Buschflug in Südafrika: Ein Taildragger-Abenteuer
Zwei Pilotenfreunde machen sich auf zu einem Urlaub der besonderen Art: Von Johannesburg aus geht es in robusten Spornrad-Flugzeugen auf Luftsafari. Dabei gewinnt der Autor eine ganz neue Perspektive auf Land und Leute in Südafrika.
Unser abenteuerlicher Urlaub beginnt entspannt mit einem Linienflug ab Zürich. Die Nase dampft noch vom heißen Cappuccino; der Swiss-Pilot sagt mehr oder minder charmant den Start Richtung Johannesburg an. Noch ahne ich nicht, wie es sich anfühlen wird, bald in einem handgefertigten Buschflieger über und durch die südafrikanische Steppe zu streifen. Und so startet unser Abenteuer mit einem Business-Class-Upgrade und der Erkenntnis, dass Fliegen nicht nur eine Art der Fortbewegung ist, sondern manchmal auch eine Philosophie.
Ich bin nicht allein unterwegs. Ein guter Freund, seines Zeichens Arzt mit einem Herz für Afrika, begleitet mich. Über Jahre hinweg hat er Hilfsprojekte in Südafrika initiiert und pflegt seitdem eine enge Bindung zu Land und Leuten. Außerdem hat er, wie sich noch herausstellen wird, einen Hang zu fliegerischen Verstrickungen. Als er mir von seinen Reiseplänen erzählt, ist sofort klar: Da komme ich mit!
Spornradflieger von Kitplanes for Africa Vom KFA-Werk direkt an den Grill
Der Flugplatz Petit Airport liegt östlich von Johannesburg. Der Name klingt nach Croissant-Frühstück auf einem verschlafenen Provinzflugplatz. Tatsächlich ist es aber ein sehr lebendiger Ort, an dem Schraubenschlüssel klappern, es nach Epoxidharz riecht und die Luft nach Abenteuer und Benzin schmeckt. Hier sitzt Kitplanes for Africa (KFA), eine Firma, die nicht nur Flugzeuge baut, sondern einen Traum lebt. Schon beim Betreten der Werkhalle spüre ich: Hier läuft nichts vom Band, hier wird per Hand gebaut. Es riecht nach ehrlicher Arbeit, Maschinenöl und Ambitionen.
Es gibt keine sterile Produktionsstraße, sondern ein organisiertes Durcheinander aus Rümpfen, Flächen, Propellern, Werkzeugwagen, Kaffeebechern und viel südafrikanischem Lächeln. Die Mitarbeiter von KFA begrüßen uns nicht wie Werksbesucher, sondern wie Freunde. Wir bekommen nicht bloß eine kurze Führung, wir hören begeisterte Geschichten – vom ersten Prototyp, dem »Bushbaby«, von Flügen ins Nirgendwo, von improvisierten Landungen und Testflügen mit brandneuen Prototypen.
Flugzeuge beim Buschflug in SüdafrikaAngekommen in Südafrika für einen Buschflug
Wir durften bei der Familie von CEO Stefan Coetzee im liebevoll hergerichteten Gästezimmer übernachten. Es fühlt sich an wie »Heimkommen zu guten Freunden«, obwohl wir über 8000 Kilometer von zuhause entfernt sind. Kaum haben wir unser Gepäck ausgepackt, heißt es auch schon: Grill an!
Grillen – oder besser gesagt »Braai« – ist in Südafrika weniger Nahrungsaufnahme als Lebensstil. Wir grillten am ersten Abend. Und am zweiten. Und am dritten. Eigentlich immer – sogar zum Frühstück. Ich habe in diesen neun Tagen wohl mehr Fleisch gegessen als im gesamten zurückliegenden Jahr.
Gottfried Elsenhans (rechts) und Florian Sutter (links) Einweisung vom jungen STOL-Profi
Am nächsten Morgen startet die Flugsafari. Natürlich in einer KFA, dem zweisitzigen Taildragger mit STOL-Genen, und mit Regardt an Bord, dem Sohn des Hauses. Er ist erst 20 Jahre alt, aber schon Certified Flight Instructor und hat bereits mehr Flugstunden gesammelt als ich mit Mitte 50. Regardt entpuppt sich schnell als souveräner junger Kerl mit starker Persönlichkeit, Ruhe und viel Gefühl fürs Flugzeug.
Selten habe ich von einem Fluglehrer in so sicherer und entspannter Art Anweisungen bekommen. Kurzum, das Training ist perfekt, um vom hierzulande oft geschmähten Nose-Wheel-Piloten zu einem, sagen wir mal, guten Einsteiger in der Taildragger-Szene zu werden.
Flugzeuge beim Buschflug in SüdafrikaWarum der Buschflug in Südafrika süchtig macht
Und wie ist die Maschine? Ein Traum für jeden Piloten: leicht, handlich, direkt. Es gibt keine Avionik-Spielereien, keinen Autopilot – nur pures Fliegen, so wie es sein soll. Als Pilot fühle ich mich schnell direkt mit der Maschine verbunden. Einen Verbesserungsvorschlag habe ich aber: den Einbau einer Heizung für den südafrikanischen Winter. Doch vielleicht sind nicht alle Piloten so kälteempfindlich wie ich.
Am folgenden Tag starteten wir zur Witgat Gamefarm nahe der Grenze zu Botswana. Die Temperaturen heute sind deutlich angenehmer, das Erlebnis: absolut einmalig. Bei der Landung gibt es eine Überraschung. Vor Ort wird gerade für das TV-Format »Vliegtuig vir ’n Boer« gedreht – quasi die südafrikanische Variante von Bauer sucht Frau, nur eben mit Flugzeugen. Eine Mischung aus Verkaufsveranstaltung, Flugshow und TV-Dreh erwartet uns.
Stausee von obenVon der Flugshow in die Kalahari
Die Graspiste ist top gepflegt, die Organisation tadellos. Die Teilnehmer reisen mit allem an, was Räder oder Tragflächen hat: Stings, eine Cessna Caravan, diverse Motorräder und Geländewagen – ein rollendes und fliegendes Spektakel. Ich nutze die Gelegenheit und versuche mich an einem Enduro-Ausflug auf zwei Rädern über sandige Buschwege. Mein Probelauf ist eher ein Ritt auf dem Staubsauger. Nicht nur wegen der Hitze unter dem Helm komme ich ins Schwitzen. Im Gelände unterwegs zu sein, braucht doch mehr Übung, als ich vermutet habe.
Jetzt habe ich Taildragger-Blut geleckt. Nach einigen flugfreien Tagen geht es mit drei Flugzeugen und sechs Stunden Flugzeit Richtung Nordwest. Unser Ziel: die Kalahari, irgendwo zwischen Upington in Namibia und Botswana gelegen, denn dort findet just das legendäre Kalahari Bundu Bash Fly-in statt – bereits zum 25. Mal.
Safari-TourWenn der Buschflug zur Wüstenexpedition in Südafrika wird
Der Endanflug auf die Landebahn in einem ausgetrockneten See bietet spektakuläre Ausblicke. Hier wurde extra eine Zeltstadt errichtet, mit einem Zeltpalast für Partys und einer mobilen Tankstelle. Die perfekte Organisation würde selbst Vereinsvorstände deutscher Segelflugvereine vor Neid erblassen lassen.
Tagsüber trainieren hier erfahrene Piloten – unter ihnen auch der bekannte Blogger Thomas Marrow – Tieflüge und Formationen. In der Kalahari ist ein »tiefer Überflug« allerdings keine Floskel: Wer einen Weidezaun übersieht, hat ein ernstes Problem.
Ausblick auf den PoolBegeisterung für alles, was fliegt
Nach zwei Nächten Aufenthalt, einer grandiosen Abschlussparty und mit jeder Menge Staub im Gepäck geht es am frühen Morgen wieder zurück. Sechs Stunden Flugzeit sind es bis nach Petit. Unterwegs legen wir Zwischenstopps an Lodges ein – zum Frühstücken und für perfekten Cappuccino. Afrika bietet einfach beides!
Eine Lektion lernen wir unterwegs: Wer auf Klerksdorp oder anderen kleinen Flugfeldern landen und auftanken will, sollte vorher besser dort anrufen. Nicht jeder Tankwart hat Lust auf Überraschungsbesuche oder sofort Zeit – und Mogas ist nicht überall zu bekommen. Auch hier ist die Freundlichkeit der Menschen und das Interesse an den vorbeikommenden Flugzeugen und deren Besatzungen einfach faszinierend.
Flugzeuge beim Buschflug in SüdafrikaWas vom Buschflug in Südafrika für immer bleibt
Der Linienflug zurück nach Europa verläuft dann doch ein wenig langweilig. Diesmal haben wir leider kein Upgrade-Glück und verweilen in der Holzklasse. Was bleibt, sind tolle Menschen, die einen aufnehmen, als gehörte man zur Familie. Eine Art zu Fliegen, die mit Freiheit, Bodenhaftung und echtem Pioniergeist zu tun hat. Und die Erkenntnis: Wer einmal in der Kalahari gelandet ist, kann nie wieder behaupten, Afrika sei weit weg.
Unsere Köpfe sind voll mit Erinnerungen, Fotos und Geschichten, die man ein Leben lang erzählt. Ich für meinen Teil weiß: Das war nicht mein letzter Flug nach Südafrika. Der Propeller dreht sich längst wieder – noch nur in Gedanken.



