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Brand am Flugplatz Varrelbusch: Was Vereine daraus lernen können
Der Brand am Flugplatz Varrelbusch (EDWU) traf den LSV Cloppenburg hart. Welche
Erkenntnisse andere Luftsportvereine aus dem schrecklichen Vorfall ziehen können.
Als in der Nacht auf den 6. Dezember 2025 Flammen über den Flugplatz Varrelbusch (EDWU) bei Cloppenburg in Niedersachsen schlugen, war schnell klar: Dies ist kein kleiner Schaden, sondern ein Einschnitt. Nach Angaben der Polizei brach das Feuer im Towergebäude aus, griff auf das darunterliegende Restaurant über und erreichte dann die Hangars. Um 0:42 Uhr
wurde der Brand gemeldet, die Feuerwehr rückte aus. Am Ende wurden Gebäude und Hallen auf einer Fläche von rund 100 mal 25 Metern zerstört, vier Flugzeuge brannten aus. Die Schadenssumme wird auf rund 750.000 Euro geschätzt. Die Ursache für den Brand soll ein Feuer in der Elektroinstallation in einer Zwischendecke der Gaststätte gewesen sein. Menschen kamen zum Glück nicht zu Schaden.
Hart getroffen hat es den Luftsportverein Cloppenburg, der seit 1954 am Platz Segel- und Motorflug betreibt. Doch neben dem materiellen Verlust hat der Brand vor allem eines gezeigt: wie wichtig Vorbereitung, Kommunikation und Zusammenhalt sind. Christian Harm-Zumbrägel, Ausbildungsleiter Segelflug, hat die Brandnacht und die Wochen danach intensiv miterlebt. Seine Erfahrungen können auch für andere Vereine wertvoll sein.
Als die ersten Nachrichten in der vereinsinternen WhatsApp-Gruppe auftauchten, konnte zunächst kaum jemand begreifen, was geschah. „Mein Bruder stand nachts bei mir vor der Tür und sagte: Der Flugplatz brennt.“, erinnert sich Harm-Zumbrägel. Gemeinsam fuhren sie sofort zum Platz. Bis in den späten Nachmittag standen Mitglieder im Einsatz, organisierten, sperrten ab, unterstützten die Einsatzkräfte. „Wir haben funktioniert. Nach dem Motto: Erst das Flugzeug fliegen – danach analysieren.“ Emotionen kamen später.
Hilfe annehmen, aber dosiert
Die Hilfsbereitschaft war überwältigend. „Wir wurden sofort gefragt, was wir brauchen – nicht nur aus der Flieger-Community, sondern weit darüber hinaus.“ Diese Erfahrung habe dem Verein deutlich gemacht, wie stark der Zusammenhalt sei. Gleichzeitig war das auch eine Herausforderung: „Wir haben unterschätzt, wie viel Aufwand es ist, Hilfe zu koordinieren.“ Ein Learning: Hilfe nicht zu früh und unstrukturiert annehmen. Bauzäune mussten organisiert werden, um die Brandstelle abzusperren; Angebote von Nachbarvereinen – etwa für Hangarstellplätze – mussten gebündelt werden. Aus diesem positiven Stress heraus und wegen Anfragen wurde entschieden, ein Spendenkonto einzurichten (siehe unten).
Die traurigen Überreste der Vereins-Citabria zeugen vom Ausmaß der Zerstörung.Um den Platz zumindest eingeschränkt wieder nutzen zu können, mussten grundlegende
Voraussetzungen geschaffen werden. Besonders kritisch: Der Crashwagen , den der Verein für Notfälle am Platz bereit hält, wurde zerstört. Über Kontakte erhielt der LSV kurzfristig einen Ford Transit. Fallschirme stellten der Luftsportverband Niedersachsen und Privathalter. „Unser großes Ziel war es, den Schulungsbetrieb schnell wieder aufzunehmen.“ Aktuell findet die Flugvorbereitung in der Werkstatt
statt.
Gleichzeitig fehlen banale Dinge: Duschen, Toiletten, Gemeinschaftsräume. Containerlösungen wären kostspielig. Hallenplätze sind knapp, die Infrastruktur provisorisch. Positiv: Die Sparten rücken enger zusammen – auch solche, die vorher weniger Berührungspunkte hatten.
Nach Brand am Flugplatz: Materielle wie emotionale Schäden
Ein sensibles Thema war und ist der Umgang mit Medien. „Das öffentliche Interesse ist sehr groß und Medien möchten darüber berichten. Hier ist eine klare Kommunikation wichtig, damit Aussagen nicht missverständlich ausgelegt werden.“ Gleichzeitig ist Transparenz nach innen entscheidend. Der Verein steht vor der Aufgabe, 230 Mitglieder regelmäßig zu informieren, davon rund 130 aktive, darunter etwa 25 Jugendliche.
„Als Vorstandsmitglied ist man oft tief im Thema drin – und muss lernen, wieder die Perspektive der anderen einzunehmen.“ Unterstützung suchte sich der Verein auch extern: Ein Kriseninterventionsteam wurde angesprochen, Gespräche innerhalb des Vereins bewusst gefördert. „Reden hilft“, sagt Harm-Zumbrägel.
Denn neben dem materiellen Schaden wiegt der emotionale Verlust schwer. Fotos, Dokumente, Erinnerungen – ein Stück Vereinsgeschichte ist verloren. Der Brand hat auch Schwachstellen offengelegt. Zwar ist der Verein entsprechend versichert, dennoch müssen viele Kosten vorgestreckt werden oder sind dann doch nicht durch Versicherungen abgedeckt: Funkgeräte, Rettungsmittel, Warnblinker. Besonders schmerzhaft: Bordbücher und Unterlagen lagen im Tower und waren nicht vollständig digitalisiert.
„Es schadet nicht, wichtige Dokumente zu fotografieren oder digital zu sichern – oder in einem feuerfesten Schrank aufzubewahren.“ Ein weiteres Learning betrifft Zugänge und Schlüssel: Wer hat welchen Schlüssel? Sind diese nur spartenintern verteilt? „Im Notfall ist es hilfreich, wenn übergreifend gehandelt werden kann.“
Erst Trauer, dann Zuversicht
Trotz aller Herausforderungen ist die Stimmung im Verein heute von Zuversicht geprägt. Nach einer Phase der Trauer folgte ein klarer Wille zum Wiederaufbau. »Jetzt erst recht«, beschreibt Harm-Zumbrägel die Haltung vieler Mitglieder. Ziel ist es, den Platz zum Saisonbeginn im März wieder für Gastflieger nutzbar zu machen – auch wenn noch nicht alle Fragen geklärt sind. Unterstützung kommt von vielen Seiten: vom Landkreis, von der Bundeswehr, auf deren Gelände der Platz liegt, und aus der Nachbarschaft.
So konnte der Theorieunterricht zeitweise im Dorfgemeinschaftshaus stattfinden, um Stillstand zu vermeiden. Auch der vorherige Austausch mit der Feuerwehr habe sich als wertvoll erwiesen – ein Tipp, den Harm-Zumbrägel ausdrücklich weitergibt. „Das Gebäude ist weg“, sagt er, „aber die Gemeinschaft besteht weiter.“ Eine Erkenntnis, die über Varrelbusch hinaus Bedeutung hat – und anderen Vereinen helfen kann, für den Ernstfall besser vorbereitet zu sein.
Spendenkonto für den Luftsportverein Cloppenburg
Um die akut anfallenden Kosten decken zu können und einen finanziellen Grundstock für den anstehenden Wiederaufbau der Flugplatzgebäude zu bekommen, hat der LSV Cloppenburg ein Spendenkonto eingerichtet.
Empfänger: Luftsportverein Cloppenburg e.V.
IBAN: DE03 2805 0100 0092 4338 20
Verwendungszweck: Spende Brandhilfe

Isabella Sauer ist Jahrgang 1991, studierte in Bamberg Kommunikationswissenschaft und absolvierte anschließend ein Volontariat bei Auto Bild. Seit ihrer Jugend ist sie journalistisch tätig und arbeitete für große Verlagshäuser, darunter Axel Springer und die Funke Mediengruppe. Print, Digital, Social Media - für Isabella hat jeder Inhalt das Potenzial, vielfältig aufbereitet zu werden. Und wie kam sie zum fliegermagazin? Das Thema Mobilität interessierte sie immer schon sehr. Ob Auto, Bahn, Camper, Airliner oder Fahrrad: Die Welt lässt sich aus vielen Perspektiven entdecken. Nun geht es für Isabella Sauer in die Luft. Seit Mai 2025 hat sie eine Privatpilotenlizenz (PPL).



