Eclipse Jet 500/550: Wichtiger Ersatzteilhersteller gibt auf
Das Unternehmen Resurgent Aviation Solutions ist Insolvent. Es ist der einzige Anbieter für Ersatzteile für den Autopiloten des Very Light Jets.
Die Hiobsbotschaft fügt sich nahtlos in die wechselhafte Geschichte des Eclipse Jets. Ende Mai gab das amerikanische Unternehmen Resurgent Aviation Solutions bekannt, seine Geschäftstätigkeit einzustellen. Die im US-Bundesstaat Illinois ansässige Firma fertigt wichtige Ersatzteile für die Very Light Jets Eclipse 500 und Eclipse 550 – darunter Servos für das Autopilot-System.
Dies könnte langfristig das Aus für die noch 260 in Betrieb befindlichen Business Jets des Musters bedeuten. Inzwischen hat Resurgent Aviation Solutions seinen verbliebenen Lagerbestand im Rahmen einer Auktion veräußert. In einer Stellungnahme gegenüber dem Portal JetForum.net prognostizierte der Zulieferer, dass jährlich bis zu 30 Jets außer Dienst gestellt werden müssten, sollte sich kein neuer Produzent für die systemkritischen Ersatzteile finden.
Eclipse Jet wollte Business Jets bezahlbar machen
Die Geschichte des Flugzeugherstellers ist so faszinierend wie wechselhaft. Die Eclipse Aviation Corporation wurde 1998 von Ex-Microsoft-Manager Vern Raburn gegründet. Das Ziel: Die Entwicklung eines kostengünstigen Very Light Jets mit stark automatisiertem Cockpit für den Single-Pilot-Betrieb. Der Erstflug des Prototyps Eclipse 500 fand am 26. August 2002 statt.
Während der Entwicklung kam es immer wieder zu konstruktiven Änderungen, wie dem Wechsel des Triebwerksherstellers – sodass die Kosten aus dem Ruder liefen. Die ersten Auslieferungen begannen im Dezember 2006 kurz nach der Zulassung durch die US-Luftfahrtbehörde FAA. Im Produktionszeitraum von 2006 bis Ende 2008 wurden 260 Exemplare des Musters gefertigt – bevor das Unternehmen Insolvenz anmeldete.
Investoren, Lieferanten und Käufer verloren über eine Milliarde US-Dollar. Der Chefredakteur des Flying Magazine bezeichnete es als »die größte Finanzkatastrophe in der gesamten Geschichte der Allgemeinen Luftfahrt.« Hauptursache war die Insolvenz von DayJet, der Großkunde wollte ursprünglich 1400 der kleinen Businessjets anschaffen.
Diverse Neustartversuche scheiterten
2009 gründeten Mason Holland und Mike Press Eclipse Aerospace und übernahmen die Vermögenswerte aus der Insolvenzmasse. Das Unternehmen präsentierte im Oktober 2011 auf der NBAA in Las Vegas die Eclipse 550 mit rund 60 Verbesserungen gegenüber dem Ursprungsmuster – darunter Autothrottle, Antiblockierbremsen und das Avio 2.7 Flight Management System.
Die letzte Auslieferung einer Eclipse 550 erfolgte im Jahr 2023 – insgesamt wurden 35 Flugzeuge der aktuellen Version gebaut. Das Unternehmen fusionierte 2015 mit Kestrel Aircraft zu One Aviation. Es folgte ein weiteres Insolvenzverfahren 2018. Ende 2020 erwarb AML Global die Vermögenswerte von One Aviation und setzt den Geschäftsbetrieb seitdem fort. Es werden allerdings keine Jets mehr gefertigt. Das Unternehmen konzentriert sich auf den Support der noch bestehenden Flotte.
Die Eclipse Story im Podcast!
Einen spannenden Einblick in die wechselhafte Geschichte der Eclipse gibt es im Podcast der Kollegen von Aviation Week: 20 Years Ago He Was Bigger Than Elon Musk – Has Aerospace Learned From His Failure?
Pilot Report: One Aviation Eclipse 550

Dirk M. Oberländer, Jahrgang 1975, verbrachte seine Jugend beim Segelfliegen am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg. Später folgte der Abschied vom Schieben und Umstieg zum Ultraleicht-Fliegen. Die zweite große Leidenschaft, das Schreiben, brachte Dirk zu Stadtmagazinen, Tageszeitungen, Kundenmedien und in die wunderbare Welt der Werbung. Immer mit einem Faible für Technik und die Menschen dahinter. So war es nur eine Frage der Zeit, bis der studierte Kultur- und Medienmanager beim fliegermagazin landete. Am Boden ist Dirk bevorzugt mit Laufschuhen und Rad unterwegs – im Urlaub auch gern mal mit Zelt in Richtung Süden.

