Erste Daher Kodiak 900 in Europa ausgeliefert
Ein Schweizer Paar übernimmt die erste Kodiak 900 in Europa. Die Turboprop soll ihre Besitzer und viel Sportausrüstung auch an abgelegene Ort bingen.
Mountainbiken in den Alpen, Wingfoilen an der Ostsee und Skitouren an Grönlands Westküste: Roland und Claudia Primus haben mit ihrer neuen Daher Kodiak 900 einiges vor. Das Schweizer Paar übernimmt das erste Exemplar des Musters für europäische Kunden. Daher übergab das Flugzeug bereits Anfang Oktober im Werk in Sandpoint im US-Bundesstaat Idaho.
Die beiden Eigner wechseln damit auf ein neues Muster mit Turbine – zuvor flogen Sie eine Cessna 182. Die neue Homebase der Daher Kodiak 900 ist der Schweizer Flugplatz Bad Ragaz (LSZE). Dessen Piste ist gerade einmal 495 Meter lang. Entsprechend wichtig sind ihnen neben Reisegeschwindigkeit und Platzangebot auch die Kurzstarteigenschaften des Hochdeckers.
Hohe Lage, kurze Pisten sprechen für die Turbine
„Nachdem wir die verschiedenen Angebote geprüft hatten, passte die Kodiak 900 perfekt zu uns“, erklärt Roland Primus. „Wir wollten auf ein Flugzeug mit Turbinenantrieb umsteigen. Die Kodiak 900 erfüllte unsere Anforderungen an Geschwindigkeit und Leistung ebenso wie an den Betrieb auf Gras- und Schotterpisten.“ Auch die Kurzstart- und Kurzlandefähigkeiten sowie das stabile Flugverhalten nahe der Überziehgeschwindigkeit seien für die geplanten Einsätze wichtig.
Für das Schweizer Paar gehört die STOL-Fähigkeit zum Reisekonzept: Kleine Flugplätze sollen den Zugang zu entlegenen Landschaften und Outdoor-Aktivitäten ermöglichen. Ihre Art zu fliegen beschreibt Primus im englischen Original als „The Opposite of Traveling from Point A to Point B“.
Viele Platz und Zuladung für Sportausrüstung aller Art
Auf der Zielliste stehen neben den Alpen auch die Pyrenäen, das Mittelmeer und Nordeuropa. Mountainbikes, Surftboards und Expeditionsgepäck brauchen allerdings Platz. Genau hier setzt die Daher Kodiak 900 an: Gegenüber der Daher Kodiak 100 wächst der Rumpf um 1,19 Meter.
Das Kabinenvolumen nimmt laut Hersteller um mehr als 20 Prozent auf rund 8,75 Kubikmeter zu. Das Muster bietet bis zu zehn Sitzplätze. Wie genau die Kabinenkonfiguration des Kundenflugzeugs aussieht, verrät der Hersteller nicht.
Leistung satt und bis zu 210 Knoten Cruise Speed
Den Antrieb übernimmt eine Pratt & Whitney PT6A-140A mit 900 Wellen-PS. Die Propellerturbine ermöglicht eine maximale Reisegeschwindigkeit von 210 KTAS (rund 389 km/h). Damit ermöglicht die Daher Kodiak 900 ein höheren Reisetempo als die kleinere Daher Kodiak 100.
Die guten Flugleistungen resultieren aus viel Feinarbeit an der Aerodynamik: Neue Verkleidungen am Fahrwerk und optimierte Lufteinlässe für den Motor vermindern den Widerstand. Ein hydraulisch verstellbarer Fünfblattpropeller von Hartzell mit Blättern aus Verbundwerkstoff setzt die Triebwerksleistung in Schub um. Der Constant-Speed-Propeller lässt sich zudem in Segelstellung bringen, um den Luftwiderstand bei abgestelltem Triebwerk zu verringern.
Sparsam und leise
Der Propeller arbeitet mit einer Drehzahl von 1900 Umdrehungen pro Minute. Zusammen mit der Blattauslegung trägt das laut Daher zu einem niedrigen Geräuschpegel bei. Der Hersteller nennt 79,5 Dezibel, erläutert in der Mitteilung jedoch weder Messverfahren noch Bezugsbedingungen. Die Auslegung soll den Betrieb auch an Plätzen mit strengen Lärmbeschränkungen ermöglichen.
Beim spezifischen Kraftstoffverbrauch nennt Daher eine Verbesserung um neun Prozent. Dieser Wert beschreibt den Verbrauch bezogen auf die abgegebene Leistung; er ist nicht mit einer pauschalen Einsparung pro Flug gleichzusetzen. Gegenüber Konkurrenzmustern seien sogar Effizienzvorteile im zweistelligen Prozentbereich möglich.
Die Schweizer erhalten das Exemplar 35. der Kodiak 900
Die Maschine des Schweizer Paars ist die 35. produzierte Daher Kodiak 900. Das 2022 vorgestellte Muster ergänzt die weiterhin gebaute Daher Kodiak 100. Beide entstehen in Sandpoint. Zusammen kommen die beiden Baureihen inzwischen auf mehr als 400 ausgelieferte Flugzeuge.
Daher-Aircraft-Chef Nicolas Chabbert sieht in den neuen Besitzern ein Beispiel für das Konzept der größeren Kodiak: Sie verbinde die Kurzstartfähigkeiten und Flugeigenschaften der Daher Kodiak 100 mit mehr Kabinenraum und höherem Reisetempo. Das eröffne Besitzern Möglichkeiten, ihr Flugzeug zum Teil eines abenteuerlichen Lebensstils zu machen und die gewünschten Orte und Erlebnisse schneller zu erreichen.
Neben Privat- und Geschäftsreisenden nutzen auch Behörden die Kodiak-Familie – etwa für Polizeiaufgaben und Einsätze zur Waldbrandbekämpfung. Roland und Claudia Primus verfolgen einen anderen Auftrag: Sportgerät einladen, kleine Flugplätze ansteuern und draußen unterwegs sein.

Dirk M. Oberländer, Jahrgang 1975, verbrachte seine Jugend beim Segelfliegen am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg. Später folgte der Abschied vom Schieben und Umstieg zum Ultraleicht-Fliegen. Die zweite große Leidenschaft, das Schreiben, brachte Dirk zu Stadtmagazinen, Tageszeitungen, Kundenmedien und in die wunderbare Welt der Werbung. Immer mit einem Faible für Technik und die Menschen dahinter. So war es nur eine Frage der Zeit, bis der studierte Kultur- und Medienmanager beim fliegermagazin landete. Am Boden ist Dirk bevorzugt mit Laufschuhen und Rad unterwegs – im Urlaub auch gern mal mit Zelt in Richtung Süden.

