Keine Deadline für Blei-Additiv TEL in Avgas
Innospec, einziger Hersteller des für Avgas 100LL erforderlichen Blei-Additivs TEL, hat sich erstmals zu dessen künftiger Verfügbarkeit geäußert.
Der einzige Hersteller von „Tetraethyl Lead“, kurz TEL, hat sich nach langjährigem Schweigen erstmals zur Zukunft dieses Additivs geäußert. Ohne TEL kann es kein Avgas 100LL geben. Es wird zur Zeit ausschließlich von der britischen Firma Innospec hergestellt (auch wenn es unbestätigten Berichten zufolge auch dubiose Produktionen in China geben könnte). Nun hat Innospec verkündet, es gebe „keinen festen Zeitplan für die Einstellung der Produktion von TEL-B“ und man werde alle künftigen Entscheidungen bezüglich der Produktion den Beteiligten in der Allgemeinen Luftfahrt mitteilen.
Außerdem hieß es in einem Statement gegenüber dem News-Portal Avbrief: „Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber der Branche als der letzte Hersteller von TEL weltweit bewusst, ebenso der Schlüsselrolle, die wir haben, damit während des Übergangs zu einem bleifreien Flugkraftstoff weiter Avgas 100LL verfügbar ist.“
TEL ist der bleihaltige Zusatz, mit dem Avgas 100LL seine Oktanzahl und weitere Eigenschaften bekommt, ohne die viele Flugmotoren nach wie vor nicht auskommen. Zwar sind bleifreie Flugkraftstoffe in der Entwicklung – allen voran derzeit Swift 100R, aber auch GAMI G100UL. Doch noch fehlt diesen Kraftstoffen die Zulassung als genereller Avgas-Ersatz für alle Flugmotoren.
2030 ist keine feste Deadline für TEL
Die Branche ist sich einig, dass baldmöglich eine Alternative für verbleites Flugbenzin gefunden werden muss. Jüngst hatten Äußerungen eines FAA-Vertreters beim EAA AirVenture in Oshkosh für Aufregung gesorgt, der meinte, die eigentlich geplante Deadline von 2030 könne womöglich nicht eingehalten werden.
Ursprünglich hatte es auch von Innospec geheißen, dass die TEL-Produktion zu diesem Zeitpunkt eingestellt werde. Das neue Statement des Unternehmens zeigt nun, dass es nicht auf einen konkreten Zeitpunkt festgelegt ist. Dennoch schätzen Branchenkenner die Abhängigkeit von nur einem einzigen Hersteller als hohes Risiko ein.

Thomas Borchert begann 1983 in Uetersen mit dem Segelfliegen. Es folgte eine Motorsegler-Lizenz und schließlich die PPL in den USA, die dann in Deutschland umgeschrieben wurde. 2006 kam die Instrumentenflugberechtigung hinzu. Der 1962 geborene Diplom-Physiker kam Anfang 2009 vom stern zum fliegermagazin. Er fliegt derzeit vor allem Chartermaschinen vom Typ Cirrus SR22T, am liebsten auf längeren Reisen und gerne auch in den USA.



