UL-Flug auf den Philippinen: Ein Geheimtipp für Piloten
Ein Forschungsprojekt führt unseren Autor und Hochschullehrer nach Mati City auf die Philippineninsel Mindanao. Natürlich erkundet er die Landschaft auch per Ultraleichtflugzeug aus der Luft. Das ist hier mit der deutschen UL-Lizenz erstaunlich unkompliziert möglich.
Die schlechte Nachricht zuerst: An diesen Ort gelangen wohl die wenigsten mit dem eigenen Flugzeug – die 10 000 Kilometer von Deutschland bis in den Südosten der Philippinen lässt man sich besser fliegen. Mit einem Zwischenstopp in Doha oder Singapur ist Davao International auf der Insel Mindanao gut erreichbar. Von dort aus sind es noch drei Stunden Autofahrt bis Mati City.
Aber was will man dort? Ich bin ein Semester lang beruflich dort gewesen und habe in meiner Freizeit Gelegenheit gehabt, bei einem UL-Flug die atemberaubende Landschaft der Philippinen zu erleben. Was wahrscheinlich die wenigsten wissen: In den Philippinen darf man ohne nationale Flugberechtigung mit einem UL in die Luft, wenn denn ein lokaler Flugverein das ausreichende Können des Piloten überprüft hat.
Insel PujadaMit deutscher Lizenz ins tropische Flugabenteuer
Nun gibt es allerdings nur zwei solcher Vereine im Land, nämlich eben in Mati und in Angeles. Wer also die Nase voll hat von miesem Wetter ohne VFR-Bedingungen im deutschen Winter, aufgrund durchweichter Graspisten gegroundet ist oder einfach einmal etwas Exotischeres als Bielefeld aus der Luft entdecken möchte, dem kann ich den Flugplatz Mati (RPMQ) mit der zugehörigen Infrastruktur wärmstens empfehlen.
Damit meine ich auch das herrliche Wetter, das ganze Jahr über. Am Platz geht es ziemlich ruhig zu und die 1500 Meter lange asphaltierte Piste wird sonst nur von ein paar Flugschulen aus Davao benutzt. Minimal ändern könnte sich das nur dann, wenn die Pläne für eine regelmäßige Flugverbindung nach Cebu oder Manila tatsächlich einmal umgesetzt werden.
Sandstrand von Mati So läuft der UL-Flug auf den Philippinen ab
Im Gegensatz zu den abenteuerlichen technischen Zuständen der meisten Straßenfahrzeuge geht es beim Mindanao Saga Flight Club preußisch diszipliniert zu, mit einem Team von Flugzeugtechnikern, das sich gewissenhaft um die Wartung und die Einweisung auf die Fluggeräte kümmert. Fluglehrer Chris und Manager King Sievert lassen Gastpiloten alleine mit Aeroprakt A-22 oder Quicksilver Sport 2S fliegen, nachdem sie sich von den Fähigkeiten des Piloten überzeugen konnten und die Einweisung auf das Muster erledigt ist.
Die Stunde nass mit Lehrer gibt es für 7000 Philippinischer Peso, also rund 110 Euro. Pro Landung werden dann noch gut zehn Euro fällig. Mati City ist ein einmalig schöner Ferienort mit einem zwei Kilometer langen weißen Sandstrand und einer reichen Infrastruktur mit Hotels, Restaurants und Bars samt Live-Musik. Allerdings merkt man am Strand davon fast nichts und hat oft 50 Meter Abstand zum nächsten Strandbesucher.
Georg Bastian mit Aeroprakt A-22Türkisfarbenes Meer und spektakuläre Berge
Aus der Luft kann man nicht nur das türkisfarbene Meer und die Strände bewundern, sondern auch kleine Inseln und Korallenriffe, den Berg Hamiguitan (ein UN-Weltnaturerbe) oder die Berglandschaft rund um Maragusan, die bis auf eine Höhe von 2500 Metern ansteigt. Die meisten umliegenden Flugplätze sind allerdings entweder nur für Bananenflieger in Privatbesitz oder aber nicht für Ultraleichtflugzeuge zugelassen.
Bilang in einer Entfernung von 45 Flugminuten lädt hingegen zu einem Zwischenstopp ein, um dort die größten Wasserfälle der Philippinen namens Tinuy-an zu bestaunen und sich gleich selbst ins Nass zu stürzen. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass man keine Lust mehr zum Fliegen hat, gibt es sagenhafte Tauch-Spots mit Dugongs (Gabelschwanzseekühen), Schildkröten, Delfinen und Kraken.
UL-Flug: Philippinen von obenWarum sich Mati City auch am Boden lohnt
Außerdem werden Bergwanderungen angeboten. Ein zehnstündiger Grundkurs im Golfen kostet hier mit Lehrer und Leihausrüstung nur rund 160 Euro. Surfen, Schnorcheln oder Schwimmen geht natürlich auch. Es regnet leider? Dann ab ins lokale Kulturmuseum.
Das Freundlichste in Mati City sind aber die Menschen: neugierig, ehrlich und hilfsbereit. Man kann auf Englisch leicht ins Gespräch kommen. Am Strand lasse ich meine Taschen ohne Sorge unbeaufsichtigt liegen. Kriminalität ist hier nahezu unbekannt. Die Horrormeldungen über Gefahren in Mindanao stammen aus der Vergangenheit und galten ohnehin nur für den Westen der Insel.
Cockpit beim UL-Flug PhilippinenUnterkünfte gibt es am Flugplatz mit Motorenlärm als Wecker und leckerem Frühstück für 45 Euro pro Nacht im Doppelzimmer. Ein tolles Abendessen mit Getränken im Strandrestaurant kostet lächerliche zehn Euro. Ein einziges Vier-Sterne-Hotel bietet die Stadt dann auch – so um die 80 Euro pro Nacht kostet das Logieren dort. Ein Roller kostet 13 Euro pro Tag, ein Auto 35 Euro. So lässt sich die Insel unkompliziert nach Lust und Laune aus der Luft oder am Boden erkunden. Eins ist sicher: Der weite Weg lohnt sich!



