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Hamburg Airport: Cessnas tanken Frittenfett

Der Hanseatische Flieger Club setzt in Hamburg HVO für seine Diesel-Cessnas ein. In PKW und LKW wird der Kraftstoff bereits seit 2016 genutzt.

Von Dirk M. Oberländer Fliegermagazin bei Google bevorzugen
Bio-Diesel beim Hamburger Flieger Club
Bio-Diesel beim Hamburger Flieger Club Bild: Oliver Sorg, Airport Hamburg

Erst Fast Food, dann Flugstunde. So lässt sich der Lebenszyklus des Kraftstoffs HVO etwas flapsig zusammenfassen. Denn die Basis für Hydrotreated Vegetable Oil sind gebrauchte Speiseöle. Daraus entsteht ein synthetischer Dieselkraftstoff. Seit dem 2. November 2026 tankt der Hanseatische Flieger Club (HFC) am Hamburg Airport für ausgewählte Cessna 172 den Kraftstoff CAIR XTL.

Der Verein nutzt die Flugzeuge für Ausbildungs- und Trainingsflüge. In ihren Dieselmotoren kommt damit ein Kraftstoff zum Einsatz, den der Flughafen in einer anderen Handelsvariante bereits seit zehn Jahren in seinem Fuhrpark verwendet.

Für den Flugbetrieb arbeiten der Verein, der Flughafen, der Kraftstofflieferant TOOL-FUEL und der Motorenhersteller Continental zusammen. Continental hat den Kraftstoff nach technischen Prüfungen für seine Dieseltriebwerke freigegeben. Der Flughafen Hamburg schafft die Infrastruktur für die Versorgung vor Ort. Der Verein erhält für die Betankung seiner Flugzeuge einen eigenen Tankwagen.

So wird der Klassiker Cessna 172 klimafreundlicher

Für den HFC ist entscheidend, dass er seine vorhandenen Schulflugzeuge weiter einsetzen kann: „Der besondere Vorteil: Wir können CAIR XTL nutzen, ohne unsere bestehenden Flugzeuge grundlegend technisch verändern zu müssen“, beschreibt Enrico Hemling, Technikvorstand des Vereins, den Einstieg in den Betrieb mit HVO.

Betankung mit CAIR XTL (Bio-Diesel) (Bild: Oliver Sorg / Airport Hamburg)

HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oil (hydriertes Pflanzenöl). Als Ausgangsstoffe können gebrauchte Speiseöle oder andere pflanzliche Reststoffe dienen. Bei der Herstellung werden die Öle mit Wasserstoff behandelt. Daraus entsteht ein paraffinischer Dieselkraftstoff, also ein Kraftstoff, der überwiegend aus gesättigten Kohlenwasserstoffen besteht.

Das in Hamburg gelieferte Produkt ist laut Flughafen palmölfrei und enthält kein Fettsäuremethylester (FAME-frei). Letzteres ist wichtig für Treibstoffleitungen und Kunstofftanks. Denn in der Vergangenheit hatten Motoren meist keine Probleme Biokraftstoffe zu verbrennen, das Treibstoffsystem reagierte aber mitunter mit Leckagen auf die säurehaltigen Bestandteile.

Seit zehn Jahren in Hamburg im Einsatz

Der Flughafen verwendet am Boden Neste MY Renewable Diesel, die Cessnas tanken CAIR XTL. Nach Angaben des Flughafens handelt es sich physikalisch um dasselbe Produkt. Die beiden Angebote unterscheiden sich vor allem beim Vertriebsweg, beim vorgesehenen Einsatzbereich und bei der zugehörigen Dokumentation. Der gelieferte Kraftstoff erfüllt laut Flughafen die europäische Norm EN 15940 für paraffinische Dieselkraftstoffe. Für den Einsatz im Flugzeug kommt die Freigabe des Motorenherstellers hinzu.

Die Erfahrungen mit dem Kraftstoff reichen in Hamburg bis 2016 zurück. Damals stellte der Flughafen seinen eigenen Dieselfuhrpark auf HVO um. Seither tanken ihn unter anderem Großfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr und Spezialfahrzeuge der Bodenverkehrsdienste. Für diese Fahrzeuge stehen dem Flughafen nach eigenen Angaben bislang keine geeigneten batterieelektrischen oder wasserstoffbetriebenen Alternativen zur Verfügung.

Wie ist die Klimabilanz von HVO-Diesel?

Beim Verbrennen von HVO entsteht weiterhin CO₂. Die mögliche Treibhausgasminderung ergibt sich aus dem Vergleich über den gesamten Lebenszyklus des Kraftstoffs. In die Bilanz fließen damit auch die Herkunft der Rohstoffe, die Herstellung und der Transport ein. Wie groß der Vorteil gegenüber fossilem Diesel ausfällt, hängt vom jeweiligen Produkt und seiner Lieferkette ab. Auch Eigenschaften wie die Kältestabilität können laut Flughafen je nach Hersteller und Lieferkette variieren.

Für die Berechnung verweist Hamburg Airport auf die Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU. Der dort verwendete fossile Vergleichswert beträgt 94 Gramm CO₂-Äquivalente pro Megajoule. Die Einheit fasst die Klimawirkung verschiedener Treibhausgase zusammen und setzt sie ins Verhältnis zum Energiegehalt des Kraftstoffs. Die für das gelieferte Produkt ermittelte Minderung wird laut Flughafen in extern geprüften Nachhaltigkeitsbescheinigungen dokumentiert. Einen konkreten Prozentwert für CAIR XTL nennt die Mitteilung nicht.

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Über den Autor
Dirk M. Oberländer

Dirk M. Oberländer, Jahrgang 1975, verbrachte seine Jugend beim Segelfliegen am Flughafen Braunschweig-Wolfsburg. Später folgte der Abschied vom Schieben und Umstieg zum Ultraleicht-Fliegen. Die zweite große Leidenschaft, das Schreiben, brachte Dirk zu Stadtmagazinen, Tageszeitungen, Kundenmedien und in die wunderbare Welt der Werbung. Immer mit einem Faible für Technik und die Menschen dahinter. So war es nur eine Frage der Zeit, bis der studierte Kultur- und Medienmanager beim fliegermagazin landete. Am Boden ist Dirk bevorzugt mit Laufschuhen und Rad unterwegs – im Urlaub auch gern mal mit Zelt in Richtung Süden.

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