Reisen

Zwischen Allgäu und Ammerland: Auf Deutschlandreise im Motorsegler

Was tun, wenn das Wetter die Pläne für die lange Urlaubstour ständig durchkreuzt? Keine allzu weit entfernten Ziele wählen, und die große Reise in mehrere kleine Reisen aufteilen – zum Beispiel durchs heimatliche Deutschland.

Von Redaktion
Dämmerlicht
Stimmungsvoll: Dämmerlicht, dramatische Wolken – bei ihrer Deutschlandtour treffen die bei- den Pilotinnen immer wieder auf anspruchvolle Wetterlagen, wie hier über der Wetterau in Hessen. Foto: Monika Tetzner

Unsere Autorin Monika Tetzner hat vor einigen Jahren diesen tollen Reisebericht für das fliegermagazin geschrieben. Wir haben ihn nun hervorgeholt, damit Sie diesen auch Online lesen können. Viel Spaß beim Lesen!

In den vergangenen Jahren waren Claudia Winkler und ich mit unserer Vereins-Dimona oft im Ausland unterwegs: in Südengland mit den Scilly-Islands, in den schönsten Regionen Frankreichs und Italiens, außerdem in Kroatien, Polen und Ungarn. Damit alles klappt, braucht es eine gute Vorbereitung – und selbst dann waren die Reisen nicht ganz ohne Tücken.

Als wir 2017 unsere Jahrestour planten, hatten wir es in Europa mit zumeist unbeständigem Wetter zu tun. Große Hitzeperioden wechselten sich mit heftigen Unwettern samt Starkregen, Hagel und schweren Gewittern ab. Also beschlossen Claudia und ich, in Deutschland zu bleiben und, um der Sache einen gewissen Reiz zu verleihen, die deutschen Grenzen abzufliegen.

Reise mit Motorsegler: Zuhause in Deutschland ist es am schönsten

Am 4. September starten wir vom Segelfluggelände Butzbach-Pfingstweide (Hessen) zur Dahlemer Binz. Traditionell fliegt Claudia die erste Strecke. Trotz morgendlichen Dunstes in den Niederungen ist es ein schöner Flug über das Rheintal und die Eifel, vorbei am Nürburgring. In einiger Entfernung erkennen wir das Radioteleskop Effelsberg in der Nähe von Bad Münstereifel, jahrzehntelang das größte bewegliche Radioteleskop der Welt.

Landung auf der „24“, tanken (es gibt Mogas), Bezahlen der Landegebühr und ein Plausch mit dem Flugleiter, der uns freundlicherweise hilft, die Dimona von der nassen Wiese zu schieben, in die sie während des Parkens eingesunken war. Es ist relativ kühl in der Hohen Eifel – man merkt, dass der Sommer dem Herbst weicht.

Ein Blick auf die großen: Querung des Flughafen Hahn

Weiterflug nach Saarlouis-Düren, diesmal sitze ich links. Um ein bisschen Spaß zu haben, wollen wir den Flughafen Hahn von November nach Sierra queren. Der Tower erteilt uns die Freigabe. Auf dem Vorfeld stehen einige Airliner, aber richtig viel ist nicht los. Trotzdem ist es immer wieder schön, einen Airport zu queren – und wir werden das auf unserer Tour noch öfter tun.

Weiterflug über Idar-Oberstein-Göttschied, danach nach Westen, um die ED-R 116 von Baumholder zu meiden. Über den Schwarzwälder Hochwald, vorbei an den riesigen Industrieanlagen der Dillinger Hütte, einem mächtigen Hüttenwerk-Komplex an der Prims. Angekommen in Saarlouis-
Düren, gönnen wir uns einen kleinen Imbiss und eine kühle Schorle auf der Terrasse der Flugplatz-Gaststätte. Hier scheint die Sonne, und es ist angenehm warm. Unser Tagesziel ist Schweighofen, und wir klären, ob es mit der Landung klappt: An Wochentagen ist EDKO nicht besetzt, es gilt PPR. Doch wir dürfen kommen. Die Route führt uns durch die TMZ von Saarbrücken, wir squaw-ken 0425 und sind hörbereit auf 129,675 Megahertz. Danach kontaktieren wir Langen Information, fliegen vorbei an Pirmasens und Zweibrücken über den Pfälzerwald nach Schweighofen und landen auf der gepflegten Graspiste 26.

Über die Grenze hinweg: Wir besuchen Wissembourg

Hier herrscht freundliches Spätsommerwetter. Wir haben Glück: Obwohl es am Platz laut AIP keinen Sprit gibt, bekommen wir Mogas und dürfen unseren Motorsegler sogar hangarieren. Wir verabreden uns mit dem Flugleiter für den nächsten Morgen. Er fährt uns freundlicherweise zur nahegelegenen Bahn-Haltestelle, von wo wir nach nur achtminütiger Fahrt in Wissembourg, einer Kleinstadt im Grand Est, ankommen.

WissembourgWissembourgFoto: Monika Tetzner
Malerisch: Der Flieger parkt in Deutschland, die Pilotinnen zieht es nach Frankreich: nach Wissembourg an der Lauter.

Während unsere Dimona behütet in Deutschland steht, sind wir nun in Frankreich! Wir finden ein Zimmer im gepflegten Hotel Weiss – direkt gegenüber vom Bahnhof, aber trotzdem wunderbar ruhig. Die Besitzerin ist sehr freundlich und interessiert sich für unsere Fliegerei. Sie empfiehlt uns einige gute Restaurants im Ort, doch leider sind die meisten am Montag geschlossen. Wir wandern am Ufer der Lauter in die wunderschöne Altstadt; sehenswert sind die Abteikirche und das Salzhaus. Glücklicherweise hat das Restaurant „Du Cygne“ geöffnet, und wir lassen uns mit Elsässer Spezialitäten und einem guten Glas Wein verwöhnen.

Ausweichen: In Baden-Baden fliegen wir über französisches Gebiet

Am Morgen fährt uns Claudine, die Besitzerin des Hotels, zum Flugplatz, wo bereits der Flugleiter die Halle aufgeschlossen hat. Wir checken die Dimona und machen noch einige Abschiedsfotos. In der Luft nehmen wir zu Langen Information Kontakt auf und übermitteln unseren Wunsch, entlang des Rheins nach Süden zu fliegen. Man verweist uns an Strasbourg Approach, wo ein freundlicher Lotse unsere Route akzeptiert. Unterwegs müssen wir Baden-Baden Tower rufen. Der dortige Lotse hat gerade einen Abflug; deshalb müssen wir auf die westliche Rheinseite über französisches Gebiet ausweichen.

StrasbourgStrasbourgFoto: Monika Tetzner
Ausweg: Porte du Rhin bei Strasbourg. Falls sich an der Schwarzwaldkante die Wolken stauen, ist über dem Rhein der Weg nach Süden und Norden oft noch frei.

Der Lotse scheint etwas angestrengt: Nach dem Start der Passagiermaschine ruft er die D-KOHM. Claudia fragt, ob er die D-KOMH meint, also uns. Nein, meint er nicht – so sagt er wenigstens etwas ungehalten. Deshalb reagieren wir nicht weiter auf seine Anrufe der D-KOHM, die allerdings nicht antwortet. Wie soll sie auch, denn es gibt sie offensichtlich nicht.

Platzrunde FreiburgPlatzrunde FreiburgFoto: Monika Tetzner
Sonnig: In der Platzrunde im Anflug auf Freiburg – mit schönem Blick über die Altstadt, das Münster und den Schwarzwald.

Wir genießen fantastische Ausblicke auf Strasbourg und Kehl, passieren Lahr, dann überfliegen wir den Kaiserstuhl und gehen in den Anflug entlang der Dreisam, vorbei am Freiburger Münster auf die „34“ der Stadt im Breisgau. Was für eine Hitze! Die Sonne gibt ihr Bestes. Ein sehr netter Flugleiter erkundigt sich, was wir fliegerisch so alles unternehmen, und verspricht, mal nach Butzbach zu kommen. Lunch auf der Terrasse des Flugplatz-Restaurants „Mistral“ – dann starten wir zum Weiterflug nach Kempten.

Luftschiff über Lindau: dem Giganten darf man sich nur bis auf 500 Fuß nähern

Über dem Schwarzwald nehmen die Wolken zu, Kontakt mit Zürich Information. Wir passieren den Titisee, sehen den Schluchsee in einiger Entfernung, nächster Meldepunkt ist Radolfzell. Bald ist der Bodensee auszumachen. Friedrichshafen genehmigt ein Midfield Crossing von November nach Sierra, dann sind schon bald Lindau und der Rheinzufluss am Südufer erkennbar. Über Lindau sehen wir ein Luftschiff: Das NOTAM hatte darüber informiert, dass Luftschiffe unterwegs seien, denen man sich nur bis auf 500 Fuß nähern dürfe.

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Mit dem Motorsegler nach Griechenland: Inselhopping bis Santorini

Aus dem Dunst taucht, gewaltig und majestätisch,  die Kette der Alpen auf. Das Wetter ist so gut, dass heute mit Sicherheit eine Alpenüberquerung möglich wäre. Unter uns liegt das Allgäu, dann erreichen wir Kempten-Durach. Auf Deutschlands höchstgelegenem Verkehrslandeplatz (2340 Fuß) gibt es gekreuzte Graspisten, wir landen auf der „17“. Als Copilotin genieße ich die Aussicht auf den 20 Kilometer entfernten Grünten.

Kempten-Durau: Zu Besuch auf der höchsten Graspiste der Welt

Auch hier bekommt man Mogas – und Pflaumenkuchen mit Sahne. Leider soll sich das Wetter am nächsten Tag verschlechtern, und so geben wir den Plan auf, in Vilshofen zu übernachten, und planen die Weiterreise über Hassfurt-Schweinfurt zurück nach Butzbach.

MünchenMünchenFoto: Monika Tetzner
Geht doch! Überflug des Münchner Airports. Der Luftraum um die Stadt ist anspruchsvoll, und EDDM ist der zweitgrößte Flug- hafen der Republik mit sehr hohem Verkehrsaufkommen.

München Information klingt skeptisch, als wir unsere Bitte äußern, den Airport im Erdinger Moos überqueren zu dürfen. Nach Überflug des Ammersees und des Starnberger Sees teilt uns die freundliche Lotsin aber mit, dass EDDM uns akzeptiert. Inzwischen liegt uns die Stadt zu Füßen. Wir nehmen Kontakt mit dem Tower auf und dürfen in die Kontrollzone einfliegen. Es herrscht viel Verkehr, bereits vor Erreichen des Pflichtmeldepunkts Hotel 1 kommen uns die nach dem Start nach Südosten abdrehenden Airliner entgegen. Die Dinger nähern sich verdammt schnell und kommen uns reichlich nahe: Da kramt man das Wissen über Wirbelschleppen aus verborgenen Bereichen des Gehirns hervor. Alles geht gut.  Seit einem Midfield Crossing mit Anflug auf die „25L“ von Frankfurt Rhein-Main vor vielen Jahren mit einem Rotax-Falken habe ich keinen so imposanten Überflug mehr erlebt. Auch Ingolstadt und Nürnberg lassen uns queren.

Gefährliche Wirbelschleppen: Bloß darüber bleiben!

In Hassfurt landen wir auf der „11“, stellen nur kurz ab, bezahlen die Landegebühr und lassen den Flugleiter sich mit einer Zeichnung in unseren Flugbüchern verewigen – von vorherigen Besuchen wusste ich von seiner Passion. Jetzt habe ich schon zwei seiner Werke in meinem Flugbuch

ButzbachButzbachFoto: Monika Tetzner
Gleich da: Im Anflug auf die „11“ von Hassfurt, dem letzten Stopp vor dem Heimatplatz in Butzbach.

Kurz vorm Start hören und sehen wir mehrere große Kranich-Formationen – ein sicheres Zeichen dafür, dass der Sommer vorüber ist. Dann geht es zurück nach Hause. Die ED-R 135 Lager Hammelburg bleibt links liegen. Nördlich unserer Route sind Bad Kissingen und – viel weiter weg – die Wasserkuppe. Büdingen, Reichelsheim, Bad Nauheim. Dann ist Butzbach vor uns – Heimat!

Goldener Oktober: Nach langer Wartezeit gehts wieder in die Luft

Wochen später … Das Wetter war unbeständig, kalt, regnerisch, stürmisch. Manchmal fühlten sich September und Oktober wie November an. Keine Witterung, bei der man größere Flüge planen könnte. Doch jetzt kommt der goldene Oktober! Also, Dimona reservieren und wenigstens einen schönen Flug planen, bevor das Wetter wieder schlechter wird.

In Butzbach herrscht dichter Nebel, aber am höher gelegenen Flugplatz Pfingstweide strahlt die Sonne. GAFOR zeigt Grün und Blau – nichts wie weg. Claudia und ich starten in Richtung Grefrath-Niershorst. In den Tälern des Weiltals und des Westerwalds halten sich dichte Nebelschwaden, aber die Flugsicht ist gut. Wir melden uns bei FIS, der Lotse unterstellt, dass wir entlang des Rheins fliegen möchten. Möchten wir nicht. Wir haben vor, via Ailertchen und Bonn-Hangelar zu fliegen. Von dort wollen wir die Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf in gewohnter Weise queren.

Mitten durch Köln und zurück: Wir passieren Düsseldorf und Köln Flughafen

FIS erkundigt sich für uns in Köln und lässt uns wissen, dass Köln Turm über unsere Absicht informiert sei. Kurz vor Erreichen von Sierra von EDDK melden wir uns beim Tower, der uns in die Kontrollzone einfliegen lässt. Es ist einiges los in EDDK. Auch in Düsseldorf klappt es: Wir fliegen über Leverkusen, lassen die BayArena links liegen, dann nähern wir uns der Nordrhein-Westfälischen Landeshauptstadt. Unter uns sehen wir den Rheinturm und daneben den Landtag von NRW, die Königsallee mit ihrem beeindruckenden Baumbestand, das Schauspielhaus. Wir queren auf Höhe der Schwelle „23L“ und fliegen „direct November“ aus der Kontrollzone aus.

Inzwischen ist die Sicht schlechter geworden, wir müssen auf 1500 Fuß sinken. Bis Grefrath sind es nur noch zwölf Flugminuten, doch wir bleiben weiterhin mit FIS in Kontakt. In Grefrath ist die Sicht wieder gut, wir reihen uns in den Gegenanflug zur „25“ ein und landen wohlbehalten auf der gepflegten 675 Meter langen Graspiste. Der freundliche Flugleiter freut sich über die Damencrew: Es sei selten, dass zwei Frauen zusammen fliegen. Das haben wir schon oft gehört.

Am Rhein entlang: Über Dormagen und Koblenz geht es zurück

Es ist so mild, dass wir auf der Terrasse des Flugplatzrestaurants sitzen können. Sehr empfehlenswert: der üppige Pfannkuchen mit Zwiebeln, Speck und Salat. Die Portion ist reichlich, Reste werden bereitwillig eingepackt. Auf dem Rückflug nach Butzbach wollen wir nun doch entlang des Rheins fliegen. Wir umsteuern die Kontrollzone von Düsseldorf, südlich von Mönchengladbach kommen wir am riesigen Tagebau von Garzweiler vorbei. In der Nähe entdecken wir die gewaltigen Dampfwolken, die die Kühltürme der Kraftwerke Frimmersdorf, Neurath und Niederaußem ausstoßen, die schemenhaft auszumachen sind.

Kölner DomKölner DomFoto: Monika Tetzner
Aufragend: Den Kölner Dom erkennt man auch im dichtesten Dunst.

Wir fragen bei FIS an, ob wir von Dormagen bis Koblenz entlang des Rheins fliegen dürfen. Es dauert eine Weile, bis die Genehmigung kommt, erneut die Kontrollzone von Köln/Bonn erneut queren zu dürfen. Vor Erreichen von Dormagen sollen wir wegen der Abflüge in EDDK direkt den Kölner Fernsehturm ansteuern. Das machen wir doch gern! Nur sehen können wir den zirka 15 Kilometer entfernten Turm nicht – dazu ist es zu diesig. Was folgt, ist ein grandioser Flug über Köln: die Altstadt, Fernsehturm, Dom, Hauptbahnhof, Rheinbrücken, der spektakuläre Rheinau-
hafen mit seinen Kranhäusern.

Grenzflug: den Rest verschieben wir auf 2018

Dann Bonn: Oberhalb von Königswinter thront das Grandhotel Petersberg, dann kommt die Burg Drachenfels. Remagen, Neuwied, das Kernkraftwerk in Mülheim-Kärlich, das nur 30 Monate am Netz war und dann schon außer Betrieb ging. Am Deutschen Eck, der Mündung der Mosel in den Rhein, drehen wir ab nach Osten und fliegen über Limburg, Weilburg, Weilmünster nach Hause nach Butzbach.

KönigswinterKönigswinterFoto: Monika Tetzner
Markant: Basaltbruch Hühnerberg im Siebengebirge, östlich von Königswinter.

Wir sind beide glücklich über einen wunderschönen und erlebnisreichen Flugtag. Allerdings: Den Rest unseres „Grenzflugs“ verschieben wir auf 2018.

Gutes Wetter: Zu Besuch bei Lebensgefährte Bernd

Das folgende Jahr meint es wettertechnisch fast schon zu gut: Mitte Juli flattern wir wieder mit der Dimona los. Die Route führt vorbei an der Sackpfeife und dem jetzt schneefreien Skigebiet in Willingen Richtung Brilon. Paderborn-Lippstadt lässt uns kreuzen, danach gilt es, die ED-R nördlich von Paderborn zu umfliegen. Wir überqueren den Teutoburger Wald bei Oerlinghausen, bauen Höhe ab und landen nach einem entspannten Flug in Porta Westfalica, wo uns bereits mein Lebensgefährte Bernd erwartet, der mit dem Fahrrad von Bad Oexen angereist ist.

RekordsommerRekordsommerFoto: Monika Tetzner
Rekordsommer: So wie am Airport Kassel-Calden sieht es 2018 an vielen Orten in Deutschland aus: wenig Grün, verdorrte Felder und Wiesen.

Wir essen im Flugplatzrestaurant, trinken eine Apfelsaft-Schorle und rüsten uns schon bald danach zur Rückreise. Nach einer Ehrenrunde über Bad Oexen, wo Bernd eine Reha absolviert, geht es in Richtung Kassel. Wollen doch mal sehen, ob in EDVK etwas los ist.

Hohe Temperaturen: Der Rasen ist komplett verbrannt

Still ruht der Airport; wir sind der einzige Verkehr. Die CTR von Fritzlar überfliegen wir ebenfalls, dann geht es vorbei an Amöneburg und Gießen-Wieseck wieder zurück nach Butzbach.

Hohe Temperaturen sind im Sommer 2018 keine Seltenheit. Anfang August wollen wir in den Norden, an den Jadebusen. Das Thermometer misst bis zu 37 Grad im Schatten: In der Luft ist es auszuhalten, doch alles, was sich am Boden abspielt, ist quälend. Also starten wir früh. Paderborn überfliegen wir diesmal an der Schwelle der „06“, nächster Waypoint ist das VOR OSN. Nach dem Wiehengebirge kommt nur noch plattes Land. Im Ammerland nordwestlich von Oldenburg erkennen wir den Grasplatz Wiefelstede-Conneforde: Der Rasen ist komplett verbrannt; mähen muss hier in diesem Sommer niemand mehr. Hier fliegt ein ehemaliger Butzbacher Fliegerkamerad, und noch aus der Luft sende ich ihm per WhatsApp ein Foto seines Platzes. Das Ammerland mit seiner sagenhaften Rhododendronblüte im Mai/Juni ist auf jeden Fall eine Reise wert.

Noch viel zu Erkunden: Claudia und Monika planen schon ihre nächsten Touren

Jetzt kann man schon den Jadebusen sehen. Wir landen in Wilhelmshaven auf der „02“, stellen den Flieger ab und verziehen uns schnell ins Flugplatzgebäude, denn das Vorfeld flirrt vor Hitze. Unser Vorhaben, uns Wilhelmshaven anzusehen, verschieben wir auf eine andere Gelegenheit und ziehen es vor, in einem nahegelegenen Restaurant unter schattigen Eichen eisgekühlte Apfelsaftschorle zu trinken und lecker zu essen.

Wilhelmshaven hat kein Mogas, also hüpfen wir kurz nach Leer-Papenburg, um dort zu tanken. Außer einer Vielzahl von Windrädern gibt es unterwegs nicht viel zu sehen. In Leer-Papenburg kennt man uns: Wir haben oft auf dem Weg nach Norden, etwa auf eine der Ostfriesischen Inseln oder Helgoland, dort einen Tankstopp gemacht. Wer tankt, zahlt keine Landegebühr, und man ist sehr freundlich. Im Restaurant, das eine schattige Terrasse hat, bekommt man einen guten Kaffee, Kuchen oder auch etwas Handfesteres.

Deutsches EckDeutsches EckFoto: Monika Tetzner
Wendepunkt: das Deutsche Eck, der Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Abdrehen nach links, dann führt der Heimweg zurück nach Butzbach.

Südlich von Papenburg sind zahlreiche ED-Rs, also fliegen wir weiter östlich, dann westlich an Bielefeld, Gütersloh und der CTR von Paderborn-Lippstadt vorbei. Dann kommt der Möhnesee im nördlichen Sauerland, das Rothaargebirge, das Gladenbacher Bergland. Erschöpft, aber fröhlich und glücklich über einen schönen Flugtag landen wir wieder in Butzbach. Es ist noch immer viel Deutschland für uns übrig. Vielleicht erkunden wir 2019 den Norden und Osten!

Text & Fotos: Monika Tetzner, erstmals erschienen in fliegermagazin 03/2019

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