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Unfallbericht zum Absturz der Ju 52 ist vernichtend

Eklatantes Fehlverhalten der Piloten ist laut der Schweizer Flugunfalluntersuchungsbehörde SUST Ursache für den Absturz der Ju 52 mit der Kennung HB-HOT von JU-AIR.

Von Thomas Borchert
HB-HOT SUST
Der Unfallbericht der SUST ist sehr ausführlich

17 Passagiere und 3 Besatzungsmitglieder kamen am 4. August 2018 ums Leben, als die für Rundflüge eingesetzte Ju 52 mit der Kennung HB-HOT in den Schweizer Alpen abstürzte. Die historische Dreimot war auf einem Flug von Locarno nach Dübendorf unterwegs. Sie flog in einen Talkessel südlich des Piz Segnas ein und begann an dessen nördlichem Ende eine Linkskurve. Die verwandelte sich in eine spiralförmige Flugbahn mit allen Anzeichen eines Strömungsabrisses. Wenig später kollidierte die Maschine nahezu senkrecht mit dem Boden.

Die Schweizer Unfalluntersucher der SUST haben sich viel Zeit für ihren umfangreichen Bericht gelassen, der nun veröffentlicht wurde. Nachdem anfangs verlautete, es könnte technische Probleme mit dem historischen Flugzeug gegeben haben, kommt die SUST nun zu einem ganz anderen Schluss. Der Bericht ist vernichtend: „Die Flugbesatzung führte das Flugzeug hochriskant, indem sie es in geringer Höhe und ohne Möglichkeit für einen alternativen Flugweg in ein enges Tal steuerte“, heißt es dort. Und weiter: „Die Flugbesatzung wählte in Bezug auf den Flugweg eine gefährlich tiefe Geschwindigkeit.“ Beides habe vor dem Hintergrund zu erwartender Turbulenzen nicht nur einen Stall wahrscheinlich gemacht, sondern eine daraus folgende ausweglose Situation.

Seltener Anblick: Ju-52-FormationJu-Air
Aus guten Zeiten: Ju-52-Formation der JU-AIR

Weiter schreibt die SUST: „Die Flugbesatzung war es gewohnt, anerkannte Regeln für einen sicheren Flugbetrieb nicht einzuhalten und hohe Risiken einzugehen.“ Auch das Flugunternehmen, die auf Rundflüge mit historischen Flugzeugen des Musters Ju 52 spezialisierte JU-AIR, wird scharf angegriffen: „Die Flugbesatzungen des Flugbetriebsunternehmens, die eine Ausbildung als Luftwaffenpiloten aufwiesen, zeigten beim Fliegen der Ju 52 die Gewohnheit, systematisch anerkannte Regeln der Luftfahrt nicht einzuhalten und hohe Risiken einzugehen. Das Flugbetriebsunternehmen war nicht in der Lage, die während des Betriebs auftretenden Mängel und Risiken sowie die häufig begangenen Regelbrüche seiner Flugbesatzungen zu erkennen bzw. zu verhindern.“

17 nichtsahnende Passagiere starben, dazu die drei Besatzungsmitglieder.

Einen ausführlichen Bericht über die Unfallanalyse lesen Sie in fliegermagazin #4.2021, das am 16. März erscheint.

Die SUST hat ein Video produziert, das den Verlauf des Unglücksflugs und die Ursachen verdeutlicht. Die Schweizer Unfallermittler haben es auf dem Portal YouTube veröffentlicht:

Über den Autor
Thomas Borchert

Thomas Borchert begann 1983 in Uetersen mit dem Segelfliegen. Es folgte eine Motorsegler-Lizenz und schließlich die PPL in den USA, die dann in Deutschland umgeschrieben wurde. 2006 kam die Instrumentenflugberechtigung hinzu. Der 1962 geborene Diplom-Physiker kam Anfang 2009 vom stern zum fliegermagazin. Er fliegt derzeit vor allem Chartermaschinen vom Typ Cirrus SR22T, am liebsten auf längeren Reisen und gerne auch in den USA.

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