Reisen

Ultraleicht-Reise durch Skandinavien: Über Dänemark, Schweden und Norwegen

Mit dem Flieger eine Tour ins Ausland machen – das möchten viele Piloten, 
aber ebenso viele scheuen den vermeintlichen Aufwand und bleiben dann doch 
zu Hause. Nicht so zwei Hobbypiloten vom Niederrhein

Von Redaktion
Foto: Paul Leslie

Eins gleich vorweg: Diese Geschichte ist zwar auch ein Reisebericht, aber vor allem geht es darum zu zeigen, dass Reisen mit dem Kleinflugzeug oder UL auch für Neulinge sehr gut machbar sind. Wer seine Lizenz gerade erst in der Tasche hat, will natürlich die neue Freiheit auskosten, doch einen längeren Trip, womöglich noch ins Ausland zu machen – das erscheint viel zu komplex und schreckt viele ab. Doch warum eigentlich? 


Wir sind zwei Hobbyflieger Mitte zwanzig, und wenn es uns möglich ist, mit dem Segler, UL oder Motorflugzeug unterwegs zu sein, dann tun wir das auch. Vor Beginn der Skandinavienreise hatten aber auch wir nicht viel Auslandserfahrung als Piloten. Doch man wächst ja mit seinen Aufgaben, und rückblickend hat uns die Tour wirklich weitergebracht. Wir haben viele nette Menschen kennen gelernt; Schweden und Norweger sind uns durch ihre große Hilfsbereitschaft im Gedächtnis geblieben – das gilt auch für die Controller und die Mitarbeiter auf den Flugplätzen.

Als Hobbypiloten mit der CT ins Ausland

Stress beim Funken gab es so gut wie nie, die Funkfrequenzen kamen uns außerdem meistens ziemlich verlassen vor, und so hatten wir genug Zeit, die Flüge wirklich zu genießen. Landschaftlich sind die Fjorde und Gletscher die Attraktion schlechthin. Aus dem Flugzeug sind die Eindrücke überwältigend – ein Land wie Norwegen scheint geradezu dafür gemacht, mit dem Flieger entdeckt zu werden. Wir waren mit einem UL des Typs CT unterwegs; bei 120 Liter Tankinhalt und einer Reisegeschwindigkeit von zirka 190 km/h gab uns das eine vernünftige Reichweite.

Foto: Paul Leslie
Geht’s noch schöner? Im Landeanflug auf Florø (Foto: Paul Leslie)

Von neun Tagen hatten wir an einem einzigen Tag schlechtes Wetter; bei durchweg guten Flugbedingungen ist die hier vorgestellte Tour aber auch in sieben Tagen entspannt zu schaffen. Stichwort Kosten: Gerade junge Piloten müssen besonders auf ihren Geldbeutel achten, was in einem Land mit hohem Preisniveau wie Norwegen schwer machbar erscheint. Hier kann ein Schnitzel an der Frittenbude mit Pommes und einer Cola auch mal 30 Euro kosten!

Aber gerade auf unserer Route gibt es die Möglichkeit, kostengünstig zu übernachten, zum Beispiel im Zelt oder im Haus eines Luftsportclubs. Natürlich steht es jedem frei, ins Hotel oder in eine Pension zu wechseln; unsere Reise lässt sich also durchaus individuell anpassen. Nicht unterschlagen wollen wir, dass wir die CT von einem befreundeten Piloten sehr preiswert zur Verfügung gestellt bekamen, was natürlich die Kosten gesenkt hat. Doch es gibt ja zum Glück noch Vereine, die besondere Konditionen für solche Fälle gewähren. Fest steht: Die Tour hat uns viel Freude gemacht und Eindrücke vermittelt, die wir auf jeden Fall nicht missen möchten!

Grundlegendes


Als UL-Pilot kennt man das Problem mit dem Abfluggewicht. Wer also partout nicht auf Luxus verzichten möchte, sollte sich lieber mit einer größeren Maschine oder einem Motorsegler auf den Weg machen. Ansonsten gilt: Weniger ist mehr, und Reduzierung auf das Wesentliche ist machbar. Kleidung für vier bis fünf Tage reichte uns vollkommen aus; wir legten zwischendurch einfach mal einen Waschtag ein. Auch bei persönlichen Dingen lohnt sich ein scharfer Blick, denn Vieles hat man doppelt, wie Zahnpasta, Duschgel, Shampoo und Ähnliches. Es summiert sich! 


Eine gute Idee ist es, eine Notration an Lebensmitteln mitzunehmen, die zwei Tage ausreicht: Nicht überall kann man auch an Sonntagen einkaufen, und an den meisten Plätzen fanden wir Koch- und Grillmöglichkeiten vor. Wenn möglich, sollte man beim Buchen von Übernachtungen darauf achten, einen Puffer einzuplanen beziehungsweise auf die Kosten für eventuelle Stornierungen zu achten. Bestimmte Online-Anbieter (wie www.hrs.de) sind da sehr kulant. Wir hatten das Glück, mit flexiblen Ankunftszeiten für unsere jeweiligen Zielorte planen zu können. Das hat eine Menge potenziellen Stress herausgenommen für den Fall, dass wir wetterbedingt die Route ändern oder länger als geplant an einem Ort hätten bleiben müssen.



Technik & Formalitäten


Dass man vor einer größeren Reise den Flieger gründlich durchcheckt oder checken lässt, versteht sich von selbst. Ein GPS-Empfänger ist ein absolutes Muss, denn vor allem die Luftfahrtkarten Norwegens sind riesig und unhandlich – in einem engen Cockpit damit zu navigieren ist nicht ganz einfach. Wir haben sie dennoch als Crosscheck-Möglichkeit jederzeit griffbereit gehabt. 


Schwimmwesten sind ein rechtlich verpflichtender Reisebegleiter auf dieser Tour. Sinnvoll sind sie allemal, denn über manchen Gebieten bieten sich Seen als die einzig vernünftigen Notlandeflächen an. ULs benötigen für den Einflug nach Dänemark, Schweden und Norwegen eine Genehmigung,die man rechtzeitig einholen sollte, am besten einen Monat vorher.

Foto: Paul Leslie
Viel Wasser: Bei einem Trip in Skandinavien gehören Schwimmwesten zur Pflichtausrüstung (Foto: Paul Leslie)

Für die Flugplanaufgabe per Telefon hat es sich bewährt, ein ausgefülltes Musterexemplar bereitzuhalten – dann geht es schneller, als wenn man die Einträge erst im Gespräch mit dem Lotsen „freihändig“ durchgibt. Sofern nichts zum Verzollen mitgeführt wird, hat man in Dänemark und Schweden alle Formalitäten mit dem aufgegebenen Flugplan erledigt. Offiziell heißt es zwar, dass in Dänemark nach Grenzüberflug ein so genannter Airport of Entry angeflogen werden muss, in der Praxis wird das aber kaum noch verlangt. Für den Einflug in Norwegen muss man allerdings rechtzeitig vorher beim Notam Office/FIS anrufen und mitteilen, dass der Flugplan zum Zoll weitergeleitet werden soll.

Wer das Internet auch im Ausland nutzt, sollte sich über die Konditionen seines Providers informieren, damit es bei der nächsten Abrechnung kein böses Erwachen gibt. Es lohnt sich natürlich, unterwegs in Cafés nach kostenlosen Hotspots Ausschau zu halten. Vor allem für die Flugwetterberatung sollte man jede Möglichkeit nutzen – oder eben auf die gute alte Telefonberatung zurückgreifen. Im Gegensatz zu Deutschland sind die VFR-Guides beziehungsweise AIPs von Dänemark, Schweden und Norwegen gratis im Internet abrufbar. Im Rahmen der Flugvorbereitung ist die Lektüre dieser Dokumente Pflicht. Luftfahrtkarten und GPS

Luftfahrtkarten und GPS

Die VFR-Karten von Norwegen sind relativ teuer, wir haben daher aktuelle Karten von Fliegerfreunden gebraucht gekauft. Anflugblätter aus der jeweiligen AIP der drei skandinavischen Länder sind kostenlos über das Internet zu bekommen. Für zirka 150 Euro kann man aber auch das passende Tripkit etwa von Jeppesen kaufen, was sich dann auszahlt, wenn man spontan umplanen will oder die Route erweitern möchte. Um sich auf das GPS verlassen zu können, sollte natürlich die Datenbank des genutzten Empfängers auf dem aktuellen Stand sein. Bei der Flugplanung und der Durchführung nutzten wir ein iPad und die Software Skydemon: Das Programm war unglaublich praktisch, und selbst das Aufgeben eines Flugplans im Ausland übers Internet hat damit einwandfrei funktioniert.



Avinor Weekly Season Card


Eine norwegische Besonderheit ist erwähnenswert: Avinor ist der größte Flugplatzbetreiber in Norwegen. Wer mehr als nur einen der 46 Flugplätze ansteuert oder mehr als nur eine Landung einplant, für den könnte sich die Weekly Season Card lohnen. Die Wochenkarte kostet für ein UL umgerechnet zirka 125 Euro und enthält die Benutzungsgebühren für alle Avinor-Plätze (inklusive Parkgebühren: ca. 400 Euro). Spätetens nach drei, vier Landungen an großen Avinor-Plätzen hat man mit einem UL das Geld wieder raus. Wir waren allerdings nur an einem einzigen Avinor-Platz, Floro. Details auf der Website des Unternehmens: www.avinor.no

Text: Paul Leslie, Fotos: Paul Leslie, Dominik Erger, fliegermagazin 02/2013

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