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Restaurierung einer Klemm Kl 107 C: Jetzt kommt die Flugzeugbespannung!

Vom Puzzle zur Einheit: Bei Lanitz Aviation in Leipzig entsteht aus
unlackierten Flugzeugteilen ein bespanntes Flugzeug. Können die Mitglieder
der Luftsportgemeinschaft Hanns Klemm zur AERO fliegen?

Von Claudius Banani
Bei der Flugzeugbespannung kommt ein Bügeleisen zum Einsatz.
Bei der Flugzeugbespannung kommt ein Bügeleisen zum Einsatz: Das Gewebe bekommt seine Fixierung durch Wärme. Patrick Lacarak und Jan Ermert sind hochkonzentriert, damit keine Falten bleiben. Bild: LSG Hanns Klemm

Hunderte Arbeitsstunden, jede Menge handwerkliches Geschick und ganz viel Teamwork haben die Mitglieder der Luftsportgemeinschaft Hanns Klemm (LSG) aus Böblingen bereits hinter sich gebracht. Seit Sommer vergangenen Jahres arbeitet ein 25-köpfiges Team an der Restaurierung einer Klemm Kl 107 C, die bis zur AERO Friedrichshafen wieder flugfähig sein soll. Das fliegermagazin hat das Projekt von Anfang an begleitet, nun folgt der Endspurt: die Flugzeugbespannung. Die Klemm wird mit dem Oratex-Gewebe von Lanitz Aviation in Leipzig bespannt.

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Restaurierung der Klemm 107 C ist sehr aufwendig

Dass die Vereinsmitglieder überhaupt in den Osten reisen konnten, war bis zuletzt ungewiss. Schließlich war das Flugzeug kürzlich noch bis auf fast jede einzelne Schraube zerlegt. Eine große Herausforderung, besonders für alle, die zum ersten Mal bei der Restaurierung eines Flugzeugs mithalfen. So auch für den 37 Jahre alten Patrick Lacarak: »Wir waren in unserer Planung sehr optimistisch, dass wir den Bespannungstermin halten können. Aber der Teufel steckte dann doch im Detail.« 

Nanu?  Die ungewöhnliche Fracht zieht beim Tankstopp neugierige Blicke auf sich.

So brauchte das Restaurierungsteam an einigen Stellen mehr Zeit als geplant. Überglücklich berichtet der Privatpilot: »Unsere Gruppe aus erfahrenen Leuten, die schon einmal ein Flugzeug restauriert haben, und denjenigen, die das zum ersten Mal gemacht haben, hat es geschafft. Ich bin stolz auf uns.«

Flugzeugbespannung: Mitte März zu Besuch bei Lanitz Aviation

Mitte März reiste das auf vier Personen verkleinerte Team für den Bespannungsworkshop von Süddeutschland nach Leipzig – mehr als 400 Kilometer. Gar nicht so einfach! Die einzelnen Flugzeugteile wurden auf einem Anhänger befestigt und gut abgedeckt. Schließlich sollte kein unnötiger Dreck an Rumpf, Tragflächen und Steuerflächen geraten. Bei Lanitz Aviation haben die Vereinsmitglieder dann unter professioneller Anleitung in einem einwöchigen Workshop gelernt, wie man ein Flugzeug mit neuester Technik bespannt. 

Los geht’s: Zweierteams bringen das Oratex-Gewebe an Tragflächen, Höhen- und Seitenleitwerk an.

Einige Arbeitsschritte hatten die Böblinger bereits vorab in der heimischen Werkstatt erledigt. So wurde dort auf der Holzkonstruktion ein Primer aufgetragen. In Leipzig musste dann nur noch der Untergrund fettfrei gemacht werden. Eine weitere Aufgabe: Den Kleber auf die Flugzeugteile und auf dem Gewebe zweimal auftragen. Danach lässt sich das innovative Oratex-Gewebe auf das Flugzeug legen und mit Heißluft fixieren. Es ist bereits durchgefärbt, eine Lackierung entfällt also – und der bei traditionellen Bespannungen übliche, aber gesundheitsschädliche Spannlack ebenso.  Sind per Heißluftföhn alle Kanten geschlossen, kann man mit dem Bügeleisen das Gewebe schrumpfen und so die Falten glätten. Vor dem Fliegen folgt noch eine Versiegelung mit Wachs. 

Wenn das Gewebe nicht perfekt sitzt, einfach wieder lösen

LSG-Mitglied Lars Trautwein hat auch bei der Schulung mitgemacht. Sein Fazit: »Mich hat besonders beeindruckt, wie einfach sich das Flugzeug mit dem hochwertigen Material bespannen lässt. Das ist im Verhältnis zu anderen Methoden sehr zeitsparend.« Außerdem kämen alle Komponenten aus einer Hand: von Lanitz Aviation. Lobende Worte findet auch Mitglied Patrick Lacarak: »Überrascht war ich darüber, wie gut sich das Gewebe verarbeiten lässt, und mit welchen Tricks wir es faltenfrei um die Kanten legen konnten. Wenn es mal nicht so perfekt aussah, haben wir das Gewebe noch einmal gelöst, und schon sah es gut aus.«

Herzlichen Glückwunsch! Die LSG-Mitglieder Patrick Lacarak, Jann Sinner, Jan Ermer und Lars Trautwein (v. l.) haben den Workshop erfolgreich absolviert. Siegfried Lanitz (r.), Geschäftsführer von Lanitz Aviation, hat die Zertifikate überreicht.

Jetzt wo das Flugzeug fertig bespannt ist, bleibt die Frage: Wird die Klemm Kl 107 C in Friedrichshafen zu sehen sein? Die Antwort der LSG: »Die Zulassung eines fliegenden Oldtimers unterscheidet sich deutlich von der eines Autos. Sie ist zeitaufwendiger. Deswegen können wir die Klemm leider nicht fliegen. Zeigen werden wir sie trotzdem.« Auch das ist ein Ergebnis, auf das die Mitglieder stolz sein können! 

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Wer war eigentlich Hanns Klemm?

Über den Autor
Claudius Banani

Claudius Banani ist Jahrgang 1969, hat seit 20 Jahren eine PPL- und seit zwei Jahren eine UL-Lizenz. Der studierte Betriebswirt ist in der IT-Branche sowie als freier Journalist tätig und ist im Süden Deutschlands zuhause. Besonders interessieren ihn Themen rund um Nachhaltigkeit.

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