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Abenteuer Schwarzes Meer: Fliegen in Osteuropa

Einmal im Schwarzen Meer schwimmen: Das ist ein lang gehegter Traum unseres Autors. Weil Bulgarien und Rumänien seit 2025 Teil des Schengenraums sind, fliegt er in seiner P2002JF einfach selbst dorthin. Und er wagt sich sogar nach Moldawien.

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Ausblick auf das Schwarze Meer
Am Ziel: Nahe Burgas in Bulgarien folgt der Autor im Tiefflug der Schwarzmeerküste. Bild: Götz Ulrich Ausblick auf das Schwarze Meer

Der Himmel klarte auf und ich startete mit der P2002JF Sierra vom Heimatplatz Braunschweig-Wolfsburg (EDVE) Richtung Südosten, um nach Osteuropa zu fliegen. Je weiter ich über dem Erzgebirge war, desto höher stiegen die Wolken und drückten mich auf über 8000 Fuß. Erdsicht gab es nicht mehr, auch kein »Loch vom Dienst«. Aber ich wusste, dass die Wolkenbildung nach dem Ende der Berge endet. Nach Anmeldung bei FIS Praha bin ich wieder auf entspannte 3000 Fuß gesunken, bis zum ersten Tankstopp im tschechischen Benesov (LKBE).

Das nächste Leg brachte mich nach Jakabszállás (LHJK) in Ungarn. Eine kleine Oase mitten in der ungarischen Puszta. Aus der Luft konnte ich schon das Aero Hotel neben der Piste und ein großes Gestüt ausmachen. Herzlich begrüßt hat mich Imre Mészáros, der Inhaber der dortigen Flugschule Mészi Air Service. Es war die erste private Flugschule in Ungarn nach der politischen Wende. Eine Fluganmeldung über die Webseite wird gerne gesehen.

Blick auf Wolken beim Fliegen nach OsteuropaBlick auf Wolken beim Fliegen nach Osteuropa
Über den Wolken: Das Wetter erlaubt bei Weißenfels in Sachsen- Anhalt nur den Flug on top. Klar ist: In Österreich verschwinden die Wolken wieder. Bild: Götz Ulrich

Wenn ein NOTAM die Flugplanung durchkreuzt

Nach dem Tanken ging es am nächsten Morgen bei perfektem Wetter auf die Bahn, und kurz danach war ich in der Luft für den kurzen Flug nach Arad (LAR) in Rumänien. Als grenzüberschreitender Verkehr hatte ich einen Flugplan aufgegeben. FIS sprach mich an, ob ich denn die NOTAMs gelesen hätte. Es war sofort klar, dass ich irgendetwas überlesen haben musste: Die Kontrollzone in Arad wurde an genau diesem einen Tag etwas später geöffnet, mangels ATC-Personal. Ich hatte nun die Wahl: Zwei Stunden Vollkreise fliegen oder einen anderen Platz zur Landung suchen.

Die Wahl fiel auf den nächstliegenden Platz (LHHM), wieder zurück in Ungarn. Dank Schengen und EU ging das problemlos. Schließlich ging es weiter auf den Weg nach Arad. Am Meldepunkt TEGRI hatte ich freie Sicht auf den früheren Grenzübergang zwischen Ungarn und Rumänien und konnte sehen, dass es hier keine Warteschlangen oder Kontrollen mehr gab.

Beim Fliegen sieht man die Grenzen von OsteuropaBeim Fliegen sieht man die Grenzen von Osteuropa
Zwei Länder von oben: Hier verläuft die Grenze zwischen Ungarn und Rumänien, die Kontrollstellen sind heute verwaist. Bild: Götz Ulrich

Beim Fliegen in Osteuropa beeinflusst das Wetter die Route

Direkt im kurzen Endteil auf die Piste 27 überflog ich ein Gefängnis in 300 Fuß AGL. Kaum in Arad gelandet, kam ein Polizist zum Flugzeug und fragte nach meinem Pass: »Ja, wir sind jetzt Teil des Schengen-Raums, aber wir kontrollieren immer noch wie früher.« Ich sah mir derweil das alte Flughafengebäude an und stellte mir den Glanz früherer Tage vor. Offensichtlich gibt es hier nicht mehr so viel Verkehr.

Unwetter vom Flugzeug ausUnwetter vom Flugzeug aus
Ungemütlich: Südlich von Budapest wurde das Wetter mit vielen Schauern schlecht. Die ebene Puszta bietet zumindest Hindernisfreiheit. Bild: Götz Ulrich

An den Karpaten führt in Rumänien auch in der Luft kein Weg vorbei. Allerdings sah das Wetter alles andere als fliegbar aus. In den Bergen waren CBs unterwegs und alle GAFOR-Routen über die Karpaten waren rot mit Einstufung XXX, also auch keine Aussicht auf eine zeitnahe Besserung. Ich wollte mir schon einen Stadtführer für Arad organisieren, als mir ein anderer Pilot vorschlug, doch stattdessen die Berge via Serbien zu umfliegen.

Terminal in UngarnTerminal in Ungarn
Runde Sache: Das Terminal-Gebäude im ungarischen Budaörs. Bild: Götz Ulrich

Quer über die Berge nach Sofia

Alles kein Problem hinsichtlich Pass und Zoll, solange man dort nicht landet. Ich habe daraufhin eine Route geplant, die bis Nis weitestgehend die Karpaten meidet und nur am Ende westlich von Sofia die Berge überquert. Nach einem Blick auf die wunderschöne Altstadt von Timisoara überflog ich die Grenze zu Serbien. Vielleicht meinte es der serbische Lotse gut mit mir, als er mir einen Direktflug zum Ausflugpunkt NISVA nach Bulgarien gab. Doch das bedeutete dann eine Stunde zusätzlich diagonal über die Berge. Es hatte mich heftig durchgeschüttelt – VFR-Fliegen zum Abgewöhnen!

Die bulgarische Hauptstadt Sofia (LBSF) hat gut definierte VFR-An- und Abflugstrecken. Auf der Towerfrequenz war nicht viel los. Dennoch hat mich ATC in das VFR Holding GIMEG gesteckt. Nach der dritten Runde habe ich dann eine kurze Message gesendet: »D-EIGF, holding at GIMEG, 2500.« Schon kam die Freigabe zur Landung. Das Follow-Me brachte mich zu einer Parkposition zentral auf dem Vorfeld und nahe des Towers.

Architektur am Schwarzem MeerArchitektur am Schwarzem Meer
Typische Schwarzmeer-Architektur: Im bulgarischen Sosopol sind die alten Häuser noch erhalten. Bild: Götz Ulrich

Was kostet nach dem Fliegen die Landung in Osteuropa

Wie viele große internationale Flughäfen hat auch Sofia Handling-Pflicht. Schon im Voraus hatte ich Kontakt aufgenommen mit Omega Aviation, die sich bei Ankunft und Abflug professionell um mich kümmerten. Professionell war dann aber auch die Abschlussrechnung. Die historische Eingangshalle des Flughafens beeindruckte mit einer großen Europakarte aus einem Mosaik. Istanbul war noch markiert als Zarigrad, Zarenstadt.

Ich suche mir immer Hotels in der Innenstadt, sodass ich fußläufig alles erreichen kann. Nach den anspruchsvollen Flügen des Tages war ich froh, mich viel bewegen zu können. Eine kurze Checkliste der wichtigsten Sehenswürdigkeiten war bald abgearbeitet. Sofia ist ein faszinierendes Mosaik der Gegensätze. Eine pulsierende Hauptstadt mit Architektur von römischen Ruinen, sowjetischen Monumentalbauten und goldenen Kuppeln der orthodoxen Kirchen. Mittendrin liegt die belebte Fußgängerzone Vitosha Boulevard mit zahlreichen Cafés und Geschäften.

Banja-Baschi-MoscheeBanja-Baschi-Moschee
Straßenbahn vor der Moschee: Die Banja-Baschi-Moschee in der bulgarischen Hauptstadt Sofia stammt aus osmanischen Zeiten. Bild: Götz Ulrich

Mit der Tecnam ans Schwarze Meer

Am nächsten Morgen ging es endlich ans Schwarze Meer. Das Flugzeug benötigte noch etwas Sprit für die Reise. Bei einem Literpreis von über fünf Euro habe ich nur die minimal nötige Menge für den Flug plus 45 Minuten getankt. Neu für mich war die Sprechgruppe »Pass your message«, die mir bei FIS in Rumänien und Bulgarien begegnete, wann immer ich FIS angesprochen hatte. Generell war der Funk auf Englisch in allen Ländern klar und professionell.

Mein Ziel am Schwarzen Meer war der kleine Platz Primorsko (LBPR), mittig zwischen dem beliebten Touristenort Burgas und der Grenze zur Türkei. Beim Anflug konnte ich das Meer schon von Weitem am Horizont sehen. Der Empfang am kleinen Flugplatzgebäude war herzlich. Dimitar Stoyanov, der Airport Manager, organisierte ein Taxi zum Hotel. Schon kurz nach dem Einchecken ging ich zu Fuß zum Strand und zum Schwimmen ins Schwarze Meer. Traum erfüllt!

Tecnam am internationalen FlughafenTecnam am internationalen Flughafen
Bei den Großen: Der Besuch des internationalen Flughafens von Sofia ist auch mit der kleinen Tecnam kein Problem. Bild: Götz Ulrich

In Osteuropa über dem Schwarzen Meer fliegen

Primorsko ist ein kleiner Badeort, ideal für Familien, die den Trubel in Burgas und Varna vermeiden möchten. Um mein Ziel intensiv zu genießen, blieb ich einen Tag. Der Taxifahrer brachte mich nach Sosopol, einem sehenswerten Ort auf einer Halbinsel. Am nächsten Tag hieß es dann: Abschied nehmen vom Schwarzen Meer. Der fliegerische Höhepunkt der Reise:

Nach Freigabe durch Burgas Tower durfte ich in der Kontrollzone auf 500 Fuß absinken und in dieser Höhe die VFR-Route direkt entlang der gesamten Küstenlinie fliegen. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, das tiefblaue Schwarze Meer direkt unter den Flügeln zu wissen, während neben mir der Goldstrand wie ein buntes Band vorbeizog. Nach dem Tankstopp im rumänischen Tuzla (LRTZ) ging es Richtung Iaşi (LRIA), um dort aus der EU auszureisen: nach Moldawien. Die Kollegen vor Ort waren schnell und effizient.

Strand am Schwarzem MeerStrand am Schwarzem Meer
Touristisch äußerst beliebt: Die Strände am Schwarzen Meer in Bulgarien gelten als günstiges Urlaubsziel. Bild: Götz Ulrich

Wie funktioniert die Einreise in Moldawien?

Schon Monate im Voraus hatte ich die AIP von Moldawien studiert. Für die Ausreise aus der EU hatte ich ein Gendec-Standardformular der ICAO mit den Daten von Flugzeug und Crew vorbereitet. Damit ging es wie mit einer Bordkarte in Iași einmal durchs Gebäude und durch die Passkontrolle. Dann saß ich wieder im Flieger und konnte meinen Flugplan einreichen, den ich sportlich auf 15 Minuten bis Take-off terminiert hatte.

Die Distanz von Iași nach Chișinău, der moldawischen Hauptstadt, beträgt nur 60 NM. Der Anflug nach Chișinău (LUKK) führte mich quer über die Innenstadt. Empfangen wurde ich von Jetz Handling. Zwei junge Mitarbeitende bemühten sich um das Wohlergehen meiner Tecnam. Jetz ist der einzige Handler am Platz, der Avgas zur Verfügung stellt.

St. Stephans BasilikaSt. Stephans Basilika
St. Stephans Basilika: Die Kirche mit einem Kuppelbau von 1851 ist eine der Sehenswürdigkeiten von Budapest. Bild: Götz Ulrich

Ein kurzer Stopp beim Fliegen in Osteuropa

Das Zentrum von Chișinău ist ein Beispiel der typischen postsowjetischen Großstädte, mit breiten Straßen, mehrstöckigen Wohngebäuden und Denkmälern. Anhand der großen Fahnen am Parlamentssitz war erkennbar, wie sehr Moldawien in die EU strebt.

Am nächsten Morgen geleitete mich Jetz mit meinem vorbereiten Gendec schnell durch Pass und Zoll. An der Tecnam wartete bereits der Anhänger zur Fassbetankung. Nach einem nochmaligen Überflug über das Stadtzentrum war der nächste Stopp wieder Iasi in Rumänien.

Goldstrand in BulgarienGoldstrand in Bulgarien
Goldiger Sand: Der Goldstrand in Bulgarien macht seinem Namen alle Ehre. Bild: Götz Ulrich

Noch schnell über die Karpaten

Hier empfingen mich Polizei und Zoll. Immerhin war es eine Einreise in EU und Schengenraum. Meine Taschen musste ich zur Durchsuchung auf die Tragflächen stellen. Dem Weiterflug nach Ungarn standen dann die Karpaten im Weg. Schon im Anflug nach Iasi konnte ich in der Ferne aufkommende Gewitterwolken entdecken. »Wenn Sie über die Karpaten fliegen wollen, dann fliegen Sie jetzt sofort los«, hieß es. Schon war ich in der Luft, entlang einer GAFOR-Route bei Piatra Neamţ nach Transsilvanien. Die Karpaten haben es in sich. Beide Überflüge waren herausfordernd.

Zum Tagesziel Budapest war noch ein Tankstopp notwendig. Angemeldet hatte ich mich schon am Vortag in Nyíregyháza (LHNY). Kurz darauf ging es dann weiter Richtung Budapest. Geplant hatte ich die Landung auf dem früheren Hauptstadtflughafen Budaörs (LHBS) mit seinen breiten Graspisten. Das alte Empfangsgebäude von 1937 ist ein architektonisches Highlight im Art-Deco-Stil.

Flugzeug wird für das Fliegen über Osteuropa betanktFlugzeug wird für das Fliegen über Osteuropa betankt
Auftanken: Am Flughafen
von ChiŞinau, der Hauptstadt Moldawiens, gibt es Avgas aus Fässern vom Auto-Anhänger. Bild: Götz Ulrich

Osteuropa beim Fliegen entdecken

Es ist heute geschlossen und verfällt. Nur ein paar Firmen nutzen Teile des beeindruckenden Gebäudes. Der Hangar ist ebenfalls von 1937 und war damals der größte Europas. Budaörs ist PPR, die Anmeldung erfolgt über die Webseite und die App Aerops, ebenfalls die Landemeldung und Bezahlung der Landegebühren. Nördlich Budapest liegt allerdings das Pilisgebirge, was einen Anflug nach Budaörs dann unnötig eng und kompliziert macht.

Mit Uber war ich schnell in der Stadtmitte, und konnte nach den drei ereignisreichen Legs des Tages bei Straßenmusik und gutem Essen den Sonnenuntergang am Donauufer genießen. Mein Ziel des nächsten Tages war bereits der Heimatplatz Braunschweig-Wolfsburg (EDVE). Nach einem guten Mittagessen am Flugplatz Benešov (LKBE) ging es auf direktem Kurs nach Hause.

Strand und Altstadt von Sosopol beim Fliegen über OsteuropaStrand und Altstadt von Sosopol beim Fliegen über Osteuropa
Auch aus der Luft sehenswert: Strand und Altstadt von Sosopol, das auf einer Halbinsel im Schwarzen Meer liegt. Bild: Götz Ulrich

Wie viel Planung steckt hinter diesem Abenteuer?

Ein solcher Trip erfordert lange Planung, auch hinsichtlich der Flugregeln der Länder, Handling und Abstellen an den Flugplätzen, sowie Tankmöglichkeiten. Letztlich gibt es immer wieder Überraschungen unterwegs. Eine gute Vorbereitung hat das Fliegen nach Osteuropa ans Schwarze Meer zu einem erfüllten Traum werden lassen.

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