UL-Anschaffung im Verein: UL Breezer

Erst kaufen, wenn sich das UL im Vereinsbetrieb bewährt hat – dieser Devise folgte der Itzehoer Luftsport Verein und mietete einen Breezer. Wie sieht die Bilanz nach einem Jahr aus?

Von Peter Wolter
UL-Anschaffung im Verein: UL Breezer
Anspruchsloses Clubflugzeug: Mit dem robusten Ganzmetall-Allrounder kommen sowohl Neulinge als auch Umschüler gut zurecht Foto: Peter Wolter

 Es war eine Testphase, elf Monate lang: Mitte Oktober 2011 hatte der Itzehoer Luftsport Verein (ILV) einen fabrikneuen Breezer erhalten und dafür Miete gezahlt. 12 000 Euro im Jahr kostete der Ganzmetall-Tiefdecker, inklusive Vollkasko- und Schulversicherung. ILV-Mitglieder konnten das UL für 111 Euro pro Stunde nass chartern, Fremdcharterer bezahlten 165 Euro. Nach Ablauf der Testphase wollte der ILV entscheiden, ob er das Luftsportgerät kauft oder dem Bred-stedter Hersteller zurückgibt (siehe fliegermagazin #12.2011).

Ausprobiert und entschieden

Das Risiko, auf das sich der Verein durch den Mietbetrieb eingelassen hatte, war überschaubar: Erst nachdem 150 Charterstunden garantiert waren, verteilt auf 16 Mitglieder, die unterschiedlich viele Stunden verbindlich abgenommen hatten, stationierte der ILV das Luftfahrzeug am heimischen Verkehrslandeplatz nordwestlich von Hamburg. Damit waren zwar 50 Stunden noch nicht abgedeckt, denn erst bei 200 Charterstunden wäre die Kalkulation kostendeckend aufgegangen. Doch der ILV war bereit, das fehlende Charteraufkommen notfalls aus der Vereinskasse zu begleichen.

Foto: Peter Wolter
Attraktiver Deal: Daniel Röger (links) von Breezer Aircraft im Gespräch mit ILV-Chef Bernd Rösler bei der Übergabe des Flugzeugs im Oktober 2011

Am 14. September 2012 fiel dann auf einer Mitgliederversammlung die Entscheidung: Der Breezer wird gekauft. Zur Jahresmiete von 12 000 Euro sind noch 72 000 Euro zu zahlen. Zieht man den Versicherungsanteil ab, hat der Zweisitzer also 81 500 Euro gekostet. Somit betrug die Miete 4075 Euro: exakt der Betrag, der bei einem normalen Kauf als Fünf-Prozent-Rabatt nachgelassen wird. Dafür hat der Mietkauf den Vorteil, dass Unwägbarkeiten ausgeschlossen sind, die der Kauf eines Neuflugzeugs sonst mit sich bringt: Welche Schwächen hat ein Muster? Wird es von den Piloten angenommen? Funktioniert der Betrieb eines Luftfahrzeugs dieser Art überhaupt im Verein? Schließlich wäre der Breezer nicht nur das erste Neuflugzeug des ILV, sondern auch das erste vereinseigene UL am Flugplatz Hungriger Wolf.

Foto: Peter Wolter
Die Itzehoer Flotte: Der Breezer ist nicht nur das erste UL des ILV, sondern auch das erste Neuflugzeug, das dem Verein gehört

Dass es am Ende keine einzige Gegenstimme gab und nur eine Enthaltung, war keineswegs selbstverständlich. Lange hatten sich im Verein Bedenken gegenüber ULs gehalten. Piloten mit PPL waren tonangebend, und nach deren Meinung handelte es sich bei Luftsportgeräten nicht um „richtige Flugzeuge“. Im besten Fall. Fundamentalisten hatte man sogar von „Suizidmaschinen“ reden hören, die nach „Luftzerlegern“ reihenweise vom Himmel fielen.

Der Breezer wurde zum beliebtesten Flugzeug im Verein

Diese Stimmen waren bereits verstummt, als sich der Verein voriges Jahr auf das Breezer-Mietmodell eingelassen hatte. Spätestens nach Abschluss der Testphase ist Skepsis nun verflogen: Der ILV-Breezer hat im zurückliegenden Betriebsjahr über 1000 Landungen gemacht, mehr als die beiden anderen ILV-Flugzeuge vom Typ Cessna 172 zusammen. Die angestrebten 200 Charterstunden wurden knapp verfehlt, dennoch lag die Auslastung der D-MILV 20 Prozent über jener der Cessnas.

Foto: Peter Wolter
Cessna und Breezer: Das UL hat im zurückliegenden Jahr mehr Landungen gemacht als die beiden E-Klasse-Maschinen des Clubs zusammen

„Mehrfach musste der Verein erfahren, dass Flugzeuge nicht angenommen wurden oder sich als nicht robust genug erwiesen, obwohl sie in anderen Vereinen klaglos funktionieren“, erzählt der Itzehoer Flugleiter Ernst-Peter Nawothnig. „Und unser Breezer? Offenbar kommt jeder damit zurecht. Nur lächelnde Gesichter und null Bauchschmerzen. Ich sehe auch überhaupt keine schlechten Landungen – das lässt sich vom Cessna-Betrieb nicht behaupten.“

Der Breezer macht keinerlei Probleme

Auch Bernd Rösler, 1. Vorsitzende des ILV, hat den Betrieb des ULs genau verfolgt: „Die D-MILV war nie beschädigt oder gegroundet, obwohl darauf geschult wurde und unsere Hauptlandebahn asphaltiert ist. Nur einmal sind am Auspuff Befestigungsfedern gebrochen, das hat Breezer aber auf Kulanz repariert. Eigentlich war es ein Rotax-Problem. Ein typisches Breezer-Problem gibt es nicht.“

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ILV-Vorsitzender Bernd Rösler: „Wir haben durch das UL sechs neue Mitglieder. Zwei Trike- und 14 PPL-Piloten aus dem Verein ließen sich umschulen“

Mehr als technische Details interessiert Rösler, ob der ultraleichte Zweisitzer eine lohnenswerte Investition ist und was der Kauf für den Verein bedeutet. „Wir haben durch das UL sechs neue Mitglieder. Voraussetzung war die Gründung einer UL-Schule im ILV; bis dahin wurde nur PPL-Ausbildung angeboten. So konnten wir vier Fußgänger zu UL-Piloten ausbilden und zwei Triker zu Dreiachspiloten umschulen. Hinzu kamen 14 PPL-Piloten aus dem Verein, die sich ebenfalls umschulen ließen.“

Obwohl viele Flugstunden des Breezer Schulungsflüge waren, rechnet Rösler weiterhin mit einer hohen Auslastung auf dem Flugzeug

Gelegentlich muss sich der ILV-Chef vorhalten lassen, die Auslastung des Breezer während der einjährigen Mietphase werde wohl künftig nicht mehr erreicht: Viele Stunden seien mit Schulung verbracht worden, je mehr Vereinspiloten die UL-Lizenz hätten, desto rückläufiger werde der Ausbildungsbetrieb sein. Dem hält Rösler entgegen, dass die Leute nicht aus Selbstzweck UL-Piloten geworden seien: „Die haben den Schein ja gemacht, weil sie das Ding fliegen wollen.“ Ausbildungsleiter Oliver Eggers sieht ein Riesenpotenzial, das längst noch nicht abgeschöpft sei: „Wir haben den Speckgürtel von Hamburg vor der Tür, hier im Norden gibt es im UL-Bereich nicht viele Ausbildungs- und Chartermöglichkeiten.“

Foto: Peter Wolter
Offen für Neues: Mit dem UL-Angebot will der ILV-Chef jüngere Piloten ansprechen, denen die E-Klasse zu teuer ist

96 Euro pro Stunde (nass) kostet der Itzehoer Breezer heute für Vereinsmitglieder; Fremdcharterer bezahlen nach wie vor 165 Euro. Kalkuliert sind diese Preise für eine Auslastung von 280 Stunden im Jahr; das entspricht dem langjährigen Auslastungsdurchschnitt der E-Klasse-Maschinen im ILV. „Wir wollten für Mitglieder unter 100 Euro bleiben“, sagt Rösler. „Damit versuchen wir eine neue Zielgruppe anzusprechen, die der Verein vorher nicht im Blick hatte: jüngere Leute, unter 40, was jung ist in der Motorfliegerei. Die wollen und können vielleicht 5000 Euro hinlegen für eine Ausbildung, aber nicht 10 000 oder mehr für eine Privatpilotenlizenz; und die sind dann auch bereit, für 96 Euro einen Zweisitzer zu chartern, aber nicht einen Viersitzer für deutlich mehr Geld.“

Mit dem Kauf des Breezer kann der ILV jetzt endlich auch Werbung machen

Wie günstig UL-Fliegen mit der neuen Vereinsmaschine sein wird, hängt künftig vor allem von der Zahl der Nutzer ab: Je mehr Stunden geflogen werden, desto niedriger der Stundenpreis. Jetzt, da die D-MILV gekauft ist, braucht sich der Verein allerdings nicht mehr mit Werbung zurückzuhalten. „Wir konnten die Leute in der Testphase ja nicht zu uns locken“, sagt er ILV-Chef. „Da steckt jemand mitten in der Ausbildung oder verlässt sich als Charterer auf das Angebot, und dann geben wir den Breezer aus irgendwelchen Gründen dem Hersteller zurück. Das geht nicht.“ Nun aber, so Rösler, werde man vor allem über die Lokalpresse die Werbetrommel rühren.
Mal sehen, wie sich der Hungrige Wolf vom Hamburger Speckgürtel nährt.

Text & Fotos: Peter Wolter fliegermagazin 12/2012

Technische Daten
Über den Autor
Peter Wolter

Peter Wolter kam vom Drachenfliegen zur motorisierten Luftfahrt und von der Soziologie zum Journalismus. Er steuert ULs sowie E-Klasse-Maschinen und hat sein eigenes UL (eine Tulak) gebaut.

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