Diesel-Cessna fliegen: »Wie ein Elektroauto, nur in der Luft«
Bei einem Trainingsflug mit einer dieselbetriebenen Maschine sammelt Jungpilotin Isabella erstmals Erfahrungen mit FADEC und den veränderten Systemabläufen.
Schon beim Reinsetzen in die Cessna 172 TDI mit der Kennung D-EMXB spüre ich, dass dieser Flug anders wird. Schließlich bin ich so ein kleines Gewohnheitstier, und ich fliege das erste Mal mit ihr. Außerdem nimmt nach längerer Zeit mal wieder ein Fluglehrer neben mir Platz. Dieses Mal Stefan Hinners, Geschäftsführer der Flugschule Canair, die am Flugplatz Uetersen (EDHE) sitzt.
Ich blicke auf das Instrumentenbrett und stelle direkt fest: kein zweiter Hebel für das Gemisch, kein vertrauter Blick auf die Vergaservorwärmung. Nur ein einziger Leistungshebel. Ich weiß theoretisch, was mich erwartet, denn ich habe zuvor das Handbuch der Maschine gelesen, aber jetzt steht anstatt Theorie die Praxis auf dem Lehrplan.
Erste Eindrücke im Cockpit der Cessna 172 TDI
Fluglehrer Stefan begrüßt mich mit einem Lächeln, und ich merke schnell, dass ich mit meinen Fragen genau richtig bin. »Frag alles, was Du wissen willst,« sagt er – und das tue ich später auch, selbst wenn ich zunächst zurückhaltend bin. Schon beim Anlassen der Cessna finde ich es ungewöhnlich, keinen klassischen Schlüssel zu haben und umzudrehen. Stattdessen gibt es einen simplen Starter Knopf, wie in meinem Auto.
Besonders auffällig: Das FADEC-System und die digitalen, runden Anzeigen CED und AED, die viel moderner wirken als das, was ich sonst kenne. Das bedeutet letztlich für mich: Keine Magnetprüfung mehr, kein Gemisch anpassen, kein Primen. Alles läuft automatisch. Beim Rollen zur »09« spüre ich, wie zugleich vertraut und fremd alles ist. Die Abläufe sind die gleichen, aber die Details anders.
Startklar in wenigen Sekunden
Der FADEC-Test ersetzt den klassischen Magnetcheck. Drehzahl kurz hoch, dann runter – alles automatisch. Ich beobachte, wie die Anzeigen kurz flackern und sich wieder stabilisieren. Der Test dauert keine zehn Sekunden, dann sind wir startklar. Ich schiebe den Leistungshebel nach vorn, die Maschine beschleunigt – gleichmäßig, kraftvoll, erstaunlich ruhig.
Als wir abheben, ist der Unterschied sofort spürbar: kein Vibrieren, kein Brummen, kein Zerren. Der Diesel läuft konstant und geschmeidig. Ich steige auf 2100 Fuß, die Elbe unter mir, und plötzlich kommt dieses vertraute Gefühl zurück – endlich wieder fliegen. Ich hatte wieder einmal eine längere Pause und mit Ohrenproblemen zu kämpfen.
Wie sich die Cessna 172 TDI im Reiseflug anfühlt
Im Reiseflug fällt mir auf, wie »wenig« ich eigentlich zu tun habe. Nur dieser eine Hebel für die Leistung, der Rest wird digital geregelt. Der Motor reagiert direkt, aber nicht hektisch. Ich ertappe mich dabei, wie ich immer wieder nachjustieren will – alte Gewohnheit. Stefan lacht und sagt: »Lass die FADEC mal machen.« Ich tue es – und tatsächlich, sie macht es gut. Drehzahl, Temperatur, Ladedruck: alles im grünen Bereich, ohne mein Zutun.
Dann stelle ich fest, wie leise ich es im Flugzeug empfinde. Das hier fühlt sich anders an als sonst. Fast wie ein Elektroauto, nur in der Luft. Stefan gibt mir während des Flugs wertvolle Tipps – auch unabhängig vom Diesel Thema. Ich merke, wie gut es mir trotz PPL in der Tasche tut, nochmal neuen Input eines Fluglehrers zu erhalten.
Zwischen Anspannung und Faszination
Und während ich mich noch an die D-EMXB gewöhne und meine Gefühlslage von leicht angespannt bis hin zur Faszination über das Dieselfliegen wechselt, muss Stefan auch schmunzeln. »Ja, es ist schon echt ein anderes Fluggefühl«, sage ich zu ihm, »aber ein gutes.«
Die Zeit vergeht tatsächlich wie im Fluge und irgendwann merke ich, wie ich ein wenig müde werde. Es erinnert mich dann doch ein bisschen an meine früheren Flugstunden – ganz viel Input in kürzester Zeit. Ich genieße noch einmal den bewussten Blick nach draußen und höre nur das sanfte Surren des Motors.
Landung und Fazit der Cessna 172 TDI
Das Fliegen fühlt sich einfacher an – nicht weniger anspruchsvoll, aber irgendwie moderner. Der Diesel verlangt mehr Vertrauen in die Technik, weniger Handarbeit, aber mehr Verständnis für das Zusammenspiel der Systeme.
Als wir in die Platzrunde zurückkehren, bin ich konzentriert. Die erste Landung ist mittelmäßig, die nächsten besser. Als wir von der Piste rollen, lehne mich zurück, atme durch. Ich merke, wie viel ich in dieser eine Stunde gelernt habe: Die Diesel Cessna fliegt sich nicht spektakulär – sie fliegt einfach. Und das auf eine Art, die mich neugierig macht auf mehr.

Isabella Sauer ist Jahrgang 1991, studierte in Bamberg Kommunikationswissenschaft und absolvierte anschließend ein Volontariat bei Auto Bild. Seit ihrer Jugend ist sie journalistisch tätig und arbeitete für große Verlagshäuser, darunter Axel Springer und die Funke Mediengruppe. Print, Digital, Social Media - für Isabella hat jeder Inhalt das Potenzial, vielfältig aufbereitet zu werden. Und wie kam sie zum fliegermagazin? Das Thema Mobilität interessierte sie immer schon sehr. Ob Auto, Bahn, Camper, Airliner oder Fahrrad: Die Welt lässt sich aus vielen Perspektiven entdecken. Nun geht es für Isabella Sauer in die Luft. Seit Mai 2025 hat sie eine Privatpilotenlizenz (PPL).

