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Jabiru J432: Neue Twin soll mehrmotoriges Fliegen günstiger machen

Die zweimotorige Jabiru J432 soll vor allem Flugschulen ansprechen. Zwei Jabiru-Motoren mit je 85 PS sollen niedrige Betriebskosten ermöglichen.

Von Isabella Sauer Fliegermagazin bei Google bevorzugen
Die J432 beim EAA AirVenture in Oshkosh 2026.
Die J432 beim EAA AirVenture in Oshkosh 2026. Bild: Isabella Sauer

Eine vergleichsweise kostengünstige Twin für Flugschulen und Piloten, die mehrmotorige Flugstunden sammeln wollen: Auf dem EAA AirVenture 2026 in Oshkosh wurde die neue Jabiru J432 präsentiert. Das Experimental wird von zwei Jabiru 2200 mit jeweils 85 PS angetrieben. Perspektivisch ist auch eine zertifizierte Variante vorgesehen.

Die J432 basiert auf der einmotorigen Jabiru J430. Vom Rumpf bis zum Heck entspricht die Konstruktion weitgehend der bekannten Einmot, während die Twin mit zwei Motoren ausgerüstet ist. Deren Anbringung ist ungewöhnlich: Sie sind nicht an den Tragflächen montiert, sondern mit Auslegern am vorderen Rumpf.

Die in Oshkosh ausgestellte J432 ist nach Angaben ihres Piloten erst die dritte ihrer Art weltweit und die erste in den USA. Eine erste zweimotorige Variante entstand demnach bereits vor rund 13 oder 14 Jahren in Südafrika. Eine weitere wurde wenig später in Australien gebaut. Beide sollen bis heute fliegen.

Warum aus der Jabiru J430 eine Twin wurde

Hinter dem Bau der amerikanischen J432 stand zunächst ein persönlicher Wunsch. Ihr Pilot besitzt selbst eine einmotorige Jabiru J230D und verfügt über eine Multi-Engine-Berechtigung. Vor rund drei Jahren entstand bei Gesprächen mit Jabiru die Idee, eine weitere Twin aufzubauen.

J432 : Ein Blick auf die Avionik.J432 : Ein Blick auf die Avionik.

Dabei ging es ihm vor allem um die zusätzliche Sicherheit eines zweiten Motors. „Ich wollte ein Flugzeug, mit dem ich nachts, über Wasser oder in den Bergen fliegen kann, ohne mir ständig Gedanken über einen möglichen Motorausfall machen zu müssen“, sagte er im Gespräch mit dem fliegermagazin in Oshkosh.

Der Pilot betont allerdings, dass er selbst nicht für den australischen Hersteller arbeitet. Er hat die experimentelle J432 gebaut und erprobt sie derzeit.

J432 soll für Multi-Engine-Ausbildung interessant werden

Das Potenzial der J432 sieht Jabiru insbesondere in der Flugausbildung. Mit zwei vergleichsweise kleinen Motoren soll sie die Betriebskosten gegenüber klassischen zweimotorigen Schulflugzeugen niedrig halten.

„Wir suchen nach Möglichkeiten, mehr Menschen ein bezahlbares Training auf zweimotorigen Flugzeugen zu ermöglichen“, erklärte der Pilot. Die J432 könne dazu einen Beitrag leisten.

Angetrieben wird die Twin von zwei Jabiru 2200. Die luftgekühlten Vierzylinder leisten jeweils 85 PS. Nach ersten Erprobungswerten verbraucht die J432 im Reiseflug in rund 8000 Fuß bei hoher Leistung etwa vier US-Gallonen pro Stunde und Motor. Insgesamt entspricht das rund acht US-Gallonen beziehungsweise gut 30 Litern pro Stunde.

Als Reisegeschwindigkeit nennt der Pilot derzeit etwa 125 bis 135 Knoten. Die Flugerprobung ist allerdings noch nicht abgeschlossen, sodass sich die Leistungsdaten noch verändern können.

Wie fliegt die Jabiru J432 mit nur einem Motor?

Für eine Schulungs-Twin ist insbesondere das Verhalten beim Ausfall eines Motors interessant. Bei ersten Tests habe sich die J432 auch einmotorig gutmütig gezeigt. In 3500 Fuß habe sie mit einem laufenden Motor bei etwa 80 bis 85 Knoten die Höhe halten können. Nach Angaben des Piloten waren dabei sogar noch Leistungsreserven für einen Steigflug vorhanden.

Weil die beiden Motoren vergleichsweise nah an der Rumpfmittellinie sitzen, soll auch das asymmetrische Verhalten moderat ausfallen. Beim Ausfall eines Motors beginne die Maschine lediglich langsam in Richtung des laufenden Motors zu drehen. Mit Seitenrudereinsatz lasse sie sich stabilisieren.

Mit beiden Motoren wurden bei bisherigen Erprobungsflügen und nur einer Person an Bord nach Angaben des Piloten Steigraten von rund 1500 Fuß pro Minute erreicht.

Zertifizierte Jabiru J432 für 2027 geplant

Noch ist die amerikanische J432 als Experimental unterwegs. Das soll sich jedoch ändern. Nach Angaben des Piloten soll bereits die nächste gebaute Maschine eine zertifizierte Variante werden. Für die USA ist eine Zulassung als Special Light-Sport Aircraft (SLSA) vorgesehen.

Die Zertifizierung wird derzeit für 2027 erwartet. Nach aktueller Planung könnten erste Kits im dritten oder vierten Quartal 2027 ausgeliefert werden.

Für eine komplett ausgestattete J432 wurde in Oshkosh ein Preis von weniger als 500.000 US-Dollar genannt. Darin sollen Lackierung, Innenausstattung und Avionik bereits enthalten sein. Ob die J432 später auch auf dem europäischen Markt angeboten wird, steht bislang nicht fest. Der Pilot der amerikanischen Maschine hält dies allerdings für wahrscheinlich.

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Über den Autor
Isabella Sauer

Isabella Sauer ist Jahrgang 1991, studierte in Bamberg Kommunikationswissenschaft und absolvierte anschließend ein Volontariat bei Auto Bild. Seit ihrer Jugend ist sie journalistisch tätig und arbeitete für große Verlagshäuser, darunter Axel Springer und die Funke Mediengruppe. Print, Digital, Social Media - für Isabella hat jeder Inhalt das Potenzial, vielfältig aufbereitet zu werden. Und wie kam sie zum fliegermagazin? Das Thema Mobilität interessierte sie immer schon sehr. Ob Auto, Bahn, Camper, Airliner oder Fahrrad: Die Welt lässt sich aus vielen Perspektiven entdecken. Nun geht es für Isabella Sauer in die Luft. Seit Mai 2025 hat sie eine Privatpilotenlizenz (PPL).

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