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Zehn Tipps fürs Fliegen an Verkehrsflughäfen

Mit einem Kleinflugzeug große Verkehrsflughäfen anzufliegen, macht viel Spaß. Wir geben Tipps fürs Fliegen in der Kontrollzone

Von Thomas Borchert
Verkehrsflughafen
Mittendrin: Auf Verkehrsflughäfen landen ist einfacher als viele Piloten denken Foto: Helmuth Lage

Der An- und Abflug auf einem Verkehrsflughafen mit Kontrollzone ist seit vielen Jahren Bestandteil der PPL-Schulung. Es sollte also eigentlich jeder einmal dort gewesen sein. Und wer bei einem Airport Erfahrungen sammeln konnte, müsste auch an jedem anderen zurechtkommen. Doch die feine Balance zwischen »einfach tun, was der Lotse sagt« und »es ist viel los, man muss flexibel reagieren und sich einpassen« ist vielen Piloten unheimlich. Das ist schade: Flüge in Kontrollzonen – oft mit Sight-Seeing über Großstädten – und der Betrieb zwischen Airlinern machen Spaß. Hier sind zehn hilfreiche Ratschläge.

Tipp 1: Bereiten Sie sich vor

Wie im Prinzip bei jedem anderen Flug auch ist eine sorgfältige Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg. Eine der größten Schwierigkeiten ist, sich am Boden zurechtzufinden. Deshalb sollte man die Flugplatzkarte mit ihren Rollwegen und Parkpositionen schon vorher studiert haben. Gleiches gilt für die VFR-Anflugkarte mit den – mehr oder weniger gut erkennbaren – Pflichtmeldepunkten sowie den eventuell vorgegebenen Routen von dort zur Piste. Auch die Frequenzen sollte man kennen und notieren. Ganz wichtig: Lesen Sie die aktuellen NOTAMs zum Platz.

VerkehrsflughafenFoto: Helmuth Lage
Beim Anflug helfen die Markierungen und eine PAPI-/VASIS-Gleitweganzeige mit weißen und roten Lampen

Tipp 2: Beherrschen Sie die Basics

An Verkehrsflughäfen geht es um die Sicherheit hunderter Passagiere pro Flugzeug. Ganz klar, dass die Lotsen da erwarten, dass Sie mit den Grundlagen vertraut sind. Dazu gehören unbedingt die Runway-Markierungen und die Rollweg-Beschilderung. In der AIP werden sie erklärt. Nur zwei Anmerkungen: Halten Sie am Rollhalt gesunden Abstand von der gelben Linie zur Piste – sonst wird der Lotse nervös. Beim Magnetcheck nicht versehentlich vorrollen. Nicht ein Teil des Flugzeugs darf über die Linie ragen. Für die Rollwegschilder gilt: Gelbe Schrift auf schwarzem Grund zeigt den Taxiway, auf dem Sie sind; umgekehrt führt das Schild zu einem Rollweg hin.

Taxiway SignFoto: Helmuth Lage
Signs: Mit den Rollweg- und Bahnmarkierungen sollte man vertraut sein

Tipp 3: Nutzen Sie Moving Map und GPS

Machen wir uns nichts vor: Papierkarten waren gestern. Wer einmal mit Hilfe einer Moving Map in einem Gewusel von Rollwegen die eigene Position einfach per GPS-Markierung erkennen konnte, wer schon mal den im Häusermeer unauffindbaren Pflichtmeldepunkt per Satellitennavigation angesteuert hat – der wird auf digitale Karten nie mehr verzichten wollen. Auch ohne Glascockpit lassen sie sich per Tablet-Computer einfach ins Flugzeug bringen. Sie machen alles viel einfacher.

Moving MapFoto: fliegermagazin
Moving Maps und GPS erleichtern die Navigation in der Luft und am Boden

Tipp 4: Wünsch Dir was!

Egal ob Nürnberg, Paderborn oder Hamburg-Fuhlsbüttel – das Prinzip ist immer gleich: Der Anflug erfolgt über VFR-Pflichtmeldepunkte, meist soll spätestens fünf Minuten vor deren Erreichen der Tower gerufen werden. Laut SERA muss allerdings bereits zehn Minuten vor Einflug zumindest ein verkürzter Flugplan übermittelt werden. Schon ab dem Erstanruf gilt: Kommunizieren Sie klar, aber knapp, was Sie tun möchten. Wollen Sie landen? Dabei noch eine Runde über der sehenswerten Innenstadt fliegen? Nur zum Sightseeing durch die Kontrollzone? Sagen Sie’s! Wünschen kann man sich alles – wenn etwas nicht geht, wird es der Lotse sagen. Seien Sie präzise: Nennen Sie den gewünschten Ausflugspunkt gleich dazu; sagen Sie, dass Sie Rechtskreise über der Stadt machen wollen. Anders herum gilt auch: Tun Sie nichts, ohne vorher eine Erlaubnis dafür einzuholen – auch keinen Vollkreise oder eine Abweichung von den Lotsen-Vorgaben. Fliegen Sie nicht in die Kontrollzone, bevor der Lotse dies erlaubt. Die Sprechgruppe „frei zum/cleared to“ gibt es dabei nicht mehr – sie gilt nur für Start und Landung. Jetzt heißt es „Enter Control Zone“. Ob man den Radarkontakt als beklemmende Überwachung oder als hilfreiche Betreuung empfindet, ist eine Frage der inneren Einstellung. Mehr zum Funken unten auf dieser Seite.

Tipp 5: Denken Sie mit

Gestaffelt wird VFR-Verkehr vom Lotsen nicht, Sie sind für „see & avoid“ verantwortlich. Es gibt höchstens Verkehrshinweise. Es hilft, den Funkverkehr aufmerksam zu verfolgen – dann erkennt man oft schon früh, in welche Lücke zwischen den Verkehrsflugzeugen der Towerlotse die langsame Einmot einpassen will. Zwar sind auf Anflugblättern Warteschleifen eingezeichnet. Doch meist kommt eine Anweisung wie „Fliegen Sie einen Vollkreis nach links und setzen Sie dann den Gegenanflug fort.“ Man gewinnt keine Freunde, wenn man dabei links und rechts verwechselt. Spätestens jetzt wird auch klar, warum es an Verkehrsflughäfen keine festgelegten Platzrunden geben kann. Die Lotsen brauchen alle erdenkliche Flexibilität, um Flugzeuge unterschiedlichster Geschwindigkeitskategorien zu koordinieren.

VerkehrsflughäfenFoto: Flughafen München
Die Towerlotsen sind freundlich und hilfsbereit – aber auch für die Sicherheit verantwortlich

Tipp 6: Bleiben Sie Pilot-in-Command

Als Pilot braucht man in der Kontrollzone nur zu tun, was einem gesagt wird – eigentlich einfach. Aber: Lassen Sie sich nicht in Situationen zwingen, die Ihnen nicht sicher erscheinen. Sie sind der Pilot in Command. Wenn Ihnen der Endanflug zu kurz ist, dann ist die Zauberformel: „nicht möglich/unable“, am besten mit kurzer Begründung.

Tipp 7: Vorsicht vor Wirbelschleppen

Landet vor Ihnen ein Dickschiff, merken Sie sich den Aufsetzpunkt: Erst wenn das Bugrad am Boden ist, wird kein Auftrieb mehr erzeugt – und damit auch keine Wirbelschleppe. Wenn’s geht, sollten Sie über dem Anflugpfad des Airliners bleiben und hinter dessen Landepunkt aufsetzen. Beim Start werden Sie vor allen Airlinern in der Luft sein – aber dann deren Steigweg durchkreuzen. Seien Sie darauf gefasst, fliegen Sie nicht zu langsam.

Tipp 8: Verhalten Sie sich eindeutig und vorhersehbar

Am Boden gilt das besonders am Rollhalt: Entweder Ihr Flugzeug steht, oder es rollt. Immer noch mal einen Meter weiter auf die gelbe Linie zukriechen – das macht Lotsen nervös. In der Luft melden Sie die Pflichtmeldepunkte erst, wenn Sie wirklich drüber sind. Wenn Ihnen der Lotse eine Höhe zuweist, halten Sie diese mindestens auf 100 Fuß genau. Wenn nicht, halten Sie die Höhe, mit der Sie einmal angekommen sind, ebenso präzise – oder teilen Sie mit, dass Sie die Höhe wechseln möchten.

Tipp 9: Recherchieren Sie vor dem Abflug

Immer wieder sind Privatpiloten von den Gebühren überrascht, die sie an einem großen Flughafen zahlen müssen. Online finden sich inzwischen fast für alle Plätze Gebührenordnungen. Die können aber schwer durchschaubar sein. Dann kann ein Anruf am Flughafen für Aufklärung sorgen, auch wenn man sich oft erst zur richtigen Person durchfragen muss.

Tipp 10: Seien Sie flexibel

Bei der besten Vorbereitung und Planung: Irgendetwas wird immer anders laufen als Sie es sich vorgestellt hatten. Der Lotse wird Sie anders führen als erwartet, eine Rollfläche kann gesperrt sein, ein Verfahren hat sich geändert. Seien Sie darauf gefasst und reagieren Sie flexibel. Dazu gehört auch, dass Sie genügend Sprit für ein paar Warteschleifen mitbringen.

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Extra: Sprechfunk an großen Plätzen

  • Wo steht’s? Die in Deutschland gültigen Sprechgruppen werden per NfL festgelegt, die sich immer mal wieder ändern. Ein Studium lohnt sich.
  • Englisch oder Deutsch? Für Piloten mit BZF I gilt: Eigentlich ist Englisch besser, weil dann ausländische Linienpiloten der Kommunikation folgen können. Andererseits: Wer im Englischen unsicher ist, soll lieber beim deutschen Funken bleiben – das sorgt für flüssige Funksprüche und mehr mentale Kapazität beim ohnehin gut beschäftigten Piloten.
  • Zuhören Ganz schlechter Stil: Frequenz einstellen, gleich losplappern und dabei den Funkverkehr eines anderen unterbrechen. Bitte erst kurz reinhören und eine Pause abwarten, dann sprechen.
  • Ihre Visitenkarte Es ist keine Floskel: Der erste Eindruck zählt. Es lohnt sich also, den Erstanruf zur Übung ein paarmal in Gedanken oder leise vorzusprechen, bevor man die Sendetaste drückt. Sogar den gesamten Ablauf des Funkverkehrs kann man in Gedanken vor einem Flug durchspielen – zum Beispiel unter der Dusche oder vor dem Einschlafen. Aber: Seien Sie nicht überrascht, wenn es anders kommt, als Sie es sich vorgestellt haben.
  • Ein wichtiger Buchstabe Hören Sie vor dem Erstanruf die ATIS-Ansage ab und nennen Sie deren Kennbuchstaben.
  • Was wird wiederholt? Wenn Sie immer alles zurücklesen, nerven Sie auf Dauer die anderen auf der Frequenz. Andererseits: Wenn der Lotse immer wieder den gleichen Spruch wiederholt, ist das meist ein Zeichen dafür, dass Sie etwas nicht zurücklesen, was er unbedingt hören will. Das sind unter anderem Freigaben, QNH, Pisten, Transpondercodes, Höhen, Kurse und Frequenzen. Bei einer konditionellen Freigabe vergessen Sie nicht das Wort „dahinter/behind“ am Ende zu wiederholen, etwa „behind landing 737 lining up runway 23 behind“.
  • Say Again Wenn Sie etwas nicht eindeutig verstanden haben, dürfen Sie sich nicht durchwurschteln. Fragen Sie nach, bis alles klar ist.
  • Der große Unterschied Wegen Verwechslungsgefahr dürfen die Worte „Start“ und „take-off“ nur im Zusammenhang mit der Freigabe benutzt werden, also „Start frei“ oder „cleared for take-off“. Ansonsten heißt es „Abflug“ und „departure“, zum Beispiel „abflugbereit“ oder „ready for departure“.

Über den Autor
Thomas Borchert

Thomas Borchert begann 1983 in Uetersen mit dem Segelfliegen. Es folgte eine Motorsegler-Lizenz und schließlich die PPL in den USA, die dann in Deutschland umgeschrieben wurde. 2006 kam die Instrumentenflugberechtigung hinzu. Der 1962 geborene Diplom-Physiker kam Anfang 2009 vom stern zum fliegermagazin. Er fliegt derzeit vor allem Chartermaschinen vom Typ Cirrus SR22T, am liebsten auf längeren Reisen und gerne auch in den USA.

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