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Leserreise 2011 von DFS und fliegermagazin: Inselparadiese in Dänemark

Trotz widrigen Wetters: Die Teilnehmer der gemeinsam von fliegermagazin und DFS Deutsche Flugsicherung veranstalteten Leserreise waren von der traumhaften Landschaft und den freundlichen Menschen in Dänemark begeistert

Von Thomas Borchert
Foto: Christina Scheunemann

Der Regen pladdert gegen die Scheiben des Kiosks auf der Hafenmole von Endelave. Kräftige Böen rütteln an der kleinen Holzbude. Im Raum vor dem Ausgabefenster drängen sich die Teilnehmer der fliegermagazin-Leserreise. Es gibt dänische Hotdogs für alle, mit roter Wurst und Röstzwiebeln. Als die freundliche Verkäuferin den dritten hinaus reicht, fällt uns ihr Unterarm-Tattoo auf: „Wer den Regenbogen erreichen will, muss zuerst einen Sturm überstehen“, steht da auf Englisch. Das passt genau zu unserem Reisewetter.

Aber fangen wir am Anfang an. Seit Monaten steht der Termin für die zweite Leserreise fest, die das fliegermagazin in Zusammenarbeit mit der DFS Deutsche Flugsicherung anbietet: Von 17. bis 19. Juni soll es nach Dänemark gehen (siehe Karte). Das ist der Plan: Von St. Peter Ording führt die Route am Freitag auf die Insel Ærø, dann am Samstag weiter nach Endelave und Randers, schließlich Sonntag auf das winzige Eiland Femø. 28 Teilnehmer mit 16 Flugzeugen haben sich angemeldet. Doch der Femø-Plan platzt zuerst. Wir stehen vor dem klassischen Dilemma der VFR-Reisefliegerei: Ohne Festlegung eines Termins weit im Voraus sind längere Trips kaum machbar. Doch wenige Tage vorher ist die Wettervorhersage fürchterlich: Durchzug eines Tiefs, niedrige Stratusbewölkung, Wind mit 20 bis 30 Knoten, in Böen bis 50!

Foto: Christina Scheunemann
Inselfliegen: Die Schwimmwesten werden vor dem Start angelegt – im Notfall bleibt dafür keine Zeit
(Foto: Christina Scheunemann)

Dass bei solchen Windstärken die schmale, nur in je einer Richtung nutzbare Piste in Femø (fliegermagazin 7/2010) ausfällt, ist die einfachste Entscheidung. Die Alternative Stauning an Jütlands Westküste bietet ein sehenswertes Luftfahrtmuseum. Wenn wir überhaupt bis dahin kommen … Freitag wird das Wetter wohl noch problemlos sein, doch am Samstag soll es viel Regen geben – und wer am Sonntag unbedingt wieder zu Hause sein muss, könnte Schwierigkeiten bekommen. Die drei angemeldeten ULs sagen angesichts des Winds als erstes ab. Drei Echo-Klasse-Teams entscheiden ebenso. Immerhin können zwei UL-Besatzungen dennoch teilnehmen: Ernst und Gaby Bickmeier, die in ihrem Eurofox fliegen wollten, fahren mit dem Auto nach St. Peter-Ording und kommen in der Piper PA28-235B Pathfinder von Markus Vogt und Gabriele Brix unter. Die 235 PS starke D-EEBU hat mit der Extra-Zuladung kein Problem. fliegermagazin-Redakteur Martin Naß, ebenfalls Eurofox-Besitzer, steigt bei Christina Scheunemann und Thomas Borchert mit in die Tobago.

Mit Sicht „von Pol zu Pol“ unter gut fliegbaren Cumuluswolken zeigt sich die deutsche Nordseeküste am Freitagvormittag von ihrer besten Seite. Kurz vor 11 Uhr sind fast alle Maschinen wie geplant in St. Peter-Ording gelandet, nur der Motorsegler HK36 Dimona aus Borkenberge kommt wegen eines technischen Problems etwas später.

Zufriedene Piloten der Bölkow Monsun nach ihrer Landung auf Ærø

Bei Brunch & Briefing im Flugplatzrestaurant sprechen Jan-Eric Putze von der DFS Deutsche Flugsicherung und Thomas Borchert die Reiseroute ausführlich durch. Vor allem geht es um zwei Besonderheiten. Zum einen um Flüge über Wasser: Ganz klar, dass Rettungswesten Pflicht sind. Nicht jedem klar: Wer die Weste im engen Cockpit nicht ständig trägt, hat kaum Chancen, sie im Notfall anzulegen. Freundlicherweise hat Friebe Luftfahrt-Bedarf aus Mannheim kostenlose Leihwesten zur Verfügung gestellt.Die zweite Besonderheit betrifft das Fliegen bei unseren Nachbarn in Dänemark: Flugleiter sind hier ebenso unbekannt wie veröffentlichte Platzrunden. Piloten landen eigenverantwortlich mit Meldungen auf der Platz- oder Air-to-Air-Frequenz. Die Verfahren besprechen wir genau, denn mit unseren zehn Maschinen wird eine Menge Verkehr in der Luft sein.

Nach der Aufgabe der von Dänemark für Grenzüberflüge geforderten Flugpläne geht es um 14 Uhr endlich los. Meteorologisch gibt es nur ein Problem: Der Wind auf Ærø steht mit bis zu 15 Knoten genau quer zur „33“. Das wird für manche Maschinen schon spannend. Gerade mal 75 Nautische Meilen sind es bis Ærø, die Route führt von Flensburg aus an der Insel entlang. Traumhaft ist der Ausblick auf die Eilande nördlich von Ærø; das flache Wasser glitzert in allen denkbaren Schattierungen von Türkis und Blau. Zu recht heißt diese Gegend „Dänische Südsee“.

Foto: Christina Scheunemann
Typisch dänisch: Selbstverständlich weht vor dem Haus des Leuchtturmwärters der Danebrog
(Foto: Christina Scheunemann)

Bald sind alle Flugzeuge sicher gelandet, der Bus bringt uns zum Hotel im Städtchen Ærøskøbing. Die milde Abendsonne nutzen die meisten Crews für einen Spaziergang durch den niedlichen Ort mit seinen schiefen Fachwerkhäusern und Kopfsteinpflaster. An den Wohnzimmerfenstern sind die hier seit Jahrhunderten üblichen Winkelspiegel befestigt, mit denen die Bewohner vom Sofa aus die Straße hinauf und hinab schauen können. Am Dorfstrand, einer karibisch anmutenden Bucht, treffen sich einige Hartgesottene zu einem kurzen Ostseebad, dann serviert das Hotel Ærøhus unter einem Zeltdach unser Abendessen im Freien.

Strömender Dauerregen begleitet das Frühstück am Sonnabend. Nicht die besten Aussichten für einen Tag, der eigentlich im Freien auf der Insel Endelave verbracht werden soll. Uns ist nicht so richtig klar, dass wir diesem Regengebiet noch drei weitere Male begegnen werden. 


Die Flotte beim Start: Zehn Flugzeuge auf Leserreise

Immerhin gibt der METAR von Odense, einem größeren Flugplatz auf der Strecke, Untergrenzen an, die im nordischen Flachland ordentlich fliegbar sein sollten: Von 800 bis 1200 Fuß ist die Rede, die Sichten betragen außerhalb des Regens mehr als zehn Kilometer und darin noch 4000 Meter oder mehr. Der Wind dagegen ist, anders als vorhergesagt, gar kein Problem. Zwar liegt entlang der direkten Route über die Insel Fünen einer der in Dänemark verbreiteten Antennenmasten mit über 1000 Fuß Höhe, aber der sollte leicht zu umfliegen sein.

Während der Vorflugkontrollen lässt der Regen nach. Doch gleich nach dem Start der Tobago und der Pathfinder wird klar: Tief hängende Wolkenfetzen sind übriggeblieben. Sie zwingen uns bis auf 600 Fuß herunter. Darunter bleibt die Sicht allerdings gut. Unsere Strategie, auf der Air-to-Air-Frequenz nochmal abgestimmt: über dem Wasser an der Ostküste der Insel Fünen entlang nach Norden. Das hat zwei Vorteile: Über Wasser gibt es keine Hindernisse, und die Ostküste ist für den Piloten an der linken Seite immer gut als Referenz zu erkennen. Bald setzt Regen ein, der die Sicht nach vorne nicht gerade verbessert: Unsere zweite Begegnung mit dem Frühstücksregen, der nach Norden weitergezogen ist. Wir passieren die Brücke über den Großen Belt, die sich gen Osten ins Dreckwetter schlängelt. Kurz darauf wird es endlich besser. Die hinten fliegenden Maschinen nehmen die Nachricht auf der Air-to-Air-Frequenz mit Freude auf: gute Sicht und Untergrenzen oberhalb 1500 Fuß.

Foto: Christina Scheunemann
Radeln im Regen: Gestärkt geht es vom Endelaver Hafen mit den roten Flugplatz- Fahrrädern zurück zu den Maschinen (Foto: Christina Scheunemann)

Der Flugplatz auf der Insel Endelave ist ein kleines Fliegerparadies, das Jens Toft, ein Urgestein der dänischen Oldtimer-Szene, neben seinem Ferienhof eingerichtet hat (fliegermagazin 11/2009). Alle Maschinen landen im Trockenen auf der 650-Meter-Grasbahn. Eigens kommt der Bauer vom Nachbarhof mit einem E-Mail-Ausdruck von Jens: Er hat es wegen technischer Probleme nicht von Stauning herübergeschafft. Wir haben den Platz für uns: kein Flugleiter, nur ein Stahlkasten an der Scheunenwand, in den wir unsere Landegebühr einwerfen. So einfach kann Flugplatzbetrieb sein!

Kaum haben wir uns die Leihfahrräder genommen, die im ehemaligen Kuhstall stehen, holt uns der Regen zum dritten Mal ein. Unverdrossen radeln wir zum Hafenkiosk und zu den bereits erwähnten Hotdogs. 


Umkehren? Bei schwieriger Sicht, in Gegenrichtung zu den anderen Teilnehmern?

Wir haben nur 45 Nautische Meilen bis zu unserem Quartier in Randers vor uns. Dort meldet der METAR gut fliegbares Wetter. Doch nach dem Start zeigt sich: Wir müssen wieder durch unser altbekanntes Regengebiet. Gerade eben geht es noch an der jütländischen Küste weiter. Umkehren? Bei schwieriger Sicht, in Gegenrichtung zu den anderen Teilnehmern? Die Entscheidung steht an, da meldet die Spitzengruppe nördlich Århus beste Sicht und gute Untergrenzen. Das war auch nötig, denn wir müssen jetzt ins Inland fliegen. In Randers bringt uns ein Bus zu einer besonderen Attraktion: In drei riesigen Glaskuppeln ist ein tropischer Regenwaldzoo untergebracht, die Besucher spazieren zwischen üppigen Pflanzen und den frei laufenden Tieren herum. Nur die gefährlichen Spezies sind eingesperrt – ein reizvolles Zookonzept. Unsere Führerin Anne zeigt Flughunde und Faultiere, Schlangen, Tapire, allerlei Vögel und jede Menge Affen, die wir aus nächster Nähe beobachten können.

Im historischen Hotel Randers wartet abends städtischer Luxus auf uns: Im festlich geschmückten Saal genießen wir an einer langen Tafel ein Drei-Gänge-Menü. Der Sonntag bringt schwierige Entscheidungen. In Jütland ist das Flugwetter einwandfrei: fast unbegrenzte Sicht, Wind bis 15 Knoten, aufgelockerte Bewölkung – der versprochene Regenbogen nach dem Sturm. Doch in Norddeutschland zieht am Vormittag eine Front durch, mit eingelagerten Gewittern und den angekündigten Starkwinden. Zwei Crews versuchen, noch am Morgen östlich daran vorbei zu kommen. Die anderen fliegen nach Stauning und hoffen auf die Rückseite am Nachmittag. Jens Toft, der Besitzer des Flugplatzes auf Endelave, überrascht uns in Stauning.

Foto: Christina Scheunemann
Endlich Besserung: An der Küste nördlich von Århus heben die Untergrenzen an. Bei bester Sicht geht es in 1200 Fuß nach Randers (Foto: Christina Scheunemann)

Der alte Herr hat das Museum am Platz mit aufgebaut. Er fliegt noch heute Museumsmaschinen wie die Tiger Moth und etliche Muster des dänischen Herstellers Kramme & Zeuthen. Seine Führung durch die Sammlung, in die das offizielle Museum der dänischen Luftwaffe eingegliedert wurde, ist von persönlichen Geschichten geprägt. Der Abschied von den Crews lässt sich nach Kaffee und Kuchen nicht mehr hinausschieben. Tatsächlich wird das Wetter in Deutschland nochmal richtig schwierig; Drei Teams schaffen es erst am Montag nach Frankfurt und Würzburg. Doch trotz dieser Schwierigkeiten ist klar: Auch im nächsten Jahr wird sich eine Leserreise auf den Weg zum Regenbogen machen.

Fotos: Christina Scheunemann, fliegermagazin, 8/2011

Über den Autor
Thomas Borchert

Thomas Borchert begann 1983 in Uetersen mit dem Segelfliegen. Es folgte eine Motorsegler-Lizenz und schließlich die PPL in den USA, die dann in Deutschland umgeschrieben wurde. 2006 kam die Instrumentenflugberechtigung hinzu. Der 1962 geborene Diplom-Physiker kam Anfang 2009 vom stern zum fliegermagazin. Er fliegt derzeit vor allem Chartermaschinen vom Typ Cirrus SR22T, am liebsten auf längeren Reisen und gerne auch in den USA.

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