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Touch & Go Flugplatz Neuhausen: Das Tor zum Spreewald

Hier der malerische Spreewald, dort die Tagebaue der Lausitz – Idylle und Industrie liegen im Süden Brandenburgs nah beieinander. Piloten können den eindrucksvollen Kontrast von oben bestaunen.

Von Redaktion
Schloss Branitz
Sind wir hier in Ägypten? Nein, diese Pyramiden stehen im Park von Schloss Branitz. Und tatsächlich enthält die Seepyramide ein Grab ... Foto: Gernot Krämer

An Exzentrikern ist Deutschland nie so reich gewesen wie das Vereinigte Königreich. Ob es Zufall ist, dass der wohl größte deutsche Exzentriker, Hermann von Pückler-Muskau, so viele Anregungen von jenseits des Ärmelkanals bezog? Er führte bei uns den Begriff »Sport« ein, brachte die englische Gartenkunst nach Deutschland und schuf um Schloss Branitz in Cottbus einen der schönsten deutschen Landschaftsparks. 

Schloss und Park sind ein Ausflugsziel, das vom Flugplatz Neuhausen bei Cottbus gut zu erreichen ist. EDAP ist zudem wegen seiner vorzüglichen Anbindung an den Nahverkehr ein Tor zum Spreewald: Wo sonst hat man das Glück, nach der Landung nur wenige Schritte zum Bahnhof zu haben?

Der Flugplatz Neuhausen hat eine tolle Anbindung an den Nahverkehr

Schon der Anflug auf den Flugplatz Neuhausen ist ein Erlebnis für sich, führt er doch insbesondere von Südwesten und Nordosten über die Tagebaue der Niederlausitz. Neben den gewaltigen Schaufelrad- und Eimerkettenbaggern wirken Menschen und selbst Fahrzeuge bloß wie Pünktchen in der Weite der Gruben.

Gewaltige Bagger durchwühlen das Erdreich und fördern Braunkohle, hier am Tagebau Welzow-Süd. Foto: Gernot Krämer

Das Auffinden der Neuhausener Grasbahn in der umgebenden Wald- und Wiesenlandschaft wird durch beidseits parallel liegende Solaranlagen erleichtert. Kurios: Je nach Start- oder Landerichtung stehen 740 beziehungsweise 1080 Meter zur Verfügung.

Ein Ausflugstipp: Die einzigartige Auenlandschaft des Spreewalds

Vom Bahnhof Neuhausen, der hundert Meter vom Flugplatztor entfernt ist, geht es stündlich in acht Minuten nach Cottbus. Unbedingt empfehlenswert für jeden, der es noch nicht kennt, ist ein Besuch in der einzigartigen Auenlandschaft des Spreewalds: Nördlich von Cottbus verzweigt sich die Spree zu einem Labyrinth von Wasseradern, das durch künstlich geschaffene Kanäle noch erweitert wurde und insgesamt fast tausend Kilometer lang ist. Die traditionelle Fortbewegungsart ist der Stocherkahn; einige Ecken waren früher gar nicht anders zu erreichen. Mancherorts wird die Post von April bis Oktober noch immer auf diese Weise zugestellt.

Wasserstraße  Das Ortsschild am Ufer ist nicht als Kuriosum aufgestellt – lange Zeit waren die Wasserwege im Spreewald die wichtigsten Verbindungen. Foto: Gernot Krämer

Vom Cottbuser Hauptbahnhof fährt man etwa eine Viertelstunde bis Lübbenau – oder noch ein paar Minuten länger bis Lübben. Beide sind beliebte Ferienorte und wegen der guten Erreichbarkeit für Flieger besonders interessant, sofern man nicht die Mietwagenvariante wählt. Es ist ein schönes Erlebnis, im Spreewaldkahn unter den Bäumen dahinzugleiten. Im Sommer kann es jedoch auf einigen Wasserstraßen, etwa zwischen Lübbenau und Lehde, richtig voll werden. Die Alternative ist, irgendwo ein Paddelboot zu mieten und auf eigene Faust loszuziehen, denn abseits der Hauptrouten bleibt die Idylle oft ungestört. 

In Cottbus gibt es zweisprachige Straßenschilder

Leider schon lange nicht mehr mit dem Zug erreichbar ist die Ortschaft Burg – doch das kuriose Bahnhofsrestaurant gibt es noch immer! Hier trägt jeder Tisch den Namen einer (früheren) Bahnstation im Spreewald und wird von einer Modelleisenbahn angefahren. Wer Platz genommen hat, kreuzt auf einem Bestellschein seine Wünsche an, und sobald man die bereitliegende Kelle hochhält, wird ein Zug losgeschickt, um diesen abzuholen. Die Getränke kommen dann auf dem gleichen Weg zum Tisch. Auf der Karte stehen regionale Spezialitäten wie Hecht in Meerrettichsoße oder Plinsen (Eierkuchen). Ein Geheimtipp ist das Lokal längst nicht mehr – unbedingt vorher reservieren!

Zweisprachig: In Cottbus stößt man auf Straßenschilder mit Bezeichnungen auch auf Sorbisch. Foto: Gernot Krämer

Lausitz und Spreewald sind Siedlungsgebiete der Sorben, einer westslawischen Bevölkerungsgruppe, darauf weisen auch die zweisprachigen Straßenschilder in Cottbus hin, das auf sorbisch übrigens Chóśebuz heißt. Die eher kleine Altstadt konzentriert sich um den Altmarkt; schöne Ecken gibt es darüber hinaus vor allem an der Spreeinsel und am Mühlgraben mit den restaurierten Gerberhäusern. Besonders stolz sind die Cottbuser auf ihr Staatstheater, ein 1907/08 im Jugendstil erbautes architektonisches Juwel.

Im Repertoire dort unter anderem: Paul Linckes herrlich schräge Operette »Frau Luna« über den flugbegeisterten Mechaniker Fritz Steppke, der zum Mond reist und Luftschiffkapitän wird. Zu den vielen Ohrwürmern des Stücks zählt das bekannte Lied von der »Berliner Luft«. 

Flugplatzmuseum Cottbus: 1927 wurde hier der erste Cottbuser Flugplatz eröffnet

Sechs Kilometer östlich des Stadtzentrums entsteht durch Flutung des ehemaligen Tagebaus Cottbus-Nord der größte künstliche See Deutschlands. Ein knappes Jahrzehnt soll es dauern, bis die 19 Quadratkilometer große Fläche durch die Spree und aufsteigendes Grundwasser gefüllt ist. Noch schweift der Blick vom Aussichtsturm Merzdorf über die endlose scheinende Einöde des künftigen Seegrunds, aber die Planungen für ein Wassersportparadies sind längst im Gang. In der Ferne ragt das Kraftwerk Jänschwalde auf. 

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Für Freunde der Luftfahrtgeschichte bietet sich ein Besuch im Flugplatzmuseum am Nordwestrand der Stadt an. Dort wurde 1927 der erste Cottbuser Flugplatz eröffnet, damals eine Station auf der mit Junkers F 13 beflogenen »Riesengebirgslinie« der Lufthansa von Breslau über Hirschberg (Jelenia Góra) nach Berlin. Seit 2003 ist der Flugbetrieb endgültig eingestellt, ein Verein kümmert sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um die Restaurierung im Freien abgestellter und teilweise maroder Fluggeräte, darunter etliche Kampfjets und Helikopter, aber auch eine teilzerlegte Tupolew Tu-134 sowie mehrere zivile Kleinflugzeuge. 

Schloss Branitz ist ein Besuch wert – toller Park

Zurück zu Schloss Branitz am südöstlichen Stadtrand und dem exzentrischen Fürst Pückler. Künstliche Hügel, Teiche, malerische Blickachsen prägen den Park, der als Gartenkunstwerk Maßstäbe gesetzt hat. Mehr als das bewunderte man im 19. Jahrhundert die zahmen Hirsche, die die Kutsche des Fürsten durch Berlin zogen, oder seine afrikanische Gefährtin. Aufsehen zu erregen war für ihn alles. Heute ist der Ruhm des Dandys verblasst, am ehesten ist noch die nach ihm benannte Eisspezialität in aller Munde.

Der Flugplatz Neuhausen.

England bereiste er 1826 bis 1829 übrigens auf der Suche nach einer »guten Partie«, um seine Finanzen wieder ins Lot zu bringen. Ein abgefeimter Plan, denn er war bereits verheiratet und hielt seine in alles eingeweihte Gattin in zärtlichen Briefen auf dem Laufenden. Die reiche Braut wurde am Ende nicht gefunden, aber genug Inspiration, um daheim einen Park nach englischem Vorbild zu gestalten. Heute sind auch die Orienträume des Schlosses wieder zu besichtigen, darin zahlreiche Gegenstände, die der Fürst von seinen Fernreisen mitbrachte.  

So wie die Idee, sich wie ein Pharao bestatten zu lassen – er ruht seit 1871 im »Tumulus«, der Seepyramide im Schlosspark.

Flugplatz Neuhausen – Öffnungszeiten

Kennung EDAP

Frequenz
122,730 MHz

Höhe 279 ft

Koordinaten N 51° 41ˈ 09ˈˈ, E 14° 25ˈ 39ˈˈ

Lage 10 km südöstlich von Cottbus

Pisten 11/29, 1080 m Gras; Landungen »11« und Starts »29«: 740 m Gras

Treibstoff Avgas, Jet A-1

Betriebszeiten Werktags 6–16 Uhr / Wochenende 7–16 Uhr, Winter: Werktags 7–SS, Wochenende 8–SS (UTC)

Adresse Flugplatzgesellschaft Cottbus-
Neuhausen GmbH, Am Flugplatz 3, 03058 Neuhausen/ Spree

Telefon 035605/261

E-Mail info@flughafen-cottbus.de

Text und Fotos: Gernot Krämer

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