VOR-Funkfeuer verschwinden: Was bedeutet das für Piloten?
Im vergangenen Jahr sind 26 bodengestützte Funknavigationsanlagen
in Deutschland abgeschaltet worden.
Haben VORs und NDBs als Navigationshilfen ausgedient?
Der Berliner Luftraum ist um zwei VOR-Funkfeuer ärmer. Im Dezember 2025 stellten die VOR-Stationen Fürstenwalde (FWE) und Löwenberg (LWB) den Betrieb ein. Bei den vormals kombinierten VOR/DME-Anlagen blieb lediglich die Entfernungsmessung erhalten. Der Trend zur Ausdünnung der Funknavigationsanlagen betrifft aber nicht nur den ostdeutschen Luftraum.
Bundesweit wurden im vergangenen Jahr 26 solcher Anlagen abgeschaltet. Sortiert man die Daten nach Anlagentyp, ergibt sich folgendes Bild: Außer Betrieb gestellt wurden neun ungerichtete Funkfeuer (NDB), fünf gerichtete Funkfeuer (VOR), fünf Marker, drei DF-Peiler, zwei ILS-Gleitpfade, ein DME-Distanzmesser und ein militärisches TACAN.

Doch sind 26 Abschaltungen jetzt viel oder wenig? Droht dadurch ein Ausdünnen der bodenbasierten Navigationshilfen beim Streckenflug? Werfen wir einen Blick auf den Ist-Bestand. Die deutsche AIP IFR verzeichnet derzeit noch 37 verbleibende Funknavigationsanlagen für den Streckenflug. Bei den gerichteten Funkfeuern sind 21 moderne kombinierte DVOR/DME-Anlagen vorhanden, gefolgt von zwei DVOR-Stationen und einem militärischen DVORTAC-Funkfeuer.
Das »D« in den Abkürzungen steht für Doppler-UKW-Drehfunkfeuer. Diese neue Generation der Funkfeuer ist leistungsfähiger und weniger störempfindlich als ältere VOR-Anlagen. Außerdem sind drei reine DME-Entfernungsmesser sowie acht ungerichtete NDB-Funkfeuer in Betrieb.
Gründe für das Aus von VOR-Funkfeuer
Das Sterben der Funknavigationsanlagen hat mehrere Gründe. Zum einen ist der Betrieb besonders älterer Anlagen kostenintensiv. Die Infrastruktur wird nicht vom Bund direkt, sondern von privatwirtschaftlichen Unternehmen betrieben. Die Kosten werden über Gebühren für Flugsicherungsdienste refinanziert. In Deutschland gehören die meisten Anlagen der Deutschen Flugsicherung. Sie befindet sich allerdings zu 100 Prozent im Besitz des Staats.
Der zweite Grund ist der fortschreitende Ausbau der Windenergie. Einerseits konkurrieren Funkfeuer und Windräder um Flächen: Bergkuppen oder größere Freiflächen in ebenen Gegenden schaffen für beide Bauwerke ideale Voraussetzungen. Auf der anderen Seite reflektieren die Rotoren der Windkraftanlagen die Signale nahe gelegener Funkfeuer und sorgen so für Störungen. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) schreibt daher Schutzbereiche für Drehfunkfeuer vor.

Bei der Planung von Windkraftanlagen muss im Rahmen der Baugenehmigung eine entsprechende Prüfung erfolgen. Bislang lag der Radius der Schutzbereiches in Deutschland bei 15 Kilometern. Nach neuesten Forschungen konnte der Wert bei DVOR-Stationen auf sieben Kilometer reduziert werden. Die verkleinerten Schutzzonen erleichtern den weiteren Ausbau der grünen Energie. Doch auch die EU hat in Sachen Funknavigation ein Wort mitzureden. Denn die Performance-Based Navigation (PBN) für den Instrumentenflug soll in den Mitgliedsstaaten bis 2030 vereinheitlicht werden.
Dafür werden die Verfahren von bodengestützter Navigation auf satellitenbasierte Systeme wie GPS umgestellt. Die Ziele sind eine engere Staffelung des Verkehrs, ein flexibleres Routing und eine Reduzierung der Lärmbelästigung. Allerdings schreibt die EU-Durchführungsverordnung 2018/1048 auch ein »Minimum Operational Network« an Funknavigation am Boden vor, um den Instrumentenflugverkehr auch bei Satellitenausfällen gewährleisten zu können.
Wie geht es weiter?
Nach Angaben der DFS sollen bis 2032 rund 20 weitere Drehfunkfeuer außer Dienst gestellt werden. Gleichzeitig werden die verbleibenden Anlagen modernisiert. In Zukunft soll das Doppler-UKW Drehfunkfeuer (DVOR) zum neuen Standard werden. Das Eindrehen der Radiale in die CDI- oder HSI Anzeige bleibt uns also weiter erhalten.

Dirk M. Oberländer, Jahrgang 1975, verbrachte seine Jugend beim Segelfliegen am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg. Später folgte der Abschied vom Schieben und Umstieg zum Ultraleicht-Fliegen. Die zweite große Leidenschaft, das Schreiben, brachte Dirk zu Stadtmagazinen, Tageszeitungen, Kundenmedien und in die wunderbare Welt der Werbung. Immer mit einem Faible für Technik und die Menschen dahinter. So war es nur eine Frage der Zeit, bis der studierte Kultur- und Medienmanager beim fliegermagazin landete. Am Boden ist Dirk bevorzugt mit Laufschuhen und Rad unterwegs – im Urlaub auch gern mal mit Zelt in Richtung Süden.
