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Flugzeug restaurieren: Diese Klemm 107 fliegt bald wieder

Die Luftsportgemeinschaft Hanns Klemm hat große, schweißtreibende Pläne: Eine Klemm Kl 107 C soll wieder flugfähig gemacht und schon auf der AERO 2023 präsentiert werden. Das fliegermagazin begleitet die Restaurierung und berichtet über den aktuellen Stand des Projekts.

Von Redaktion
Die LSG hat seit ihrer Vereinsgründung schon sechs Klemm Kl 107 C und eine Kl 25 restauriert. Nun wollen junge und ältere Vereinsmitglieder diese Klemm 107 C wieder flugfähig machen. Das beginnt mit der Entfernung von Lack und Grundierung am Rumpf

Die Erinnerung an die AERO 2022 sorgt noch immer für große Freude bei der Luftsportgemeinschaft Hanns Klemm (LSG). Der Verein hatte dort beim gemeinsamen Gewinnspiel von Lanitz Aviation und dem fliegermagazin eine Oratex-Bespannung im Wert von 10000 Euro gewonnen. Wir haben nachgefragt, was sich seither bei der Flugzeugrestaurierung getan hat.

Edgar Müller, Vorstandsvorsitzender der LSG erklärt, dass ihre Klemm 107 damals aufgrund des mangelhaften Zustands stillgelegt wurde. Ziel sei es, sie zu restaurieren und mit ihr im nächsten Jahr auf die AERO zu fliegen. Dort soll sie präsentiert werden. Für das Projekt sei weiterhin Unterstützung notwendig.

Benjamin Lachat (l.) von der LSG am fliegermagazin– Stand auf der AERO in Friedrichshafen.
Er nimmt den Gewinn von Siegfried Lanitz (3. v. l.), dem Geschäftsführer von Lanitz Aviation, entgegen.

Klemm 107: Originalgetreue Flugzeugrestaurierung statt Neubau

Der Verein aus Böblingen widmet sich der Flugzeugrestaurierung und damit den flugfähigen Erhalt der Flugzeuge von Hanns Klemm. Er besitzt zwei Kl 107 sowie eine L 25 im Flugzeugpark. Die Mitglieder fliegen alle drei Flugzeuge. Letztere ist mit Baujahr 1934 das drittälteste noch flugfähige Flugzeug sowie die einzige Klemm L 25 im Originalzustand in Deutschland. Das Bewahren des Erbes von Hanns Klemm ist den Fliegern in Eutingen, dem Heimatflugplatz der LSG, ein großes Anliegen.

Die Flugzeuge sollen möglichst unverändert erhalten bleiben. Sie sollen die gleichen Komponenten wie beim ursprünglichen Bau enthalten. Nur irreparable Teile ersetzt der Verein so originalgetreu wie möglich. Daher spreche man in diesem Fall auch von einer Restaurierung und keinem Neuaufbau. Trotzdem müssen die Vereinsmitglieder in einigen Bereichen auf neueste Technik setzen müssen, um keine Abstriche bei der Sicherheit zu machen.

Alle Schläuche und Instrumente werden überprüft und erneuert. Die Maschine soll ein neues Funkgerät und einen neuen Transponder erhalten.

Klemmflugzeuge waren Wegbereiter der modernen Fliegerei

Das Projekt-Team besteht aus rund 20 Leuten. Viele ältere Mitglieder können ihr Wissen an Jüngere weitergeben. Die ersten Restarbeiten seien schon gut angelaufen. Trotzdem sei es ein sportliches Ziel bereits in einem halben Jahr mit dem Flugzeug auf die AERO zu fliegen.

Die Vereinsmitglieder sind hochkonzentriert und entfernen vorsichtig den Lack vom Rumpf.

Ein historischer Rückblick zeigt, dass die Erfindung des Leichtsportflugzeugs auf Hanns Klemm zurückgeht. Ende der dreißiger Jahre war Leichtflugzeugbau Klemm der größte Arbeitgeber in Böblingen. Die Flugzeuge errangen bei Wettbewerben erste Plätze und erzielten viele außergewöhnliche Rekorde. Auch berühmte Fliegerinnen wie Elly Beinhorn oder Marga von Etzdorf flogen Klemmflugzeuge.

Die Klemm L 25 ist die dritt- älteste noch im Originalzustand befindliche Klemm L 25 in Europa.

Klemms Erbe fliegbar erhalten: Flugzeugrestaurierung

Klemm war der Erfinder der Privatfliegerei. Seine Vision war das Flugzeug für alle. Er wollte möglichst leichte und aerodynamische Flugzeuge bauen, um kleine und damit sparsame Motoren nutzen zu können, die in Anschaffung und Unterhalt günstig sind und wenig verbrauchen. Energieeffizienz ist heute immer noch ein sehr aktuelles Thema, sagt Müller.

Die Flugeigenschaften der Klemm Kl 107 sind auch für heutige Verhältnisse noch immer herausragend. Somit gilt es, das Erbe von Klemm zu erhalten. Aber nicht in Form von ausgestellten Museumsstücken, sondern flieg- und erlebbar für alle. Ganz so hätte es sich Hanns Klemm vermutlich gewünscht, ist sich der Vereinsvorsitzende Müller sicher. Genau dies ist das Anliegen der Luftsportgemeinschaft Hanns Klemm. Der Verein ist aus dem Zusammenschluss der Flugsportgruppe Hanns Klemm Böblingen-Calw und des Flugsportvereins Rottenburg-Horb-Eutingen hervorgegangen.

Ohne Bespannung zeigt sich der filigrane Aufbau der Tragfläche aus Holz.

Förderverein zur Unterstützung des Restaurierungsprojekt Klemm 107

Ein Förderverein unterstützt die Erhaltung der Klemmflugzeuge mit ihrer bedeutsamen Rolle als Wegbereiter für die moderne Fliegerei. Die Mitglieder der LSG setzen sich in vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden für die Wartung und Flugzeugrestaurierung der Klemms ein. Kreative Sponsoring Ideen sollen für Geld in der Vereinskasse sorgen. Ein erster Ansatz hierfür wären Fotoshootings mit den historischen Klemmflugzeugen.

Gerhard Renschler, Urgestein des Böblinger Modellbauvereins, hilft der LSG beim Entlacken der »107«.

Vorsitzender des Fördervereins Paul-Matthias Schlecht erklärt: Die Restaurierung der Kl 107 ist ein außergewöhnlich gutes, allerdings auch finanziell sehr aufwändiges Projekt. Wir möchten alle, die sich hieran beteiligen wollen, herzlich dazu einladen, dem Förderverein beizutreten oder eine projektbezogene Spende zu machen. Angesprochen werden sollen nicht nur aktive Pilotinnen und Piloten, sondern auch Privatpersonen und Unternehmen.

Flugzeugrestaurierung: Bis zur AERO 2023 noch eine Menge zu tun

Die Holzbeplankung darf beim Bearbeiten der Oberfläche nicht beschädigt werden. Die Verleimungen der Rippen muss sorgfältig geprüft werden.

Es ist jedoch noch eine Menge zu tun, damit die Klemm wieder abheben kann. Betreuer des Projekts, Manfred Schade, hat langjährige Erfahrung in der Restaurierung historischer Flugzeuge. Für die Restaurierung benötigen wir unter anderem Avionik, Funkgerät und Transponder. Auch Motor und Propeller müssen überprüft und überholt werden. Sachspenden und finanzielle Unterstützung werden dringend benötigt.

Vor kurzem wurden der Rumpf und die Flügel der D-ECIH von der alten Bespannung befreit und abgeschliffen. Die Gestänge aus Metall sind abgebaut und sandgestrahlt worden. Die Projektteams Holz und Metall sind nun dran, ihre Werke auf den neuesten Stand bringen. Separat kümmert sich ein Technik-Team um die Erneuerung der Instrumente. Wir sind gespannt, wie die Flugzeugrestaurierung weitergeht!

Text: Claudius Banani Fotos: Luftsportgemeinschaft Hanns Klemm

Frühere Restaurierungen mussten grundiert und lackiert werden. Dank Oratex entfällt das jetzt.
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