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UL-DM 2026: Als Rookies direkt aufs Podest

Eigentlich soll es nur ein entspannter Ausflug werden. Am Ende stehen Bernhard und Julia Karle als Deutsche Vizemeister im UL-Fliegen fest.

Von Redaktion
Startvorbereitung bei den Deutschen UL-Meisterschaften 2026
Startvorbereitung bei den Deutschen UL-Meisterschaften 2026 Bild: Bundeskommison Ultraleichtflug

Alles begann mit einem kleinen Entschluss. Als recht frisch lizenzierter UL-Pilot möchte Bernhard Karle die Deutschen UL-Meisterschaften 2026 in Böhlen als Sicherheitstraining nutzen, während seine Frau Julia Luftaufnahmen macht. Mit dabei ist die Hundedame Afra, die bald zum Maskottchen des Wettbewerbs wird. Am Ende steht das Ehepaar direkt auf dem Siegerpodest.

„Die paar Navigationspunkte kann ich auch abfliegen, und einigermaßen landen kann ich ebenfalls.“ Mit dieser etwas naiven Vorstellung meldet sich UL-Pilot Bernhard Karle kurzentschlossen für die Deutsche UL-Meisterschaft an. Nach dem Scheinerwerb packt ihn der sportliche Ehrgeiz – er will wissen, wie man Ultraleichtfliegen als Sport betreibt und sich mit anderen misst. Ehefrau Julia wird das Event als entspannte Begleitung verkauft: Ein halber Tag Homeoffice, ansonsten gemütlich im Flugzeug sitzen und ein paar nette Fotos schießen. Was soll da schon schiefgehen?

Willkommen in der Wettbewerbswelt

In Böhlen angekommen, folgt die rasche Ernüchterung. Schon bei den ersten Übungsaufgaben vor Ort wird dem Duo klar, dass die Realität im Wettbewerb meilenweit von der Sonntagsfliegerei entfernt ist. Es geht um extreme Präzision bei der Navigation und beim Fliegen.

Aus der Hobby-Fotografin Julia muss quasi über Nacht eine waschechte Navigatorin werden. „Alleine finde ich bei den ersten Versuchen vermutlich nicht einmal den Flugplatz wieder“, gesteht Bernhard schmunzelnd. Im Cockpit des Tiefdeckers herrscht plötzlich Hochbetrieb: Karten lesen, Kurs halten und eine immense Lernkurve in Rekordzeit meistern.

Gern mit an Bord: Hundedame Afra (Foto: Bundeskommission UL)

Die fliegende Hundedame begeistert auch die Konkurrenz

Eine zusätzliche Hilfe haben Bernhard und Julia Karle jedoch noch von einer ganz anderen, völlig unerwarteten Seite. Ihr Hund Afra ist ebenfalls ein leidenschaftlicher Flieger und weicht den beiden während der gesamten UL-DM nicht von der Seite. Die treue Hündin ist bei allen Aufgaben live im Cockpit mit dabei. Mit ihrer stoischen Ruhe und Begeisterung für das Fliegen erweist sie sich als perfektes drittes Crew-Mitglied, das in stressigen Navigationsmomenten für die nötige Gelassenheit in der Luft sorgt.

Anspruchsvolle Aufgaben steigern das fliegerische Know-how

Wer nun glaubt, die Newcomer werden in der harten Welt des Spitzenflugsports allein gelassen, der irrt gewaltig. Die Meisterschaft zeichnet sich durch einen ganz besonderen Geist aus: Eine eingeschworene Gemeinschaft empfängt jeden Neuling mit offenen Armen.

„Niemand sagt: Ihr seid Anfänger, seht zu, wie ihr klarkommt“, berichtet Bernhard. Erfahrene Routiniers, Fluglehrer und die Organisatoren der Bundeskommission Ultraleichtflug teilen ihr Wissen uneingeschränkt. Sie erklären den Neulingen, wie man Aufgaben strategisch angeht und wie man Navigationskarten im Wettkampfmodus fehlerfrei liest.

Fliegerisch warten harte Nüsse. Besonders das präzise Ziellanden in der engen „Touchdown-Area“ hinter hohen Bäumen treibt Bernhard anfangs den Schweiß auf die Stirn. Mit seinem schnellen Tiefdecker schießt er reihenweise über den Punkt hinaus. Doch durch den intensiven Austausch mit anderen Piloten knackt er den Code: Er lernt, die Anfluggeschwindigkeit ohne Sicherheitsrisiko drastisch zu reduzieren.

Sensationell aufs Treppchen

Die harte Arbeit in den Trainingstagen zahlt sich aus – und wie! In einem hochklassigen Teilnehmerfeld in der Klasse AL2 (doppelsitzige Dreichachser), das von den Siegern Adrian Jurjevic und Tizian Sander (3183 Punkte) angeführt wird, fliegen Bernhard und Julia Karle sensationell auf den zweiten Platz. Mit 2927 Punkten sichern sich die Meisterschafts-Debütanten den deutschen Vizemeisteredelstahl. Ein Ergebnis, mit dem das Cockpit-Team samt vierbeinigem Co-Piloten im Traum nicht rechnet.

Doch der wahre Hauptgewinn der UL-DM liegt für die beiden ganz woanders: im massiven Gewinn an fliegerischer Sicherheit. „Ich habe das Gefühl, als deutlich besserer und sichererer Flieger wieder nach Hause zu fliegen“, bilanziert Bernhard. Wie nachhaltig dieses intensive Training ist, merkt das Ehepaar kurz darauf bei einem anspruchsvollen Flug durch die Alpen. Die Arbeit mit der Karte und das punktgenaue, kurze Landen gelingen nun wie im Schlaf.

Siegerehrung UL DM 2006Siegerehrung UL DM 2006
Siegerehrung Klasse A2: Adrian Jurjevic / Tizian Sander (1. Platz),
Bernhard Karle / Julia Karle (2. Platz), Steffen Hladik / Siegmar Krahl (3. Platz)

Motiviert für mehr

Die Deutsche Meisterschaft in Böhlen bietet packenden Sport – von hauchdünnen Entscheidungen in der Klasse AL1 bis hin zu echten Zukunftspremieren wie dem Start des elektrisch betriebenen „Electra Trainers“. Für die Zukunft planen die Verantwortlichen bereits, die klassische UL-DM mit der Deutschen STOL-Meisterschaft (Kurzstart und -landung) zu verbinden – ein Format, das ausdrücklich auf das fliegerische Können und nicht auf die Flugzeugkonstruktion abzielt und perfekt für Einsteiger geeignet ist.

Bernhards flammendes Plädoyer an alle UL-Piloten da draußen lautet daher: „Nehmt die Deutsche Meisterschaft unbedingt auf euer persönliches Flugradar! Traut euch und versucht es einfach.“ Wer die Trainingstage vorab nutzt, nimmt weit mehr mit als nur eine Platzierung in einer Ergebnisliste. Es ist das intensivste, kameradschaftlichste und spannendste Weiterbildungsprogramm, das man sich als Pilot – ob auf zwei Beinen oder vier Pfoten – wünschen kann.

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