Die richtige Luftfahrt-Versicherung: Reicht Ihr Schutz?
Versicherungen sind komplex. Im Gespräch mit Nina Seidensticker vom Makler Pantaenius geht es um typische Irrtümer, heikle Fälle und entscheidende Details.
Den ersten Ansatz, den Versicherungsdschungel in der Allgemeinen Luftfahrt zu ordnen, können Sie hier lesen. Danach haben uns Leserinnen und Leser viele Fragen geschickt – vor allem zu den Situationen, in denen es kompliziert wird. Gemeinsam mit Nina Seidensticker vom Versicherungsmakler Pantaenius habe ich deshalb dort weitergemacht, wo der erste Artikel aufgehört hat: bei typischen Irrtümern, heiklen Konstellationen und der Frage, wann aus einem Detail plötzlich ein Risiko wird.
Ein Punkt zog sich durch das Gespräch wie ein roter Faden: Versicherungen orientieren sich nicht nur am Luftfahrzeug, sondern vor allem an dessen Nutzung. »Man muss sich fragen: Was möchte ich mit dem Flugzeug machen?«, sagt Seidensticker. Privat fliegen, schulen, verchartern oder neue Pilotinnen und Piloten einweisen – all das muss in der Police abgebildet sein.
Nina Seidensticker: Expertin für die Luftfahrt VersicherungWann ein Detail plötzlich teuer werden kann
Was zunächst banal klingt, ist eine der häufigsten Fehlerquellen. Die Nutzung verändert sich oft schleichend. So kann aus einem reinen Privatflugzeug ein Schulungsflugzeug werden. Problematisch wird es, wenn die Versicherung nicht mitwächst. Denn dann gilt: Wer das Flugzeug anders nutzt als vereinbart, haftet im Zweifel selbst.
»Das Flugzeug ist doch versichert« – dieser Satz klingt beruhigend, greift aber zu kurz. Entscheidend ist die Deckungssumme. Zum Beispiel kann es bei der CSL-Versicherung, die Schäden gegenüber Dritten und Passagieren abdeckt, schnell um hohe Beträge gehen. »Es kann ja sein, dass ich mit diesem Flugzeug einen Schaden verursache, der über die Mindestdeckungssumme hinausgeht«, erklärt Versicherungsmaklerin Nina Seidensticker.
Reicht die Luftfahrt-Versicherung im Ernstfall aus?
Und dafür braucht es kein spektakuläres Szenario. Gerät ein Flugzeug etwa in ein sensibles Schutzgebiet, können Umwelt- und Folgekosten schnell explodieren. »Dann brütet da zufälligerweise die seltene Lerche« – und plötzlich wird aus einem vergleichsweise kleinen Vorfall ein Millionenschaden.
Genau hier liegt das Risiko. Wird nur die Mindestdeckung gewählt, und der Schaden fällt dann doch höher aus, muss die Differenz privat getragen werden. So kann aus einem theoretischen Problem eine sehr reale finanzielle Belastung werden.
Viele Privatpiloten sind sich bei vermeintlich banalen Dingen nicht gleich über Konsequenzen bewusst: ein Bier zu viel, Medikamente eingenommen, ein fehlendes Medical – so etwas kann als grobe Fahrlässigkeit den Versicherungsschutz kosten. Wer Checklisten überspringt oder sich zu sicher fühlt, kann sich in Richtung grober Fahrlässigkeit bewegen. Das klingt selbstverständlich – ist es aber offenbar nicht immer.
Kleine Fehler, große Folgen
Eine Leserfrage brachte einen besonders heiklen Punkt auf den Tisch. Gerhard aus Gelnhausen schrieb: »Als Class Rating Instructor (CRI) würde mich insbesondere die Situation bei Unterschiedsschulungen auf Privatmaschinen interessieren.« Genau hier zeigt sich die Bedeutung der Nutzung.
Denn es macht für die Versicherung einen Unterschied, ob ein Flugzeug rein privat genutzt wird – oder ob damit auch geschult und eingewiesen wird. Sobald Anfängerschulungen, Unterschiedsschulungen oder Einweisungen stattfinden, sollten diese ausdrücklich in der Police genannt sein. Fehlt dieser Eintrag, obwohl die Maschine entsprechend genutzt wird, kann das im Schadensfall problematisch werden.
Ist die Kaskosumme noch realistisch?
Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird: die Kaskosumme, mit der das Flugzeug versichert ist. Viele Halter setzen sie bewusst niedrig an, um an der Prämie zu sparen, die als Prozentsatz des Werts berechnet wird. Das Problem: Liegt der tatsächliche Marktwert der Maschine höher, entsteht eine Unterversicherung – mit spürbaren Konsequenzen im Schadensfall. Gerade nach den Preissteigerungen der vergangenen Jahre kann sich der Wert eines Flugzeugs deutlich verändert haben. Eine regelmäßige Überprüfung – etwa einmal jährlich – ist deshalb sinnvoll.
Auch bei den Flugstunden gibt es einen verbreiteten Irrtum. Wer weniger Auslastung des Flugzeugs angibt, spart damit keine Prämie. Die Versicherer sehen es im Gegenteil sehr positiv, wenn Flugzeuge und Privatpiloten regelmäßig in der Luft sind.
Nur Pflichtprogramm oder besser mehr Schutz?
Doch welche Luftfahrt-Versicherung ist überhaupt erforderlich? Rein rechtlich ist die Lage übersichtlich: Pflicht ist nur die Halterhaftpflicht und CSL. Eine Kaskoversicherung ist jedoch empfehlenswert, ebenso wie zusätzliche Absicherungen – etwa bei Schulungsflügen die Sitzplatzunfallversicherung. Wichtig ist dabei vor allem eins: Jedes Luftfahrtrisiko ist individuell zu betrachten.
Ein letzter Punkt, der oft übersehen wird: Es lohnt sich, auch einen Blick über die eigene Police hinaus zu werfen. Viele Pilotinnen und Piloten sind bereits in Verbänden organisiert. Die haben für ihre Mitglieder meist Sonderkonditionen bei verschiedenen Versicherungen verhandelt.
Wie Verbände bei der Luftfahrt-Versicherung helfen können
Für Mitglieder der AOPA-Germany mit Wohnsitz in Deutschland gibt es zum Beispiel eine subsidiäre Charter-Haftpflichtversicherung für gecharterte Luftfahrzeuge bis 2700 Kilogramm MTOM. Zusätzlich kann dort auch eine Absicherung für den Kasko-Selbstbehalt vereinbart werden. Ebenfalls interessant sind spezielle Gruppenlösungen für Fluglehrer, CRI, TRI oder Prüfer. Mehr Infos unter www.aopa.de/versicherungsangebote-fuer-mitglieder.
Beim Ultraleichtflugverband DULV wiederum gibt es für UL-Piloten verschiedene Versicherungsangebote über einen Rahmenvertrag mit der HDI-Versicherung, etwa in den Bereichen Halterhaftpflicht, CSL, Kasko, Sitzplatz-Unfall oder individuelle Unfallversicherung. Auch der Deutsche Aero Club verweist auf exklusive Serviceleistungen für Mitglieder, die im Einzelfall interessant sein können. Ein Check lohnt sich also!
Versicherungen für Piloten: Was wirklich wichtig ist

Isabella Sauer ist Jahrgang 1991, studierte in Bamberg Kommunikationswissenschaft und absolvierte anschließend ein Volontariat bei Auto Bild. Seit ihrer Jugend ist sie journalistisch tätig und arbeitete für große Verlagshäuser, darunter Axel Springer und die Funke Mediengruppe. Print, Digital, Social Media - für Isabella hat jeder Inhalt das Potenzial, vielfältig aufbereitet zu werden. Und wie kam sie zum fliegermagazin? Das Thema Mobilität interessierte sie immer schon sehr. Ob Auto, Bahn, Camper, Airliner oder Fahrrad: Die Welt lässt sich aus vielen Perspektiven entdecken. Nun geht es für Isabella Sauer in die Luft. Seit Mai 2025 hat sie eine Privatpilotenlizenz (PPL).

