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Neue UL-Helis auf der AERO 2026: Turbinen, Zulassungen und neue Modelle

Bei der Zulassung gelten sie als Nischengeräte, auf der AERO 2026 sind sie großzügig vertreten, von Alpi über Hungarocopter bis Konner.

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Der Alpi Syton AH-180 wird von einer in Deutschland gebauten, 180 PS starken Turbine angetrieben.
Der Alpi Syton AH-180 wird von einer in Deutschland gebauten, 180 PS starken Turbine angetrieben. Bild: Toni Ganzmann

Von neuen Turbinen über frische Zulassungen bis zu ungewöhnlichen Konzepten: Im Bereich der UL-Hubschrauber zeigt die AERO 2026 eine überraschend große Bandbreite. Das fliegermagazin gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen und Hersteller.

Alpi Aviation

Der italienische Hersteller Alpi Aviation ist hauptsächlich von seine Flugzeugserie Pioneer bekannt. Ab 2009 hat das Unternehmen auch Hubschrauber in sein Portfolio aufgenommen und  kam mit dem Syton AH-130, einem turbinengetriebenen Hubschrauber auf Basis des ameriakanischen Exec 101, auf den Markt. Das deutsche Zulassungsverfahren musste 2020 aus internen Gründen jedoch abgebrochen werden.

Der Alpi Syton AH-180 wird von einer in Deutschland gebauten, 180 PS starken Turbine angetrieben. Bild: Toni Ganzmann

Mit dem Syton AH-180 will das Unternehmen nun einen neuen Anlauf machen und rechnet mit einer deutschen Zertifizierung noch in diesem Jahr. Im Gegensatz zum früheren Modell treibt nun nicht mehr eine veraltete Solar-Turbine den Hubschrauber an, sondern eine Neuentwicklung aus Deutschland. Diese ist nach Herstellerangaben 20 Kilogramm leichter, liefert 180 PS und  verbraucht etwa 60 l/h. Als Verkaufspreis wird 330.000 Euro angegeben.

Rupp Aircraft

Der in Süddeutschland beheimatete Hersteller hat bereits seit Oktober 2023 die deutsche Zulassung für seinen Phönix FR-200. Dieser Hubschrauber ist eine Weiterentwicklung des Syton AH-130, der  ursprünglich von der Einwellen-Radial-Turbine Solar T62-32-FR130 angegtrieben worden ist. Mittlerweile hat das Unternehmen die 160 kW starke NEO200 High-Performance zulassungsreif und wird sie zukünftig bei allen Neugeräten einbauen.

Der Phoenix FR-200 kommt jetzt werkseitig mit der zulassungsreifen, 160 kW starken NEO200 High-Performance. Bild: Toni Ganzmann

Diese Turbine wird von einer modernen FADEC (elektronisches Motormanagement) gesteuert ist deshalb nicht nur sparsamer, sondern auch 35 Kilogramm leichter als die Solar-Tubine. Durch die Verwendung neuer Materialen ergibt sich zum Beispiel auch eine verlängerte TBO des Rotorkopfes auf 6000 Stunden. Die Basisversion des FR200 beginnt bei 260.000 Euro. Ältere Syton-Helikopter mit Solar-Turbine können die neue Turbine eingebaut bekommen, ohne dass gravierende Eingriffe in Struktur und Elektronik erforderlich sind.

Evocopter

Der Hersteller Evocopter aus Süddeutschland hat Ende 2025 die deutsche Zulassung für seinen Hubschrauber ClassiX erhalten. Auf den ersten Blick sieht dieses zweisitzige Gerät wie der bekannte Robinson R-22 der PPL-H-Klasse aus. Unter anderem die konsequente Verwendung von Verbundwerkstoff reduziert das Leergewicht in der Grundausstattung um fast 50 Kilogramm auf 367 Kilogramm.

Der ClassiX Bild: Toni Ganzmann

Das Alleinstellungsmerkmal des ClassiX in der gesamten ultraleichten Flugwelt ist jedoch sein Antrieb: der in der Allgemeinen Luftfahrt als äußerst zuverlässig geltende Lycoming-Motor YO-360 J2A . Dieser Vierzylinder wurde mit einer elektronischen Doppelzündung ausgestattet und liefert trotz Leistungsreduzierung dauerhaft 145 PS mit 15 PS Reserve. Der Verkaufspreis beginnt bei 295.000 Euro.

Hungarocopter

Bereits vor 15 Jahren hat die ungarische Firma Steel Rider mit der Entwicklung von Hubschraubern  begonnen. Der offene Einsitzer HC-01 war die Basis, aus dem dann der elegante Zweisitzer HC-02 geworden ist. Neben dem gelenklosen Rotor gibt es noch eine ganze Reihe von technischen Leckerbissen, die das Fliegen erleichtern. Angetrieben wird der HC-02 derzeit von einem Rotax 915 iS mit 141 PS Startleistung.

Am 27 März 2026 hat dieser ultraleichte Hubschrauber die deutsche Musterzulassung erhalten und ist nun in Deutschland und Österreich über die Firma UL-Helicharter & Service im süddeutschen Adelshofen zu bestellen. Der Grundpreis liegt bei 255.000 Euro.

Der HC-02 wird von einem Rotax 916iS angetrieben und hat Ende März die Musterzulassung erhalten. Bild: Toni Ganzmann

Lamanna Helicopter

Nach vier Jahren Zulassungsverfahren bekam Mitte April 2026 das italienische Unternehmen für seinen Escape 216 die Musterzulassung ausgestellt. Lamanna verwendet für das Rahmengestell Titanrohr, das zur Dedektion von Haarrissen mit Gas gefüllt ist und mit einem Manometer überwacht wird. Angetrieben wird das Modell 216 von einem Rotax 916 iS, der nach Herstellerangaben durchschnittlich 20 Liter pro Stunde verbraucht. Weil das Leergewicht nur 310 Kilogramm beträgt ist eine Zuladung von beachtlichen 290 Kilogramm rechnerisch möglich.

Das Rahmengestell des Escape 216 ist aus Titanrohr gefertigt, das zur Detektion von Haarrissen mit Gas gefüllt ist und mit einem Manometer überwacht wird. Bild: Toni Ganzmann

Zu den im eigenen Haus entwickelten Patenten gehört eine vibrationsgedämpfte Maststütze, die auch eine verlängerte TBO von 2000 Stunden ermöglicht. Ein auf der Heckrotorwelle liegendes Lüfterrad versorgt den Motor mit Frischluft und ein Elektromotor saugt die heiße Luft aus den Motorraum. Derzeit kann das Unternehmen einen Hubschrauber im Monat produzieren, möchte aber die Kapazität steigern. Verkaufspreis netto beginnt bei 260.000 Euro.

Konner Helicopters

Dieses Unternehmen aus Norditalien ist mit seinem in Deutschland zugelassenen K1 schon lange erfolgreich auf dem Markt. Im vergangenen Jahr stellte Konner die Designstudie eines Hubraubers mit Tandemsitzanordnung vor, die auf dem ersten Blick an einen Kampfhubschrauber erinnert. Auf der AERO 2026 steht nun der  flugferetige Evoluzione, der von der hauseigenen Turbine TK 250 angetrieben wird. Damit erreicht der Dreiblattheli rechnerisch 280 km/h und kann 3,5 Stunden in der Luft bleiben. Zielmarkt für diesen rund 450.000 Euro teuren Eyecatcher ist die asiatische Region.

Die Evoluzione wird von der hauseigenen TK 250 angetrieben und erreicht bis zu 280 km/h. Bild: Toni Ganzmann

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Am Flughafen Magdeburg-Cochstedt ist das Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme beheimatet. S²TOL (Silent Short Takeoff and Landing) heißt ein Forschungsprojekt, das auf der Basis eines Tragschraubers eine kurzstart- und punktlandefähige Drohne entwickelt. Auffällig sind die beiden Propeller, die mit ihren 60 kW-Elektromotoren für Vortrieb sorgen. Der acht Meter lange Rotor mit elektrischer Vorrotation wird nur für Start- und Landephasen dazugeschaltet.

Das S²TOL ist ein Forschungsprojekt, das auf der Basis eines Tragschraubers eine kurzstart- und punktlandefähige Drohne entwickelt. Bild: Toni Ganzmann

Das Luftfahrzeug wird von einem Piloten am Boden geflogen und von einem zweiten überwacht. Alle Telemetriedaten werden auf einer speziellen Frequenz zur Steuereinheit am Boden gefunkt, wo der Pilot auf verschiedenen Bildschirmen Fluglage und Flugbetriebsdaten dargestellt bekommt. Ziel des mit öffentlichen Geldern finanzierten Projekts ist die Entwicklung einer leistungsfähigen Drohne  im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten.

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Über den Autor
Toni Ganzmann

Toni Ganzmann hat europäische und amerikanische Fluglizenzen für Hubschrauber, Motorflugzeuge und Luftsportgeräte und ist als SPL- und PPL-Fluglehrer (FI) und PPL-Flugprüfer (FE) tätig. Professionelle Flugerfahrung erwarb er bei den Heeresfliegern der deutschen Bundeswehr und beim Offshore-Service in den USA. Für das fliegermagazin ist er als freier Autor tätig.

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