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Aero-Premiere: VL3 als Turboprop

UL und Turbine? Das geht! Der belgische Hersteller JMB Aircraft bietet seinen Highperformance-Tiefdecker VL3 jetzt mit einer sparsamen Turbine an.

Von Peter Wolter
Lange Nase: Die TP-R90 wiegt weniger als ein Rotax-Kolbenmotor – die Schnauze der Turboprop-Version ist spitzer und widerstandsärmer.
Lange Nase: Die TP-R90 wiegt weniger als ein Rotax-Kolbenmotor – die Schnauze der Turboprop-Version ist spitzer und widerstandsärmer. Foto: Peter Wolter

Als die VL3 vor zwei Jahren den 141 PS starken Rotax 915 iS erhielt, schien das Maximum an Motorisierung für ein Ultraleichtflugzeug erreicht zu sein. Jetzt setzt JMB noch eins drauf: Auf der AERO ist eine VL3 mit Abgasturbine zu sehen. Die liegt leistungsmäßig zwar unter der stärksten Rotax-Motorisierung, aber sie toppt jeden Kolbenmotor allein schon durch das Antriebsprinzip: Turbinen mit Propeller (Turboprops) spielen normalerweise in einer ganz anderen Liga als Kolbenmotoren – auf jeden Fall weit oberhalb von Kolbenmotoren für Ultraleichtflugzeuge.

Die in der VL-verbaute Turbine stammt vom französischen Hersteller Turbotech. Die TP-R90 leistet 130 PS und soll im Reiseflug nur ein bis zwei Liter mehr schlucken als ein Rotax 915 iS. Möglich ist dieser für eine Turbine erstaunlich geringe Verbrauch durch einen Wärmetauscher, der Energie aus den heißen Abgasen dem Triebwerk wiederzuführt – Turbotech bezeichnet seinen Antrieb als ersten „regenerativen Turboprop“. Beim Kraftstoff ist die TP-R90 nicht wählerisch, getankt werden kann alles: Autobenzin, Avgas, Diesel oder Jet-Fuel.

Erstauslieferung in 18 Monaten

Die Flugleistung der VL3 mit Turbine sei die gleiche wie mit Rotax 915 iS, sagt Steffen Zosel von JMB Aircraft Germany, obwohl sie elf PS weniger leistet. Das liegt an der besseren Aerodynamik der Turboprop-Version: Ihre Schnauze ist länger und spitzer, und unter dem Rumpf entfällt der widerstandsträchtige Wasserkühler des Kolbenmotors. In 10.000 Fuß erreicht die Turbinen-VL3 im Reiseflug 300 km/h TAS bei einem Verbrauch von 22 Litern pro Stunde.

Steffen Zosel mit der VL3Steffen Zosel mit der VL3Foto: Peter Wolter
„Gleich schnell wie mit Rotax 15 iS“: Steffen Zosel von JMB Aircraft Germany mit dem neuen Topmodell

Neben der Multifuel-Tauglichkeit glänzt die JMB-Turboprop mit einer TBO von 3000 Stunden, zehn Kilogramm weniger Leermasse gegenüber der VL3-915 iS, einer Ein-Hebel-Bedienung für den Antrieb sowie vereinfachter Anlassprozedur. Die ersten VL3 mit Turbine sollen in 18 Monaten ausgeliefert werden. Preis mit Vollausstattung: 350.000 Euro netto, also 80.000 Euro mehr als mit dem stärksten Kolbenmotor von Rotax.  

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Über den Autor
Peter Wolter

Peter Wolter kam vom Drachenfliegen zur motorisierten Luftfahrt und von der Soziologie zum Journalismus. Er steuert ULs sowie E-Klasse-Maschinen und hat sein eigenes UL (eine Tulak) gebaut.

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