EL2 landet auf einem Heliport in Manhattan. Wie die besondere Antriebstechnik Starts und Landungen auf engstem Raum ermöglicht.
Ein Flächenflugzeug auf einem Heliport mitten in New York? Das US-Unternehmen Electra hat mit seinem hybrid-elektrischen Technologiedemonstrator EL2 einen ungewöhnlichen Flug absolviert. Am 26. Oktober startete und landete die zweisitzige Maschine am Downtown Skyport in Lower Manhattan, einer Anlage, die normalerweise von Hubschraubern genutzt wird.
Nach Angaben des Herstellers könnte es sich um die erste Landung eines Flugzeugs ohne Senkrechtstartfähigkeit auf diesem Heliport handeln.
Der Flug fand im Rahmen der Electra-Demonstrationsreihe „Life Beyond Runways“ statt. Mit ihr will das Unternehmen zeigen, dass Flächenflugzeuge künftig auch von Standorten aus operieren könnten, die bislang Hubschraubern vorbehalten sind.
Electra setzt mit EL2 auf angeblasene Tragflächen
Das Besondere an der EL2 ist ihre sogenannte Blown-Lift-Technologie. Mehrere elektrisch angetriebene Propeller beschleunigen die Luftströmung über den Tragflächen und Landeklappen. Dadurch entsteht bereits bei vergleichsweise niedrigen Geschwindigkeiten ausreichend Auftrieb für Start und Landung.
In Verbindung mit dem hybrid-elektrischen Antrieb sollen so extrem kurze Start- und Landestrecken möglich werden. Electra nennt dafür einen Wert von lediglich 150 Fuß.
Anders als ein eVTOL hebt die EL2 nicht senkrecht ab. Sie benötigt weiterhin eine kurze Strecke für den Startlauf beziehungsweise das Ausrollen nach der Landung. Dafür soll das Konzept die Vorteile eines Flächenflugzeugs im Reiseflug mit einem erheblich geringeren Platzbedarf am Boden verbinden.
Vom Heliport direkt zum nächsten Reiseziel
„Heute haben wir in Downtown Manhattan Luftfahrtgeschichte geschrieben, indem wir ein Flächenflugzeug auf einem Heliport gelandet haben“, erklärte Electra-CEO Marc Allen laut Pressemitteilung. Besonders bemerkenswert sei, dass dafür keine neue Start- und Landebahn gebaut werden musste.
Electra bezeichnet sein geplantes Verkehrskonzept als „Direct Aviation“. Die Idee dahinter: Regionale Flugverbindungen sollen künftig von kleinen, bereits vorhandenen Standorten aus angeboten werden. Neben Heliports kommen nach Vorstellung des Unternehmens auch geeignete Freiflächen, Parkplätze oder schwimmende Plattformen infrage.
Damit könnten Passagiere große Flughäfen umgehen und näher an ihrem eigentlichen Reiseziel starten oder landen. Electra stellt für einzelne Verbindungen ab New York erhebliche Zeitersparnisse in Aussicht. Ob sich solche Angebote tatsächlich wirtschaftlich und unter den jeweiligen luftrechtlichen Rahmenbedingungen betreiben lassen, muss sich allerdings erst zeigen.
Neunsitzige Electra EL9 in Entwicklung
Die EL2 dient als Technologieträger für die größere Electra EL9. Das geplante Regionalflugzeug soll neun Passagiere befördern und ebenfalls extrem kurze Start- und Landestrecken benötigen.
Mit der EL2 hat der Hersteller bereits an mehreren ungewöhnlichen Standorten demonstriert, darunter in Atlantic City, Charleston und am Snowshoe Mountain Resort. Auch Verfahren für den Instrumentenflug von Heliports wurden erprobt.
Nach der Demonstration in Manhattan will Electra die Flugerprobung fortsetzen und die Entwicklung der EL9 in Richtung Zulassung und Serienproduktion vorantreiben. Bis aus den spektakulären Demonstrationsflügen ein regulärer Passagierbetrieb wird, sind allerdings noch technische, wirtschaftliche und regulatorische Fragen zu klären. (pm)



