„Ein guter Flug beginnt mit einer guten Entscheidung“
Nach sechs Wochen Flugpause wächst die Ungeduld – doch tief liegende Wolken, Vereisungsgefahr und schlechte Sicht machen aus dem geplanten Inseltrip eine Lehrstunde am Flugplatz.
Kennen Sie das auch? Sie halten sich gleich zwei Wochenenden frei – und dann ist das Wetter einfach nicht VFR-tauglich. Und unter der Woche, wenn man aus dem Bürofenster schaut, strahlt der Himmel plötzlich winterlich blau. Man denkt daran, was das heute für ein herrlicher Flug über eine verschneite Landschaft wäre. Die Betonung liegt auf wäre. So ging es mir im Dezember – und besonders im Januar. In meinem Kopf machte sich langsam Nervosität breit: Schon sechs Wochen war ich nicht mehr geflogen.
Am letzten Januarwochenende nahm ich mir deshalb fest vor, endlich wieder in die Luft zu kommen, und verabredete mich mit meinem Pilotenfreund Nuno. Wir haben gemeinsam in derselben Flugschule gelernt. Mein Wunsch seit Wochen: ein Flug auf die Insel Juist. Schon ein paar Tage vorher telefonierten wir, um eine erste Einschätzung abzugeben. Das Ergebnis war eher ernüchternd: eisige Temperaturen, mögliche Vereisung, vor allem aber tief liegende Wolken und schlechte Sicht. Die Hoffnung wollten wir dennoch nicht aufgeben – also plante jeder von uns motiviert weiter.
Mithilfe der Flugwetter-App vom DWD schaut sich Isabella das Wetter genauer an.hilft die Flugwetter-App vom DWD. Bild: Isabella Sauer
Ich selbst machte das Briefing erst am Flugtag, um möglichst aktuelle Wetterdaten zu haben. Während ich auf dem Sofa lag und mit meiner Navigationsapp Garmin Pilot herumspielte, musste ich lächeln. Wie viel Spaß es mir machte, endlich wieder einen Flug zu planen! Fast war es mir egal, ob wir tatsächlich starten würden oder nicht. Tief in mir wusste ich ohnehin: Juist ist heute nicht im Rennen. Als ich Route und Flugzeug eingegeben hatte, zeigte mir Garmin Pilot recht eindeutig: Die Wetterbedingungen waren weder am Start- noch am Zielflugplatz VFR-tauglich. Trotzdem fuhr ich mit guter Laune zum Flugplatz.
Spontan ist der Plan
Vor Ort besprachen Nuno und ich die Lage noch einmal gründlich – und entschieden uns sehr schnell gegen einen Streckenflug. Die Wolkendecke lag bei rund 1.200 Fuß, teilweise bestand Vereisungsgefahr. Also tranken wir erst einmal einen Kaffee, redeten übers Fliegen und warfen immer wieder einen Blick in die Flugwetter-App vom Deutschen Wetterdienst. Gegen Mittag zeigte sich eine minimale Besserung. Und wir lernten selbst beim Warten eine Menge dazu. Winterflüge plant man schließlich nicht jeden Tag. Wir riefen uns noch einmal wichtige METAR-Abkürzungen ins Gedächtnis: FZ für gefrierend, BR für feuchten Dunst, PE für Eiskörner, SG für Schneegriesel. Besonders hilfreich war auch der Blick auf die farblich dargestellte Vereisungsvorhersage. Schließlich mummelten wir uns mit Handschuhen, Schal und Mütze ein und gingen in den Hangar. Unser Plan: Platzrunden mit der Cessna.
Mit der Cessna dreht Isabella mehrere Platzrunden.aber Platzrunden sind möglich und bringen Übung. Bild: Isabella Sauer
Egal wie – wir würden etwas lernen. Wann übt man sonst schon Landungen auf einer schnee- und eisbedeckten Piste? Auf der Platzrundenhöhe von 750 Fuß zeigte sich schnell: Mehr ist heute nicht drin. Eine gute Entscheidung. Zuvor beim Run-up stand ich auf der Bremse – und die Maschine rutschte trotzdem leicht weiter. Beim Landen schlidderte das Flugzeug ein wenig, das merkte ich sofort. Gefühlvolles Bremsen war gefragt, ebenso vorsichtiges Gasgeben, um ein Ausbrechen zu vermeiden. Irgendwie doch überraschend war dagegen die Steigleistung: »Wow, wie viel Performance wir haben«, sagte Nuno. In kürzester Zeit waren wir auf 400 Fuß. Die Kälte machte den Unterschied. Bei der dritten Landung wusste ich genau, was zu tun war, um die Maschine besonders sanft aufzusetzen. Nuno und ich waren zufrieden – auch wenn wir die Platzrunde nicht verlassen hatten.
Nach einer Pause trafen wir unseren früheren Fluglehrer Domenico. Spontan entschieden wir uns, noch in die DA40 zu steigen. Dieses Mal übernahm Nuno und flog drei Platzrunden – ich genoss den Blick von der Rückbank auf die Schneelandschaft: herrlich! Am Ende des Tages war ich froh, rausgefahren zu sein. Ein einziger Tag am Flugplatz hatte mir wieder Energie gegeben. Zeit mit Freunden dort zu verbringen, macht einfach Spaß. Und schon bald wird auch wieder ein Flug zu einem fremden Flugplatz anstehen.

Isabella Sauer ist Jahrgang 1991, studierte in Bamberg Kommunikationswissenschaft und absolvierte anschließend ein Volontariat bei Auto Bild. Seit ihrer Jugend ist sie journalistisch tätig und arbeitete für große Verlagshäuser, darunter Axel Springer und die Funke Mediengruppe. Print, Digital, Social Media - für Isabella hat jeder Inhalt das Potenzial, vielfältig aufbereitet zu werden. Und wie kam sie zum fliegermagazin? Das Thema Mobilität interessierte sie immer schon sehr. Ob Auto, Bahn, Camper, Airliner oder Fahrrad: Die Welt lässt sich aus vielen Perspektiven entdecken. Nun geht es für Isabella Sauer in die Luft. Seit Mai 2025 hat sie eine Privatpilotenlizenz (PPL).

