UL-Drehflügler auf der AERO 2026: Diese Helis sind dabei
UL-Helikopter und Tragschrauber bleiben ein Nischensegment. Auf der AERO 2026 zeigen Hersteller dennoch spannende Drehflügler und neue Konzepte.
Für die geringen Stückzahlen bei ultraleichten Tragschraubern und Helikoptern ist die Auswahl an zugelassenen Fluggeräten am Markt beeindruckend. Im Bereich Antriebe sind die UL-Helis den Flächenflugzeugen voraus: Hier haben Kunden die Wahl zwischen Kolbenmotoren mit und ohne Turboaufladung und Turbinen.
Die Ausbildungszahlen blieben 2025 mit 37 neuen Lizenzen für UL-Tragschrauber und 12 neuen Lizenzen für UL-Hubschrauber stabil. Das fliegermagazin zeigt, worauf sich Interessierte auf der AERO 2026 im Bereich Drehflügler freuen können.
Evocopter
Inhaber Paul Ressle hat es geschafft, die Entwicklung und Zulassung seines UL-Helikopters ClassiX unter dem Radar der Fachpresse abzuschließen. Das Muster weist optisch Ähnlichkeiten mit dem Robinson R22 auf, ist aber technisch aktuell. Außergewöhnlich im UL-Segment ist die Verwendung eines luftfahrtzertifizierten Motors, des Lycoming O-360 J2A. Der bewährte Vierzylinder mit fast sechs Liter Hubraum wird auf eine Leistung von 146 PS begrenzt, um Sicherheitsreserven und eine TBO von 2200 Stunden sicherzustellen.
Obwohl das Aggregat etwa 30 Prozent schwerer ist als der gängige Rotax 915 iS, schafft das Unternehmen durch Verwendung moderner Werkstoffe eine Zuladung von 233 Kilogramm. Rund 290.000 Euro netto kostet der bayerische ClassiX. B4-403
Evocopter ClassiXHungarocopter
Der ungarische HC-02 ist ein moderner ultraleichter Hubschrauber mit einem Zwei-Blatt-Rotorsystem und sehr stilsicherem Design. Die deutsche Musterzulassung läuft derzeit. Der Buschrauber bietet viele innovative Lösungen wie die nach außen breiter werdenden Rotorblättern zur Verbesserung der Aerodynamik oder einen Federmechanismus, der ein Herabhängen der Blätter verhindert.
Dazu kommen zahlreiche durchdachte Details an Zelle und Antriebsstrang. Mit dem 141 PS starken Rotax 915 iS und moderner elektronischer Cockpitausstattung ermöglicht der UL-Hubschrauber eine Zuladung von 250 Kilogramm. Der Preis liegt bei 255.000 Euro netto. B5-300
Hungarocopter HC-02Konner
Das Unternehmen aus Oberitalien stellt seine drei Muster K1, K2 und K3 aus. Alle werden von der hauseigenen FADEC-gesteuerten Turbine TK-250 angetrieben, die bis zu 250 PS liefert und dabei nur 50 Kilogramm wiegt. So ist es möglich, dass das zweisitzige Muster K1 mit seiner geräumigen Zelle ein Leergewicht von nur 300 Kilogramm erreicht. Die deutsche Musterzulassung liegt vor. Der K2 ist die etwas längere, viersitzige Version mit zwei Sitzreihen oder einem großen Frachtraum im Fond. Sie besitzt ein Vierblatt-Rotorsystem und schafft eine Reisegeschwindigkeit von 240 km/h bei 600 Kilogramm Zuladung.
Hier ist der Hauptmarkt Südafrika. Der Amphibienhubschrauber K3 ermöglicht mit einem besonderen
Zellenwandaufbau in Verbindung mit dem einziehbaren Landewerk das Absetzen und Starten des Helikopters auf weichem Untergrund und Wasser, ohne dass Schwimmer erforderlich sind. Im Wasser wird der K3 von zwei elektrischen Hydrojets angetrieben. Diese Version wird es in Side-by-Side- und Tandemkonfiguration geben, sie ist in der Erprobung. B4-401
So sieht der Konner K2 aus.Lamanna Helicopter
Das Familienunternehmen aus Venetien zeigt die Weiterentwicklung des Zweiblatt-Hubschraubers Escape. Zu den Besonderheiten zählt die Rahmenkonstruktion aus einer leichten, aber äußerst stabilen Titanlegierung. Der Rahmen ist zur Warnung vor Haarrissen mit Gas gefüllt, dessen Druck von einem Manometer überwacht wird. Besonderes Augenmerk wurde auf bequeme Sitze und gute Ergonomie im Cockpit gelegt. Durch die Verwendung von Vollkarbon bei der Zelle und Verbundfaserwerkstoffen bei den Rotorblättern konnte das Leergewicht auf gut 300 Kilogramm gedrückt werden.
Angetrieben wird das neue Modell vom Rotax 915 iS-Motor, dessen 141 PS eine Reisegeschwindigkeit von 185 km/h ermöglicht. Neu ist auch der 160 PS starke Rotax 916 iS bestellbar. Die deutsche Musterzulassung läuft. Der Preis startet bei 230 000 Euro netto. B5-102

Rupp
Der Phönix FR200 ist ein Zwei-Blatt-Hubschrauber der 600-Kilo-Klasse mit deutscher Musterzulassung. Angetrieben wird er von der im eigenen Hause entwickelten Gasturbine NEO200. Diese verfügt über eine automatische FADEC-Steuerung und kann mit Diesel oder Jet A1 betrieben werden.
Die 42 Kilogramm leichte Turbine hat eine Nennleistung von 200 PS, wird aber für dieses Muster auf 159 PS begrenzt. Der Verbrauch liegt bei rund 50 Litern pro Stunde. Die Leermasse des Phönix FR200 variiert je nach Ausstattung zwischen 310 bis 360 Kilogramm. So bliebt eine Zuladung im Bereich von 240 bis 290 Kilogramm. Die maximale Reichweite des UL-Hubschraubers beträgt 600 Kilometer. B4-201


Toni Ganzmann hat europäische und amerikanische Fluglizenzen für Hubschrauber, Motorflugzeuge und Luftsportgeräte und ist als SPL- und PPL-Fluglehrer (FI) und PPL-Flugprüfer (FE) tätig. Professionelle Flugerfahrung erwarb er bei den Heeresfliegern der deutschen Bundeswehr und beim Offshore-Service in den USA. Für das fliegermagazin ist er als freier Autor tätig.
