Reisen

Griechenland mit dem Flugzeug entdecken: Tipps von Piloten

Fliegerisch ist Griechenland aus vielen Gründen eine Herausforderung – doch wer sie mit guter Planung und viel Flexibilität annimmt, kommt mit
tollen Eindrücken zurück. Wie eine Fliegergruppe aus Nordrhein-Westfalen.

Von Redaktion
Palmenstrand
Palmen in Europa: Am Strand von Vai ganz im Osten Kretas wächst der größte natürliche Palmenhain Europas – und der Strand ist ein Postkartenidyll. Bild: Andrea Lukner

Der schmale helle Streifen am Horizont steht im Zentrum unserer Aufmerksamkeit. Wir fliegen nach VFR zwischen zwei Wolkenschichten über der Ägäis. Da vorne darf es jetzt nicht zugehen, sonst wird das nichts mit dem Weiterflug! Auf Chios, unserer letzten Insel in Griechenland, haben wir die Ausreise erledigt; jetzt wollen wir – schon auf dem Heimweg – nach Sofia in Bulgarien.

Geplant war die Route ohnehin ganz anders – aber der Reihe nach: „Seid Ihr dabei?“, fragte uns Peter, ein befreundeter Pilot, nachdem er uns seinen Griechenland-Plan vorgestellt hatte. Peter ist Halbgrieche, was schon mal die Sprachbarriere beseitigt. Was für ein Fliegerjahr für meinen Mann, mich und unsere Piper PA-28-235B: Im Juni waren wir bis zu den Kanaren gekommen, nun im September auch noch Griechenland.

Fliegen in Griechenland: Nicht ganz einfach

Erster Treffpunkt der Gruppe ist Portorož in Slowenien; wir müssen also über die Alpen. Das Wetter spielt mit: Von Essen-Mülheim (EDLE) kommen wir über den Brenner problemlos in 4:15 Stunden zum Ziel. Dabei helfen die 235 PS unseres Reisefliegers, der bei voller Beladung immer noch mit 1000 Fuß pro Minute steigt.

AplenquerungAplenquerung
Kein Problem: Ein paar Wolkenfetzen hängen bei der Alpenquerung über den Brenner an den Gipfeln.

Das Taxi bringt uns ins Hotel Piran im gleichnamigen Ort. Hier warten wir auf Peter mit seiner Frau Petra und Tommy in einer Cessna 182 sowie Herrmann und Christopher, die mit einer PA-28 anreisen.

Problemlos: In 4:15 Stunden über die Alpen

Am nächsten Tag bietet sich entlang der Küste Kroatiens ein fantastischer Blick auf die Inselwelt in türkisem Meer.  Mitten in der Altstadt von Dubrovnik kommen wir in kleinen, privaten Appartments unter. Leichtes Gepäck empfiehlt sich: Autoverkehr ist verboten, die Taxis setzen uns am Stadttor ab.

KroatienKroatien
Beeindruckend: In Kroatien führt die Route entlang der Küste über unzählige Inseln, die aus der Luft besonders schön anzusehen sind.

Am nächsten Morgen stehen mein Mann und ich etwas früher auf. Wir suchen uns ein nettes Café, wo wir frühstücken und den Flug nach Ioannina (LGIO) in Griechenland planen. Das liegt mitten in den Bergen an der albanischen Grenze, eigentlich wäre Korfu als Insel die bessere, weil meist wettersichere Wahl. Aber die Landung dort ist schwierig und extrem teuer – wie an praktisch allen touristisch bekannten Orten Griechenlands. 

Starke Termik: Ioannina liegt in einem Tal zwischen hohen Bergen

Schon über den albanischen Bergen merken wir die Thermik. Uns schüttelt es ordentlich durch. Im Endanflug wird es noch schlimmer, was am Wind und der wirklich schönen Umgebung liegt: Ioannina liegt am Pamvotida-See in einem Tal zwischen hohen Bergen.

IoanninaIoannina
Anflug auf Ioannina: Der Flugplatz gleich hinter der albanischen Grenze ist ideal als Air- port of Entry geeignet – und der Ort auch noch sehenswert.

In Ioannina schauen wir uns die Altstadt an, deren Gebäude aus osmanischer Herrschaftszeit stammen, und müssen natürlich erstmal die landestypische Pita probieren. Hier bewähren sich Peters Dolmetscherkünste, da die Einheimischen oft kein Englisch sprechen. Dies ist keiner der touristischen Hotspots. 

In unserer Reisegruppe hat mittlerweile eine Maschine gewechselt: Herrmann und Christopher sind in Dubrovnik umgekehrt, nun sind Bärbel, Dietmar und Karl-Heinz in einer Piper Turbo-Arrow dabei. In dieser Dreier-Combo starten wir nach Kreta.

Reiseziel Kreta: Der direkte Weg führt über Peloponnes

Der direkte Weg führt über die Halbinsel Peloponnes mit dem 8500 Fuß hohen Agrafa-Gebirge. Wir spüren deutlich den Meltemi: Dieser Wind herrscht im Sommer über der Ägäis vor und weht aus nördlichen Richtungen.

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Zwar wollen wir ganz in den Osten Kretas, nach Sitia. Doch wir haben den Flugplan mit einer Route entlang der Küste aufgegeben, um im Gleitbereich von Land zu bleiben. Daraus wird nichts: FIS will uns partout über das offene Meer direkt nach Sitia lotsen, damit wir von den Flughäfen Chania und Iraklion fern bleiben. Über dem Wasser gesellt sich zur lockeren Bewölkung dann immer mehr Dunst, je weiter wir nach Süden kommen. Bald ist der Horizont kaum zu erkennen. Wir steigen, es wird klarer, und das mulmige Gefühl verschwindet.

Seitenwind in Sitia: Ausweichflughafen ist Iraklion

„Der Meltemi meint es nicht gut mit uns: „Wind 300 degrees, 20 knots, gusting 24 to 34“, meldet FIS für Sitia. Das ist für die Pistenausrichtung 23 ja mal eine Ansage, deutlich mehr als am Morgen prognostiziert!

Ich nehme mir trotzdem vor, es wenigstens einmal zu versuchen. Wenn ich den Landeanflug abbreche, werden wir nach Iraklion ausweichen, so Plan B. Der Airport dort hat gekreuzte  Bahnen; eine „30“ ist dabei. Über Funk hören wir, dass Team Dietmar sich gleich für Iraklion entscheidet. Peter möchte es wie wir erst einmal versuchen. Im Endanflug rappelt es ordentlich, der Vorhaltewinkel ist beachtlich. Doch wir setzen sogar recht sanft auf und haben es geschafft. Von der Tankstelle aus beobachten wir zwei Versuche von Peter – sein Hochdecker hat es mit den Böen schwerer. Nach dem zweiten Versuch startet er vernünftigerweise Richtung Iraklion durch.

Sightseeing auf Kreta: Mit zehn Personen die Umgebung unsicher machen

Agios Nikolaos ist der kretische Ort, an dem wir uns wieder treffen, eine beschauliche Kleinstadt auf mehreren Hügeln. Die Küstenlinie ist lang und vielfach geschwungen, ein kleiner Binnensee mit Verbindung zum Meer dient als Hafen für Fischerboote.

KretaKreta
Spaß auf Kreta: Die Gruppe genießt das vielfältige Angebot an Strandbars und Restaurants.

Dort hatten wir am Abend vorher schon unsere Quartiere reserviert. Nun stoßen per Airline auch Eckhard (Privatpilot im Ruhestand) und Gerlinde zu uns, die mit uns drei Tage auf Kreta verbringen wollen. Mit zehn Personen und zwei Mietwagen machen wir in den nächsten zwei Tagen die Umgebung unsicher.

Inseltrip: Wir erkunden die Sehenswürdigkeiten von Kreta

Wir besuchen die Höhle von Psychro, wo der Legende nach Zeus geboren wurde – nur zu Fuß oder mit Eseln zu erreichen. Auch den einzigen Palmenstrand auf Kreta sehen wir uns an. In Vai bildet die kretische Dattelpalme den größten natürlichen Palmenhain Europas.

Um die Mittagszeit des nächsten Tags wollen wir weiter auf die Kykladeninsel Paros. Wie schon bei Korfu gilt: Die Flughäfen der bekannten Touristeninseln Santorini oder Mykonos sind praktisch unerreichbar. Aber wenigstens drüberfliegen wollen wir: Ich plane an Kassos und Karpathos vorbei durch die Kontrollzone von Santorini. In 2000 Fuß lassen uns die Lotsen über die Caldera fliegen – atemberaubend!

Unerreichbar: Vorbei an Santorini und Mykonos nach Paros

Wir genießen die Inselwelt Griechenlands aus der Luft. Es ist ein ruhiger Flug, die Sichten sind diesmal recht gut, und auch der Meltemi hat eine Pause eingelegt. Hier ist man stets in Kontakt mit Fluglotsen – was über Wasser durchaus beruhigend ist. 

Nördlich von Santorini liegt schließlich Paros mit der Schwesterinsel Antiparos. Auch hier gibt es keinen Massentourismus und keine großen Hotelkomplexe. In der Inselhauptstadt Parikia finden wir kleine, aber schicke Apartments. Abends sitzen wir am Hafen und genießen den Sonnenuntergang bei einem Aperitif.

Schwesterinsel: Antiparos ist ein Besuch mit der Fähre wert

Wer Paros besucht, sollte sich Antiparos nicht entgehen lassen. Die vorgelagerte Insel ist mit einer Autofähre innerhalb von zehn Minuten erreichbar. Hier findet man fast menschenleere Strandabschnitte und stellenweise auch Korallenbewuchs bis ans Ufer, wenn man sich fürs Schnorcheln interessiert.

Abschied von ParosAbschied von Paros
Abschied von Paros: Viele der Kykladeninseln haben einen Flugplatz (oben links). Für kleine Maschinen sind die unbekannteren Inseln interessant.

Leider vergehen die zwei eingeplanten Tage auf dieser Insel viel zu schnell, und wir müssen uns auf den Heimweg machen. Peter hatte die Route über die Insel Syros geplant. Dort gibt es Avgas, auf Paros leider nicht. Also wollen wir etwas früher los, dort tanken und eine Zwangspause einlegen, da unser Zielflugplatz, Alexandroupolis, erst um 16 Uhr UTC wieder öffnet.

Überraschung: Die Öffnungszeiten der Plätze ändern sich sehr kurzfristig

Doch auf Syros stellen wir überrascht fest, dass der Airport heute ausnahmsweise schon um 11 Uhr UTC schließt und nicht den ganzen Tag geöffnet hat, wie in den NOTAMS zuvor zu lesen war. Ein typisch griechisches Problem: Die Öffnungszeiten der Plätze sind sehr eingeschränkt und ändern sich oft kurzfristig.

Teurer SpaßTeurer Spaß
Teurer Spaß: Auf der Insel Syros gibt es zwar Avgas – keine Selbstverständlichkeit an griechischen Plätzen. Aber der Liter kann schon mal 6,50 Euro kosten. Im Bild die Piper PA-28-235B der Autorin.

Nun wird es etwas hektisch. Wir brauchen einen Airport of Entry, der jetzt geöffnet ist – den verlangen die Griechen für Ein- und Ausreise trotz Schengen- und EU-Mitgliedschaft. Die Wahl fällt auf Chios (LGHI). Von dort soll es dann weiter nach Sofia in Bulgarien gehen.  Alexandroupolis entfällt.

Airport of Entry: Wir weichen auf Chios aus

Erst um 13.30 Uhr UTC kommen wir in Chios los. Die Prozedur hat zwei Stunden gedauert, weil der Scanner für die Reisepässe nicht funktionierte. Nun müssen wir uns beeilen, damit wir nicht in die Nacht fliegen.

Kurz nach dem Start sehen wir schon die Wolkenschicht, die sich mit einer Untergrenze von 8000 Fuß nach Süden bewegt. Laut Wetterbriefing sollte sie sich zum Abend auflösen. Ich möchte lieber darüber steigen, da ich nicht unter den Wolken stecken möchte, wenn wir später in Bulgarien Gebirge mit Gipfeln um 10 000 Fuß Höhe überfliegen müssen. Doch die Tops sind zu hoch, wir sinken wieder auf 8000 Fuß. Bald gesellen sich unter uns zuerst vereinzelt, dann immer dichter werdend Wolken zunächst in etwa 3000 Fuß dazu, bis schließlich kein Boden mehr zu sehen ist. Nun stecken wir also zwischen den Schichten – wie schon beschrieben.

Spannung zwischen den Wolken: Die Lotsen haben viel zu tun

FIS hat mit unseren drei Maschinen auf diesem Teil der Strecke viel zu tun. Immer wieder fragen die Lotsen nach unseren Positionen, da sie auf diesem Streckenabschnitt keine Radarabdeckung haben. Da wir alle drei kurz nacheinander gestartet sind und dieselbe Route haben, will der Lotse uns in verschiedenen Höhen wissen. Je näher wir dem hellen Streifen kommen, desto höher muss ich steigen, da sich auch die untere Wolkenschicht anhebt.

WolkenschichtenWolkenschichten
Schwierig: Zwischen dramatisch wirkenden Wolkenschichten bleibt nur ein heller Streifen.

Ich erbitte FL 110, höre aber, wie Team Dietmar im Funk den Sinkflug auf FL110 erbittet, Sie sind nach IFR unterwegs und stecken mit beginnender Vereisung in den Wolken. Der Controller mag das nicht, aber mit immer dringlicher werdenden Anfragen erkämpft sich schließlich jede Station die Freigabe.

Endlich passieren wir die Öffnung – wir haben blauen Himmel über uns! Langsam löst sich auch die unter uns liegende Wolkendecke auf und gibt den Blick frei auf Bulgariens Bergwelt. In Sofia landen wir in den Sonnenuntergang hinein.

Trotz 11-tägiger Reise: Ein Erlebnis für mindestens vier Wochen

Sofia (LBSF) bietet für uns kleine Flugzeuge perfekten Service. Blitzschnell sind die Maschinen getankt und wir auf dem Weg nach draußen – der Handling-Service ist jeden Cent wert. Wir suchen uns ein Hotel im Zentrum. Viele palastartige Gebäude älteren Baudatums werden nachts angestrahlt und sind sehr hübsch anzuschauen. Unsere Zeit hier ist leider viel zu kurz; wir nehmen uns fest vor, wiederzukommen.

Am nächsten Tag geht es weiter nach Graz. Wir müssen uns leider auf unserem Heimweg etwas beeilen, da im Norden in zwei Tagen ein Tief vorhergesagt ist. Beim Abschlussdinner sind sich alle einig: Gereist sind wir nur elf Tage, aber Erlebnisse hatten wir mindestens für vier Wochen.

Fliegen in Griechenland: Was muss ich beachten?

Die Flughäfen der touristischen Hotspots werden von Fraport betrieben. Die Gesellschaft gibt oft aus angeblichem Mangel an Stellplätzen keine PPR-Erlaubnis und verlangt hohe Gebühren. Diese Plätze sollte man meiden – Korfu oder Santorini zählen dazu. Auch an anderen Plätzen ist meist PPR erforderlich, ebenso besteht oft Handlingzwang. Die Öffnungszeiten werden per NOTAM veröffentlicht, sind häufig stark eingeschränkt und ändern sich manchmal kurzfristig.

Avgas ist nur an wenigen Plätzen verfügbar, was bei der Planung zum Teil langer Überwasserstrecken unbedingt beachtet werden muss. Die Zahlung per AirBP-Karte kann den Ablauf erheblich beschleunigen. Obwohl Griechenland Schengen-Unterzeichner und EU-Mitglied ist, verlangt das Land für kleine Flugzeuge die Ein- und Ausreise über Grenzflugplätze (Airport of Entry). Diese Regeln sind unbedingt zu befolgen.

Was kompliziert und abschreckend klingt, ist mit ein wenig Planung im Voraus aber gut zu bewältigen. Eine sehr gute, aber auch sehr umfangreiche Übersicht mit allen Dingen, die beim Fliegen in Griechenland zu beachten sind, hat die griechische AOPA auf Englisch unter www.aopa.gr/en/flying-in-greece zusammengestellt. Dort werden auch Tipps gegeben, wie man beim Handling Gebühren sparen kann.

Info & Tipps

  • Hotels: In Piran gefiel uns das gleichnamige Vier-
    Sterne-Hotel. Zahlreiche Privatunterkünfte mitten in der Altstadt von Dubrovnik kann man übers Internet finden. Das SAZ Life Hotel war unsere Unterkunft in Ioannina. Auf Kreta gibt es sowohl ein breites Angebot an Hotels als auch an Privatunterkünften. Der für die Allgemeine Luftfahrt zu empfehlende Platz Sitia liegt allerdings im touristisch weniger erschlossenen Osten der Insel. Die Kykladeninseln wie etwa Paros bieten viele private Unterkünfte, die meist für eine komplette Selbstversorgung ausgestattet sind. 
  • Sehenswert: Von Ioannina aus sind per Mietwagen in zwei Stunden die berühmten Bergklöster von Meteora erreichbar. Auf halbem Weg liegt das empfehlenswerte Grand Hotel Metsovo mitten in den Bergen. Die Altstadt von Ioannina ist sehenswert. Auf Kreta sind mit dem Mietwagen die Höhle des Zeus mit der Lassithi-Hochebene sowie der Palmenstrand von Vai zwei von vielen Sehenswürdigkeiten. Parikia auf Paros hat wunderschöne Altstadtgassen, gegenüber auf der Insel Antiparos locken einsame Strände. Weitere empfehlenswerte Inseln mit Flugplatz sind zum Beispiel Kythira, Syros, Karpathos und Naxos.

Text & Fotos: Andrea Lukner, erstmals erschienen in fliegermagazin 03/2020

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