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Ein VFR-Flug in Formation: Mit sieben Maschinen zum Balaton

Trotz wiederholter Wetterkapriolen wird es eine schöne Gruppenreise von fünf Cessnas, einer Cirrus und einer C42, die in Formation über Tschechien nach Ungarn fliegen.

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Plattensee
Farbenspiele: Der Balaton oder Plattensee ist ein Süßwassersee im Westen Ungarns und eine bedeutende Urlaubsregion. Am 197 Kilometer langen Ufer gibt es tolle Strände. Bild: Lutz Lohse Plattensee

Alle Flugzeuge haben gerade die Tankstelle in Ostrava erreicht, da kommt per Funk die Ansage vom Towerlotsen: »Rufen Sie mich bitte auf dem Tower an.« Wir besprechen kurz, was wohl der Hintergrund sein könnte und wo wir die Telefonnummer vom Tower herbekommen. Mario, unser Formationsführer und solider Funker für dieses erste Leg von Chemnitz nach Ostrava, nimmt stellvertretend für die Gruppe Kontakt auf und spricht mehrere Minuten mit dem Lotsen.

Was ist passiert? Unsere Formation vom VFR-Flug mit sechs Flugzeugen war zu weit auseinandergerissen, sodass es für den Lotsen eher nach zwei Formationen von vier sowie zwei Flugzeugen aussah. Das war für uns nachvollziehbar, wenn auch nicht so geplant.

Wer fliegt mit wem – und wer führt?

Auftanken für VFR Flug FormationAuftanken für VFR Flug Formation
Auftanken In Ostrava wird das Wetter anspruchsvoll – und das Gelände steigt in Richtung Grenze immer weiter an Bild: Lutz Lohse

Was ist die Vorgeschichte? Nachdem Fluglehrer und Reiseleiter Phil eine Reise von Chemnitz in die Slowakei, nach Ungarn und Tschechien vorgeschlagen hatte, finden sich gleich rund 20 Begeisterte mit einer Mischung aus Fluglehrern, alten und jungen Hasen, Refreshern und Passagieren. Die Idee ist, als Formation zu fliegen und abwechselnd immer eine andere Crew als Anführer unter anderem für den Funk und den Squawk zu bestimmen.

Wenige Tage vor Antritt der Reise am Vatertag ergeben sich aber Veränderungen bei den verfügbaren Flugzeugen. Aus verschiedenen Gründen werden aus sieben Cessnas fünf, und es kommt eine Cirrus und eine ultraleichte C42 hinzu. Bei der Cirrus ist sofort klar, dass aufgrund der höheren Geschwindigkeit Phil damit grundsätzlich vorfliegt und die Zeit bis zur Ankunft der Gruppe nutzt, um Handling, Tanken und Taxis zu organisieren.

Ein VFR-Flug in Formation unter realen Bedingungen

Bergpanorama: Die Kirche St. Egidius in Poprad. Im Hintergrund liegt die Hohe Tatra, deren höchster Gipfel 2655 Meter hoch ist. Bild: Lutz Lohse

Mit dem UL-Piloten wird die Reisegeschwindigkeit besprochen und alle sind guten Mutes. Das Tagesziel ist der Flugplatz Poprad-Tatry in der Hohen Tatra, mit Tankstopp zuvor im tschechischen Ostrava. Der Zwischenstopp ist vor allem deshalb sinnvoll, weil die Flugzeuge somit nicht vollgetankt werden müssen, denn bis auf das UL sind alle Flugzeuge mit drei Personen und Gepäck bis an die MTOM beladen. Zum ersten Mal in meinem Fliegerleben werde ich von Phil gebeten, zur Sicherheit noch einen Wagenheber mitzunehmen, da er schon mal eine Reifenpanne hatte!

Leider hat sich eine Front mit aufliegender Bewölkung direkt über das Erzgebirge gelegt. Auch wenn bereits um sieben Uhr alle in Chemnitz am Platz sind, ist sofort klar: Wir brauchen Geduld und ein Vorgehen, das für alle passt. Das Thema »gute Entscheidungsfindung« wird uns ab jetzt unbewusst den gesamten Ausflug begleiten.

Formation oder nicht?

Auf acht Meter hohen Beinen Auf dem Mährischen Platz in Brünn/Tschechien thront die Reiterstatue des Künstlers Jaroslav Róna. Sie heißt »Tapferkeit«. Bild: Lutz Lohse

Zum Glück hebt sich die Wolkenuntergrenze am Vormittag etwas und Phil startet mit der Cirrus, um die Lage zu erkunden. Per WhatsApp erhalten wir einen Live-Wetterbericht inklusive Bilder. Es kann losgehen. Da die meisten Foreflight nutzen, geben wir damit den Flugplan für die Formation auf. Wir starten zwei Stunden später als geplant, kommen aber mit einem Bogen in Richtung Elbtal gut nach Tschechien.

Das UL ist in der Formation auf dem vorletzten Platz vor einer Cessna positioniert. Nachdem sich die Formation V-förmig ausgerichtet hat, wird deutlich, dass die gemeinsame Geschwindigkeit doch nicht so gehalten werden kann, wie erwartet; die Lücke zu den letzten beiden Flugzeugen wird langsam größer. So wirkt es denn auch auf den Towerlotsen in Ostrava, als wenn hier zwei Formationen unterwegs sind, auch wenn wir nur mit sehr wenigen Minuten Unterschied landen.

Wichtige Entscheidungen beim VFR-Flug in Formation

Team: VFR Flug FormationTeam: VFR Flug Formation
Die Laune steigt Alle Teilnehmenden der Formationsreise versammeln sich vor dem Massiv der Hohen Tatra – am Vortag war von den Bergen nichts zu sehen. Bild: Lutz Lohse

Seine Empfehlungen beherzigen wir gerne und geben für die weiteren Legs immer zwei Flugpläne auf. Eine Gruppe besteht aus vier Cessnas, die zweite Formation besteht aus dem UL plus eine Cessna, da der UL-Pilot sich den englischen Funkverkehr nicht allein zutraut. Ein Learning drängt sich auf: Auf diese Weise ist ein Ausflug mit Maschinen verschiedener Leistungsklassen wirklich nicht zu empfehlen.

Das Wetter in der Slowakei ist für das zweite Leg sehr durchwachsen. Die Entscheidungsfindung ist erneut geprägt von grundlegenden Fragen: Wie schätzen wir die Entwicklung ein? Welche Risiken sehen wir bei diesem Gebirgsflug? Welche Alternativen haben wir? Wie passt die Erfahrung der Piloten zum Leg? Finden wir ein für alle machbares Vorgehen?

Wann wird Umplanen zur besten Option?

Team: VFR Flug FormationTeam: VFR Flug Formation
Die Party-Hauptstadt des Plattensees Ein Teil der Gruppe nutzt die Zeit jedoch für einen Spaziergang auf der Promenade.
Bild: Lutz Lohse

Wir haben vor uns verschiedene Gebirge, die im Westen der Slowakei durch die Niedere Tatra mit Erhebungen um 5000 Fuß und Richtung Poprad mit der Hohen Tatra um 8000 Fuß gekennzeichnet sind. Die Wolkenuntergrenzen sind zugleich unterhalb dieser Werte und oft aufliegend.

Für den Tag ist leider mit keinen großen Veränderungen zu rechnen. Die Einschätzungen der Piloten sind glücklicherweise sehr homogen. Die Abwägung ergibt letztlich eine neue Routenplanung, die zunächst nach Süden führt und dann in einem großen Bogen entlang der Täler und zwischen den Bergen einen nordöstlichen Verlauf nimmt. Die Flugzeit verlängert sich zwar von einer Stunde auf eineinhalb, aber wir fühlen uns damit einfach wohler.

Zwischen Tal, Wetter und Funkabstimmung beim VFR-Flug in Formation

Es gibt einen »Tower«: Auf dem ungarischen Platz Siófok findet regelmäßig Fallschirmflug mit einem alten Mi-8-Hubschrauber statt. Bild: Lutz Lohse

An einer Kardinalstelle nordöstlich vom Flugplatz Martin wird es nochmal spannend. Die Berge sind um 4000 Fuß und höher. Leider steht dort erneut ein Regengebiet mit Dunstschwaden. Da wir den Talverlauf und das nächste Tal erkennen können, umfliegen wir den Berg und haben anschließend wieder gute Sicht. Die Abstimmung zwischen den Flugzeugen auf der Air-to-air-Frequenz funktioniert dabei gut und ist eingespielt.

Der Flug über die sehr dichten, tiefgrünen Wälder, oft ohne menschliche Spuren, ist sehr beeindruckend. Leider sehen unser Harz oder der Thüringer Wald schon lange nicht mehr so aus. Der Lotse in Poprad bittet uns aufgrund des Verkehrs zwar um einen ausgesprochen langen Gegenanflug, dafür ist die gestaffelte Landung der vier Cessnas perfekt. Kaum 15 Minuten später landen die beiden anderen Flugzeuge sicher.

Quer durch Ungarn

Ein riesiges Rad: Abends wird die Touristenattraktion illuminiert. Bild: Lutz Lohse

Aufgrund der verschiedenen Verzögerungen fahren wir direkt zum vorbestellten Restaurant, denn der Hunger ist groß und alle freuen sich über das obligatorische Landebier und die gute slowakische Küche. Das Hotel Kalix in Poprad ist wirklich ausgezeichnet und eine Empfehlung.

Beim Frühstück findet das Briefing für den Flug nach Siófók an den Balaton statt. Unterwegs haben wir mit tiefer Bewölkung, Regen und Dunst zu rechnen. Deshalb entscheiden wir uns wieder für eine Talroute und eine Höhe knapp unter der Wolkenuntergrenze.

Wenn der Funk kurz schweigt: VFR-Flug in Formation

Beim Abendspaziergang in Brünn: Ein wunderschöne Atmosphäre geht von der erleuchteten Kathedral St. Peter und Paul nach Sonnenuntergang aus. Bild: Lutz Lohse

Erst in Ungarn können wir auch mal über die Wolken. Beim Start hat Mario kurz Pech, denn er dreht versehentlich die Towerfrequenz leise und nicht die Air-to-air-Frequenz. Die Lotsin ruft ihn mehrfach und er bekommt dann zum zweiten Mal Feedback. Insgesamt sind die Lotsen gut verständlich und entspannt, was die Arbeit für die Funker leichter macht.

Als sich der Balaton aus dem Dunst schält, sind wir happy. Das nächste Ziel ist erreicht. Der Betriebsleiter empfiehlt in mäßigem Englisch den linken Gegenanflug zur Piste 33. Zu meiner Überraschung meldet kurze Zeit später ein fünftes Flugzeug den Einflug in den rechten Gegenanflug.

Ein kurzer Schreck und ein langer Abend

VFR Flug FormationVFR Flug Formation
Lockere Formation: Über die Niedere Tatra der Slowakei mit Erhebungen von um die 5000 Fuß kommen alle gut hinweg, trotz der tiefhängenden Wolken. Bild: Lutz Lohse

Mein mehrfacher Hinweis dazu per Funk bleibt ohne Reaktion, zum Glück sehen wir das Flugzeug. Nach der Landung wird klar, dass das andere Flugzeug die Lage rechtzeitig aus unseren Positionsmeldungen erkannt und mit einem langen Gegenanflug die Situation entschärft hat. Eine Rückmeldung wäre trotzdem schön gewesen.

Nach dem Tanken geht es schnell in das Hotel im Zentrum und dann weiter ans Wasser. Die schillernden Farben des Balatons sind einzigartig und der Spaziergang ist eine schöne Entspannung nach dem Flug. Da das Catering an Bord einer Cessna bekanntermaßen überschaubar ist, hat der deutschsprachige Gastwirt am Ortsrand von Siófók abends seine wahre Freude mit uns. Wir fragen alles ab, was die ungarische Küche hergibt.

Bleiben oder weiterfliegen?

Für den Weiterflug zum nächsten Zwischenstopp in Brünn Turany, Tschechien, haben wir beim Frühstück wieder viel zu besprechen. Es geht eine Front mit vielen Regengebieten und Gewitterzellen in den nächsten zwei Tagen durch Tschechien. Übernachten wir wie geplant oder fliegen wir direkt nach Hause? Letztendlich entscheiden wir uns für den Stopp in Brünn. Die Aufbruchstimmung wird aber etwas gebremst, da einerseits die am Vortag bestellten Taxis 45 Minuten Verspätung haben und am Platz auch noch intensiver Sprungbetrieb mit einem Helikopter bis zum Mittag herrscht.

Der Flug über den Balaton und die Donau ist sehr schön und ausnahmsweise spielt das Wetter etwas mit. Auch Bratislava Information lässt uns direkt Richtung Grenze/Brünn fliegen, da etliche Sperrgebiete nicht aktiv sind. Praha FIS bittet uns interessanterweise, die ATIS-Meldung von Brünn zu checken. Die Info holen wir uns gerne: wenig Wind, die lange Asphaltbahn 27 ist aktiv. Wir melden uns auf der Towerfrequenz und sollen den südlichen Pflichtmeldepunkt Alpha anfliegen.

VFR-Flug mit klaren Vorgaben in der Formation

Chemnitz im Regen: Zur Abschlusslandung wurde es – passend zum Reiseverlauf – direkt am Platz nochmal anspruchsvoll. Bild: Lutz Lohse

Richtig erstaunt sind wir, als der Tower dann einer Linienmaschine die Landefreigabe für die »09« erteilt. Wir erhalten anschließend die Freigabe für die »27« und landen gut gestaffelt fast parallel auf der langen Bahn; nur die letzte Maschine hat geringfügig mehr Abstand. Auf der Groundfrequenz werden wir zur Tankstelle gelotst und ich bekomme den Hinweis, der letzten Maschine mitzuteilen, dass sie aufschließen möge! »Die nehmen das aber sehr genau«, denke ich. Die Cessna war etwa 200 Meter hinter uns, hat aber mitgehört und rollt entsprechend schneller.

Dass auch hier »rein zufällig« Mario involviert war, haben wir am Abend dann genüsslich ausgewertet. Vor Ort entscheidet sich der UL-Pilot mit Blick auf das Wetter dann für einen direkten Weiterflug nach Deutschland. Der dauert durch das Umfliegen der Gewitter ganze drei Stunden. Alle anderen stärken sich wie gewohnt mit den rustikalen Spezialitäten nach der Besichtigung des Zentrums.

Ein anspruchsvoller Heimflug

Team: VFR Flug FormationTeam: VFR Flug Formation
Warten aufs Taxi: Autor Lutz Lohse macht das letzte Gruppenfoto im Badeort Siófók. Bild: Lutz Lohse

Am Folgetag ist das Wetter passabel, es geht nach Hause. Wir starten wieder auf der »27« in Brünn, jedoch wird vor uns noch eine Cessna gegensinnig auf der Graspiste 08 rausgelassen. Also das Thema Landerichtung und Platzrunde ist auf dieser Reise voller »Hallo-Momente«. FIS Praha ist sehr wichtig, dass wir die TMA Prag meiden, die wir wie geplant unterfliegen. Viel unangenehmer ist die Air-to-air-Frequenz, die von mehreren Einheimischen für intensiven Smalltalk genutzt wird. Eine Erinnerung daran, dass man auf dieser Frequenz nicht alleine unterwegs ist, sorgt schlagartig für Besserung.

Fast zuhause fliegen wir entgegen der Vorhersage nochmal in strömenden Regen ein. Mein Gedanke: »Es hört nicht auf mit den Wetterkapriolen«. Wir lösen die Formation aufgrund der Sichtverhältnisse auf und fliegen mit mehr Abstand einzeln den Platz an. Am Ende sind alle glücklich, dass wir gesund und munter das letzte Landebier genießen dürfen.

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