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Was muss ein gutes Headset im Cockpit können?

Klare Kommunikation, Lärmreduzierung und Tragekomfort: Was ein gutes Headset ausmacht, bestätigt sich im Gespräch mit den Navgeeks.

Von Isabella Sauer Fliegermagazin bei Google bevorzugen
Isabella mit Headset
Das Mikrofon sitzt richtig, wenn es beim Spitzen der Lippen fast berührt wird. Bild: Lucas Böckler Isabella mit Headset

»Es ist vor allem eine super kommunikationsintensive Sportart. Da kommt es wirklich darauf an, dass man sich sehr gut versteht«, sagt Oliver. Gemeinsam mit Robin bildet er das Team der Navgeeks, das sich dem Navigationsflugsport verschrieben hat. Beim Air Navigation Race müssen sich Pilot und Navigator besonders präzise abstimmen. Während einer das Flugzeug steuert, beobachtet der andere die Landschaft, gleicht Orientierungspunkte mit der Karte ab und gibt Anweisungen. Missverständnisse können schnell dazu führen, dass das Team vom vorgegebenen Kurs abweicht.

Doch nicht nur im Navigationsflugsport ist eine klare Verständigung entscheidend. Auch bei einem gewöhnlichen Flug gehört das Headset zur wichtigsten Ausrüstung im Cockpit. Es schützt das Gehör vor Motoren- und Propellerlärm, ermöglicht klare Gespräche zwischen den Insassen und sorgt dafür, dass Funksprüche verständlich ankommen – auf beiden Seiten. Dabei gibt es zwischen den Modellen erhebliche Unterschiede.

Kontrollmodul des Lightspeed Delta Zulu Kontrollmodul des Lightspeed Delta Zulu
Das Kontrollmodul des Lightspeed Delta Zulu lässt sich mit verschiedenen Motiven individualisieren. Das kupferfarbene Flugzeug hilft dabei, das eigene Headset wiederzuerkennen. Bild: Lucas Böckler

Weniger Lärm, mehr Konzentration

Grundsätzlich wird zwischen passiven und aktiven Headsets unterschieden. Passive Modelle dämpfen den Umgebungslärm durch schalldämmendes Material in den Ohrmuscheln. Bei aktiven Headsets kommt eine elektronische Geräuschunterdrückung hinzu, die sogenannte Active Noise Reduction (ANR). Mikrofone erfassen den Umgebungslärm, die Elektronik erzeugt daraus einen Gegenschall, der insbesondere tieffrequente Geräusche reduziert.

Das Motorengeräusch verschwindet dadurch nicht vollständig, wird aber erheblich gedämpft. Das entlastet nicht nur das Gehör, sondern kann auch die Konzentration unterstützen und die Ermüdung verringern. »Da kannst du nämlich auch besser denken, weil es ein Stück weit ein Denksport ist«, erklärt Oliver mit Blick auf den Navigationsflug.

Warum man ein Headset vor dem Kauf unbedingt testen sollte

Robin kennt den Unterschied aus eigener Erfahrung. Früher flog er mit einem passiven Headset, das zudem nicht immer zuverlässig funktionierte. »Da war immer ein drittes Headset als Backup dabei«, erinnert er sich. Erst als Oliver ihm ein Lightspeed Delta Zulu zum Ausprobieren gab, wechselte er zu einem ANR-Modell.

Für beide ist deshalb klar: Wer ein neues Headset kaufen möchte, sollte es möglichst im Flug ausprobieren. »Das Wichtige ist wirklich, das mal auszuprobieren und eine Flugstunde damit zu verbringen. Dann merkt man erst den Unterschied«, empfiehlt Oliver. Denn wie wirksam die Geräuschunterdrückung ist und wie gut sich Funkverkehr verstehen lässt, zeigt sich erst bei laufendem Motor.

Kohlenmonoxid-SensorKohlenmonoxid-Sensor
Hinter der kleinen Öffnung an der Ohrmuschel des Lightspeed Delta Zulu sitzt der Kohlenmonoxid-Sensor. Er warnt bei erhöhten CO-Konzentrationen im Cockpit. Bild: Isabella Sauer

Was ein gutes Headset für Brillenträger ausmacht

Mindestens ebenso wichtig ist der Tragekomfort. Gerade auf längeren Flügen können drückende Ohrmuscheln oder Brillenbügel unangenehm werden. Bei passiven Headsets wird die Geräuschdämpfung häufig durch einen höheren Anpressdruck erreicht. ANR-Modelle können hier Vorteile bieten.

Für Oliver war insbesondere das Tragen einer Brille ein Grund, zu Lightspeed zu wechseln. »Wenn der Brillenbügel drückt, stört das schon relativ schnell«, sagt er. Das Delta Zulu besitzt große Ohrmuscheln mit breiten, weichen Polstern. Auch ich als Jungpilotin weiß, wie wichtig ein bequemes Headset ist. Das merke ich besonders auf den längeren Strecken der fliegermagazin-Leserreisen.

Klarer Funk beginnt mit der richtigen Mikrofonposition

Entscheidend ist außerdem die richtige Einstellung. Die Ohrmuscheln müssen vollständig über den Ohren liegen und dicht abschließen. Der Kopfbügel lässt sich an die jeweilige Kopfform anpassen. Oliver hat sich sogar gemerkt, wie viele Rasterstufen er dafür benötigt. So sitzt sein Headset bei jedem Flug gleich.

Auch die Position des Mikrofons spielt eine Rolle. Es sollte möglichst nah am Mund platziert werden, damit die Sprache klar übertragen wird. Ein einfacher Trick aus meiner Flugausbildung hilft: Wer einen Kussmund macht, sollte das Mikrofon mit den Lippen fast berühren können. Dann stimmt der Abstand.

Ein Headset, das sich dem eigenen Gehör anpasst?

Eine Besonderheit des Lightspeed Delta Zulu ist HearingEQity. Mithilfe der kostenlosen Lightspeed-App lässt sich die Audiowiedergabe an das persönliche Hörvermögen anpassen. Dafür absolviert der Nutzer einen Hörtest, bei dem für beide Ohren jeweils zwölf Frequenzen überprüft werden. Dabei wird ermittelt, bei welcher Lautstärke die einzelnen Töne gerade noch wahrgenommen werden.

Anschließend erstellt die Software ein individuelles Hörprofil. Frequenzbereiche, die schlechter wahrgenommen werden, werden entsprechend verstärkt. Gerade bei der Verständlichkeit von Funksprüchen kann das einen Unterschied machen.

Robin hat die Funktion ausprobiert und war überrascht: »Ich war wirklich erstaunt, wie sehr das etwas bringt.« Eine solche Anpassung kann besonders interessant sein, wenn das Hörvermögen auf beiden Ohren unterschiedlich ausgeprägt ist. Die Lightspeed-App bietet weitere Funktionen. So lassen sich Funkverkehr und Intercom-Gespräche aufzeichnen und später erneut anhören.

Isabella und die Navgeeks Oliver (Mitte) und Robin (rechts)Isabella und die Navgeeks Oliver (Mitte) und Robin (rechts)
Isabella Sauer traf die Navgeeks Oliver (Mitte) und Robin (rechts) am Flugplatz Leutkirch, um über Navigationsflugsport und die Bedeutung guter Kommunikation im Cockpit zu sprechen. Bild: Lucas Böckler

Funk aufzeichnen, Musik hören, Akku laden

Gerade für Flugschüler ist das hilfreich. Wer sich nach der Landung noch einmal mit seinem Fluglehrer die eigenen Funksprüche anhört, kann Fehler erkennen und die Funkkommunikation gezielt verbessern. Über Bluetooth können außerdem Smartphones oder Tablets verbunden werden, beispielsweise um Audiowarnungen von Navigations-Apps oder Musik einzuspielen. Moderne Headsets bieten zudem die Möglichkeit, solche Audioquellen bei eingehendem Funkverkehr automatisch in der Lautstärke zu reduzieren.

Auch bei der Stromversorgung hat Lightspeed mitgedacht. Das Delta Zulu besitzt zwei austauschbare Module: eines mit wiederaufladbarem Akku und eines für zwei AA-Batterien. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Akku mehr als 16 Flugstunden durchhält. Ein USB-Anschluss ermöglicht zudem das Laden des Akkus während der Nutzung.

Was bringt die neue Rotax-Technologie?

Praktisch ist auch die Anordnung der Kabel. Sie verlassen das Kontrollmodul alle an derselben Seite, sodass sich dieses beispielsweise in einer Seitentasche des Flugzeugs verstauen lässt. Das geflochtene Kabel mit Kevlar-Kern ist flexibel und soll auch bei häufigen Kopfbewegungen möglichst wenig stören.

Ganz neu ist diese Funktion: ein gemeinsam mit Rotax entwickeltes Geräuschunterdrückungsprofil für Motoren der Rotax-912-Familie. Hintergrund ist, dass verschiedene Flugmotoren unterschiedliche Geräuschcharakteristiken besitzen. Die speziell abgestimmte Geräuschunterdrückung soll die typischen Frequenzen dieser Motoren gezielter reduzieren.

Kann ein Headset vor einer unsichtbaren Gefahr warnen?

Zu den wichtigsten Besonderheiten des Delta Zulu zählt der integrierte Kohlenmonoxid-Detektor. Das geruchlose, giftige Gas kann beispielsweise durch undichte Abgasanlagen oder Defekte an der Kabinenheizung ins Cockpit strömen. Je nach Flugzeug und Luftströmung können auch Abgase von außen in die Kabine gelangen. Eine Kohlenmonoxidvergiftung kann zunächst unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit verursachen. Mit steigender Konzentration und Einwirkdauer können die Folgen lebensgefährlich werden. Besonders problematisch ist, dass Piloten eine beginnende Beeinträchtigung möglicherweise nicht rechtzeitig bemerken.

Der Sensor des Delta Zulu überwacht deshalb die CO-Konzentration in der Umgebungsluft. Werden festgelegte Schwellenwerte überschritten, warnt das Headset akustisch mit einer automatischen Ansage. Über die App lässt sich zudem der Verlauf der gemessenen Werte nachvollziehen. Das kann helfen, mögliche Ursachen für erhöhte Konzentrationen einzugrenzen. Robin hat bereits erlebt, dass der Sensor während eines Wettbewerbs einen kurzzeitigen Anstieg registrierte. Die Navgeeks waren damals mit unterschiedlichen Flugzeugen unterwegs. »Bei uns war es zum Glück nur ein kurzer Peak, gleich nach dem Start«, erzählt er.

Vom Flugschüler bis zum Vielflieger

In der App konnten die beiden beobachten, dass der Messwert anschließend wieder sank. Gerade wer häufig unterschiedliche Flugzeuge nutzt, schätzt eine solche zusätzliche Warnmöglichkeit.

Welches Headset am besten geeignet ist, hängt letztlich von den persönlichen Anforderungen ab. Für Flugschüler sind eine gute Sprachverständlichkeit und zuverlässige Lärmreduzierung besonders wichtig. Wer regelmäßig längere Strecken fliegt, sollte zusätzlich auf den Tragekomfort achten. Funktionen wie individuelle Hörprofile oder ein integrierter CO-Warner können einen Mehrwert bieten. Bei aller Technik bleibt deshalb Olivers Rat entscheidend: Ein Headset sollte man vor dem Kauf möglichst dort ausprobieren, wo es später zum Einsatz kommt.

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Über den Autor
Isabella Sauer

Isabella Sauer ist Jahrgang 1991, studierte in Bamberg Kommunikationswissenschaft und absolvierte anschließend ein Volontariat bei Auto Bild. Seit ihrer Jugend ist sie journalistisch tätig und arbeitete für große Verlagshäuser, darunter Axel Springer und die Funke Mediengruppe. Print, Digital, Social Media - für Isabella hat jeder Inhalt das Potenzial, vielfältig aufbereitet zu werden. Und wie kam sie zum fliegermagazin? Das Thema Mobilität interessierte sie immer schon sehr. Ob Auto, Bahn, Camper, Airliner oder Fahrrad: Die Welt lässt sich aus vielen Perspektiven entdecken. Nun geht es für Isabella Sauer in die Luft. Seit Mai 2025 hat sie eine Privatpilotenlizenz (PPL).

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