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Über die Alpen nach Kroatien: UL-Inselhopping an der Adria

Dorothea und Rüdiger Drews und ihre beiden Söhne 
flogen mit einer Piper Cherokee von Norddeutschland nach Kroatien zum Inselhopping an die Adria

Von Redaktion
Foto: Rüdiger Drews

Mit 30 Knoten bläst uns der Südostwind entgegen und bremst uns gehörig aus. Erst dreieinhalb Stunden nach dem Start in Itzehoe nordwestlich von Hamburg taucht der Chiemsee auf – freier Blick auf die Alpen bei CAVOK-Bedingungen. Respektvoll nähern wir uns den ersten Bergen, geben unseren geradlinigen Kurs auf und folgen in 7500 Fuß den Tälern, sprachlos, denn Funkkontakt kommt in dieser Höhe nicht zustande, und die bizarre Schönheit der Felsen lässt uns ebenfalls verstummen.

Die vielen Falten und Risse im Gestein weisen auf das Alter hin und darauf, dass die Berge schon viel erlebt haben. All diese faltigen Gesichter begleiten uns, bis wir nach einer Rechtskurve Zell am See erblicken und auf 540 Meter langen Piste 08 landen, die auf 2470 Fuß Höhe liegt. Die Landung ist cool, doch schweißgebadet verlassen mein Mann Rüdiger, unsere beiden Söhne John und Jeremy und ich das Cockpit, denn die Mittagssonne knallt uns mit fast 30 Grad entgegen.

Foto: Dorothea Drews
Urlaubsflieger: Zwischenstation auf dem Flughafen Pula (Foto: Dorothea Drews)

Betankung, Flugplan und Zoll sind schnell erledigt, doch dann müssen wir prüfen, ob die mit 660 Metern etwas längere Startstrecke der „08“ ausreicht, um unsere vollgepackte Cherokee bei dieser Höhe und diesen Temperaturen in die Luft zu bringen und unsere Reise nach Kroatien fortzusetzen.

Der Lycoming arbeitet hart, die Steigrate beträgt bei dieser Temperatur und Höhe bald nur noch knapp 300 Fuß pro Minute

Mit geleantem Gemisch gelingt der Kurzstart mit 25 Grad Klappen nach weniger als 400 Metern. Unser Lycoming arbeitet hart, die Steigrate beträgt bei dieser Temperatur und Höhe bald nur noch knapp 300 Fuß pro Minute. Die Route führt uns am Großglockner vorbei über Lienz Richtung Klagenfurt. Schnee bekleidet die Gipfel neben uns – ein skurriles Szenario, denn die Sonnenstrahlen blenden uns im Cockpit, und die Schirmmützen haben wir tief ins Gesicht gezogen. In 9500 Fuß ist der Funkkontakt sehr gut, wir überfliegen bei Klagenfurt die Grenze nach Slowenien.

Unter uns liegt ein riesiges Segelfluggebiet, schon auf kroatischem Territorium und genau auf unserem direkten Weg nach Pula, sodass wir erst kurz vor dem Flughafen sinken können. „D-EEKD, for technical landing runway 09“, erklären wir Pula Approach und erhalten durch den kleinen Zusatz „technical“ gleich alle Lande- und Handlinggebühren mit 50 Prozent rabattiert: Eine so genannte technische Landung liegt dann vor, wenn man den Flughafen nur zum Tanken oder für die Zollabfertigung anfliegt und das Flughafengelände nicht verlässt.

Wir landen von der Seeseite aus auf der „05“

Vom freundlichen Ramp-Agent werden wir quer über das gesamte Vorfeld zum Abfertigungsschalter gefahren und von einer Begleiterin zur Passkontrolle gebracht. Alles in allem hat dieser Rundkurs durch das gesamte Flughafengelände nur eine halbe Stunde gedauert und uns knapp zehn Euro gekostet. Zurück beim Flieger müssen wir aber – in Kroatien Vorschrift, wenn man die Platzrunde verlässt – für unseren letzten Zehn-Minuten-Trip zur kleinen Insel Unije noch einen Flugplan aufgeben, der 30 Minuten später auch akzeptiert ist.

Foto: Dorothea Drews
Natürliches Hindernis: Vor und nach dem Badeurlaub liegen die Alpen – für sich allein schon sehenswert
(Foto: Dorothea Drews)

Unije ist schon bald in Sicht. Auf der Insel gibt es viele Schafe, und weil auf der Flugplatzfrequenz im Moment noch nicht geantwortet wird, machen wir erstmal ein Midfield-Crossing, um die Lage zu peilen. „Die haben da einen Zaun gebaut“, staunt Rüdiger und findet anders als bei früheren Besuchen keinen einzigen Wolle tragenden Vierbeiner auf der Piste. Wir landen von der Seeseite aus auf der „05“, nach dem Windcheck ist das heute die beste Landerichtung. “ … aber auch sonst sollte eine Landung von der Seeseite Priorität haben, denn die Berge auf Unije können zu gefährlichen Turbulenzen führen!“, erklärt uns der inzwischen mit seinem schwarzen Moped herbeigeeilte, Deutsch sprechende Flugleiter.

Drago ist uns schon gut bekannt; er organisiert uns gleich noch eine private Unterkunft und balanciert das Gepäck auf seinem Moped in den 200 Meter entfernten Ort. Die Augen unserer Jungs strahlen: Sie haben sich auf die Wiederkehr nach Unije lange gefreut. Auch Rüdiger und ich strahlen, und sogar die Augen des Eisdielenbesitzers leuchten auf, als er uns nach vielen Jahren wiedererkennt.

Wir nutzen unsere PA28 für einen ausgiebigen Rundflug

Mittlerweile ist es dunkel, es dämmert hier spürbar schneller als in Norddeutschland. Wir müssen nichts mehr organisieren und können uns ganz auf die abendliche Stimmung am kleinen Hafen einlassen. Junge und Alte sitzen auf den Kaimauern und diskutieren, angeln oder schauen schweigend in die Ferne. Kinder plantschen noch im Wasser, einige Dingis pendeln zwischen Yacht und Strand, die Restaurants sind gefüllt. Eine Frau am Strand nimmt Tintenfisch aus, viele Möwen freuen sich darüber. So entspannt verläuft ein typischer Abend auf Unije. Manchmal gibt es auch eine kleine Sondervorstellung: Da posaunt etwa der Unije-Zirkus – bestehend aus einer Frau, zwei Männern und einem Hund – die kleine Hafenzeile entlang und zeigt seine Jonglier- und Dressurkunststücke. Der Hund ist ungeschminkt, und wir identifizieren ihn daher später außerhalb seiner Arbeitszeit eindeutig unter den Gastromonietischen.


Tagsüber nutzen wir die frühen und noch angenehm kühlen Morgenstunden, um die Insel zu erwandern. Nach Norden kommen wir über einen kleinen Weg zu einer versteckten Badebucht und können von dort aus die Kalksandsteinküste erklettern; Richtung Süden führt ein Pfad zu dem früher bewohnten Süd-Leuchtturm von Unije.

Foto: Dorothea Drews
Nah dran: Der Flugplatz auf Unije ist nur wenige hundert Meter vom Ortszentrum und dem Hafen entfernt (Foto: Dorothea Drews)

Im Osten führt der Weg durch die engen Gassen des Dorfs, an der Kirche vorbei, die sich mit ihrem Glockengeläut allmorgendlich um 6.30 Uhr bemerkbar macht, zu den tief eingeschnittenen Buchten der Insel, in denen Yachten ankern und die wir zum Baden und Entspannen nutzen. Ein fleißiger Besucher hat sich vor vielen, vielen Jahren einmal die Mühe gemacht, die Wanderwege zu kennzeichnen: So können wir uns bei Wanderungen an den blauen, gelben oder roten Strichen orientieren. Auf der offiziellen Karte der Insel, die es in der Touristeninformation gibt, ist dieses hilfreiche System allerdings nicht erfasst.

Die Cherokee hat sich als Familienkutsche bewährt

Am Anleger von Unije gibt es regelmäßig nachmittags einen Menschenauflauf, und man sieht einige der rund 120 Einwohner: Die „Premuda“ legt an und bringt neue Lebensmittel auf die Insel. Schwungvoll werden sie im Eimerkettenverfahren vom Schiff auf die schon vorher abgestellten Anhänger der wenigen Traktoren verladen. Manchmal geht das auch schief, und ein Kartoffelsack zerplatzt auf der Hafenmole.

Die Premuda bringt uns in zwei Stunden zur Insel Mali LoŠinj: Hier genießen wir das Hafenleben der Stadt mit ihren vielen Cafés, besuchen die Fischhalle und erleben das Finale einer Segelregatta. Die Fährtour führt auch an der Insel SuŠak vorbei, die mit ihrem Sandstrand in den Reiseführern wirbt, denn Sand ist an Kroatiens Küsten selten.

Einen noch besseren Überblick bekommen wir aus der Luft – wir nutzen unsere nur wenige Meter weiter geparkte PA28 für einen ausgiebigen Rundflug. Drago hat erzählt, dass es möglich ist, Unije ohne Flugplan zu umrunden, wenn er das mit dem Tower von Losinj, dessen Kontrollzone bis nach Unije reicht, telefonisch abstimmt. Wir aber wollen die gesamte Küste Kroatiens bis zur Insel Mljet entlangfliegen, etwas nordwestlich von Dubrovnik, und das geht nicht ohne Flugplan. Diesen geben wir schon abends telefonisch auf. Für die Wegbeschreibung im Flugplan eignen sich hervorragend die in den VFR-Karten eingezeichneten Adriarouten.

Für die Wegbeschreibung im Flugplan eignen sich die in den VFR-Karten eingezeichneten Adriarouten hervorragend

Nach unserem Start am frühen Morgen bekommen wir gleich einen Transpondercode zugewiesen und sind damit eindeutig identifiziert. Noch vor ein paar Jahren haben wir zwar einen Code bekommen, mussten aber dennoch immer unsere Position melden, was über Wasser oft nicht einfach ist. Es gibt zwar 1185 Inseln in Kroatien, die meisten haben aber in der Flugkarte keinen Namen. Jetzt hat Kroatien offenbar ein leistungsstarkes Radarsystem, nur selten werden wir von den Radarlotsen angefunkt und können den Rundflug problemlos als Sightseeingtour genießen. Bei einem Frequenzwechsel hat der nächste Lotse unsere Daten bereit.

Foto: Rüdiger Drews
Anfliegbar: Hvar hat nicht nur Wald und viele Buchten, sondern auch einen Flugplatz
(Foto: Rüdiger Drews)

Die Landschaft, die wir überfliegen, ist einmalig. Das Licht bricht sich auf dem hellen Kalksandsteinuntergrund des Wassers und gibt ihm seine türkisfarbene Leuchtkraft. Die Inseln sind teilweise fruchtbar, teilweise völlig verkarstet und ohne jede erkennbare Vegetation. In Brac landen wir für einen Tankstopp. Irgendwie vereinsamt liegt der große Flugplatz in knapp 1800 Fuß. Wir sind die einzigen Gäste und werden prompt und hilfsbereit ins C-Büro geführt. Die Landung mit Handling kostet knapp 40 Euro; erst nach dem Abflug erinnern wir uns daran, dass wir vielleicht auf die „technical landing“ hätten hinweisen müssen, um den Betrag zu halbieren. Zu spät.

In Kroatien Vorschrift: Selbst für einen klein Rundflug muss ein Flugplan aufgegeben werden

Unser Rückflug nach Unije führt uns noch an dem berühmten „goldenen Horn“ der Insel Brac vorbei, ein Sandstrand, der in Katalogen gerne angepriesen wird, von hier oben aber lächerlich klein aussieht. Wir rasen in Richtung Norden: Der „Lebic“, ein aus Südosten kommender Wind, peitscht förmlich von hinten auf uns ein und bringt die Cherokee auf satte 140 Knoten! Nach der Landung bekommen wir von Drago eine Parkposition mit Verankerungen im Boden zugewiesen: „Bindet eure Maschine gut fest, es könnte heute Abend Gewitter geben!“ Er hat recht: Die Insel hungert nach Wasser und bekommt es in dieser Nacht im Überfluss.

Zwei weitere Tage bleiben wir auf Unije, genießen das kühle Adriawasser und flüchten mittags vor der Hitze, dann machen wir uns auf den Heimweg. Mit Drago diskutieren wir noch über verschiedene Merkmale der Insel, am Schluss sind wir uns einig: Hoffentlich bleibt Unije noch lange so, wie es jetzt ist: schrullig, eigenwillig, irgendwie liebenswürdig und keinesfalls perfekt.

Der Rückflug bringt uns von Unije über Pula in 10 500 Fuß über die Wolkendecke der Alpen nach Landshut. Dort verzögern die Zollformalitäten unseren Weiterflug. Eigentlich sind die Flugleiter am Heimatplatz Itzehoe immer bereit, auch nach 20 Uhr auf anfliegende Maschinen zu warten. Doch heute geht das nicht, denn Mozarts Zauberflöte wird unter freiem Himmel auf dem Flugplatzgelände aufgeführt und startet pünktlich um 20 Uhr. Also geben wir Gas und haben Glück: 19.38 Uhr können wir als Landezeit eintragen – geschafft! Flugleiter und Vereinskameraden begrüßen uns mit Kartoffelsalat, Frikadellen, Bier und Apfelsaft am Stammtisch. Keine zehn Stunden vorher sind wir von Unijes Buckelpiste abgehoben. Pilotenglück!

Fliegen in Kroatien: Tipps und Tricks

Zoll und Flugplanpflicht: Kroatien ist weder EU- noch Schengenstaat, sodass bei Einreise und Ausreise Personen- und Zollkontrollen notwendig sind. Sobald die Platzrunde verlassen wird, muss in Kroatien auch VFR ein Flugplan aufgegeben werden.
Adriarouten: Das sind vorgegebene, etwa in der VFR+GPS-Karte von Jeppesen eingezeichnete Routen, die die Waypoints im Flugplan eindeutig identifizieren. Abweichungen von dieser Route können im Flug mit dem Lotsen abgesprochen werden. Durch die mittlerweile eindeutige Identifizierung per Transpondercode und den geringen VFR-Flugverkehr ist das in der Regel auch problemlos möglich.


„Technisch“ landen
: Wenn der Flughafen nur für Zoll oder zur Betankung (Avgas zirka 1,30 Euro/Liter) angeflogen wird, sollte schon bei der Landung auf die so genannte „technical landing“ hingewiesen werden. Dann fallen in der Regel nur 50 Prozent der üblichen Lande- und Handlinggebühren an.
Reisezeiten: Vorzugsweise außerhalb der Saison – dann ist einfach weniger los. Allerdings muss im Winter und Frühjahr mit dem kalten Fallwind aus Nordosten „Bora“ gerechnet werden.

Sehenswertes an der Adria

Foto: Dorothea Drews
Boomender Wassersport: An vielen Orten entstehen moderne Marinas wie hier auf den Kornateninseln
(Foto: Dorothea Drews)

Unije: Als Ausgangspunkt hervorragend geeignet, sofern das Luftfahrzeug mit der 850 Meter langen, aber unebenen Piste klarkommt. In der Nähe des Platzes gibt es Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants, ein Badestrand ist nur 200 Meter entfernt. Flugleiter Drago Miota spricht Deutsch, Kontakt unter drago.miota@inet.hr. Vor Ort sollte man viel Eigeninitiative mitbringen und Aktivitäten selbst planen. Informativ ist die Website www.unije.de, deren Betreiber auch Ferienwohnungen vermieten. Schiffsverkehr zur Insel Mali Lošinj und zur Küstenstadt Rijeka; Preise und Fahrplan unter www.jadrolinija.hr.

Dubrovnik: Ein sehr empfehlenswertes Ausflugsziel, denn Lage, Atmosphäre und Geschichte der touristisch voll erschlossenen Stadt sind einmalig. Transfer vom Flughafen ins zirka 20 Kilometer entfernte Stadtzentrum ist mit Bus oder Taxi möglich. Dubrovnik wurde 1980 von der UNESCO unter Denkmalschutz gestellt; die historische (und autofreie) Altstadt ist einfach umwerfend. Zu den zahlreichen Sehenswürdigkeiten gehören der Fürstenpalast, die Kathedrale, Zollhaus und Rathaus sowie die alles umfassende Stadtmauer. Das Franziskanerkloster beherbergt die älteste Apotheke Europas.

Mali LoŠinj: Die Insel bietet eine abwechslungsreiche Landschaft: Im Norden gibt es einen Wanderweg entlang der 589 Meter hohen Erhebung Televrina, im Süden säumen Kiefernwälder die zahlreichen kleinen Buchten. Ein nur wenige Meter breiter Kanal trennt Mali Lošinj von der Nachbarinsel Cres: Die Römer legten vor zirka 2000 Jahren diesen künstlichen Wasserweg als Abkürzung an. Beliebter Treffpunkt ist der lebhafte Hafen der Insel. Den Service am Flugplatz haben wir als sehr gut in Erinnerung: Wie auch auf Unije sind die Menschen überaus hilfsbereit und freundlich.

Text: Dorothea Drews, Fotos: Dorothea und Rüdiger Drews, fliegermagazin, 2/2011

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