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Fliegen in Frankreich & Guernsey: Eine unvergessliche Leserreise

14 Crews erlebten auf der Leserreise im Mai wilde Landschaften voller Reiz, imposante Bauten mit viel Geschichte, sterneverdächtige Küche, jede Menge Meeresfrüchte, fliegerische Abwechslung von der Graspiste bis zum Verkehrsflughafen und viel Gelassenheit im Umgang mit Sperrgebieten.

Von Isabella Sauer
Ausblick über Küste von Bretagne
Die vielen Klippen und Inseln haben im Dunst einen besonderen Reiz. An Start und Ziel war der Himmel zum Glück blau. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer Ausblick über Küste von Bretagne

Die französische Luftraumstruktur macht es Piloten erstmal nicht leicht: Auf dem ersten Abschnitt der Leserreise von Colmar nach Blois zeigt ForeFlight mit eingeblendeten NOTAMs erstmal jede Menge rot. Das soll alles aktiv sein? Jetzt ist Recherche gefragt. Am Ende kommt heraus: Viele Sperrgebiete in Frankreich liegen nicht in dem Höhenband, in dem wir fliegen wollen.

Eine der berüchtigten Tiefflugstrecken ist erst ab 13.30 Uhr aktiv – da sind wir gerade eben vorbei, wenn wir uns ein bisschen ranhalten. Und die Aktivierungszeiten etlicher anderer Gebiete verbergen sich in AIP SUPs: Drei Stunden am Tag, wenn überhaupt, bitte nachfragen. Die sehr hilfreichen und ausgezeichnet Englisch sprechenden FIS-Lotsen helfen. Der Weg ist frei!

Flugkarte für das Fliegen in FrankreichFlugkarte für das Fliegen in Frankreich
Die schwierigste Etappe der Reise: Eine Schauerlinie mit teils tiefen Untergrenzen macht den Flug von Blois an der Loire zur Île d’Oleron schwierig. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

Wie gefährlich sind die vielen Sperrgebiete

Eine Woche verbringen wir mit den 14 Crews der Leserreise nach Frankreich und Guernsey Ende Mai im französischen Luftraum. Wir verlassen ihn – wieder mal – mit der Erkenntnis, dass man sich von den vielen Sperrgebieten auf der französischen Karte nicht abschrecken lassen darf. Der Status der Tiefflugstrecken ist online abrufbar, alle anderen Sperrgebiete kann man bei den FIS-Lotsen abfragen, mit denen man ohnehin in Kontakt sein sollte. Worst Case: Der Lotse nennt den Namen eines aktiven Sperrgebiets und man muss es mal eben schnell auf der Karte finden.

Und dann ist da noch das Wetter: An den ersten zwei Tagen spielt es nicht wirklich mit. Wir treffen uns am Montagmorgen auf dem Flugplatz in Colmar zum ersten Briefing. Es soll an die Loire gehen: In Blois wollen wir übernachten. Einige Schauer stehen im Weg, lassen sich aber gut umfliegen. Nur bei einem wird es eng: Gerade eben quetschen wir uns zwischen der Grenze einer Prohibited Area und einem heranziehenden Regengebiet hindurch – die Atomanlage mitten im Sperrgebiet ist gut zu erkennen.

Isabella und Thomas im FlugzeugIsabella und Thomas im Flugzeug
Isabella fliegt! In der Grumman Tiger wechselte sich das fliegermagazin-Team mit Thomas Borchert und Isabella Sauer auf dem Pilotensitz ab. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

Was macht das Fliegen in Frankreich so besonders?

Doch der Slalom um die Schauer hat auch sein Gutes: Schon auf dem Weg nach Blois passieren wir auf einem der kleinen Umwege das größte der berühmten Schlösser in der Loire-Region – Chambord. Es hat sogar ein eigenes kleines Sperrgebiet, damit Flugzeuge auf Sightseeing-Tour die Besucher nicht allzu sehr nerven.

Diese Gegend ist voller französischer Geschichte: Die Stadt Blois hat ein Schloss und eine sehenswerte Altstadt, durch die wir uns am Abend führen lassen. Wir lassen es krachen: Unser Hotel »Fleur de Loire« wird von einem Sternekoch geführt, der uns mit einem sehr französischen und sensationellen Menü verwöhnt – dabei sitzen wir nicht mal im Sterne-Restaurant des Hauses, sondern im »normalen«.

14 Maschinen der Leserreise auf Parkplatz14 Maschinen der Leserreise auf Parkplatz
Ein breiter Mix: Die 14 ganz unterschiedlichen Maschinen der Leserreise stehen auf der Parkfläche in Blois. Eine vor Ort stationierte Robin hat sich dazu gesellt. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

Wie verändert Schauerwetter die Flugplanung?

Am nächsten Morgen hängen die Wolken noch ein bisschen tiefer als am Tag zuvor. Doch wir besuchen erstmal das Schloss Chambord zu Fuß. Es ist ein riesiges Renaissance-Gebäude mit hunderten Zimmern, vor allem eine Machtdemonstration der damaligen Herrscher. Genutzt wurde es nur sehr gelegentlich als Jagdschloss. Eigentlich haben wir für den Abflug Richtung Atlantikküste eine Schlössertour ins GPS programmiert.

Die Koordinaten von Chambord sind ebenso enthalten wie die von Cheverny. Dieser Bau hat den Comic-Zeichner Hergé in seinen Tim-&-Struppi-Büchern zum Schloss Mühlenhof inspiriert, in dem die Comic-Figur Kapitän Haddock wohnt. Auch das Wasserschloss Chenonceau haben wir in die Route aufgenommen, ebenso den Ort Amboise, wo Leonardo da Vinci begraben ist. All das lässt sich zum Beispiel mit der Suchfunktion in ForeFlight gut finden und dann als User-Wegpunkt programmieren.

Loire-Schloss Chambord von obenLoire-Schloss Chambord von oben
Ein kleiner Jagdsitz: Das größte Loire-Schloss Chambord wurde tatsächlich nur gelegentlich für Jagdausflüge genutzt – war aber ein Symbol für die Macht von Franz I. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

Die Vorteile in Frankreich beim Fliegen in der Gruppe

Aber die Schauer sind dichter geworden, sie sorgen für eine schlechte Sicht und erfordern Umwege. Chambord ist vom Rand des Sperrgebiets kaum zu erkennen, in Cheverny und Chenonceau haben wir mehr Glück. Wir sind mit einer Grumman Tiger unterwegs – und so mit einer Cessna 172 und einer Piper Archer in der Flotte eher langsam unterwegs. Den Umweg nach Amboise schenken wir uns deshalb.

Richtung Südwesten in Frankreich auf dem Weg zur Île d’Oléron erwischen uns immer wieder Regengebiete, die uns zum Teil zwingen, sehr tief zu fliegen. Das Reisen in der Gruppe zahlt sich aus: Die schnelleren können auf der Bord-Bord-Frequenz berichten, dass es nach vorn wieder besser wird. Auch FIS hilft uns mit der Bestätigung, dass die Sperrgebiete wie recherchiert nicht aktiv sind.

Muschelzucht von obenMuschelzucht von oben
Überall Muschelzucht: An den geschützeren Stränden der Atlantikküste ragen die Gestelle der Austern- und Miesmuschelzuchten aus dem flachen Wasser – hier bei der Île d’Aix. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

Lohnt sich ein Zwischenstopp auf der Île d’Oléron?

Am Atlantik liegt die Wolkenuntergrenze dann bei nur etwa 900 Fuß – aber bei guter Sicht und ohne Gelände oder Hindernisse. Die Graspiste der Île d’Oléron liegt für uns bereit. Am Funk ist hier kein Mensch, der Verkehr spricht sich untereinander ab – auf Englisch oder Französisch.

Unser Hotel liegt direkt am Meer, in das sich dann auch gleich mehrere Reisende bei nur 15 Grad Wassertemperatur hineintrauen. Hier dreht sich alles um Meeresfrüchte. Austern und Miesmuscheln, Krabben und Wellhornschnecken landen auf dem Teller. Das Mittagessen am nächsten Tag genießen wir bei einem Muschelzüchter auf dem Hof, direkt neben den Austernklärbecken, die über ein Kanalsystem bei Flut befüllt werden. Die Spezialität der Region sind »Eglades«: Miesmuscheln werden auf einem Holzbrett mit Pinienreisig überdeckt, das dann angezündet wird. In der herabfallenden Glut garen die Muscheln dann.

Bretagne (Frankreich) beim fliegen von obenBretagne (Frankreich) beim fliegen von oben
Diese Küste malte schon Monet: Die Bretagne und vor allem die Belle-Île hatte es dem berühmten Impressionisten angetan. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

Beim Fliegen in Frankreich muss man Französisch sprechen?

Am Nachmittag folgen wir der Küste Richtung Bretagne. Die Belle-Île an deren Südrand ist unser Ziel. Wieder liegen jede Menge Sperrgebiete auf der Route, wieder ist keines aktiv. Allerdings müssen wir uns hier um eine weitere französische Besonderheit kümmern. In der AIP steht ganz klar: Wenn der AFIS-Dienst auf der Belle-Île nicht besetzt ist – so wie zu unserer Ankunftszeit –, dann muss hier auf Französisch gefunkt werden. »FR only« steht da.

Wir haben Glück: Telefonisch erklärt uns die freundliche AFIS-Lotsin, wir sollten ruhig auf Englisch funken – sie würde mithören und sich einmischen, wenn es Probleme gäbe. Allerdings: An anderen Plätzen wird die Französisch-Pflicht strenger gehandhabt, zum Beispiel in Blois und Colmar in der Mittagspause.

Reisegruppe sitzt draußenReisegruppe sitzt draußen
Fürs draußen sitzen warm genug: Die Gruppe beim Abendessen in Sauzon auf der Belle-Île. Der Ort mit malerischem Hafen gefällt allen. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

Kann man überall auf Englisch funken?

Im Internet finden sich Anleitungen, wie man mit nur einer Handvoll grundlegender Funksprüche klarkommt und wie die auszusprechen sind. Mit rudimentärem Schulfranzösisch kommt man gut klar. Die Mehrheitsmeinung aller, die sich mit dem Thema beschäftigen, lautet klar: Ein französischer ICAO-Sprachnachweis ist nicht erforderlich.

Zwei Nächte verbringen wir auf der Belle-Île, deren besondere Atmosphäre uns verzaubert. Den flugfreien Tag nutzen wir, um auf einer E-Bike-Rallye die Insel zu erkunden. Sie endet mit einem Barbecue am Strand. Bei so viel Freizeit nimmt ein Plan Gestalt an, den es so noch nie auf einer Leserreise gab: Alex holt sich Unterstützung bei einigen Mitreisenden.

Aussicht vom Hotel Castel Clara auf der Belle-ÎleAussicht vom Hotel Castel Clara auf der Belle-Île
Was für ein Blick! Die Aussicht vom Hotel Castel Clara auf der Belle-Île genießen die Reisenden von den Zimmern und auf der Terrasse (unten links). Die Unterkunft holt Gäste in Absprache gerne vom Flugplatz ab. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

Von Frankreich bis nach Guernsey fliegen

Er will auf Guernsey einen Verlobungsring kaufen und dann seiner Partnerin Regina einen Antrag machen. Im Flug? Eher nicht, raten die anderen, das lenkt dann doch zu sehr ab, und man will sich ja auch auf diesen besonderen Moment konzentrieren können. Dann also auf dem Vorfeld in Rouen. So soll es werden.

Es folgt der Teil der Reise, der etwas Bürokratie erfordert: Wir wollen zur Kanalinsel Guernsey – und dafür ist Zoll- und Grenzabfertigung erforderlich. Auf der Belle-Île gibt es die nicht, also fliegen wir eine kurze halbe Stunde hinüber nach Quimper. Dort muss man den Zoll spätestens 48 Stunden vorher beantragen. Für Guernsey gibt es ein eigenes Online-Formular zur Anmeldung. Außerdem ist ein Reisepass erforderlich, ebenso seit kurzem die schon länger für alle Reisen nach Großbritannien erforderliche »Electronic Travel Authorization«. Diese ETA wird kostenpflichtig online beantragt, sie gilt für zwei Jahre.

Zwei Reisende mit Fahrrädern auf Belle-ÎleZwei Reisende mit Fahrrädern auf Belle-Île
Viel Spaß auf der Radtour: Die hügelige Belle-Île lässt sich mit dem E-Bike besonders gut erleben. Im Mai ist es hier noch zu kalt zum Baden, aber so richtig warm wird der Atlantik ohnehin nicht. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

Welche Einreiseformalitäten gelten für Guernsey?

Die nahe Militärbasis hat einige Sperrgebiete, doch der Lotse wird gleich nach dem Start kontaktiert und führt uns sauber um die eine aktive Zone herum. Wieder lohnt es sich, vorher die Namen und Nummern der Gebiete auf der Karte zu studieren, damit man weiß, wovon die Rede ist. Zur Not hilft aber auch Nachfragen, wie einige im Team herausfinden.

Der Ablauf in Quimper ist perfekt: Die Dame vom Zoll sitzt in einer kleinen Kabine und scannt die Pässe, etwas weiter wird die Landegebühr von zwölf Euro kassiert – und keine halbe Stunde später sind wir wieder in der Luft. Die große Runde entlang der wilden Bretagne-Küste lohnt heute nicht: Der Westen ist von flachem Seenebel verhüllt. Doch im Norden bietet das Zusammenspiel von Nebel und Felsenküste einen wunderschönen Anblick.

Bootsfahrt an der Küste von GuernseyBootsfahrt an der Küste von Guernsey
Bootsfahrt vor steilen Felsen: Der dunkle Streifen an der Küste Guernseys markiert den Flutsaum bei Hochwasser. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

So lief der Anflug auf Guernsey ab

Im Anflug auf Guernsey wird es mit unseren 14 Flugzeugen und Linienverkehr etwas eng. Auf den Erstanruf kommt vom Lotsen sofort: »D-ELHY, good morning, orbit to the right now!« Fünf Kreise drehen wir, ebenso wie die Maschinen um uns herum. Der Reihe nach ruft uns der Lotse ab. Das klappt hervorragend, ebenso wie das hier vorgeschriebene Handling.

Unser Agent ist ASG, dort wird unsere Spritbestellung entgegengenommen, wir müssen uns um nichts kümmern. Am nächsten Morgen steht die Maschine vollgetankt mit hier steuerfreiem Sprit da. Wie alle Kanalinseln hat Guernsey eine ganz besondere Atmosphäre mit einem speziellen Mix aus Frankreich und England. Alex und Fred ziehen auf der Suche nach Juwelieren los, Regina wird von Mitreisenden abgelenkt. Die Herren kommen zufrieden von einem vermutlich nicht günstigen Ausflug zurück.

Fachwerkhaus in RouenFachwerkhaus in Rouen
Fachwerk und Tragödie: Auf dem Marktplatz von Rouen wurde die berühmte Widerstandskämpferin Jeanne d’Arc hingerichtet. Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer

Wir fliegen zum Abschluss zurück nach Frankreich

Morgens klärt ein Anruf bei einer Militärnummer aus der AIP: Diesmal ist es so weit – ein Sperrgebiet am Festland ist aktiv! Bei knallblauem Himmel wollen wir in 5000 Fuß auf dem Weg nach Rouen oben drüberfliegen. Das klappt prima, schon die Lotsen in Jersey schicken uns ungefragt nach da oben. Über den Invasionsstränden der Normandie können wir schon wieder so weit sinken, dass Bunker und Soldatenfriedhöfe zu erkennen sind. Der Überflug der Strände ist beklemmend und beeindruckend zugleich.

Auf dem Vorfeld in Rouen versammeln sich dann alle – das obligatorische Gruppenfoto ist die Ausrede. Die Flughafen-Crew ist eingeweiht und schleicht sich mit einem Riesenbeutel Konfetti und einer Flasche Champagner heran. Dann wird’s romantisch: Alex kniet, Regina sagt »ja« – und alle jubeln. Ein toller Moment: Alles Gute und viel Glück! Ach ja, Rouen: Wir sind sehr positiv überrascht. Diese schöne Altstadt mit interessanten Bauten, einer tollen Gastro-Szene und einer lebendigen Stimmung hatten wir nicht erwartet. So wird Rouen zu einem in jeder Hinsicht gelungenen Abschluss.

Heiratsantrag auf der LeserreiseHeiratsantrag auf der Leserreise
Das gab’s noch nie: Ein Heiratsantrag auf der Leserreise! Bild: Thomas Borchert/Isabella Sauer
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Über den Autor
Isabella Sauer

Isabella Sauer ist Jahrgang 1991, studierte in Bamberg Kommunikationswissenschaft und absolvierte anschließend ein Volontariat bei Auto Bild. Seit ihrer Jugend ist sie journalistisch tätig und arbeitete für große Verlagshäuser, darunter Axel Springer und die Funke Mediengruppe. Print, Digital, Social Media - für Isabella hat jeder Inhalt das Potenzial, vielfältig aufbereitet zu werden. Und wie kam sie zum fliegermagazin? Das Thema Mobilität interessierte sie immer schon sehr. Ob Auto, Bahn, Camper, Airliner oder Fahrrad: Die Welt lässt sich aus vielen Perspektiven entdecken. Nun geht es für Isabella Sauer in die Luft. Seit Mai 2025 hat sie eine Privatpilotenlizenz (PPL).

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