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Flugschulen

Lizenzerwerb und Fortbildung kosten in der Luftfahrt viel Zeit und Geld. 
Man sollte sich gut überlegen, wo man beides investiert

Von Redaktion
Da geht's lang: 
Engagierte Fluglehrer halten den Schüler motiviert Foto: Heike Schweigert

Welche Schule passt zu mir? – die Frage stellt sich nicht nur ganz am Anfang einer fliegerischen Karriere, wenn es darum geht, eine Ultraleichtlizenz, LAPL oder PPL zu erwerben. Dieselbe Entscheidung ist bei weiterführenden Berechtigungen und Einweisungen auf neue Muster zu treffen. Doch egal, in welche Richtung man seinen fliegerischen Horizont erweitern will, gelten dabei meist dieselben Kriterien. Das fliegermagazin hat elf Aspekte für Sie zusammengefasst, um Ihnen die Wahl zu vereinfachen.

1 – Probieren vor dem Studieren

Die Fliegerei bietet zahlreiche Facetten – so sollte man sich gut überlegen, welchen Weg man dabei einschlagen will: Genügt das Fliegen nach Sicht in einem Ultraleichtflugzeug oder soll es Reisen zu viert sein? Wollen Sie nur die Grundlagen des Kunstflugs erlernen oder gleich in die Wettbewerbsszene einsteigen? Ist Instrumentenflug nur bei schönem Wetter etwas für Sie oder geht es auch ums Reisen bei Wind und Wetter? Viele Szenarien kann man sich noch so intensv vorstellen – in der Praxis erscheinen sie oft völlig anders. Probieren Sie, bevor sie sich für eine Ausbildung entscheiden. Setzen Sie sich in verschiedene Flugzeuge, gehen Sie mit dem Fluglehrer erstmal eine Runde fliegen. Vielleicht haben Sie am Ende völlig anderen Ziele, als sie es sich zuvor gedacht haben.

2 – Ist eine Ausbildung im Ausland empfehlenswert?

Fliegen lernen in Spanien oder im US-amerikanischen Sunshine State Florida? Auch das kann eine Option sein. Oft ist die Ausbildung dort sogar deutlich billiger als in Deutschland. Rechnet man allerdings ehrlich und addiert die Kosten für Linienflug und Unterkunft, schmilzt dieser Vorteil schnell dahin. Und glauben Sie nicht, dass eine komprimierte Ausbildung noch Zeit für Strandurlaub lässt. Andererseits: Weit entfernt von Alltag und gewohnter Umgebung fällt die Konzentration aufs Lernen viel leichter.

Die Checkliste

Vor drei Jahren hat Jan Schnitzler seine PPL gemacht – und sich danach kontinuierlich weitergebildet, mit AZF und Nachtflug. Aus seinen Erfahrungen hat er eine  Flugschul-Checkliste erstellt, die weitere interessante Kriterien enthält. Im Internet unter https://aviation.marketing.info/#flugschulen-checkliste

3 – Lernen Sie beim Experten!

Egal ob Kunstflug,  lnstrumentenflug, CPL oder die Einweisung auf ein bestimmtes Muster: Versuchen Sie, für Ihr Ausbildungsthema die Flugschule mit den wahren Experten zu finden. Die kennen sämtliche Tricks und können tieferes Wissen vermitteln.

4 – Modern oder „klassisch“?

Machen Sie sich Gedanken über das richtige Ausbildungsflugzeug, sofern das fürs Trainingsziel entscheidend ist: Wollen Sie ernsthaft IFR fliegen, ist es sinnvoll, gleich mit den integrierten Systemen einer modernen Avionik zu lernen. Bei der Spornradschulung ist es dagegen ziemlich egal, welche Ausstattung das Flugzeug hat. Und bietet die Schule nicht das Muster, das Sie später fliegen wollen, sollten Sie das nicht überbewerten: Sie fahren heute vermutlich auch ein anderes Auto als den blauen Golf der Fahrschule, auf dem Sie den Führerschein gemacht haben.

Foto: Thomas Borchert
Uhrenladen „Klassische“ Instrumentierung findet man oft in einfacheren Flugzeugen – deren Stundenpreise niedriger sind

5 – Verein oder kommerzielle Flugschule?

In der Regel ist die Ausbildung in einem Luftsportverein die deutlich preisgünstigere Variante. Dafür ist der Lizezerwerb in der kommerziellen Flugschule meist schneller machbar. Manche schätzen das gesellige Beisammensein im Verein, andere möchten nach dem Unterricht schnellstmöglich zurück zur Familie. Machen Sie sich ein ehrliches Bild darüber, welcher Typ Sie sind.

6 – Wie viel Zeit habe ich?

Wollen Sie Ihre Flugstunden nach Feierabend und am Wochenende sammeln? Oder haben Sie gar die Möglichkeit, sich für den Scheinerwerb Urlaub zu nehmen? In der Regel ist der Lernerfolg umso größer, je regelmäßiger Sie zum Fliegen kommen. Wenn Sie die Lizenz neben dem beruflichen Alltag erwerben wollen, fallen Flugschulen in größerer Entfernung aus. Bedenken Sie, dass selbst für nur eine einzige Flugstunde mit An- und Abfahrt oft ein Großteil des Tages vergeht. Manche Zusatzausbildungen sind in wenigen Tagen zu erledigen – einige Schulen bieten dafür Unterkünfte in Platznähe an.

7 – Lesen Sie das Kleingedruckte!

Pauschalpreise, wie sie von manchen Schulen für die Flugausbildung genannt werden, klingen oft verlockend. Genauso wie bei den Kostenaufstellungen anderer Flugschulen gilt auch hier: Lesen Sie das Kleingedruckte! Welche Gebühren kommen noch obendrauf? Ist der Stundenpreis inklusive oder zuzüglich Fluglehrer zu verstehen?

8 – Ehemalige befragen

Die beste Werbung für eine Flugschule sind zufriedene Schüler – fragen Sie nach deren Erfahrungen. Bedenken Sie dabei: Eine Einzelmeinung muss nicht aussagekräftig sein. Und wer seinen Schein vor Jahrzehnten irgendwo gemacht hat, kann wenig darüber sagen, was Sie heute dort erwartet.

9 – Wie sympathisch ist die Flugschule?

Seien wir ehrlich: Manches Flugtraining kostet schnell einen vier- bis fünfstelligen Euro-Betrag, zudem investieren Sie dafür einen großen Teil Ihrer kostbaren Freizeit. Da wollen Sie doch auch Spaß haben. So hart es klingen mag: Funktioniert das Zwischenmenschliche nicht im Cockpit, taugt selbst eine Flugschule mit dem besten Ruf nicht für Sie. Scheuen Sie sich auch nicht, Probleme während der Ausbildung anzusprechen.

Foto: Helmuth Lage
Theorie: Wenn die Stimmung im Unterrichtsraum nicht stimmt, macht die teure Ausbildung wenig Laune

10 – Ist die Schule gut organisiert?

Sie haben eine Schule im Blick? Vergewissern Sie sich, wie deren Kommunikation funktioniert. Werden Ihre E-Mails zeitnah beantwortet? Kümmert man sich um Sie und beantwortet Ihre Fragen? Wenn die Kommunikation nicht klappt, kann es auch während der Ausbildung schwierig werden – nicht nur, wenn Probleme auftauchen.

11 – Kompromisse finden

Sie haben Ihre Bedürfnisse anhand der vorherstehenden Punkte herausgefunden – und jetzt stellen Sie fest, dass sich in der Liste der Flugschulen (ab Seite 46) keine findet, die allen Anforderungen entspricht. Nun ja, das ist gar nicht so ungewöhnlich, so groß ist die Auswahl leider nicht. Sortieren Sie ihre Bedürfnisse nach Wichtigkeit, und wählen Sie den bestmöglichen Kompromiss.

Text: Heike Schweigert / Christof Brenner, Fotos: Christina Scheunemann / Thomas Borchert / Helmuth Lage / Heike Schweigert fliegermagazin 04/2019

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