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Flugunfall bei schlechtem Wetter: Die fatalen Fehler im Cockpit

Für die »Feierabendrunde« genügt zur Wetterkontrolle der Blick in den Himmel. Diese Nachlässigkeit kostet einen 64-jährigen beim Anflug auf Burg Feuerstein das Leben.

Von Martin Schenkemeyer Fliegermagazin bei Google bevorzugen
Cockpit nach Flugunfall durch schlechtes Wetter
Das Cockpit wurde komplett zerstört, der Pilot starb am Unglücksort. Bild: BFU Cockpit nach Flugunfall durch schlechtes Wetter

An einem Märztag bricht der Pilot mit seiner Cessna 177B alleine zu einem Rundflug von seinem Heimatflugplatz Burg Feuerstein (EDQE) aus auf. Um 16.30 Uhr startet er auf Piste 26 des Verkehrslandeplatzes und fliegt anschließend in nordwestliche Richtung. An Bamberg vorbei führt ihn seine Route weiter nach Westen, bis er Würzburg erreicht. Hier entscheidet er sich um 17.07 Uhr zur Umkehr nach Burg Feuerstein.

Um 17.25 Uhr nimmt der Pilot Kontakt mit dem Turm auf und erhält die Information, dass aus dem Nordwesten ein »ziemlich starker Schauer« heranzieht. Daraufhin erklärt der Pilot, dass er eine Lücke finden und sich beeilen wolle. Zwei Minuten später teilt der Betriebsleiter dem Piloten mit, dass der Schneeschauer nun direkt über dem Platz sei. Der Pilot bestätigt dies und gibt an, dass er kein Risiko eingehen wolle.

War der Flugplatz überhaupt noch sicher erreichbar?

Kurze Zeit später fragt er dennoch, ob der Platz erreichbar sei? Der Betriebsleiter beschreibt die Bedingungen daraufhin mit »maximal zwei« auf einer Skala von null bis zehn. Nun will der Pilot wissen, wie hoch die Wolkenuntergrenze ist und erhält die Antwort: »fast aufliegend« sowie die Empfehlung, angesichts des schlechten Wetters nach Herzogenaurach oder Nürnberg auszuweichen.

In der Zwischenzeit hat sich die Cardinal dem Flugplatz angenähert und der Pilot fliegt mehrere Kurven und Kreise in unmittelbarer Nähe. Um 17.34 Uhr fragt er nun, ob das Licht auf dem Dach des Turms eingeschaltet sei. Währenddessen kurvt er in einer Höhe von 130 Metern über der Piste.

zerstörtes Flugzeug nach Flugunfall durch schlechtes Wetterzerstörtes Flugzeug nach Flugunfall durch schlechtes Wetter
Die Unfallstelle lag 1,8 Kilometer südöstlich der Schwelle zur Piste 26. Die Cessna 177B touchierte 25 Meter hohe Bäume und kam auf dem Gelände eines Kindergartens zur Endlage. Bild: BFU

So kam es zu dem Flugunfall bei schlechtem Wetter

Nun gibt der Flugleiter den schwachen Bodenwind über Funk durch und teilt mit, dass sich der Pilot die Piste aussuchen könne. Um 17.40 Uhr funkt dieser »Ich probiere jetzt die 26.« Daraufhin fliegt er in 100 Metern über der Schwelle zunächst in südliche Richtung, anschließend eine steile Linkskurve und dann drei Vollkreise nach rechts.

Um 17.45 Uhr stürzt das Flugzeug nahe der Burg Feuerstein auf das Gelände eines Kindergartens. Der Pilot verstirbt an der Unfallstelle. Am Boden kommt glücklicherweise niemand zu Schaden.

Die Grenzen des GAFOR

Die Unfallermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) legten im Rahmen ihrer Ermittlungen ihr Hauptaugenmerk auf die Wetterbedingungen zum Unfallzeitpunkt. Ein beim Deutschen Wetterdienst (DWD) in Auftrag gegebenes Gutachten ergibt, dass am Unfalltag eine instabil geschichtete Kaltluftmasse anzutreffen war.

Diese ist grundsätzlich dadurch gekennzeichnet, dass die Sichtflugverhältnisse außerhalb von Schauern und Gewittern gut bis sehr gut sind. Im Bereich der Schauer hingegen sinken Wolkenuntergrenze und Sichtweite stark ab. Dies war auch am Tag des Unfalls der Fall.

WetterkarteWetterkarte
Der Pilot verlässt sich auf die vermeintlich guten GAFOR-Werte und wird von den Niederschlägen mit schlechten Sichten überrascht. Das DWD-Gutachten zeigt Flugweg und Niederschlag. Bild: DWD

War der Flugunfall durch das schlechte Wetter unvermeidlich?

Bezüglich der Flugvorbereitung des Piloten konnte nachvollzogen werden, dass dieser sich am Morgen vor dem Flug beim Briefing-Portal pc_met eingeloggt und für weniger als zwei Minuten die General Aviation Forecast (GAFOR) sowie Radarbilder betrachtet hatte. Die Ermittler stellen fest, dass die GAFOR-Vorhersage zu diesem Zeitpunkt den Zeitraum des Fluges nicht abdeckte und der Abruf daher keine meteorologische Flugvorbereitung gemäß SERA.2010 darstellte.

Allerdings hätte sie ihn auch zu einem späteren Zeitpunkt höchstwahrscheinlich nicht vom Flug abgehalten, da sie für den Unfallzeitpunkt »OSCAR-Sichtverhältnisse« vorhergesagt hat, obwohl tatsächlich »MIKE-Bedingungen« vorherrschten. Dies mag verwundern, ist aber korrekt, da die Schauer und Gewitter weniger als 50 Prozent des GAFOR-Gebietes betrafen.

Grafik des FlugwegsGrafik des Flugwegs
Im Bereich der Platzrunde fliegt der Pilot Kurven, entscheidet sich aber trotz tiefer Bewölkung und schlechter Sicht gegen den Anflug von Ausweichplätzen. Bild: BFU

Überschätzte der Pilot seine eigenen Fähigkeiten?

Ein weiterer Aspekt, den die Unfalluntersucher genauer betrachteten, war die Entscheidung des Piloten, in den Schneeschauer einzufliegen. Im Abschlussbericht der BFU heißt es dazu, dass der Pilot höchstwahrscheinlich auf seine Erfahrung vertraute. Er hatte mehr als 1000 Flugstunden Erfahrung und war mit seinem Flugzeug und der Umgebung bestens vertraut.

Zur Erklärung dessen, was dann passierte, bemühen die Ermittler das Modell zur situativen Aufmerksamkeit (SA) nach Endsley. Demnach hat der Pilot die Problematik anfangs verstanden, worauf auch seine Aussagen über Funk hindeuteten. Im Anschluss hat er dann jedoch mutmaßlich seine Fähigkeiten überschätzt. Auf den Vorschlag des Betriebsleiters, zu anderen Flugplätzen auszuweichen, antwortete er nicht. Dieser Aspekt hatte in seiner Flugplanung womöglich keine Rolle gespielt, tauchte somit in seinem mentalen Bild nicht auf und wurde schließlich verdrängt.

Modell, das beim Flugunfall durch schlechtes Wetter abgestürzt istModell, das beim Flugunfall durch schlechtes Wetter abgestürzt ist
Die Cessna 177B Cardinal gilt als unkompliziert zu fliegendes und mit 180 PS Leistung gut motorisiertes Flugzeug (hier ein baugleiches Muster). Bild: Martin Nass

Hätte ein Plan B den Flugunfall bei schlechtem Wetter verhindert?

Stattdessen kurvte er weiter in den Schauer hinein. Die BFU-Mitarbeiter verweisen in diesem Zusammenhang abermals auf das Phänomen des Continuation Bias, also dem Festhalten an einem Plan, koste es, was es wolle. Letztlich, so die Annahme der Untersucher, verlor der Pilot nicht zuletzt aufgrund physischer und geistiger Erschöpfung nach mehreren gescheiterten Landeversuchen die Kontrolle über die Cessna.

Dieser Unfall ist ein mahnendes Beispiel dafür, dass man auch bei noch so kurzen Flügen in vertrauter Umgebung die (meteorologische) Flugvorbereitung nicht vernachlässigen sollte. Außerdem verdeutlicht der tragische Flugunfall bei schlechtem Wetter, wie wichtig es ist, in der Fliegerei grundsätzlich einen Plan B zu haben.

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Über den Autor
Martin Schenkemeyer

Martin Schenkemeyer begann im Jahr 2007 mit dem Segelfliegen. Inzwischen ist er ATPL-Inhaber und fliegt beruflich mit Businessjets um die ganze Welt. In seiner Freizeit ist er als Vorstand seines Luftsportvereins tätig und fliegt an seinem Heimatflugplatz Bad Pyrmont Segelflugzeuge, Ultraleichtflugzeuge und Maschinen der E-Klasse. Für das fliegermagazin ist der Fluglehrer seit 2020 als freier Autor tätig und beschäftigt sich hauptsächlich mit Themen rund um die Flugsicherheit.

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