Praxis

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Zehn Tipps zum Sprechfunk an kleinen Flugplätzen

Beim Sprechfunk an kleinen Flugplätzen gibt es keine Anweisungen von Fluglotsen. Jeder Pilot ist selbst für die Kommunikation mit anderen Maschinen am Platz und dem Flugleiter am Boden verantwortlich. Wir geben Praxistipps zum Flugfunk

Von Thomas Borchert
Auf die Ohren! Wer funken will, benötigt auf jeden Fall ein gutes Headset. Da spielen Tragekomfort, Schalldämpfung und elektronische Geräuschreduzierung eine Rolle. Bild: Lucas Böckler

Tipp 1: Nehmen Sie Ihre Rolle bewusst war

Sie sind der verantwortliche Luftfahrzeugführer. Der Flugleiter am Boden ist – trotz des irreführenden Namens – eben nicht berechtigt oder befähigt, Flüge zu leiten. Er kann Ihnen nur in sehr begrenztem Ausmaß Anweisungen erteilen. Sie allein sind für Ihren Flugweg, Ihre Funkmeldungen und alle Entscheidungen verantwortlich – niemand sonst. Sie allein sind für die Verkehrsbeobachtung und die Kollisionsvermeidung verantwortlich – der Flugleiter ist weder verpflichtet noch befähigt, Flugzeuge voneinander fern zu halten. Er muss auch nicht allen Verkehr in der Platzrunde kennen oder gar beobachten. Nehmen Sie Ihre Verantwortung als Pilot in Command bewusst wahr!

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Tipp 2: Machen Sie sich ein Bild von der Verkehrslage

Hören Sie möglichst früh auf der Platzfrequenz mit. Entwickeln Sie eine Vorstellung davon, wer wo unterwegs ist und mit welchem Verkehr Sie zu rechnen haben. Bedenken Sie immer, dass es Piloten gibt, die im Funk nicht so vorbildlich in Erscheinung treten wie Sie, die aber dennoch ein Kollisionsrisiko sein können.

Tipp 3: Reden Sie mit den anderen Piloten

Bis auf den ersten Anruf vor dem Rollen oder im Anflug richten sich alle Ihre Funksprüche nicht an die Bodenstation, sondern an die anderen Flugzeuge auf der Frequenz. Es geht darum, diese über Ihre Absichten zu informieren, sich abzustimmen und stets ein klares Bild von der Verkehrslage zu haben. Der Flugleiter kann dabei helfen, er muss aber nicht – siehe Punkt 1.

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Die neuen Sprechfunkfrequenzen im 8.33-kHz-Raster sind immer noch ungewohnt

Tipp 4: Fassen Sie sich kurz

Gerade wenn viele Flugzeuge unterwegs sind, ist die Frequenz schnell überlastet. Dann kommt es auf kurze, knappe Meldungen an. Für Begrüßungen von Freunden, Schnitzelbestellungen im Restaurant oder gar Auseinandersetzungen mit anderen ist auf der Frequenz kein Platz.

Tipp 5: Verwenden Sie ein nützliches Kennzeichen

Nach dem Erstanruf spricht nichts dagegen, ein abgekürztes Kennzeichen im Funk zu verwenden. Viele Piloten nutzen die letzten zwei Buchstaben im Kennzeichen („Alpha Bravo“) – das ist aber nicht korrekt. Den Vorschriften entspräche der erste und die letzten zwei Buchstaben („Delta Alpha Bravo“) – das ist aber wenig nützlich. Gemäß der aktuellen NfL zu Sprechfunkverfahren ist es in Deutschland leider nicht mehr erlaubt, eine Kombination aus Flugzeugtyp und den letzten zwei Buchstaben („Cessna Alpha Bravo“) zu verwenden.  Dadurch wüsste der übrige Verkehr gleich, ob er nach einem Tief- oder Hochdecker Ausschau halten soll und wie schnell Sie ungefähr sind. Also empfehlen wir, das „legale“ Rufzeichen (etwa „Delta Alpha Bravo“) um den Flugzeugtyp zu ergänzen: „Delta Alpha Bravo Cessna“.

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Tipp 6: Sagen Sie nie „abflugbereit“

Bis auf wenige Ausnahmen hat diese Sprechgruppe an unkontrollierten Plätzen keinerlei Sinn. Sie impliziert, dass der Flugleiter irgendeine Art von Freigabe geben müsste. Doch die gibt es an diesen Flugplätzen eben nicht. Seien Sie sich Ihrer Rolle als verantwortlicher Pilot bewusst (siehe Punkt 1). Die Flugleiter-Standardantwort „Start nach eigenem Ermessen“ weist Ihnen diese Rolle auch zu. Melden Sie „Delta Alpha Bravo, Piper, rollt zum Start auf die 25“, dann warten Sie einen kleinen Moment, ob sich Flugverkehr im Anflug meldet, den Sie übersehen haben. Ist das nicht der Fall, rollen Sie auf und starten. Es gibt einige wenige Plätze, wo zum Beispiel Flugleiter eine Ampel für Fußgänger oder Straßen schalten müssen, bevor ein Start möglich ist – das wäre eine seltene Ausnahme.

Tipp 7: Melden Sie mehr als „fünf Minuten“

Aus der in den Anflugkarten beschriebenen Anweisung, sich beim Anflug spätestens fünf Minuten vom Platz entfernt zu melden, ist die Unsitte geworden, sich nur mit diesen Worten zu melden. Das ist nicht genug. Sagen Sie, wo Sie sich in welcher Höhe befinden, also etwa „Delta Echo Zulu Alpha Bravo, Skyhawk, 15 Meilen nordwestlich, 2000 Fuß, fünf Minuten zur Landung“. So haben die übrigen Piloten eine Vorstellung davon, wo Sie sind – und wann Sie ankommen.

Tipp 8: Melden Sie jede Richtungsänderung in der Platzrunde

In einer Kurve ist Ihr Flugzeug besonders gut zu erkennen. Deshalb melden Sie kurz vor deren Einleiten Ihre Position: „Delta Alpha Bravo Arrow dreht in den Gegenanflug“. Ebenso beim Quer- und Endanflug. Melden Sie darüber hinaus alles, was dem sicheren Verkehrsfluss dient, also etwa „Delta Alpha Bravo Grumman hat die rotweiße Cessna im Queranflug in Sicht, wir folgen“. Viele Flugleiter fordern Piloten auf, den Queranflug zu melden. Das sollten Sie tun – aber es ist bei weitem nicht genug! Erinnerung am Rand: Die linke Platzrunde ist Standard, dort wird einfach nur „Gegenanflug“ und „Queranflug“ gemeldet. Machen Sie Rechtskurven, heißt es „rechter Gegenanflug“ und „rechter Queranflug“.

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Tipp 9: Flüchten Sie rechtzeitig

Meldet jemand in der Platzrunde die gleiche Position wie Sie, kann es sehr sinnvoll sein, die Platzrunde sofort zu verlassen – und zwar stets nach außen. Kreisen Sie nie innerhalb der Platzrunde oder in deren Nähe! Vor dem Einleiten der entsprechenden Kurve müssen Sie sicher sein, dass anderer Verkehr nicht ausgerechnet dort fliegt, wohin Sie drehen wollen.

Tipp 10: Lassen Sie sich nicht von diesen Verfahren abbringen

Wenn Sie wie beschrieben funken – übrigens auch, wenn am Platz scheinbar nichts los ist -, dann können Sie durchaus Anfeindungen ausgesetzt sein. „Was soll das ganze Gerede?“ und andere Sprüche könnten Sie hören. Schlechte Flugleiter fühlen sich womöglich verpflichtet, auf jeden Ihrer Funksprüche zu antworten – obwohl diese gar nicht für die Bodenstation gedacht sind. Ignorieren Sie diese Kritik! Es geht um Ihr Leben, Sie sind der Gefahr einer Kollision ausgesetzt! Sie sind Pilot in Command!

Über den Autor
Thomas Borchert

Thomas Borchert begann 1983 in Uetersen mit dem Segelfliegen. Es folgte eine Motorsegler-Lizenz und schließlich die PPL in den USA, die dann in Deutschland umgeschrieben wurde. 2006 kam die Instrumentenflugberechtigung hinzu. Der 1962 geborene Diplom-Physiker kam Anfang 2009 vom stern zum fliegermagazin. Er fliegt derzeit vor allem Chartermaschinen vom Typ Cirrus SR22T, am liebsten auf längeren Reisen und gerne auch in den USA.

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