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Argon GTL: Neuer UL-Tragschrauber mit viel Platz und Leistung

Der Argon GTL von Manufaktura Lotnicza in Polen eignet sich dank seiner großen
Zelle für viele Einsatzzwecke. Im Ausland beträgt die Abflugmasse bis zu 750 Kilogramm. Auch die Autopilot-Option konnte unser Autor ausprobieren.

Von Toni Ganzmann
Argon GTL: Neuer UL-Tragschrauber mit viel Platz und Leistung
Richtig erwachsen: Die Zelle ist fast vollständig verglast und bietet viel Platz für Crew und sperriges Gepäck. Bild: Toni Ganzmann

Der neue UL-Tragschrauber Argon GTL ist in Deutschland mit dem 141 PS starken Rotax 915 iS Turbomotor und 600 Kilogramm MTOM zugelassen. Viele Baugruppen teilt sich das stattlich aussehende Luftsportgerät mit seinem kleineren Bruder Argon Classic 915 iS. Doch seine Zelle ist 50 Zentimeter länger und 20 Zentimeter breiter. Auch die markanten Stummelflügel sind neu.

25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fertigen beide Muster in Sobienie Jeziory, rund 45 Kilometer südöstlich von Warschau. Die Struktur lässt weit mehr zu, als die UL-Klasse hierzulande erlaubt – doch dazu später mehr. Denn zuerst zieht es mich zum Probeflug.

Auf Wunsch ist eine Ausführung mit drei Plätzen verfügbar. Dabei sitzt der Pilot zentral in »Kommandoposition«. Bild: Toni Ganzmann

Das fliegermagazin fliegt den Argon GTL

Beim Werksbesuch liegt die Temperatur bei frischen zwölf Grad, es herrscht leichte Bewölkung und das QNH beträgt 1017 hPa. In der Halle beginnen Krzysztof Wronowski, Luftfahrt Ingenieur und Unternehmensgründer und ich den Vorflugcheck. Die beiden seitlichen Revisionsklappen sind schnell abgenommen. Der fast vollständig eingehauste Motor wird durch Lufteinlässe und Ventilatoren gekühlt.

Ladeluft- und Ölkühler liegen hingegen außerhalb im direkten Luftstrom. Zwei kleine Stummelflügel sorgen für zusätzlichen Auftrieb und bieten zugleich Stauraum. Die Drehenergie für das Vorrotieren wird durch zwei Keilriemen auf die Flexwelle übertragen.

Luxuriös eingerichtet: Die Schalensitze stammen von McLaren und bieten neben dem edlen Bezug auch eine Sitzheizung. Selbst große Crewmitglieder passen problemlos in die geräumige Zelle. Bild: Toni Ganzmann

Jetzt entern wir das Cockpit. Das gelingt dank der großen mit Gasdruckdämpfern versehenen Türen sehr gut. Die große Zelle fasst viel Gepäck. »Ein Klapprad und eine Golftasche passen locker rein«, bemerkt Krzysztof Wronowski. Die McLaren-Schalensitze mit Sitzheizung bieten auch Zwei-Meter-Menschen wie mir ausreichend Platz – nach oben bleiben noch rund zehn Zentimeter Kopffreiheit.

Wie fliegt sich der Argon GTL?

Wir lassen den Rotax an und rollen zur Piste 27. Die Grasbahn ist gut 800 Meter lang und mutmaßlich ein Maulwurfsparadies. Bei arretierter Bremse ziehe ich im Leerlauf den Prerotator auf der Mittelkonsole gefühlvoll zurück, bis sich der Rotor hörbar in Bewegung setzt. Erst bei 150 Rotorumdrehungen pro Minute muss ich Leistung nachführen, um auf 220 Umdrehungen zu kommen. Mit Vollgas hoppele ich nun durch die Pampa.

Nach ungefähr 200 Metern heben wir ab. Auch für Tragschrauber gelten die oberflächenbedingten Zuschläge bei der Startrollstrecke! Der halbvoll betankte Argon GTL schiebt uns bei 95 km/h mit beachtlichen 1.100 Fuß pro Minute nach oben. Zumindest bis zur Wolkenuntergrenze bei 1.500 Fuß.

Hier gehe ich in den Horizontalflug über und lese bei 145 km/h Groundspeed, 4.920 Umdrehungen und 36,2 Inch Ladedruck ab. Abwechselnde Links- und Rechtskreise erfordern etwas Kraft und Aufmerksamkeit beim Pedaleinsatz, damit die Kurven koordiniert bleiben.

Das Garmin G3X Touch Glascockpit ist hier mit einem Autopiloten ausgestattet. Die Level-Funktion bringt das Luftfahrzeug automatisch in einen stabilen Geradeausflug. Bild: Toni Ganzmann

In Steilkurven mit 45° Grad Schräglage bei 145 km/h muss ich zum Halten der Höhe die Leistung auf 5.520 Umdrehungen und 42,1 Inch Ladedruck erhöhen. Der Rundumblick ist überwältigend. Keine Strebe stört in der großen, weit nach unten gezogenen Frontscheibe. Die Türen sind fast vollständig verglast und im Fuß- sowie Dachbereich gibt es weitere Fenster.

Doch noch gönne ich dem UL-Tragschrauber keinen ruhigen Reiseflug. Um die Stabilität zu testen, wechsele ich in kurzen Abständen Höhe und Geschwindigkeit. Dafür nutze ich die elektrische Trimmung und levele den Tragschrauber bei 145 km/h aus.

Wie sind die Flugeigenschaften?

Nun ziehe ich die Nase 30 Grad hoch und lasse den Steuerknüppel los. Der Argon GTL geht sehr langsam in den Sinkflug über, holt dabei Fahrt auf und kehrt gemächlich wieder zurück auf den ursprünglichen horizontalen Kurs. Jetzt folgt das gleiche Manöver mit 30 Grad Nose down. Nach der Fahrtaufnahme steigt die Nase langsam über den Horizont, um anschließend wieder auf den Levelflug zurückzukehren. Bei beiden Manövern tendiert der Tragschrauber dazu, nach rechts abzukippen, was aber problemlos korrigierbar ist.

Nun nehme ich die Fahrt langsam heraus und kann mit der Motorleistung die Höhe bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h halten. Da jetzt der Sinkflug einsetzt, gehe ich ganz in den Leerlauf, reduziere die Fahrt auf null und autorotiere senkrecht nach unten. Mit sehr moderaten 1200 Fuß pro Minute segeln wir der Erde entgegen.

Für den Landeanflug empfiehlt mein Begleiter 100 km/h Fahrt. Das Rotorsystem speichert so viel kinetische Energie, dass ich den UL-Tragschrauber lange im Abfangbogen schweben lassen kann, bevor er weich aufsetzt. Auch bei Anflügen mit nur 70 km/h bricht die Rotordrehzahl im Flare nicht überraschend zusammen.

Selbst ein Autopilot ist lieferbar

Der Demonstrator ist mit einem Garmin G3X Touch Glascockpit samt Autopilot ausgestattet. In Deutschland darf dieser derzeit nicht in Luftsportgeräte verbaut werden. Ausprobiert habe ich ihn im polnischen Luftraum. Der Dreichachs-Autopilot hält den Argon GTL bei 145 km/h sauber auf Kurs und Höhe. Dann teste ich das Sicherheits-Feature LVL.

Dazu bringe ich den Argon GTL in eine unkoordinierte Fluglage und drücke die LVL-Taste. Sofort geht der Tragschrauber in einen stabilen Horizontalflug über. Der Pilot muss nur Motorleistung und Fahrt im Blick behalten. Die Level-Funktion erhöht die Sicherheit in Notsituationen und spricht für Autopiloten in ULs.

Für viele Missionen geeignet – die Zelle ist für eine MTOM von bis zu 750 Kilogramm ausgelegt. Eine eigene Abteilung entwickelt kundenspezifische Versionen des Argon GTL. Bild: Toni Ganzmann

Im Ausland ist der Argon GTL auch mit dem großen Rotax 916 iS Turbomotor mit 160 PS Leistung und drei Sitzplätzen lieferbar. Die MTOM liegt dann bei bis zu 750 Kilogramm. In dieser Gewichtsklasse ist auch die Montage von Kameras, Radar- und Infrarotsystemen möglich.

Die werkseigene Abteilung »Argo Defense« kümmert sich um derlei Spezialwünsche. Auch eine Ambulance-Version mit aufklappbarer Frontscheibe gibt es bereits als Prototyp.

Mein Fazit: Der Argon GTL ist, ebenso wie sein kleinerer Bruder, ein leistungsstarker und unkompliziert zu fliegender UL-Tragschrauber. Die große und variable Zelle ist dabei ein starkes Verkaufsargument.

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Technische Daten
  • 2,31 m
  • 5,54 m
  • 2,80 m
  • 1,25 m
  • 371 kg
  • 600 kg
  • 229 kg
  • 2 - 3
  • 2x 60 l
  • Rotax 915 iS / 141 PS
  • 20 l/h
  • > 100 m
  • 985 ft/min
  • [email protected]
  • 160 km/h
  • 207 km/h
Über den Autor
Toni Ganzmann

Toni Ganzmann hat europäische und amerikanische Fluglizenzen für Hubschrauber, Motorflugzeuge und Luftsportgeräte und ist als SPL- und PPL-Fluglehrer (FI) und PPL-Flugprüfer (FE) tätig. Professionelle Flugerfahrung erwarb er bei den Heeresfliegern der deutschen Bundeswehr und beim Offshore-Service in den USA. Für das fliegermagazin ist er als freier Autor tätig.

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