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Frankreich-Tipp: Mit dem Flugzeug nach Île d’Yeu

Vor der Atlantikküste im Département Vendée liegt ein Idyll, das sich bequem mit dem Kleinflugzeug erreichen lässt. Ein beschauliches Stück Land, dessen Schönheit noch nicht durch Tourismus gefährdet ist.

Von Redaktion
Klares Wasser
Attraktive Mischung: Klares Wasser, Felsen, Strände, schöne Wege – Île d’Yeu zu entdecken ist die reine Freude. Foto: Lukas Straubinger

Nie gehört – das ist die häufigste Antwort, wenn man zu Hause Fliegerfreunden von der Île d’Yeu erzählt. Dabei steht die Insel vor der französischen Atlantikküste ganz im Zeichen der Fliegerei: Besucher können eine Hubschrauberverbindung zwischen Fromentine am Festland und der Hafenstadt Port-Joinville nutzen, die Post kommt ebenfalls per Heli nach Port-Joinville, und auch im Nachtleben der Hauptstadt wird man an die Aviatik erinnert: Die urige Fliegerkneipe L’Escadrille (Geschwader) lädt zu einem spätabendlichen Apéritif ein.

Mit Propellern und einem Sternmotor an der Wand lassen wir mehr als einen Tag hier ausklingen. Im Escadrille geht es bei Live-Musik laut und fröhlich zu.

Île d’Yeu ist ein echter Frankreich-Tipp: Hier ist es wie bei den Ostfriesischen Inseln

FliegerkneipeFliegerkneipeFoto: Lukas Straubinger
Fliegerkneipe: In der Escadrille gibt’s Livemusik und einen Sternmotor an der Wand.

Es ist wie mit den Ostfriesischen Inseln: Sie liegen dicht vor der Küste, aber die Trennung durch wenige Kilometer Wasser genügt, um aus einen Flecken Land etwas Besonderes zu machen. Bei der Île d’Yeu sind es 20 Kilometer.

Schroffe Klippen im Süden, wunderschöne Sandstrände im Osten – beides ist charakteristisch für dieses Idyll, das bei Naturliebhabern ebenso hoch im Kurs steht wie bei Freunden des Fahrradfahrern: Enge Gassen und schmale Sträßchen zwischen weiß gekalkten Fassaden – ein Genuss! Die rund zehn Kilometer lange und vier Kilometer breite Insel lässt sich komplett mit dem Vélo erkunden. Und so verwundert es nicht, dass die Île d’Yeu bei französischen Touristen überaus beliebt ist.

Viele Pariser reisen im Sommer nach Île d’Yeu

Insbesondere reiche Pariser beziehen in den Sommermonaten hier Quartier. Während über den Winter gerade mal 5000 Bewohner auf der Insel leben, sind es in der Hochsaison über 30 000. Die meisten Besucher kommen per Schiff nach Port-Joinville – Privatpiloten freilich eröffnen sich ganz andere Optionen.

Gekreuzte BahnenGekreuzte BahnenFoto: Lukas Straubinger
Anflug aus Westen: Die Insel hat gekreuzte Bahnen – sehr beruhigend, da der Wind hier kräftig blasen kann.

Das Aérodrome du Grand Phare (LFEY) liegt ganz im Westen und bietet eine hervorragende Möglichkeit, von Deutschland aus die Gezeiteninsel schnell zu erreichen. Da hier unter atlantischem Einfluss der Wind kräftig blasen kann, ist man froh über die gekreuzten Bahnen: eine Graspiste, 575 Meter lang und 50 Meter breit, sowie eine Asphaltbahn mit über 1200 Metern Länge. Gefunkt wird auf der Frequenz Île d’Yeu Information 118.90 MHz, air to air, was in Frankreich problemlos funktioniert.

Selbst ein Instrumentenanflugverfahren mit GPS-Approach für die Piste 14 steht zur Verfügung. Moderate Landegebühren runden das Gesamtpaket ab (alle Infos für Piloten: siehe QR-Code unten). Lediglich Avgas gibt es nicht. Es besteht aber die Möglichkeit, in La Roche sur Yon (LFRI) günstig zu tanken: 82 Nautische Meilen vom Inselflugplatz entfernt und Richtung Deutschland mehr oder weniger auf Kurs. 

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Stress ist ein Fremdwort: Zu Besuch in Port-Joinville

Gleich als wir auf der Île d’Yeu gelandet waren, fiel uns die unglaubliche Ruhe auf. Stress? Ein Fremdwort, das man hier nicht zu kennen scheint. Tatsächlich trägt das Wappen der Insel die lateinische Inschrift „In Altum Lumen et Perfugium“ (Licht und Ruhe auf der See). Beim örtlichen Aéroclub haben wir den ersten Durst gestillt.

RuheRuheFoto: Lukas Straubinger
Aufgereiht: Über den Flugplatz hat sich ausgeglühte Ruhe gelegt, während die Crews auf der Insel unterwegs sind.

Wer die drei Kilometer nach Port-Joinville nicht zu Fuß zurücklegen möchte, ruft ein Taxiunternehmen an. Uns haben Mitglieder des Aéroclubs freundlicherweise mitgenommen. In der Stadt findet man am Hafen zahlreiche Hotels. Nach dem Einchecken haben wir uns bei einem Fahrradverleih für wenig Geld Vélos geliehen – perfekt zum Erkunden der Insel.

Idyllische Szenerie: Fischerhafen in Port de la Meule

Dabei sollte man sich einen Besuch des Port de la Meule nicht entgehen lassen. Der kleine Fischerhafen liegt knapp vier Kilometer südlich von Port-Joinville – eine idyllische Szenerie, die an Schönheit kaum zu überbieten ist. Zahlreiche kleine Fischerboote liegen hier vor Anker, von den Gezeiten gehoben und gesenkt wie vom Kettenzug einer mächtigen Kuckucksuhr. Neben dem Tourismus ist die Fischerei eine wichtige Einnahmequelle der Insulaner.

Früh morgens kann man im Hafen die Fänge der Fischer bestaunen. Meerestiere jeglicher Art und natürlich stattliche Hummer prägen das Bild. Wer in Port-Joinville frische Ware in einem Fischgeschäft kauft, kann sie sich auf Nachfrage in einer Styroporbox mit Eis verpacken lassen. So übersteht der Fisch auch mehrere Stunden Heimflug – was für ein köstliches Mitbringsel!

FischerFischerFoto: Lukas Straubinger
Frisch vom Fischer: Autor Lukas Straubinger mit Hummer am Port de la Meule.

Unweit des Port de la Meule sehen wir uns auf einer Klippe noch eine kleine Kapelle an, die Chapelle de la Meule. Ein hervorragendes Abendessen in einem Fischrestaurant rundet unseren Ausflug ab.

Text & Fotos: Lukas Straubinger, erstmals im fliegermagazin 06/2019

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