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Kroatien und Slowenien: Herrliche Ziele für Ihren Privatflug!

Die Adriaküste mit ihren Inseln ist die Hauptattraktion bei Flügen nach Kroatien. In Slowenien lohnt auch das Hinterland.

Von Thomas Borchert
Kroatische Adriaküste
Endlose Inselketten: Entlang der kroatischen Adriaküste bieten die vielen Inseln stets neue Anblicke für Überflieger. Bild: Andrea Lukner

Mag sein, dass Kroatien und Slowenien weit entfernt erscheinen. An der Distanz kann das aber nicht liegen: Vom Süden Deutschlands sind es gerade mal 150 Nautische Meilen, dann ist man schon mitten in Slowenien. Ganz klar: Es sind vor allem die Alpen, die eine fliegerische Herausforderung auf dem Weg ans Mittelmeer sein können. Wenn allerdings das Wetter mitspielt, dann sind die beiden Länder an der Adria sehr lohnende Ziele für einen Privatflug. Das liegt auch daran, dass sie fliegerisch keine besondere Herausforderung sind – auch wenn das beim ersten Blick auf die Luftraumstruktur anders erscheinen mag.

Als Privatpilot nach Slowenien und Kroatien fliegen

Schauen wir uns also beide Länder näher an. Auch wenn Slowenien zuerst auf dem Weg liegt, geben wir Kroatien den Vortritt. Denn hier hat sich Anfang letzten Jahres eine wesentliche Änderung ergeben: Kroatien ist seitdem nicht mehr nur EU-Mitglied, sondern auch Schengen-Staat. Seit dem Frühjahr zeigt sich das auch in der AIP: Wer aus anderen Schengen-Ländern einreist, braucht keinerlei Kontrollen, er kann an allen Flugplätzen landen. Nur ein Flugplan ist weiterhin erforderlich.

Was Kroatien für Piloten so reizvoll macht

Die meisten Piloten zieht es in Kroatien vor allem an die Küste. Das liegt zum einen daran, dass dort die meisten Flugplätze zu finden sind. Und zum anderen hat es damit zu tun, dass die vielen Inseln entlang der Adria aus der Luft einen wunderschönen Anblick bieten – und am Boden alle Möglichkeiten eines Badeurlaubs. Damit sind sie hervorragende Ziele für einen Privatflug. Typisch für Kroatien: Sandstrände sind selten; felsige Küsten die Norm. Deshalb ist der Einstieg ins Meer über gemauerte Kais und Badeleitern nicht ungewöhnlich.

Entlang der Küste sind verschiedene VFR-Flugrouten in den Karten zu finden, denen Piloten folgen sollten. Sie tragen die Bezeichnung »Adria« sowie eine Nummer – entsprechend kann man an ATC zum Beispiel melden: »… following Adria 4 route southbound …« Auch im Inland gibt es VFR-Routen, die bevorzugt genutzt werden sollen. Die Verwendung ist allerdings – anders als in früheren Zeiten – nicht mehr zwingend.

Dubrovnik/Kroatien: Großer Tipp für PilotenDubrovnik/Kroatien: Großer Tipp für Piloten
Teuer, aber ein »Muss«: Dubrovnik mit seiner gut erhaltenen Stadtmauer ist eine faszinierende Stadt. Sie diente als Kulisse für die TV-Serie »Game of Thrones«. Bild: Shutterstock / Ljupco Smokovski

Flugplanaufgabe und der kroatische Luftraum

Was die Flugplanaufgabe angeht, sind die Routen etwas problematisch: Die gängigen Computersysteme zur Flugplanaufgabe kennen weder die Routen noch die VFR-Wegpunkte, durch die sie definiert sind. Man kann sich entweder behelfen, indem man die Punkte von der Navigations-App als Längen- und Breiten-Koordinaten angeben lässt, oder Funkfeuer und IFR-Wegpunkte auswählt, die dem Routenverlauf ungefähr entsprechen. Tatsächlich fliegt man dann aber die VFR-Route ab.

Es gibt allerdings eine Besonderheit im kroatischen Luftraum, die eine freie Streckenwahl einschränkt: Bereits in 1000 Fuß MSL (am Wasser) oder AGL (im Binnenland) beginnt fast überall im Land Luftraum der Klasse C oder D. Der darf bekanntlich nur mit Freigabe und in Kontakt mit einem Fluglotsen beflogen werden. Üblicherweise spricht man mit einem Radarlotsen. Den sollte man informieren, welche Route man fliegen will und welche Ziele man bei seinem Privatflug hat; Änderungen müssen angefragt werden.

Allerdings: Die kroatischen Lotsen erteilen selten richtige Freigaben in der Form »cleared to follow Adria 2 route« oder ähnlich. Wenn man sich beim Einflug in den kroatischen Luftraum meldet und angibt, dass man der Route Adria 2 folgen möchte, kommt höchstens ein knappes »approved«. Die Freigaben sind oft eher implizit aus fehlendem Widerspruch abzuleiten.

Drei Tipps für die Adria-Flugrouten

  1. Fliegen Sie nicht zu hoch, Sie wollen ja etwas sehen. 1500 Fuß reichen fast überall gut aus, um die ein oder andere Insel zu überfliegen.
  2. Rechnen Sie stets damit, dass Sie nicht das einzige Flugzeug auf der Route sind.
  3. Die seeseitigen Adria-Routen bieten rechts sitzenden Passagieren vor allem einen Blick aufs offene Meer. Etwas näher am Festland gibt es alternative Routen, die nach rechts einen Blick auf die Inseln bieten.

Fliegen in Kroatien: Welche Inseln lohnen sich?

Kurz hinter der nördlichen Landesgrenze ist der Flugplatz Losinj (LDLO) auf der gleichnamigen Insel ein beliebtes Ziel. In einer Bucht nahe dem Ort Mali Losinj finden sich drei sehr schöne Hotels, die alle dem gleichen Besitzer gehören. Doch auch anderswo auf der Insel gibt es eine breite Auswahl an Unterkünften für einen Bade- oder Bootsurlaub.

Nicht weit entfernt ist die kleine Insel Unije, auf der eine Graspiste viele Jahre ein Geheimtipp war. Dann wurde sie geschlossen. Nun soll die Bahn wieder zugänglich sein – allerdings war es uns nicht möglich, konkrete und gesicherte Auskünfte zu bekommen.

Abend auf der Insel UnijeAbend auf der Insel Unije
Die Insel Unije in Kroatien hat eine einfache Piste, die lange geschlossen war, nun aber wieder geöffnet sein soll. Der Ort ist von dort zu Fuß zu erreichen. Bild: Rüdiger Drews

Städtereise in Kroatien: Zadar, Brač oder Dubrovnik?

Folgt man der Küste weiter, kommen Zadar (LDZD) und Split (LDSP) – große Flughäfen, die aber auch von kleinen Maschinen anfliegbar sind. Allerdings empfiehlt sich vor Split eher die dort gelegene Insel Brač (LDSB) mit ihrem Flugplatz. Sie ist recht groß, mit der Fähre kommt man hinüber auf die Nachbarinsel Hvar. Beide sind sehr sehenswert und lohnen einen mehrtägigen Aufenthalt, auch zum Baden.

Folgt man der Küste weiter, gelangt man kurz vor der Grenze zu Montenegro nach Dubrovnik (LDDU). Der große Verkehrsflughafen hat vor einiger Zeit ein neues und sehr schönes Terminal für die Allgemeine Luftfahrt errichtet. Das muss offenbar finanziert werden: Mit etwa 200 Euro Gebühren ist inzwischen in Dubrovnik zu rechnen.

Man kann es nicht anders sagen: Die wunderschöne Stadt ist den hohen Preis wert. In der Hauptsaison ist sie allerdings auch durch Passagiere von Kreuzfahrtschiffen sehr überlaufen. Trotzdem: Ein Rundgang auf der Stadtmauer mit einem Besuch der Buža Bar auf den Felsen davor ist ein tolles Erlebnis. Beim abendlichen Rundgang durch die Altstadt findet sich leicht ein Restaurant fürs Dinner.

Fliegen über die Alpen SloweniensFliegen über die Alpen Sloweniens
Die Alpen Sloweniens: 2864 Meter hoch ist der Triglav, der höchste Berg Sloweniens. Die Julischen Alpen drumherum sind spektakulär. Bild: Silvia Buhr

Was Slowenien für Piloten so spannend macht

Die bekannten und auch niedrigeren Pässe durch die Alpen enden meist in Norditalien. Von dort kann man bis ans Meer fliegen und dann nach Osten Slowenien anfliegen. Passt das Wetter, sollte man noch in Österreich nördlich des letzten Kamms etwas nach Osten ausweichen und Villach am Wörthersee ansteuern. Gleich südlich davon bilden die Karawanken das Grenzgebirge zu Slowenien. Am Wegpunkt NIPEL sind sie knapp 6000 Fuß hoch.

Hier beginnt eine der VFR-Routen durch Slowenien, deren Befolgung empfohlen wird, aber nicht vorgeschrieben ist. Mit ausreichend Höhe kann man sich Richtung Westen den Nationalpark Julische Alpen ansehen, der beeindruckende Gipfel aufweist. Dazu zählt der höchste slowenische Berg Triglav mit 2864 Metern. Aus der Luft gut zu erkennen ist das olympische Trainingszentrum für Skispringer mit gleich mehreren Sprungschanzen in einem einzigen Tal.

Fliegen in Slowenien: Piran von obenFliegen in Slowenien: Piran von oben
Schöne Altstadt: Nicht weit hinter den Alpen liegt Piran malerisch am Meer. Der Flugplatz Portorož erlaubt den einfachen Zugang. Bild: Philipp Hayder

Die schönsten Flieger-Ziele in Slowenien

Richtung Süden stößt man bald auf den Flugplatz Lesce-Bled (LJBL). Dessen Flugplatzrestaurant wird viel gelobt, doch auch die etwa 15 Euro teure Taxifahrt nach Bled lohnt sich. Der Ort liegt an einem malerischen Bergsee – und in dessen Mitte die einzige Insel Sloweniens. Mit Ruderbooten gelangt man dorthin. Alternative ist ein Spaziergang zur Burg, die auf einer steilen Klippe über all dem thront. Am gegenüberliegenden Ufer findet sich eine Residenz des ehemaligen jugoslawischen Staatschefs Tito, die heute ein Café ist.

Burg von BledBurg von Bled
Die Burg von Bled: Am Rand der Julischen Alpen ist die Stadt Bled mit ihrem Flugplatz einen Besuch wert. Die Burg thront hoch über dem See. Bild: Thomas Borchert

Die Hauptstadt Ljubljana hat ein junges und lebendiges Flair. Weiter im Binnenland ist auch Maribor besuchenswert. Und dann ist da noch der Flugplatz Portorož (LJPZ) am Meer, kurz vor der Grenze zu Kroatien. Fast legendär ist unter Piloten die Flasche Schnaps an der Flugplatzkasse, die mit »Jet A1« beschriftet ist – jedem Piloten, der über Nacht bleibt, wird ein Schluck angeboten.

Privatflug Ziele: Piste von PortorožPrivatflug Ziele: Piste von Portorož
Tolle Lage: Zwischen Salinen und Salzwiesen ist die Piste von Portorož gut erreichbar. Die nahen Orte Piran und Portorož lohnen einen Besuch. Bild: Philip Hayder

Portorož: Mehr als nur ein Zwischenstopp

Früher war Portorož oft nur ein Zwischenstopp für die Grenzkontrolle auf dem Weg nach Kroatien. Jetzt, da dieses Land Schengen-Mitglied ist, wird sich das wohl ändern. Aber Portorož ist einen eigenen Besuch wert – vor allem, wegen der ein Stück weiter gelegenen Stadt Piran, die mit ihrer venezianischen Vergangenheit sehenswert ist. Großer Vorteil in Portorož: Am Platz steht ein Mietwagen des Anbieters app2drive, den sich Piloten auch für ein Mittagessen in Piran ausleihen können.

Wenn also das Wetter über den Alpen mitspielt, ist ein Ausflug Richtung Adria wirklich sehr zu empfehlen – und fliegerisch ausgesprochen einfach.

Venezianische Gebäude in Piran/SlowenienVenezianische Gebäude in Piran/Slowenien
Venezianisch: Die Bauten in Piran erinnern an die Zeit, als Venedig die Adria beherrschte. Bild: Picasa

Kroatien-Tipps für Piloten:

  • Einreise: Kroatien ist Schengen-Mitglied und EU-Land. Es sind also weder Zoll- noch Grenzpolizeikontrollen erforderlich.
  • Flugplan: Für Grenzüberflüge ist ein Flugplan erforderlich.
  • Transponder Der Standard-VFR-Code ist im unkontrollierten Luftraum 2000.
  • Wetterinformationen: Unter crocontrol.hr/en/ sind Wetter- und Fluginformationen kostenlos verfügbar.
  • Ultraleichtflugzeuge: Für in Deutschland registrierte ULs ist keine besondere Genehmigung erforderlich.
  • FIS: Zagreb Information ist für das gesamte Staatsgebiet zuständig. Da aber der kontrollierte Luftraum D oder C praktisch überall schon in 1000 Fuß AGL beginnt, ist man fast immer mit einem Lotsen unter dem Rufzeichen Radar in Kontakt.

Slowenien-Tipps für Piloten:

Privatflug Ziele: Inselkirche von BledPrivatflug Ziele: Inselkirche von Bled
Die Inselkirche von Bled: Mit Ruderbooten ist die Insel mitten im See von Bled erreichbar. Die Ruderer erinnern an die Gondoliere von Venedig. Bild: Thomas Borchert
  • Einreise: Slowenien ist EU- und Schengen-Mitglied. Es sind weder Zoll- noch Grenzpolizeikontrollen erforderlich.
  • Flugplan: Für Grenzüberflüge ist ein Flugplan erforderlich.
  • Transponder: Der Standard-VFR-Code ist im unkontrollierten Luftraum 7000, im kontrollierten 2000.
  • Wetterinformationen: Unter meteo.arso.gov.si/met/en/aviation/ sind Wetterinformationen kostenlos verfügbar.
  • Ultraleichtflugzeuge: Für in Deutschland registrierte UL ist keine besondere Genehmigung erforderlich.
  • FIS: Ljubljana Information ist für das gesamte Staatsgebiet zuständig. Entlang der ausgewiesenen VFR-Routen soll Kontakt mit ATC gehalten werden.
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Über den Autor
Thomas Borchert

Thomas Borchert begann 1983 in Uetersen mit dem Segelfliegen. Es folgte eine Motorsegler-Lizenz und schließlich die PPL in den USA, die dann in Deutschland umgeschrieben wurde. 2006 kam die Instrumentenflugberechtigung hinzu. Der 1962 geborene Diplom-Physiker kam Anfang 2009 vom stern zum fliegermagazin. Er fliegt derzeit vor allem Chartermaschinen vom Typ Cirrus SR22T, am liebsten auf längeren Reisen und gerne auch in den USA.

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