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Touch & Go: Flugplatz Cheb in Tschechien

Lust auf einen Kurztrip ins Ausland? Tschechien ist unkompliziert mit dem Kleinflugzeug zu bereisen, und der Flugplatz Cheb liegt ganz in der Nähe der bekannten Kurorte.

Von Redaktion
Altstadt
Gut erkennbar: Die Altstadt von Cheb mit ihren leuchtend roten Dächern und der Kirche St. Nikolaus. Foto: Gernot Krämer

Jeder der Kurorte des westböhmischen Bäderdreiecks hat seine Reize. Karlsbad ist der berühmteste und mondänste, Marienbad nach Größe und Besucherzahl die Nummer zwei, Franzensbad der kleinste und ruhigste.

Doch wie sieht die Sache für Piloten aus? Der Karlsbader Flughafen ist nicht ganz billig, und Marienbad lässt sich seit Schließung der Flugplätze Marienbad und Křiženec aus der Luft nicht mehr erreichen. Franzensbad jedoch hat mit dem Flugplatz Cheb (Eger) noch immer eine familiäre und unkomplizierte Destination, um dort zu landen.

Flugplatz Cheb: Eine familiäre und unkomplizierte Destination

Meine Frau und ich kennen Franzensbad von einer Sommerreise mit dem Auto. Nun ist ein Tagesausflug mit der Piper Archer geplant. Von Berlin kommend fliegen wir übers Erzgebirge, und ich rufe Praha Information, um uns im tschechischen Luftraum anzumelden. Doch gleich darauf, unmittelbar bei Grenzüberflug, verlasse ich die Frequenz schon wieder, da Cheb so nah ist. Freundlich weist mich der Controller darauf hin, dass ich ihn beim Rückflug nicht wieder zu rufen bräuchte.

Flugplatz ChebFlugplatz ChebFoto: Gernot Krämer
Traditionsreich: Der Flugplatz Cheb war der erste der Tschechosloswakei.

Der Flugplatz Cheb ist ein gutes Ziel, um sich an Auslandsflüge heranzutasten. Einen Flugplan braucht man nicht, und wer hier unbedingt deutsch funken möchte, kann selbst das nach vorheriger Absprache tun. Möglich macht das Luděk Matějíček vom örtlichen Ultraleichtflugclub, der uns nach der Landung in Empfang nimmt.

An Auslandsflüge herantasten: auf Deutsch funken ist nach Absprache möglich

Zur Begrüßung schenkt er uns einen Stadtplan und ein kleines deutsch-tschechisches Vokabelheft – mehr schöne Geste, denn wir treffen kaum jemanden, mit dem wir uns nicht auf Deutsch verständigen könnten. Wir bejahen die Frage, ob wir ein Taxi brauchen, und während wir darauf warten, gucke ich mir im Clubhaus die kleine Fotoausstellung zur bewegten Flugplatz-Geschichte an. Luděk darf als Experte gelten, er hat darüber ein vor Ort erhältliches Buch geschrieben (auf Tschechisch).

Foto: Gernot Krämer
Heute ganz zivil: Seine militärische Herkunft sieht man LKCB noch immer an.

Der erste Egerer Flugplatz entstand 1916/17 für die Österreichisch-Ungarische Armee; nach der Unabhängigkeit der Tschechoslowakei war er zunächst der einzige auf dem gesamten Territorium des neuen Staats und blieb militärisch. Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs trotzte Nazi-Deutschland der Tschechoslowakei das Sudetenland ab: So kam Eger zum Deutschen Reich, der Flugplatz wurde zum Stützpunkt der Luftwaffe. Die Flugzeugwerke Eger (FWE) produzierten bis kurz vor Kriegsende Kampfflugzeuge für Messerschmitt und Heinkel. Am 29. April 1945 wurde der Platz völlig zerstört und erst später von der tschechoslowakischen Luftwaffe wieder genutzt. Heute wird er vom UL-Club Cheb (ULC) betrieben, der im Sommer die populären Egerer Flugtage organisiert.

Mit dem Taxi vom Flugplatz Cheb zum Marktplatz

Unser Taxi ist da, und in wenigen Minuten sind wir am Marktplatz von Cheb. Auf der Terrasse eines Restaurants genießen wir die deftige böhmische Küche – schade nur, dass ich als PIC zum Essen nicht auch ein gutes böhmisches Bier trinken darf. Meine Frau prostet mir vergnügt mit ihrem zu.

SkulpturSkulpturFoto: Gernot Krämer
Kurios: Eine Skulptur an einem Haus in der Krämergasse zeigt David und Goliath – die Gesichter sind dem Dalai Lama und dem Boxer Mike Tyson nachempfunden.

Von unserem Tisch blicken wir über den Platz auf eine der Sehenswürdigkeiten Chebs, das sogenannte Stöckl (Špalíček): ein Ensemble von elf schmalen und für die damalige Zeit sehr hohen Kaufmannshäusern, sozusagen Hochhäuser des Mittelalters. Zwischen ihnen führt wie eine miniaturisierte New Yorker Straßenschlucht die schmale, allenfalls mit Zweirädern befahrbare Krämergasse (Kramářská) hindurch.

Pachelbelhaus: ein Überbleibsel aus dem Mittelalter

Das heute mit gut 32 000 Einwohnern eher beschauliche Cheb zählte im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit zu den größten und reichsten Städten Böhmens. Geschichtsbewanderte wissen, dass im Februar 1634 hier der berühmte Feldherr Albrecht von Wallenstein ermordet wurde.

PachelbelhausPachelbelhausFoto: Gernot Krämer
Tatort: Das Pachelbelhaus in Cheb ist heute ein Museum mit Exponaten zum Mord an Wallenstein – der legendäre Feldherr wurde 1623 hier gemeuchelt.

Das Pachelbelhaus, Ort des gruseligen Geschehens, beherbergt heute ein Museum, wo Kuriosa wie die Tatwaffe und Wallensteins ausgestopftes Lieblingspferd zu sehen sind. Unser Stadtrundgang führt uns weiter durch gewundene Gassen zur Kaiserpfalz, die auf einem Felsen über der Ohře (Eger) liegt. Aus den Zeiten Kaiser Friedrich Barbarossas, der sie Ende des Zwölften Jahrhunderts ausbaute, stehen noch Außenmauern und der massige Schwarze Turm.

Gelateria Corso: Hier gibts das beste Eis der Stadt

Zurück am Markt folgen wir der Empfehlung unseres Taxifahrers und stellen uns in die Warteschlange für das beste Eis der Stadt, bei der Gelateria Corso. „Eiscreme“ ist übrigens mit fünf aufeinanderfolgenden Konsonanten ein Klassiker der tschechischen Sprache: „zmrzlina“ – und bei Corso wirklich ausgesprochen köstlich!

KaiserpfalzKaiserpfalzFoto: Gernot Krämer
Trutzig: Der Schwarze Turm ragt aus den Überresten der Kaiserpfalz, einer Festungsanlage aus dem 12. Jahrhundert.

Von Cheb sind es etwa sechs Kilometer nach Franzensbad (Františkovy Lázně) auf der anderen Seite der Ohře. Das Kurviertel entstand im 19. Jahrhundert, es bildet eine harmonische städtebauliche Einheit im Stil des Klassizismus und der Belle Époque. Hauptachse ist die repräsentative Národní třída (Nationalstraße); die Kantenlänge des quadratisch angelegten (und überschaubaren) Kurviertels beträgt nur je 300 Meter, rundherum sind Wälder und Parkanlagen, in denen sich die Pavillons der verschiedenen Trinkbrunnen verteilen.

CasinoCasinoFoto: Gernot Krämer
Spielend reich! Mondänes Casino an der Kurallee in Franzensbad.

Dass es hier eine angemessene Auswahl an Restaurants  und Cafés gibt, versteht sich von selbst. Genannt sei nur das Gesellschaftshaus von 1795 mit seinem plüschigen Goethe-Restaurant. Das moderne Franzensbad steht nur wenige hundert Meter entfernt in Gestalt des Erlebnisbads Aquaforum mit Wellnesszentrum und Saunalandschaft. Für uns wird es Zeit, wir müssen zurück. Wir drehen eine Extrarunde mit der Piper und sehen uns die eben besuchten Orte vor dem Rückflug von oben an.

Text & Fotos: Gernot Krämer fliegermagazin

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