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Touch & Go Brač: Die Perle an der Adria

Die kroatische Insel Brač liegt nicht mal eben um die Ecke – auch wenn der Weg aus Süddeutschland näher ist als gedacht. Und: Die Reise lohnt sich!

Von Redaktion
Metropole am Meer: Split, die zweitgrößte Stadt Kroatiens, ist das Zentrum der Region Split-Dalmatien - und liegt auf dem Weg nach Brač. Foto: Reinhold Draxler

Zugegeben – die Anreise ist schon recht lang. Aber es lohnt sich jede Flugminute! 

Die Insel Brač gehört zu Kroatien, sie liegt küstennah südlich von Split. Vom ersten Flugplatz der oberen Adria – Portorož – sind es noch gut 1,5 Stunden Flugzeit bis dorthin. Von Portorož kommend folgt man der Istrischen Küste nach Süden und der VFR-Route von Pula über Mali Lošinj Richtung Zadar. Wenn nicht zu viel Verkehr herrscht, erteilen die Lotsen auch willig Freigaben für Direktrouten entlang der kroatischen VOR, wie zum Beispiel SAL und DVN. Unterwegs quert man die schier unzähligen Inseln der oberen Adria: Angeblich gibt es um die 1200, die alle zu Kroatien gehören, wobei nur etwa 60 Inseln dauerhaft bewohnt sind. Und eine ist schöner als die andere! Man sieht kreisrunde, eckige, herzförmige, Inseln in Tierform – da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. 

Hoch hinaus  Bol, der Hauptort von Brač. Gut zu erkennen ist das Goldene Horn.
Der Anflug auf die »04« führt in 3000 Fuß am Ort vorbei.

Mit dem Flugzeug die kroatische Insel Brač entdecken

Speziell die küstennahen Inseln wurden in den letzten Jahrhunderten komplett abgeholzt und sind dann total verkarstet. Auf den ersten Blick sieht das aus der Luft recht trostlos aus – bei näherer Betrachtung findet man aber absolut schöne Küstenabschnitte, Buchten, Ankerplätze und vor allem traumhaftes Wasser. Wir entdecken auch nach den zahlreichen Überflügen der letzten Jahre immer wieder Neues.

Normalerweise kann man davon ausgehen, dass von Mai bis September fast immer perfekte Sichtflugbedingungen herrschen. Vorsicht ist jedoch bei einer besonderen Wetterlage gegeben: Bora. Die Bora (Deutsch für kalter Windstoß, kalter Regenguss) ist ein böiger Fallwind, der küstennah auftritt. Er kann recht hohe Geschwindigkeiten erreichen, und die teils heftigen Böen sind dann auch kein Spaß mehr! Doch wir haben überwiegend schönes, ruhiges Flugwetter bei all unseren Adriatouren erlebt.

Wer Brač erreicht, bekommt oft die Piste 04 für den Anflug

Erreicht man Brač, erhält man häufig die Piste 04 für den Anflug. Dieser Anflug zielt zuerst zur Nachbarinsel Hvar und dreht über der Stadt Bol in den Endanflug. Der Anflug ist spektakulär: Das Final beginnt in 3000 Fuß; gleich hinter dem Küstenort Bol steigt ein steiler Felshang auf über 500 Meter an. Direkt an der Kante ist die Schwelle der Runway 04. Die Elevation liegt auf 1781 Fuß. Durch diese Steilwand entstehen Turbulenzen, die den Endanflug noch recht ruckelig machen können. Das fühlt sich an wie eine Landung auf einem Flugzeugträger. Die Piste hat aber eine Länge von 1760 Metern und damit genug Auslauf für einen langen Genuss-Anflug.

Auf Kante  Endanflug auf die Bahn 04. An der Geländestufe entstehen Turbulenzen, die kurz vorm Aufsetzen für Unruhe sorgen können.

In Kroatien gibt es keine Flugleiterpflicht. So ist es durchaus üblich, dass Split Radar die Anweisung gibt: »There is no ATC, land on own descretion.« Einfach Blindmeldungen abgeben, Runway prüfen und landen. Und auch so starten. Die Öffnungszeiten von Flughäfen und ATC können grob voneinander abweichen! Brač ist aber auch ein Flughafen, der von internationalen Airlines angeflogen wird – dann ist der Tower besetzt. Daher ist hier eine Einreise aus der EU nach Kroatien immer möglich, die Polizei ist für die Einreiseformalitäten stets vor Ort.

Der Flugplatz liegt fast 600 Meter über dem Meer

Der Empfang bei unserer letzten Reise im Juni 2020 war (wie in Kroatien üblich) sehr herzlich. Anna Hero vom General Aviation Center, mit der ich im Vorfeld schon telefoniert habe, ist im echten Leben noch sympathischer als am Telefon! Am Vorfeld warten Mitarbeiter, die das Flugzeug professionell verzurren. Schon in Urlaubsstimmung vergesse ich, die Pitot-Abdeckung anzubringen. Bei unserer Rückkehr ist ein Leinensäckchen darumgewickelt – mehr als aufmerksam von einem unbekannten Mitarbeiter.

Nach der Landung ab ins Taxi und auf nach Bol, dem touristischen Hauptort von Brač. Da der Flugplatz fast 600 Meter über dem Meer liegt, dauert die Fahrt dorthin knapp 20 Minuten und kostet ungefähr 25 Euro. Bol hat 1600 Einwohner, aber tausende Gästebetten. Wir haben das Hotel Vitar gewählt. Das kleine Design-Hotel wurde 2018 eröffnet; wir sind sehr zufrieden mit unserer Wahl. Von dort ist die Altstadt mit den vielen Tavernen und der Strand mit dem berühmten Goldenen Horn (Zlatni Rat) fußläufig zu erreichen. 

Interessanter Aspekt: Auf der Insel werden weiße Kalksteine abgebaut

Das Städtchen Bol ist perfekt restauriert, jedes Haus in Topzustand. Ein echtes Schmuckstück an der Adria! Am Hafen gibt es einen großen, sehenswerten Weinkeller (Stina), der auf dem Rückweg noch zu einem letzten, kleinen Absacker einlädt. Dabei sitzt man auf der Hafenmauer an kleinen Tischchen, die direkt an die Hafenmauer montiert sind. So lässt es sich schön über einen gelungen Flugtag philosophieren.

Paradiesisch  Die kroatische Adria ist voller kleiner Inseln, die Entspannung versprechen. In Bildmitte der Hafen von Rogoznica mit dem Drachenaugensee.

Auch interessant zu wissen: Auf Brač werden noch heute weiße Kalksteine abgebaut. Nicht nur Künstler aus aller Welt lieben diese Steine, auch Architekten. So wurden unter anderem der Palast des Diokletian in Split, das Weiße Haus in Washington, die Hofburg in Wien, das Budapester Parlament und viele andere berühmte Gebäude mit Steinen aus Brač errichtet. In der an der Südküste gelegenen Ortschaft Pucisca besteht heute noch eine renommierte Steinmetzschule.

Der Flugplatz in Hvar ist kaum erschlossen – wenig Infrastruktur

Aber neben Bol gibt es auf Brač noch weitere Städtchen, die einen Besuch lohnen, wie Supetar, Milna (ganz entzückend!), Sutivan und am Ostende der Insel Sumartin. Jeder dieser Orte hat seinen eigenen Charakter, doch um alles zu erkunden, reichen zwei bis drei Tage einfach nicht aus.

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Fliegerisch ist Brač auch der Anlaufpunkt für die Nachbarinsel Hvar. Hvar ist nicht sonderlich gut erreichbar, aber aus diesem Grund auch touristisch nicht ganz so erschlossen wie Brač. Der Flugplatz dort hat zwar eine 750 Meter lange Graspiste, doch keinerlei Infrastruktur. Also tanken und Einreise in Brač – dann noch ein 6,5 Meilen Hüpfer über das Wasser, schon ist man in Hvar. Mit dem Taxi ist es nicht weit nach Stari Grad, dem Hauptort der Insel.

Wir fliegen ein paar Vollkreise über die Plitvicer Seen

Wenn wir uns an den Inseln und dem klaren Wasser sattgesehen haben, wählen wir für den Rückflug gern eine Route durch das kroatische Hinterland. Hinter Zadar geht es der Grenze zu Bosnien-Herzegowina entlang in Richtung Norden. Dort sieht man noch weite, scheinbar unberührte Landstriche, wie man sie in Mitteleuropa kaum noch erwarten würde. Es heißt, dass Bären und Wölfe hier keine Seltenheit sind. 

Am Weg liegen auch die Plitvicer Seen: In diesem Gebiet wurden in den sechziger Jahren die legendären Karl-May-Filme gedreht. Die schlechte Nachricht für Winnetou-Fans: Leider ist dort kein brauchbares Flugfeld in der Nähe. Wir erfragen kurzentschlossen beim Controller eine Freigabe für ein paar Vollkreise – überhaupt kein Problem.

Text & Fotos: Reinhold Draxler, erstmals erschienen in fliegermagazin 2/2021

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